Test: Roland GR 55 GK Gitarren-Synthesizer Pedal

27. April 2011

Überzeugender Gitarren-Synthesizer

Wenn man sich in der Szene mal so umhört, bekommt man auf die Frage, für wie wichtig man einen Gitarren-Synthesizer denn hält, oft die Antwort: „Unnötig, kompliziert und vor allem teuer“. Um mit diesen Vorurteilen Schluss zu machen, schickt Roland mit dem GR 55 Guitar/Bass-Synthesizer ein Gerät ins Rennen, um zu beweisen, dass man als Gitarrist eigentlich nie genug Werkzeuge zur Hand haben kann, um die musikalischen Ausdrucksfähigkeiten zu erweitern. Wenn das Ganze dann noch zu einem attraktiven Preis und mit nützlichen Features wie beispielsweise einem Looper und einem Audio-Player angeboten wird, schreit dies förmlich nach einem Test auf Amazona.de!

Die folgenden Seiten beschäftigen sich also mit dem brandneuen, seit der NAMM 2011 erhältlichen Gitarren/Bass-Synthesizer-System GR 55 von Roland, die ohnehin als Pioniere auf diesem Gebiet gelten und schon seit der Entstehung dieser Systeme immer wieder mit interessanten Neuerungen den Markt quasi im Alleingang beherrschen, zumindest was sinnvoll nutzbare und vor allem bezahlbare Systeme betrifft.

Lieferumfang/Aufbau

Der GK-3 Pickup

Im Lieferumfang des Roland GR 55 befindet sich der für den Betrieb mit einer Gitarre notwendige Tonabnehmer GK-3 samt Verbindungskabel zum GR 55 sowie Halterungen und Schrauben zur Montage der Steuereinheit am Body des Wunschinstrumentes. Das System funktioniert zwar auch mit Bässen, hierbei muss der notwendige Pickup (GK-3B) aber separat erworben werden, der mitgelieferte Pickup GK-3 kann diesen Job leider nicht übernehmen. Einen Job übernehmen muss allerdings erst mal der User des Systems, denn es gilt zunächst, den Pickup sachgerecht am Instrument zu montieren. Unterstützung gewährt dabei das beigelegte Faltblatt des deutschen Roland-Vertriebes, in dem alle Schritte hierfür leicht verständlich beschrieben werden. Bei Les Paul-Type-Instrumenten kann der Pickup mittels Halterungen an der Steg/Tailpiece-Konstruktion angebracht werden, bei Strat-Type-Gitarren besteht entweder die Möglichkeit, den Pickup mit dem mitgelieferten doppelseitigen Klebestreifen anzubringen oder mittels zweier Holzschrauben dauerhaft zwischen Brücke und dem hinteren Pickup zu fixieren. Für die Dauer des Tests wurde der Pickup aufgeklebt, was auch vollkommen ausreichend erschien.

Der mitgelieferte GK-3 Pickup samt Steuereinheit

Die Steuereinheit mit ihrem Volume-Regler und den Tastern zur Anwahl der Soundbänke innerhalb des GR 55 wird dann mit einer Halterung am Gurtendknopf der Gitarre angebracht. Ein kurzes Klinkenkabel, welches dem Pickup beiliegt, wird dann noch von der Steuereinheit mit der Outputbuchse der Gitarre verbunden, um so den Originalsound der Gitarren-Pickups ebenfalls über den GR 55 abzunehmen. Um zwischen dem Synth-Sound und dem Original-Sound der Gitarrenpickups zu wechseln, dient an der Steuereinheit ein MIX-Schalter. Die Stromversorgung für diese Steuereinheit erfolgt mittels des ausreichend langen Verbindungskabels zum GR 55, eine rote LED signalisiert beim Einstecken des Kabels in den Synth dessen Betriebsbereitschaft.

Der Roland GR-55 Synthesizer

Robuste Konstruktion mit bühnentauglichem Display

Oberseite

Der Synthesizer GR 55 besitzt die Maße (BxHxT) von 405x244x106 mm und kommt mit seinem Metallgehäuse auf ein Gewicht von 3,3 kg. Zentral angeordnet findet sich das große und grafikfähige Display, welches über sämtliche relevanten Betriebszustände wie das angewählte Patch oder den Wert jedes angewählten Parameters informiert. Das Gerät verfügt über 910 (!) PCM-Sounds, 23 Gitarren-Modeling-Varianten und 17 virtuelle Bass-Sounds, die entweder mit Hilfe der drei Fußtaster oder aber mit dem rechts neben dem Display angebrachten Datenrad angewählt werden. Dem vierten Taster mit der Bezeichnung CONTROL können diverse Funktionen wie beispielsweise einem Oktavwechsel für einen Synth-Sound oder das Decay einer Melodie-Linie zugeordnet werden. Eine ähnliche Funktion erfüllt auch das Realtime-Pedal auf der rechten Seite des Gehäuses, dem zum Beispiel ein Wah-Effekt, Variationen der Delayzeit oder aber ganz konventionell die Steuerung des Master-Volumes auferlegt werden können.

Drei Taster mit den Bezeichnungen LEAD, RHYTHM und OTHER unter dem Schriftzug SOUND STYLE bieten Zugriff auf die Grundsounds des GR 55. LEAD bietet die klassischen Gitarrensounds wie etwa Lead-Guitar (Solo-Sounds), RHYTHM sorgt für Backing-Sounds wie Akkorde und Arpeggien und OTHER bedient eher die „Gitarren-artfremden“ Klänge. Wie bei fast allen Roland/BOSS-Geräten gibt’s auch beim GR 55 die EZ-EDIT-Taste zum schnellen Ändern der wichtigsten Parameter eines Sounds, eigentlich schon fast patentreif.

Neben den üblichen Tastern zur Editierung der Sounds an der Bedieneinheit des Gerätes (EDIT, WRITE, EXIT, ENTER etc.) fällt noch ein Knopf mit der Bezeichnung AUDIO PLAYER auf. Der GR 55 besitzt nämlich an seiner linken Seite unter einer Abdeckklappe verborgen einen Slot zur Aufnahme eines USB-Sticks. Hiermit lassen sich Audiofiles abspielen und machen so das Gerät zu einer Art Music-Box, gesteuert über die Fußtaster.

Für die Gesamtlautstärke des GR 55 sorgt ein Poti mit der Bezeichnung OUTPUT LEVEL, das global auf alles ,was das Gerät an Sounds verlässt, sei es nun die selbstgespielte Performance oder die Playbacks aus dem USB-Container.

USB-Input

Eine mehr als nette Dreingabe stellt auch die Looper-Funktion dar, die durch gleichzeitiges Drücken der Taster 3 & CONTROL aktiviert wird. Wenn auch die Aufnahmekapazität mit nur zwanzig Sekunden eher bescheiden ausfällt, so lassen sich doch hier immerhin endlos viele Overdubs aufspielen. Für Freunde des gepflegten Loopens seien an dieser Stelle mal die Looper der RC-Reihe von BOSS erwähnt, die hier ungleich mehr bieten und kein zu großes Loch in die Musiker-Brieftasche reißen.

Stirnseite/Anschlüsse

Als erstes gibt es hier natürlich die Buchse zum Anschluss des GK-3-Pickups, der von hier auch seine nötige Stromversorgung erhält. Weiter geht’s mit einer GUITAR OUT-Buchse, welche sowohl das Signal des original Gitarren-Pickups wie auch den Sound der vom GR 55 modellierten Gitarrensounds ausgibt. Und diese sind nicht zu knapp, die Palette reicht hier vom JC-120 über Marshall– und Soldano-Modelle bis hin zu Varianten von Matchless– oder Mesa/Boogie-Amps. Und selbstverständlich können diese Amp-Modelle auch mit allen möglichen und unmöglichen Effekten garniert werden. Die Auswahl beginnt bei Reverb/Chorus-Effekten und reicht hin bis zu einer großen Auswahl an Delays, Flanger, der Roland/BOSS-eigenen Kreation Slicer, Hexa-Chorus, Ring-Modulator, Auto Pan, Rotary oder Super Filter, die allesamt noch genauestens im Detail editiert werden können. Weiterhin beinhaltet die Gitarren-Modeling-Sektion eine große Auswahl an virtuellen Boxen- und Mikrofontypen zum genauen Anpassen an den Geschmack bzw. die erwünschte Arbeitsumgebung des GR 55-Users. Doch nun zurück zu den Anschlussbuchsen der Rückseite.

Die Anschlüsse auf der Stirnseite

Zwei stereo Line Out-Buchsen sorgen für den Anschluss an einen Verstärker bzw. Mixer. Selbstredend, dass man versuchen sollte, das Gerät möglichst im Stereo-Betrieb zu nutzen, da ansonsten viele der beeindruckenden Sounds nur beschränkt zur Geltung kommen. Ein MIDI-Port gibt es hier auch noch zu finden, was den professionellen Anspruch des GR 55 unterstreicht. Die MIDI OUT-Buchse dient weiterhin zum Anschluss von Geräten, die das V-LINK-Protokoll unterstützen und somit die Bedienung des GR 55 im Verbund mit den kompatiblen Geräten noch flexibler gestalten lassen. Mittlerweile üblich ist ja eher ein USB-Anschluss, den es selbstverständlich auch hier gibt, auf der Roland Website ist zudem eine Software erhältlich, mit dem man die Sounds/Patches des Gerätes organisieren kann. Und auch einen Audiotreiber kann man dort runterladen, um mit dem GR 55 direkt und ohne AD/DA-Wandlung Sounds im Rechner aufzunehmen oder aber um Audiofiles vom Computer über den GR 55 hörbar zu machen.

Abschließend finden sich noch der Netzschalter, der Anschluss für das mitgelieferte Netzteil, ein Pin zur Zugentlastung des Netzkabels sowie eine Schraube zum Anbringen eines Erdungskabels, falls es wider Erwarten einmal brummen sollte.

Puh, ganz schön viel Informationen, aber ein derart komplexes Gerät bedarf nun mal einer genauen Beschreibung, um zu zeigen, was geht und was nicht. Doch nicht viel gehen ist beim GR 55 nicht angesagt, es herrscht viel mehr die Qual der Wahl und die einzige Grenze ist hier der User selbst. Dass aber der Kreativität keine Grenzen gesetzt sind, zeigt das nächste Kapitel, der Sound und die Praxis mit dem Roland GR 55.

Sound/Praxis mit dem Roland GR-55

Wenn man erst einmal die ca. halbstündige Prozedur mit dem montieren des Pickups und seines Einrichtens innerhalb des GR 55 überstanden hat, kann der Spaß beginnen. Die Sounds und die Inspirationen, die der GR 55 liefert, lassen sich nur schlecht in Worte fassen. Das leidige Thema Latenz und/oder das Verschwinden von gespielten Noten ist mittlerweile kein Thema mehr, dafür bietet das Gerät die typischen Roland-Sounds, die man auch von deren Synthesizern über Jahre gewohnt ist. Beste Qualität, fast schon zu edel und perfekt für Aufnahmen.

Performance und jede Menge Inspirationen – der Roland GR 55

Ein Durchsteppen der Presets zeigt eine breite Vielfalt sowohl an Solo-Instrumenten wie Flöten, Oboe, Geigen oder Cello, als auch wunderbar gelayerte Sounds mit Piano, Strings und akustischer Gitarre. Es geht aber auch härter, im Reservoir befinden sich nämlich auch jede Menge elektronischer Sounds aus dem tanzbaren Bereich wie Electro, House oder Techno, die allesamt sehr gut mit der Gitarre spielbar sind. In Verbindung mit dem integrierten Looper sowie der Möglichkeit, das Realtime-Pedal mit den unterschiedlichsten Parametern zu belegen, möchte ich behaupten, dass man (eine gewisse Vorbereitungszeit vorrausgesetzt) einen Konzertabend alleine ohne weitere Mitmusiker bestreiten könnte. Jedes Preset wirkt auf seine Art sehr inspirierend und gibt dem Musiker ein Werkzeug an die Hand, von dem wir vor Jahren nur träumen konnten!

Die Audioqualität ist hervorragend, es gibt kein Rauschen oder Brummen und alle Sounds wirken äußerst lebendig und dynamisch, selbst die modulierten Gitarrenklänge zählen zu dem Besten, was man zur Zeit in diesem Bereich erwarten kann. Und auch bei den Effekten gibt es nur Gutes zu berichten, sie machen genau das, was sie sollten in typischer Roland/BOSS-Qualität und was das heißt, wissen ja mittlerweile nicht nur die Profis.

Fazit

Eine Quelle der Inspiration, der neue Roland GR 55. Neben den fantastischen Flächen- und Synth-Sounds stechen besonders die erstaunlich gut gelungenen Amp-Simulationen hervor. Kein Wunder, zählt doch Roland/BOSS mit ihrer COSM-Klangerzeugung zum Besten, was man in der virtuellen Verstärker-Welt kaufen kann.

Die Performance ist bestens gelöst, das Wort Latenz (was ja bisher immer ein wunder Punkt bei Gitarren-Synthesizern war) spielt beim GR 55 so gut wie keine Rolle mehr, selbst schnellere Läufe und Licks verarbeitet das Gerät problemlos. Doch typische Gitarren-Licks kann man ja auch auf einer normalen Gitarre spielen, denn der GR 55 hat viel mehr drauf und bietet Leuten, die auf der Suche nach einer neuen Art des Ausdrucks sind, ein breites Feld zur Verwirklichung von deren Wünschen. Ohne jetzt zu sehr ins Esoterische abdriften zu wollen: ein Knaller!

Plus

  • Sounds
  • Performance
  • robuste Konstruktion
  • großes Display
  • Preis-Leistungs-Verhältnis

Preis

  • Straßenpreis: 599,- Euro
  • inkl. Netzteil, GK-3 Tonabnehmer und 5m GK-Kabel
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