Test: Roland JC-22, Gitarrenverstärker

Sound & Praxis mit dem Roland JC-22

War der größere Bruder JC-40 noch ein kleiner Rauschgenerator, so scheint Roland hier etwas getan zu haben, denn unser JC-22 erfreut die Ohren nach dem Einschalten mit einem erfreulich niedrigen Rauschpegel. Der bleibt ebenso konstant niedrig beim Hinzuregeln von Hall, dem Chorus und auch beim Schrauben am EQ, der sich allerdings nicht als sehr wirkungsvoll erweist. Überraschend ist allerdings der Grundsound, denn eigentlich würde man ja bei einem solch kleinen Gehäuse und 6,5″ Lautsprechern eher den Klang einer „Tischhupe“ erwarten. Der JC-22 zeigt aber hier genau das Gegenteil und posaunt ganz ordentlich in den Bässen und auch die mögliche Lautstärke und der Schalldruck sind verblüffend hoch für einen Verstärker dieser Größenordnung.

Das gilt in jedem Fall für die Cleansounds, die ja das Aushängeschild der JC-Baureihe von jeher sind und für die der JC-22 ebenfalls vornehmlich entwickelt wurde. Über einen eingebauten Zerrer verfügt der kleine Roland nicht, dennoch werden einige unter uns gerne mal einen Overdrive benutzen wollen. Davon ist eher abzuraten – und damit zu den Klangbeispielen.

Doch bevor wir zum Overdrivesound kommen, vorher noch die unverzerrten Sounds des JC-22, die er in guter alter Familientradition wirkungsvoll in Szene zu setzen weiß.

Klangbeispiel 1 zeigt den Amp absolut ohne Effekte, die Regler des EQs befinden sich in 12-Uhr-Mittenposition, der Brightschalter ist deaktiviert. Typischer kann ein Transistoramp kaum klingen, dementsprechend eingeschränkt präsentiert sich aber leider auch der Dynamikumfang.

In Klangbeispiel 2 nun das gleiche Setting mit ca. 70% hinzugemischtem Hallanteil.

Der Hall klingt jetzt nicht überragend, aber doch recht ordentlich für diese Preisklasse. Als einziger Effekt verpasst er dem Klang schon die gewünschte räumliche Note, zusammen mit dem Chorus aber kann das schnell zu viel des Guten werden und in einem undefinierbaren Brei enden. Dabei ist im folgenden Klangbeispiel 3 der Chorus ebenfalls nur zur Hälfte zugemischt.

Im Alleingang erreicht der Chorus des JC-22 aber genau den einen Sound, den man von einem Roland Jazz Chorus kennt und liebt. Die Klangbeispiele wurden zwar nur in Mono aufgenommen, aber dennoch lässt sich erahnen, welche Fülle die kleine Kiste in die Bude zaubern kann. Im folgenden Klangbeispiel also nun der Amp ohne Hall, dafür aber mit Chorus, dessen zwei Parameter DEPTH und SPEED ebenso in der 12-Uhr-Position geparkt wurden.

Zum Abschluss nun der Problemfall „Overdrivesound am Roland Jazz Chorus“. Aus einem anderen Test hatte ich noch ein Strymon Riverside Zerrpedal übrig – ein an sich hervorragender Verzerrer, der sich auch mit meinen Amps blendend versteht. Zusammen mit dem JC-22 kann allerdings keine Freude aufkommen und dann und wann tauchen beim Spielen mit verzerrtem Sound schon „kratzige“ Erinnerungen an die unschönen Rechteckwellen des Ur-JCs auf. Zudem ist die Dynamik recht flach und lässt die gespielten Töne für den Spieler sehr zäh wirken.

Ganz anders kann das natürlich aussehen, wenn eine Speaker-Simulation vorgeschaltet wird, denn Roland versteht den JC-22 u.a. ja als Frontend für das Pedalboard, wie bereits erwähnt.

— Nun zu Dritt unterwegs – die Roland Jazz Chorus Familie —

Fazit

Der Roland JC-22 rundet die Modellpalette der Jazz Chorus Baureihe sinnvoll nach unten ab. Auf unnötigen Ballast, wie etwa eine Distortion-Schaltung, wurde verzichtet, dafür aber besitzt der kleine Roland mit dem nach wie vor grandiosen Chorus-Sound und dem Hall zwei mehr als würdige Alternativen zur Klangbearbeitung. Pluspunkte gibt es weiterhin für die erfreulich geringen Nebengeräusche und für die überraschend hohe Lautstärke, die der Zwerg zusammen mit einem ordentlichen Druck aus seinem kleinen Gehäuse pfeffert. Nur mit dem Zerren will er nicht so richtig, nach wie vor nicht.

Plus

  • typischer Jazz Chorus Sound
  • breiter Choruseffekt
  • Lautstärke/Schalldruck
  • erfreulich geringes Grundrauschen

Minus

  • keine Fußschalter im Lieferumfang
  • Chorus und Hall neigen bei gleichzeitiger Nutzung zum Matschen

Preis

  • Ladenpreis: 449,- Euro
Klangbeispiele
Forum
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    lightman  AHU

    Ich hab mit Gitarren normalerweise nichts zu tun, aber angesichts des Designs des Bedienteils mit den Reglern hab ich kurz gestutzt – warum kriegt Roland den klassischen Look bei Amps hin, nicht aber bei ihren Synths? Ein System 8 mit dieser Gestaltung würde mir mehr zusagen, als das aktuelle Schwarz-Grün mit glänzenden Oberflächen, und das nicht nur ästhetisch, sondern auch aus praktischen Gründen.

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      AMAZONA Archiv

      Ich schätze mal, dass Roland eine ziemlich große Bude ist mit völlig getrennten Entwicklungsabteilungen für verschiedene Bereiche. Zumindest hoffe ich, dass es so ist und auch so bleibt, damit die Roland-Boutique-Entwicklung nicht auf Boss-Pedale und E-Drums abfärbt.

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        gaffer  AHU

        @andreas1303 – so weit ich weiss, eher das Gegenteil von ziemlich groß, zumindest verglichen mit dem grossen Namen. Was nicht ausschliesst, dass die linke Hand nicht weiss, was die rechte tut

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      AMAZONA Archiv

      Ich fürchte das hat einen Grund. Während Jazz typischerweise ein Traditionsgeschäfft ist, sind bei den Synthesizern die „Old Farts“ — also die Recken die schon die Racks von den Altvorderen auf die Bühne geschleppt haben — schlicht nicht die angestrebte Zielgruppe. Die dürften so um die 18 – 25 Jahre alt sein. Also zu einer Zeit als der Korg M1 schon auf dem absteigenden Ast war …

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        TobyB  RED

        Hallo Thomas,

        mein Neffe steht auf Jazz, Ich weiß nicht was die Familie falsch gemacht hat. Der studiert sogar Gitarre im Hauptfach. Er hat den JC-40 in seinem Setup. Für den ist das Design der Kiste „modern“ und „praktisch“ und für mich „retro“ Das AIRA Design schwarz/grün findet er nur an der TR8 und JP08 gut. MX1 verwirrt ihn mit dem blinken, JDXi ist nicht bühnentauglich und das System 1 tut in den Augen weh ohne Gegenlicht.

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        Chick Sangria  

        Als hätte sich der Jazz Chorus jemals an die verschwindend geringe Zielgruppe von Jazzern gerichtet. Lässt sich auch auf Fenders Jazz Bass und den Honda Jazz übertragen.

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    Zwo5eins  

    zum JC22:
    schönes Konzept dieser Amp, aber wenn er keine Zerre verträgt, dann kommt er als Pedalplattform gar nicht in Frage und vollkommen am Markt vorbei entwickelt.
    Ich meine Pedalplattform ist doch das Gitarristenthema dieser Tage

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      Stephan Güte  RED

      So rein mit ner Zerre davor klang es ziemlich unbrauchbar, das stimmt. Aber ich habe im Artikel ja geschrieben, dass es mit einem Speakeremulierten (Stereo-)Signal aus so nem Multimegateil ganz anders aussehen kann. Ich hatte nur leider keines da, sonst hätte ich das auch noch getestet.

      Grüße in die Runde :)

      Stephan

  3. Profilbild
    AMAZONA Archiv

    Finde das auch ein bisschen enttäuschend, dass er mit Zerre nicht klingt, weil ich eigentlich über einen Kauf nachgedacht hatte. Interessant wäre vielleicht noch, wie er mit einem Modeller wie dem Boss GT 1 oder 100 klingt. Er hat ja extra einen Stereoeingang.

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