Test: Roland Juno-G Sampling-Workstation

24. August 2006

Synthesizer-Einsteiger-Sampling-Workstation

Roland Juno-G

Test Roland Juno-G Synthesizer

Siliziumbusen

Rolands neuer Juno möchte – bis auf den Namen – mit seinen Vettern aus den 80er Jahren so gar nichts gemeinsam haben. Waren die alten Junos noch voll analoge Fregatten mit wenigen Stimmen, so trifft ein Blick ins Innere des neuen Juno-G auf Silizium in Form von mächtigen integrierten digitalen Schaltkreisen. Die Chips stammen aus der aktuellen Fantom-Reihe und bieten fulminante Eckdaten, wie 128 Stimmen, Ein-Sample-Sampler (s.u.), mehrspuriger digitaler Audiorecorder, fünf exzellent ausgestattete Effekteinheiten und 64 MB Sample-ROM, die durch ein SRX-Board aufgestockt werden können, sowie bis zu 512 MB Sample-RAM.

Die Anschlüsse des Roland Juno-G

Features

Der Juno-G stellt innerhalb der Roland-Produktpalette den Nachfolger des kleinen Fantom Xa dar, also eine kostengünstige und schlanke Variante der großen Fantom-Reihe. Die Hauptunterschiede sind: ein auf 64 MB halbiertes Sample-ROM, nur ein Steckplatz für SRX-Boards, eine günstigere Tastatur ohne Aftertouch, ein monochromes Display anstatt Farbdisplay und fehlende digitale Ausgänge. Die Effektsektion und die Klangerzeugung sind mit den teuren Geräten identisch, während die Grundsamples zusammen gestaucht und die A/D-D/A-Wandler günstiger ausgefallen sind. Auffällig ist das sehr geringe Gesamtgewicht von nur 5 kg !.

Klangerzeugung

Rolands 4-Strang-Synthese dürfte hinreichend bekannt sein, so dass ich diese hier nicht mehr beschreibe. Die Auswahl der 1024 Preset-Klänge ist auch im Juno-G absolut erstklassig. Unter Zuhilfenahme der Klangkategorisierung findet man wirklich jeden gesuchten Klang im Handumdrehen. Das Hauptfeld wird durch klassische, hervorragend gesampelte Naturinstrumente und synthetische Klänge abgedeckt und durch viele mittelmäßige genrespezifische Klänge (Dance, Elektronik, Hip-Hop ect.) erweitert. Hier zeigt sich auch wieder die Kunst, viele hochwertige Samples in für heutige Verhältnisse geringen 64 MB unterzubringen, anstatt hunderte von Gigabyte mit meist mittelmäßigen Samples zu belegen, wie es viele PlugIn-Hersteller tun. Zwar bedient sich Roland dabei einer Audio-Kompression, diese ist jedoch verlustfrei und kann durchschnittlich eine Datenreduktion von 50% erreichen. Pro Tone kann übrigens auch ein im RAM existierendes Sample geladen werden, leider jedoch keine Multisamples anderer Hersteller wie z.B. Akai.

Audio-Recorder und Midi-Sequencer des Roland Juno-G

Audio- und Midi-Sequenzer

Der interne 16-Spur-MIDI-Sequenzer wird über eine eigene Transport-Kontrolle gesteuert und bietet alles, was man sich wünscht. Mit einem speziellen Software-Sequenzer wie Cubase lässt es sich aber natürlich immer noch besser arbeiten.

Sehr innovativ ist hingegen die Erweiterung auf vier Audio-Spuren, die direkt ins RAM ausgenommen werden können. Der RAM-Speicher lässt sich mit einem kostengünstigen DIMM auf 512 MB erweitern, was für rund 50 Minuten Aufnahme reicht. Da das RAM flüchtig ist, kann man die Daten über den PC-Card-Slot des Juno-G speichern. Die Speichermedien sind selbstverständlich optional zu erwerben. Sämtliche Audiodaten können übrigens via USB-Port mit einem Computer ausgetauscht werden. In der Praxis kann man mit diesen Funktionen komplette, sehr gut klingende Demo-Produktionen anfertigen. Schade ist, dass der Juno-G, genauso wenig wie seine großen Kollegen, zusätzlich zu den Effekten keinen EQ Pro Multimode-Part anbietet.

Die Effekte des Roland Juno-G

Wie die Großen bietet der Juno-G drei Multieffekte mit zahlreichen sehr guten Algorithmen (z.B. Flanger, Phaser, Filter, Guitar-Amp Simulation, Equalizer ect.). Der zusätzliche Chorus-Prozessor kann auch als Delay genutzt werden. Die Reverb-Unit klingt absolut erstklassig und schöpft seine Algorithmen aus dem Roland SRV3000. Am Main-Out bietet der Juno-G einen dreibandigen Kompressor, der richtig eingestellt die Summe mastergerecht komprimiert und den nötigen Druck aktueller Produktionen erzeugt. Die Effekte können auch über den Audio-Eingang genutzt werden. Die Summe der Anzahl der Algorithmen und deren Qualität ist übrigens auch auf PlugIn-Basis bis dato unerreicht.

USB Port und Software-Editor

Der USB Anschluss darf heute in keinem aktuellen Gerät mehr fehlen. Mit ihm lassen sich sowohl Sound- und Audio-Daten als auch MIDI-Daten mit PC oder Mac austauschen. Echtzeit-MIDI und Dateien lassen sich aber nicht gleichzeitig, sondern nur alternativ zueinander übertragen.Mit dem Software Editor ist das Editieren eines Patches wirklich sehr angenehm, da alle Parameter auf einmal sichtbar sein können. Der Editor läuft im Gegensatz zum SH-201 nicht als VST-PlugIn.

D-Beam Controller und V-link

So richtig in Mode kommt er zwar nie, aber kaum ein Roland-Gerät besitzt ihn nicht. Mit dem D-Beam Controller kann durch Bewegung der Hand in der Luft eine Variation des Klangs erreicht werden. Die Bewegungen werden dabei in Controllerdaten umgesetzt und steuern so beispielsweise die Filter-Cutoff. V-Link ist ebenfalls ein Destillat der Roland R&D, jedoch zur Steuerung von Roland oder Edirol Video Geräten gedacht. Dabei werden Zeit- und Controller-Informationen über MIDI an Video-Player übertragen, um eine Video-Präsentation vom Juno-G aus zu steuern.

Der Sound des Roland Juno-G

Klanglich arbeitet der Juno-G auf höchstem Niveau, auch wenn er aufgrund des „nur“ 64 MB umfassenden ROM-Speichers gegenüber den großen Fantomen mit 128 MB nicht ganz so detailliert auflöst und manche Loops gekürzt wurden. Im Live-Betrieb merkt man das überhaupt nicht und auch im Studio werden diese „Einschränkungen“ nur wenige Leute wirklich stören. Wer weitere oder qualitativ höherwertige Samples sucht, kann per SRX-Board nachrüsten. Besonders hervorzuheben sind die wirklich exzellent klingenden verschiedenen digitalen Filter-Typen und die ebenfalls hervorragenden Effektsektionen.

Ab Version 2.0 auch mit Sampling

Mitbewerber zum Roland Juno-G

Wer auf eine andere Optik steht, könnte noch einen Fantom Xa aus Restbeständen ergattern, diese gehen für unter 1000 Euro über den Ladentisch. Die wirklichen Mitbewerber sind jedoch bei Korg und Yamaha zu suchen. Korgs Triton TR 61 ist preislich auf einem Level, bietet jedoch nur 61 Stimmen und keinen Audiorecorder an. Der rund 250 Euro teurere Yamaha MO 6 bietet ebenfalls nur 64 Stimmen und keinen Audiorecorder, kann aber mit einer besseren Tastatur aufwarten. Roland liegt zwar in punkto Ausgewogenheit der Klänge und Samples immer noch eine Nasenlänge vor Korg und Yamaha, jedoch schwindet dieser Vorsprung mit jeder neuen Geräte-Generation. Auch die Alesis Fusion 6 liegt nur knapp über 1000 Euro. Über die Qualität der Alesis Workstations können wir jedoch nichts sagen, da wir noch kein Testgerät bekommen haben.

Softwareversion 2.0 mit Sampling

Rolands JUNO-G Workstation wird mit der Veröffentlichung der Betriebssystem-Version 2 nochmals aufgewertet. Das Software-Upgrade beinhaltet Sampling und Sample Pad Triggering, so dass man seine Sound Library mit eigenen Sample-Kreationen erweitern kann. Über den Audio-Eingang lassen sich Audio-signale mit einem Mikrofon einfangen oder über CD/MP3 Player, etc. einspielen. Diese werden dann einem Taster zugeordnet, den man dann wie ein Pad zum Triggern benutzen kann.

Der Roland Juno-G on YouTube

Fazit

Der Juno-G bietet erstaunlich viel für einen günstigen Preis von unter 1000 Euro. Als vollwertige Workstation mit 128 Stimmen fehlen nur wenige Features zu den großen Fantom Workstations, die Sie dem Test entnehmen können. Erstklassiger Klang, eine tolle Effektsektion, gepaart mit vorbildlicher Bedienung und rudimentärem Audio-Sequenzer lassen den Juno-G in Verbindung mit einem Mikrofon zum Mini-Studio avancieren. Nur wenige Profis oder ambitionierte Hobbymusiker werden jedoch das ein oder andere Feature vermissen, das Roland wegen des günstigen Preises streichen musste.

Plus

  • Preis/Leistung
  • Große Auswahl an exzellenten Klängen
  • 128 Stimmen / 5-Effekt-Prozessoren
  • Audio-Sequenzer
  • Drehregler, gute Bedienung
  • Software-Editor+ großes Display
  • USB 1.1 Port+ Cakewalk Sonar LE
  • Sampling ab V2.0

Minus

  • kein Multisample-Import
  • nur ein SRX-Slot
  • kein EQ pro Part

Preis

  • 1.000,-€
Klangbeispiele
Forum
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    Bzgl. Vergleich Wettbewerber Roland Juno-G und Yamaha MO-6. Mit 175 MB ROM-Speicher schlägt der Yamaha den Roland Juno-G schon einmal quantitav. Aber auch die Qualität der MO-6 Souunds lässt absolut keine Wünsche offen. Die angesprochene "Nasenlänge" ziehe ich daher sehr in Zweifel. Vor allem aber die knappp 1.800 Arpeggio-Lines sind eine Wucht im Yamaha MO-6. Ich empfehle daher dringend einen direkten A/B Vergleich beim Händler.

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    Ich kann Peter Grandl nur zustimmen. der Yamaha MO6 ist insb. klanglich nicht nur quantitativ sondern insb. qualitativ extrem (!) überliegen. Wer hier die Nasenlänge vorn hat ist jedenfalls keine Geschmacksache mehr ;-)

    Lieber Tester, bitte einmal ein paar identische Midifiles in die unterschiedlichen Maschinchen leiten und hören , was die Geräte damit anfangen;-)

    …danach weiß man, warum der Juno-G keine Alternative zum Yamaha MO ist. Klanglich ist der Roland aber dem KORG überlegen, keine Frage.

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    Schön dass es auch andere Meinungen gibt ;-) Dafür sind die Kommentare ja auch da.
    Mit reinen MegaByte-Angaben kann man schon seit über 10 Jahren keine Aussage zur Klangqualität geben. Da spielen zu viele Faktoren mit rein.

    @udap Natürlich ist das auch Geschmackssache!! :-) Und 250 Euro sind nicht für Jedermann ein Pappenstiel. Beim Juno-G gibt es noch den Audiorecorder und die 128 Stimmen. Insofern ist das mit der Quantiät auch nicht so einfach. Mit identischen MIDI-Files kann man übrigens gar nicht vergleichen, da es ausschlaggebend ist auf welchem Gerät die MIDI-Files erzeugt wurden.

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    Yamaha klingt anders. Aber besser? Die Sounds stechen alle raus im Playback. Ein Song nur mit Yamaha Sounds braucht extrem viel EQing, da alle sehr spitz und voll klingen. Mag sein, dass einzeln angespielt mehr Realismus da ist. Aber im Kontext ziehe ich Korg Triton oder Roland Fantom vor. Viel Harmonischer abgestimmt.

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    Ich bitte mal zu bedenken, was jeder Nutzer eigentlich für sich benötigt. Wenn jemand Arpeggios braucht, wird er vielleicht wegen der Auswahl den Yamaha Mo nehmen, wenn er aber eigene Sounds (oder etwas aus irgendwelchen Libraries) benötigt, wird er den Juno G wohl besser nutzen können. Polyphonie kann darüber hinaus im Mix durchaus ein Thema sein! Warum übrigens der Korg TR der letzte der Runde sein soll, ist mir schleierhaft, denn der Klang macht die Musik, und das ist nun wirklich Geschmacksache. Ausserdem hat der Korg sogar gleich zwei voneinander unabhängige Arpeggio-Systeme, und wer damit mal gearbeitet hat, dürfte das auch zu schätzen wissen.

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    @Gerd Du hast recht, die Korg Geräte klingen super! Die Sounds sind aber nicht natürlich, sondern eher extrem "processed", (Exciter ect.) was vor allem für SynthPop geil ist. Ich habe gerade den microX hier und bin seit langem mal wieder von Presets begeistert :-) Auch die beiden Arpeggiatoren sind klasse! Der Test kommt bald.

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    Den Mo8 habe ich grade gestet,
    den TR76 habe ich dem Mo vorgezogen, weil zwar nicht gut klingt, die sounds aber besser für mich zugebrauchen sind. Als Keyboarder konnte ich sofort jegliche Stielrichtung umsetzen ohne lange im Gerät zu suchen.
    Den Roland Juno G bekomme ich morgen also später meht dazu.
    alles in allem habe ich immer die yamahapodukte auf der bühne geschätzt für ihre durchstzungsfähigkeit, ihre bedienbarkeit hat seit dem dx7II sehr gelitten.
    da ich backline rental betreibe weiß ich jetzt warum die kunden gerne auf prdukte wie clavi nord elektro oder microkorg zurückgreifen, mit den geräten kann man sehr schnell musik machen und muß nicht in die tiefen von menufunktionen eintauchen um an einfachste funktionen zu kommen ( wie local off )

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    audiodirk muß ich recht geben. Yamaha Workstations sind umständlich zu bedienen. Schon allein das kleines Display…
    Das Schweizer Taschenmesser unter den Workstations gibt es m.E. nach soundmäßig sowieso nicht. Die Mischung machts..
    Ich habe mir ebenfalls eine TR76 zugelegt und war genauso überrascht über die sofort einsatzfähigen und toll programmierten Klänge. Ich spiele außerdem noch eine Roland X8. Insgesamt sind hier die Sounds werksmäßig nicht zur sofortigen Verwendung programmiert. Ich habe mir jetze einen Juno G bestellt. Allein der Gedanke an die soundmäßige Kombination mit der TR76 führt zu einer freudigen Erregtheit. Meine X8 werde ich wohl verkaufen. Ärgere mich über den Kauf dieses teuren Geräts von nur einem Hersteller.

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    Hm… Klangqualität an Midi-Files bzw. GM-Sounds festzumachen… Okay, MOSounds sind bei SMFs und auch im Live-Verbund durchsetzungsfähiger. Der Mo kam für mich nicht in Frage – alleine schon wegen der fehlenden Sampling Option. Der TR ist schon gut, aber nur 1 MFX und Sampling gegen Aufpreis… zuviele Grenzen. Und bei anderen Geräten geht entweder die Qualität in den Keller oder der Preis nach oben. Ich teile die positiven Eindrücke um den Juno-G. Dass im Patch-Mode nur ein Effekt zur Verfügung steht stört etwas, aber als Performance abgespeichert kann man ja dann 3 MFX nutzen. Abgesehen davon muss man sich insgesamt fragen, welcher Wahnsinnige all diese Features in dieser Qualität und zu diesem Preis anbieten kann. Roland ist hier im Marktsegment der 1000,-€ Geräte der ganz großer Wurf gelungen. Und dann noch die Dreingabe von Cakewalk Sonar und des Editors… Hut ab, Roland.

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    Hi Jungs (u.Mädels)habe mir das alles mal durchgelesen und bemerke das es eigentl.nur um 3Geräte geht.Bei mir steht nun seit 2Wochen der TR61,geiles Gerät,aber mir als keyboarder einer Rockband von den Werksounds her zu techno u. dance lastig…wer kann mir denn nen guten Rat geben was für mich der geeignte Synthi wäre?
    Brauche vor allem B3 mit autendischem leslie,warme Flächen,fette Synthis(Jump),
    natürliche Streicher usw….
    Wäre echt nett wenn ein kenner mir da Rat geben könnte…
    viele Dank

  11. Profilbild
    Son of MooG  AHU

    Der Juno-G ist mein dritter Rompler und der Modernste. Dem vielgelobten Yamaha TG 500 ist er in Bezug auf die Bedienung haushoch überlegen (wen wundert’s), aber auch soundmäßig ist der Roland auf hohem Niveau. Den MU90R vergleiche ich gar nicht erst damit, auch wenn der seine Vorzüge hat. Was ich für ca.900,-€ geboten kriege, hätte vor 10 Jahren in die Oberklasse gehört, alleine schon der Audio-Recorder, den ich für 10,-€ auf 512MB aufrüsten konnte, wäre damals eine Sensation gewesen. Warum Roland diese Workstation allerdings mit der Juno-Linie in Verbindung brachte, ist mir schleierhaft. Abgesehen von der Optik hat der Juno-G nichts mit meinem erwürdigen Juno-6 zu tun. Aber, und das gilt für alle meine Klangerzeuger, sie ergänzen sich hervorragend.

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