Test: Roland RS-5 und RS-9 Synthesizer

9. Mai 2001

Einsteiger-Synthesizer für Anspruchsvolle

Der neue Roland RS-5 gehört zu den Einsteiger-Synthesizern von Roland. Es  gibt ihn mit 61 Tasten wie hier vorgestellt, aber auch in einer größeren version mit 88 Tasten. Programmierung und Klangsynthese sind aber bei beiden Modellen identisch.

Verarbeitung des Roland RS-5

Das Design aus gebürstetem Aluminium und schwarzem Kunststoff macht einen zeitlosen Eindruck und kann sich auch gut in so manches Wohnzimmer einfügen. Die 61 Plastiktasten tragen zum sehr geringen Gewicht von nur 6 kg bei. Die Bedienelemente setzen sich aus sieben Drehreglern zur Veränderung der Klangparameter und 38 beleuchteten Knöpfen zusammen. Die rote Hintergrundbeleuchtung des 2x 20 Zeichen Displays gibt dem RS-5 einen leichten Retro-Charme den ich neulich auch beim Yamaha FB-01 ( älterer FM-Expander ) verspürte. Die dreistellige 7-Segment-Anzeige, welche das ausgewählte Programm anzeigt, läßt sich auch bei schlechten Lichtverhältnissen gut ablesen, was besonders auf der Bühne von Vorteil ist. Auf der Rückseite findet sich das nötigste. Neben dem Anschluß für das externe Netzteil befinden sich noch der Power-Schalter, die drei MIDI-Buchsen, ein Controleingang für Fußpedale, der Hold-Pedal Anschluß mit schaltbarer Polarität, sowie ein Stereo-Output. Leider ist auch der Kopfhöreranschluß auf der Rückseite angebracht.

Klangarchitektur

Roland schöpft seinen Klangvorrat aus einem ROM-Speicher, der einem 32MB großem ROM mit linearer Aufzeichnung entspricht. Im Klartext bedeutet dies, daß Roland seine Samples komprimiert in ein kleineres ROM gepackt hat. Das bedeutet aber nicht unbedingt eine geringere Klangqualität. Die meisten Synthesizerhersteller bedienen sich dieser Technik um einfach mehr Klänge in ROM unterbringen zu können. Die Datenreduktionsfaktoren halten sich auf niedrigem Niveau, so daß man keine hörbare Klangverschlechterung zu befürchten hat. Wer die Sound-Canvas Serie kennt, wird eindeutige Parallelen zu Klangerzeugung des RS-5 feststellen können. Anders als bei den „großen“ Synthesizern werden hier nicht 4 Tones zu einem Patch überlagert, sondern 2 Oszillatoren bilden hier einen Tone, der zugleich einen vollständigen Klang des RS-5 bildet. Ob die Klangerzeugung des RS-5 die Bezeichnung Synthesizer verdient hat, ist Ansichtssache, denn die Klangparameter ( sieben an der Zahl ) lassen sich durch die Echtzeitregler nur relativ zu den bestehenden Presets justieren. Folgende Parameter lassen sich verändern:

LFO Rate

  • LFO DepthEnvelope Attack
  • Envelope Decay
  • Envelope Release
  • Filter Cutoff
  • Filter Resonanz
  • Filter LFO On/Off (Der LFO kann auch auf den Filter einwirken)

Die effektive Nutzbarkeit der Regler wird leider durch eine schlechte Abtast-Auflösung eingeschränkt, was sich in hörbaren Klangsprüngen bemerkbar macht.

Betrachten wir also den RS-5 im weiteren Testverlauf als Preset-Gerät mit der Möglichkeit Klänge anzupassen. Unter dieser Einschränkung macht sich das Gerät dann auch richtig gut, denn die 64 Stimmen sind mehr als genug, um auch mal ein Sequenzer anzudocken und MIDI-Files zu bearbeiten, oder eigene Kompositionen zu erstellen.

Effekte

Die Effektprozessoren des RS-5 sind mit denen des JV1080/2080 zu vergleichen. Neben dem Hall steht ein Chorus und ein MFX-Block zur Verfügung. Die Qualität geht voll in Ordnung. Der Hall eiert auch bei längeren Releasezeiten nicht, der Chorus macht schön rolandmäßig dick und der MFX kann den Samples so richtig Leben einhauchen. Es stehen jeweils acht Hall und Chorus Varianten und 42 MFX-Typen zur Auswahl. die MFX Effekte rekrutieren sich aus zahlreichen Varianten von Modulations-, Dynamik-, Delay-, EQ- und Verzerrereffekten. Zwei Parameter des MFX kann man den Attack und Release Potis zuweisen, die restlichen kann man über das Display editieren. Neu gegenüber den JV-x080 sind der Lofi und der Slicer Effekt. Lofi ist ein Sampleraten- bzw. Bitratenreduzierer, Slicer zerhackt den Sound in verschiedene Abschnitte und ändert die Hüllkurve derselben, um rhythmische Muster zu erzeugen.

Klänge und Klangauswahl

Das Anwählen der Klänge ist von Roland gut gelöst worden, stehen doch für jede Klangkategoriegruppe eigene Taster zu Verfügung . Selektiert man die Klangkategorie KEY&ORG, liegt zunächst die Key-Kategorie an, um nun die Orgeln spielen zu können muß man einfach solange auf die KEY&ORG-Taste drücken, bis die Vibes-und Glockenfraktion übersprungen ist, und die Orgelkategorie beginnt. Mit den Value Tasten kann man dann die einzelnen Klänge durchsteppen. Es besteht auch die Möglichkeit die Klänge per Nummer anzuwählen und mit Enter zu bestätigen. Somit ist es ein leichtes, zwischen den 512 Presetklängen und 128 Userklängen zu navigieren.
Seine acht Lieblingssounds kann man auf die FAVORITE PERFORM BANK legen, wodurch man mit einem Tastendruck sofort den gewünschten Klang parat hat. Mit der Phrase-Preview Taste kann man sich auch ein Bild des aktuellen Klanges machen, wenn mal beide Arme in Gips liegen. Auf Knopfdruck erklingt eine Phrase die den jeweiligen Sound gut repräsentiert.

Mit den beiden Modi Split und Dual kann man einerseits auf den unteren bzw. oberen Teil der Tastatur einen anderen Klang legen, oder zwei Klänge gleichzeitig spielen um z.B. einen volleren Sound zu erhalten. Die Klangqualität ist für ein Keyboard dieser Preislage sehr gut. Wenn man sie mit den JV oder den XV Geräten vergleicht, stellt man verständlicherweise fest, daß das ein oder andere Sample gekürzt wurde, oder nicht so brillant klingt. Auch sollte klar sein, daß die Filter und Hüllkurven den großen JV-Brüdern nicht das Wasser reichen können. Da wir uns hier aber in einer anderen Preislage befinden, möchte ich hier auch keine Minuspunkte verteilen. Die Klangauswahl ist überwältigend, hier sollte jeder etwas finden. Ob nun Klavier oder E-Pianos in allen Varianten, mit oder ohne Phaser, Orgeln, Gitarren mit Velocity-Switch, weiche Synth-Teppiche oder verzerrte Leadsounds, die Programmierer von Roland haben sich mal wieder mächtig ins Zeug gelegt, obwohl die Orchesterklänge das sonst sehr gute Gesamtbild etwas trüben. Die Drumsounds bügeln dies aber wieder aus. Mit 20 Kits und exzellenter Klangqualität bietet der RS-5 ein gutes Standardfundament. Leider ist kein Expansionslot eingebaut, was die zukünftige Erweiterbarkeit ausschließt.

Der Arpeggiator

Ein Arpeggio ist eine Notenfolge die automatisch erzeugt wird, wenn man auf der Tastatur einzelne Noten oder Akkorde spielt. Welche Noten erzeugt werden sollen, kann man Anhand der Styles ( 45 an der Zahl ) bestimmen. Von Random bis Bossanova sind zahlreiche Stilistiken vertreten. über die Echtzeitregler werden Accent, Shuffle, Octave und das Tempo verändert. Durch die vielfältigen Variationsmöglichkeiten ist der Arpeggiator eines der Highlights des RS-5. Der Arpeggiator kann nur über die interne Tastatur und nicht über MIDI-In gesteuert werden, seine generierten Noten werden aber über MIDI ausgegeben, um sie z.B. im Sequenzer aufzuzeichnen. Midisync ist vorhanden. Im Key-Mode „Split“ reagiert der Arpeggiator nur auf den unteren Tastaturbereich.

Fazit

In dieser Preisklasse mischt der RS-5 ordentlich die Konkurrenz auf, ist doch die Klangauswahl überragend und das Preis/Leistungs Verhältnis mit unter 1800 DM korrekt. Als Einsteiger-Keyboard gibt er eine sehr gute Figur ab, als Aufstockung des Studiosetups fehlen ihm allerdings die Einzelausgänge und die Erweiterungsmöglichkeit. Für die Bühne oder das Wohnzimmer ist der RS-5 wie geschaffen. Im 6 kg Fliegengewicht spiegeln sich allerdings auch eine etwas klappernde Tastatur und geringe Resistenz gegen Stöße wieder, da anstatt Metall nur Plastik die Innereien schützt. Die klappernde Tastatur ist allerdings durch die vielen Knöpfe bedingt, denn sind sie es, die Klappern, wenn man etwas fester in die Tasten haut, was gerade bei Kopfhörerbetrieb die Freundin stört. Wer nicht selber programmieren will und gerne den Roland-Sound mag, ist mit diesem Gerät sicherlich gut beraten. Ein gebrauchter XP50 bietet erst mit Expansions so viele Klänge in einem Gerät, kostet dann aber auch etwas mehr, klingt aber auch einen Tick besser.

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