Test: ROLAND System 500, Modularsynthesizer, Teil 1

20. Januar 2016

Erste Mega-Story zu ROLANDs Modularsystem-500

Kleiner Hinweis am Rande: Im April 2018 veröffentliche ROLAND weitere Module für sein System 500. Eine ausführliche News zu diesen Modulen finden Sie unter diesem Link BITTE HIER KLICKEN.

Roland System 500 frontal

Nun ist es endlich soweit, wir präsentieren: Das Roland System 500

Bereits im April 2015 hatte uns Mic Irmer eine sehr ausführliche Preview zum Roland System 500 geschrieben, und nun scheint es fast so, als würde ein Wunschtraum vieler Modular-Freunde endlich in Serienreife geht. Getestet hatte er das System damals ausführlich auf der Frankfurter Musikmesse. „Das geht doch gar nicht?“ – Aber doch: Mit Kopfhörer bewaffnet und viel Zeit im Gepäck gelang Moogulator ein Bericht, der heute, ein Jahr später, nichts von seiner Aktualität verloren hat.

Der erste Teil unserer Roland System 500 Reportage, beschäftigt sich mit allgemeinen Themen sowie der Kombination zu den digitalen Eurorack-Modulen, die ROLAND ebenfalls vorgestellt hat. Im Teil 2 der Reportage DIE SIE HIER FINDEN, testen wir schließlich das System auf Herz und Nieren und bewerten es auch.

 

Überraschend brachte Roland auf der Musikmesse 2015 in Frankfurt in Kooperation mit Malekko das Roland System 500. Das sind frei wählbare Eurorack-Module, welche dem klassischen Roland System 100m nachempfunden sind. Malekko war bisher für vereinfachte Module aus dem blauen Wiard 300 mit Westküsten-Ansatz bekannt (=Buchla, Serge, Wiard). Diese haben sehr viele Funktionen pro Modul. In die Euro-Welt kann man das wegen der sehr geringen Größen nicht in diesem Umfang portieren. So ist das auch mit dem Roland System 500, welches dem deutlich größeren 100m nachempfunden ist.

Während dem Roland System 500 satte 10 cm an reiner Bauhöhe gegenüber dem 100m fehlen, muss man sich auch bei Euroracks mit 12 Volt statt 15 Volt begnügen. Außerdem ist der Systembus für Trigger, Gate und CV Signale mitsamt einer Reihe Multiples (Verteiler) für Euroracks schlicht zu groß und muss über eigene Module oder intern gelöst werden. Die Bezeichnung für „Key“ und somit die Steuerspannung für die Tonhöhe ist an den Modulen oft zu finden und soll schlicht an die alten Module erinnern. Eine Art interne Bus-Schiene mit Gate und CV-Signalen sind mangels des unteren Teils des 100m Cabinets direkt anzuschließen und folgen einfach einer gewissen optischen Tradition.

Roland System 500 links

 

Was hat man also getan? Richtig, die Kernfunktion genommen und diese mit kleinen Bedienelementen umgesetzt. Die fehlenden Multiples sollte der Nutzer allerdings dennoch einplanen, man braucht sie auch mit dem Mini-System 500. Genau genommen ist das 100m eine Art Vorläufer der Eurorack-Denkweise, denn es war günstiger und kleiner als die anderen zu seiner Zeit. Es gab fertige Systeme, die damals viel mehr Leute genutzt haben. Man machte es so vielen Menschen leichter, da kaum jemand genug Kenntnis hatte und Synthesizer insgesamt noch immer neu waren und dies oftmals das erste System war. Es ist noch heute das Forenthema Nummer 1, die richtigen Module nach dem musikalischen Bedarf selbst heraus zu suchen. Allerdings ist noch nicht klar, wie sie am Ende wirklich angeboten werden. Ab Juni etwa wird bis zum Ende des Jahres je ein Modul offiziell vorgestellt werden. Die Preise stehen noch nicht fest.

Modul 540 und 572

Modul 540 und 572

Was sicher kommt…

Die im 100m existierenden Doppel-Varianten von jeweils zwei Oszillatoren, Filtern und VCAs gibt es durchaus noch immer. Gezeigt wurden bereits folgende Module, mit denen sich ein komplettes System zusammen bauen lässt:

– zwei VCOs – Modul 512,
– zwei VCAs mit linearer und exponentieller Ansteuerung – Modul 530
– zwei Tiefpass-Filter – Modul 521
– ein LFO mit zwei ADSR Hüllkurven – Modul 540
– außerdem gibt es das „rare“ Phase/Delay-Modul – Modul 572, welches ebenfalls einen LFO und ein Gate-Delay an Bord hat.

Was auf der Messe nicht zu sehen war

…ist das Sample & Hold Modul mit spannungssteuerbarem LFO sowie einem frei beschaltbaren Ringmodulator und Rauschgenerator, was vermutlich als 550 auf den Markt kommen sollte. Ein Mitarbeiter von Roland bestätigte, man möchte hier auch die Tradition der eigenen Geräte insoweit wahren, als dass hier alles weitgehend so vorgefunden werden soll wie man es mögen gelernt hat. Dennoch werden vielleicht einige Module fehlen, besonders die eher „generischen“.
Unklar und ohne Bestätigung wären das:
– Sequencer,
– EQ,
– Portamento/Slew Limiter,
– CV-Mixer und Spannungsprozessoren und
– das Kombi-Modul aus VCO, Filter und VCA.

Wer eine Modulübersicht dazu sucht, findet diese hier: sequencer.de/syns/roland/System100m.html

Sicher sind die obigen durch andere Module komplett ersetzbar. Als Beispiel dafür sei der Sequencer genannt, welcher von Intellijel als Metropolis auf eine neue Ebene gebracht wurde. Dieser ist die Antwort auf den Selbstbau-Sequencer von „RYK“, welcher als „185“ im Roland-Format das Original noch einmal aufwertete und überholte. Dort können Pausen und Wiederholungen pro Step eingestellt werden und ist damit sehr innovativ. Es gab sogar eine Software-Kopie davon. Somit wäre nur der Ringmodulator / Rauschgenerator von einer gewissen Vollständigkeit mit „kommt noch“ zu versehen, während der Rest sich durch andere Hersteller ohne Verluste substituieren lässt.

Roland System 500 seitlich

 

 

Aufbau der System 500 Serie

Wesentliche Struktur-Merkmale des alten Systems 100m sind auch in der Roland System 500-Serie zu finden. So sind im oberen Bereich zumeist jeweils bis zu drei Audioeingänge und am unteren Ende jeweils die drei Modulations-Fader zu finden. Ja, man hat sich tatsächlich für Fader entschieden, welche sehr typisch für das 100m waren und für eine gewisse Übersicht sorgen. Freilich musste man entsprechend kleine Typen einsetzen. Man könnte es fast niedlich nennen. Mit diesem optischen Layout ist das im Doppel-VCF (Filter) genau so umgesetzt worden, jedoch ist die Filtereckfrequenz (Cutoff) und die Resonanz als Knopf in der Mitte ausgeführt.

Dazu gibt es einen 3-Stufen-Schalter für ein festes und nicht modulierbares Hochpass-Filter, welches somit um eine Stellung abgespeckt ist. Diese statischen Hochpässe waren zu Rolands Frühgeschichte geradezu typisch. Vermutlich benutzen es allerdings auch wenige Leute wirklich aktiv. Es handelt sich beim Haupt-Filter um den Typus des klassischen 24dB / Oktave – Tiefpass mit Selbstresonanzfähigkeit.

Forum
  1. Profilbild
    xtront  

    In Sachen „System 100m“ bin ich seit einiger großer Fan der englischen Modul-Schmiede FREQUENCY CENTRAL, ich denke die sind gegenüber der Roland/Malekko Kooperation mindestens eine lobende Erwähnung wert. :-)

    http://www.....age_id=554

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    Johannes Kothe  RED

    Bin gespannt. Ich wollte mir auch irgendwann mal ein Modulsystem aufbauen. Jetzt scheint man die Wahl zwischen Doepfer, Roland und DSI zu haben. Aber warum hat der Pitch-Envelope bei Roland seit dem SH-201 nur noch Attack und Decay?

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      TZTH  

      Pittsburgh Modular, Intellijel, Mutable Instruments, Vermona uvm – Du solltest dich dabei nicht nur auf die 3 erwähnten Hersteller beschränken. Die Auswahl ist riesengroß mittlerweile, aber m.E. ist nicht alles so toll und vieles ganz schön teuer. Ein Modul welches mich immer wieder beeindruckt ist der Atlantis von Intellijel.

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    MidiDino  AHU

    Wow. Ich fühle mich erst einmal erschlagen ;-) Sehr gespannt bin auf Klangbeispiele. Ein wunderbares Roland-Monster :-)

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    Heiner Jürs  

    Es scheint so, als wäre mit Roland endlich wieder klassischer Synth-Hersteller da, wo sie hingehören und seit dem Jupiter 80 nicht mehr waren … Toll!!!

    Ich freu mich jetzt schon …

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    11kauai

    Erfreulich ist auch, dass die digitalen Module Stereofähig sind. M.E. eine Seltenheit.

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    Son of MooG  AHU

    Früher oder später werde ich wohl auch einige Roland-Module in meinen Modular einschrauben. Wer hätte das gedacht? Ich war schon immer schwer beeindruckt von Tomita’s System 700, aber Roland geht ja noch den beim JD-XA eingeschlagenen Weg des analog-digital-Crossovers weiter, so kommt auch zunehmend Digtales ins Eurorack. Modularfreaks dürfen sich freuen…

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    patchpoint  

    Mein Wunsch wäre da noch, dass Roland doch endlich wieder einen voll analogen Synthesizer a la Roland SH101 baut. Das Know-how ist da! Im Look des 500er mit 3 Oktaven Tastatur, halbmodular, cv/gate, stabil und für die Ewigkeit gebaut. (Man wird ja doch mal träumen dürfen)

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      Aerocity  

      Würde ich sofort kaufen ;) Hab noch keinen Roland Synth, obwohl ich total auf den Sound stehe. Mein Wunsch ist ein Sh-101 oder ein SH-2 aber bin nicht bereit dafür über 1000€ auszugeben. Da ich als nächstes ein Modular System aufbauen wollte, überlege ich hier zumindest vermehrt Roland Sound einzubauen. Würde für den Anfang aber erstmal die System X Sachen als DIY kaufen. Die sind bezahlbar und als Einstieg sicherlich nicht verkehrt.

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    rauschwerk  

    Sehr schönes und zugleich interessantes Konzept. Den Weg in Richtung EuroRack zu gehen (statt eigenes Format zu verfolgen) finde ich sehr gut! Die vorgestellten Module erinnern mich an das System 700, wobei das System-500 sich konzeptionell an das System-100m anlehnt.
    Bin sehr gespannt, was uns Roland im EuroRack-Bereich noch vorstellen wird und wie sich das klanglich und haptisch ggü. der Konkurenz schlagen wird.

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    tomk  AHU

    Soweit ich das mitbekommen habe baut doch Malekko die Module. Man kauft also ein Malekko Modul mit zusätzlichen Roland Logo, und viel zu kurzen Faderwegen? Oder wie teilt sich die Kooperation auf? In meinem Modular befindet sich nicht ein Malekko Modul, und das ist durchaus bunt. Für das gleiche Geld bekommt man übrigens einen Desktop Prophet 6, selbigen sollte man versuchen mit Modulen nachzubauen und dann auf die entstandenen Kosten schielen. Klar fehlen die Patchpoints, aber dafür ist das Gerät in sich perfekt abgestimmt. Ich kann mich diesen Roland Hype nicht anschließen, sorry. Mein Sys1m war nach drei Wochen defekt, Aira ist alte Wurst in neuen Schäuchen, und Boutique Tischhupen mit Midijitter. (Wer eine Neuzeit SH101 sucht sollte ein Ohr auf die Basstation 2 werfen).
    Mein Fazit bisher: Hypa … Hypa!!!
    Und ja, Modular ist teuer, sehr teuer sogar.

    • Profilbild
      hijack  

      Der Unterschied zwischen einem Modular-System und einem polyphonen Synthesizer ist Konzept-Bedingt um Welten auseinander, in beide Richtungen.
      Allerdings gehör ich auch wohl zu der Minderheit, welche diese kurzen Reglerwege kritisieren. Da wäre mir dann letztlich wohl ein eigenes Format lieber gewesen, da man wahrscheinich sowieso mehrere Module sich kauft und da ein eigenes Case keine Rolle mehr spielt. Die Mini-Klinken hätte man ja dann beibehalten könnten.
      Je nach Punkt wären mir da dann Dreh-Regler statt Schiebe-Regler lieber gewesen, weil sie dann so einen grösseren Regler-Bereich bieten.
      So muss man halt schon sehr feinfühlig an die Sache herangehen. Das zerstört den Haptik-Vorteil von Hardware. Aber man wird wohl sagen/denken „Lieber so, statt gar nicht“.

  10. Profilbild
    chain  AHU

    dieses Produkt hat Suchtpotential und der Preis ist für Profimusiker. ERGO: Schönes teueres Spielzeug im Heroinrackgewandt :)

  11. Profilbild
    Flying C  

    Freut mich wirklich das es wieder analoge Sachen aus dem Hause Roland gibt. Den Preis für das Komplettsystem finde ich allerdings dezent überzogen. Dann doch lieber gleich Marienberg oder so.

  12. Profilbild
    moogulator  AHU

    Ich möchte unbedingt anmerken, dass ich nicht geschrieben habe, dass man „gespant“ sein dürfe und überhaupt wurde der Text und das Fazit etc. geändert. Das ist also nur in Teilen meine Sprache.

    Naja, im SynMag gibts auch einen Test, der ist unverändert und ursprünglich.

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