Das neue Flaggschiff vom größten E-Drum Hersteller Roland bei uns im Test
Nach fast zehn Jahren ist es nun endlich so weit: Roland stellt sein neues E-Drum-Top-Modell vor. Was das Roland VAD-716 kann und ob es wirklich besser ist als sein Vorgänger, das TD-50(x), klären wir in diesem Test.
Kurz & knapp
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- Optik & Verarbeitung: Hochwertige Hardware, realistisches Design und flexible Aufbauoptionen überzeugen.
- Spielgefühl: Besonders Snare, Kick und Cymbals bieten ein sehr authentisches und dynamisches Spielerlebnis.
- Modul: V71 bringt klare Sound-Verbesserungen, hat aber Schwächen bei Display, Netzteil und Sample-Funktionen.
- Preis-Leistung: Sehr teuer im Vergleich zu Software-Lösungen oder Alternativen wie EFNOTE.
- Fazit: Ideal für Drummer mit großem Budget, die Wert auf Optik und Pads legen – als vollwertiges Bühneninstrument jedoch eingeschränkt.
Inhaltsverzeichnis
Der Hersteller Roland
Roland hat schon vor vielen Jahren einen Fokus auf E-Drums gesetzt und ist nach wie vor sowohl in vielen Wohnzimmern mit Übesets als auch auf großen Bühnen mit seinen Flaggschiffen vertreten. Seit den 1990ern hat sich im Bereich des Samplings viel getan. Nun stehen wir mit dem VAD-716 vor dem nächsten, laut Roland noch realistischeren, Schritt im Drum-Modeling.
Für diesen und einige weitere Tests sind wir von AMAZONA.de extra zum Musikhaus Thomann gefahren. Dort konnten wir die Produkte nicht nur ausprobieren, sondern auch direkt miteinander vergleichen. Die Ergebnisse dazu findet ihr am Ende des Artikels.
Die Roland VAD-71 Serie im Überblick
Die neue VAD-71-Serie besteht aus mehreren Produkten. Als Basis dient das neue Modul V71. Dazu gibt es die passenden Kits TD-713, TD-716 und unser heutiges Test-Set Roland VAD-716. Letzteres ist das hochpreisigste Modell und wird in folgender Konfiguration angeboten:
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22″ x 18″ Bass Drum (KD-22)
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14″ x 05″ Digital Mesh Head Snare Drum (PD-14DSX)
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10″ x 07″ Zwei-Zonen-Tom (PDA-100)
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12″ x 08″ Zwei-Zonen-Tom (PDA-120)
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2x 14″ x 14″ Zwei-Zonen-Stand-Tom (PDA-140F)
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1x 14″ Digital Hi-Hat Pad mit Controller (VH-14D)
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2x 16″ Zwei-Zonen-Crash-Pad mit Abstoppfunktion (CY-16R-T)
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1x 18″ Digital Ride Cymbal Pad (CY-18DR)
Der gesamte Kesselsatz des Roland VAD-716 kommt in klassischer Akustik-Drum-Optik und ist in mehreren Finishes erhältlich. Im Lieferumfang enthalten sind die Galgenständer für Modul und Cymbals sowie die Tom-Halterungen und -Beine.
Wer sich für das Roland TD-716 interessiert, kann einen Blick in diesen Testbericht werfen. Christian stellt dort die mittlere Variante der Serie im Detail vor.
Viele Features oder auch gute Verarbeitung?
Das Roland VAD-716 ist sicherlich kein E-Drum-Kit, das sich der typische Kundenstamm ins Wohnzimmer stellt, um es gelegentlich zum Üben zu benutzen. Es handelt sich dabei mehr um ein Kit, das aufgrund seiner akustischen Drum-Optik und des großen, funktionsreichen Moduls für den Bühneneinsatz gedacht ist.
Erfreulicherweise hat sich Roland für diesen Verwendungszweck viel Mühe gegeben. Die gesamte Hardware ist hervorragend verarbeitet. Besonders die Galgen-Stative mit Kugelgelenken haben mir bei der schnellen Positionierung der Cymbals geholfen. Sie haben weder gehakt noch sich beim Spielen verstellt.
Auch die Kessel des Roland VAD-716 hinterlassen einen sehr guten Eindruck. Besonders gut gefallen hat mir die Kick-Drum mit ihrem mellierten Fell. Die Toms sind nicht über eine Rosette befestigt, sondern direkt an den Stativen der Cymbals montiert. Auch hier wackelte nichts und die Positionierung war einfach und präzise möglich.
Somit lässt sich das Roland VAD-716 Kit völlig flexibel aufbauen, konfigurieren und dimensionieren. Der kleine Gig mit Kick, Snare, HiHat, Ride und einem 1-Up-1-Down-Setup ist ebenso machbar wie der große Auftritt mit dem vollständigen Drum-Kit – eventuell ergänzt durch ein zusätzliches Drum-Pad und weitere Cymbals. Alles kein Problem.
Das Roland VAD-716 in der Praxis
Freundlicherweise haben mir die Thomann-Mitarbeiter das Roland VAD-716 in einem gesonderten Raum aufgebaut. Als ich es dort zum ersten Mal gesehen habe, dachte ich nur: „Wow – was für ein schönes Kit.“
Dieser Eindruck kam sicherlich auch durch die Dimensionen der Pads zustande. 12″ x 08″ Floor-Toms, eine 22″ x 18″ Kick-Drum und ein 18″-Ride ließen mich fast glauben, ich hätte es mit einem „echten Drum-Kit“ zu tun.
Die Größen der Kessel und Cymbals sind gut gewählt. Sie wirken beim Spielen nicht zu klein und sind gleichzeitig für den Transport nicht zu groß oder unhandlich.
Snare (PD-14DSX)
Eine der wohl größten Neuerungen im Hinblick auf die Pads ist die neue digitale Snare des Roland VAD-716 Kits. Roland hat hier eine Snare-Abhebung verbaut, die sich flexibel belegen lässt. Die akustische Umsetzung ist sehr gut gelungen. So wird in der akustischen Darstellung zwischen einem langsamen Spannen des Teppichs und einem schnellen Umlegen des Hebels unterschieden.

Eine sehr nützliche Spielerei, dieser Snare-Hebel. Mit dem Potentiometer mit integriertem Button lassen sich auch andere Funktionen konfigurieren, zum Beispiel Metronom An/Aus und die BPM-Zahl.
Gleichzeitig passt sich der Snare-Buzz in der Intensität dem gespielten Kessel, der Position des Hebels und der Grundspannung des Teppichs an. Und zusätzlich steht noch ein Potentiometer zur Verfügung, um zum Beispiel den Snare-Teppich stärker oder weniger stark zu spannen.
Ebenso hat Roland bei der Snare, aber auch bei den Toms, den Rim leicht abgesenkt. Wie man dazu steht, ist natürlich Geschmacksache. Ich empfand es, sowohl bei der Snare als auch bei den Toms, als sehr angenehm.
Die Positionserkennung funktioniert einwandfrei und auch Fehltrigger in Bezug auf Side-Stick und Rim-Shot konnte ich nicht provozieren, geschweige denn sind sie im normalen Spiel aufgetreten.
Dabei lässt sich die PD-14DSX nicht nur mit klassischen Sticks, sondern auch mit Nylon-Besen spielen. Das dürfte vor allem für Jazzmusiker interessant sein, insbesondere in Kombination mit dem sehr akkuraten Ride-Becken.
Kick (KD-22)
Die KD-22 hat mich wirklich begeistert. Roland hat einen sehr guten Mittelweg gefunden – zwischen viel zu tighten Mesh-Kick-Pads und den eher matschigen, unterfütterten Varianten wie beim KD-10. Dafür sorgt unter anderem ein Federsystem, das die gesamte Trigger-Fläche beim Einschlagen des Beaters dynamisch mitschwingen lässt.
Auch die Lautstärke im Raum hielt sich beim Bespielen, trotz des großen Resonanzkörpers, in Grenzen.
Cymbals (CY-16R-T, CY-18DR, VH-14D)
Bei den Cymbals merkt man ebenfalls deutliche Verbesserungen. Die dünnere Konstruktion tut dem Spielverhalten sehr gut, die Cymbals schwingen angenehm mit. Natürlich ist das nicht mit akustischen Cymbals vergleichbar, allerdings bekommt man beim Bespielen eine gute Ahnung davon, wie es eigentlich sein soll.
Die Positionserkennung auf der Ride funktioniert ebenfalls zuverlässig. Sie lässt sich lediglich durch gezielt provozierte, leichte Schläge auf bestimmte Stellen außer Kraft setzen.
Anders sieht es bei den Crash-Cymbals des Roland VAD-716 aus. Schlägt man hier im steilen Winkel leicht auf die Edge, kann ein Bow-Sound ausgelöst werden. Dieses Problem tritt bei einer ganzen Reihe von E-Drum-Sets auf. Mit entsprechender Spieltechnik lässt es sich jedoch größtenteils umgehen, so auch beim VAD-716.
Das neue Roland V71-Modul
Christian ist in seinem Testbericht zum TD-716 schon sehr genau auf das Modul eingegangen. Deshalb möchte ich mich an dieser Stelle kurzhalten.
Alles in allem gefällt mir das neue Roland V71 gut. Es ist schön zu sehen, dass Roland viele Bedienelemente verbaut hat, die sich gut in das Bedienkonzept einfügen. Das Farbdisplay ist dabei natürlich ein zentraler Punkt, auch wenn es recht klein ist und ohne Touch-Nutzbarkeit daherkommt.
In Sachen Soundqualität sehe ich immense Verbesserungen im Vergleich zum TD-50X, auch wenn die werksseitigen Sounds eher klassisch als modern rüberkommen. Im Vergleich zu den gängigen VSTs sind sie nicht beeindruckender oder ähnliches. Ausgenommen ist hier jedoch die Ride, deren Übergänge der Zonen wirklich beeindruckend umgesetzt sind.
Hinzu kommt ein wirklich unprofessionelles externes Netzteil und die Limitierung bei der Einbindung eigener Samples. Multi-Layering, geschweige denn Round-Robin, ist nicht möglich.

Zum V71-Modul gehört auch ein Software-Editor. Dieser wirkt zwar etwas altbacken, lässt sich aber hervorragend bedienen.
Über das Roland Cloud System, ein Abo-Modell für Expansion, gibt es ja die unterschiedlichsten Meinungen. Ich finde die Bandbreite an werksseitigen Kits für ein solches Angebot als etwas gering und vermisse die typisch modernen Kits, wie es zuletzt Alesis in seiner Strata-Serie zeitgemäßer umgesetzt hat. Ich hätte erwartet, vor allem spezielle Kits und nicht den Grundbedarf bei den Expansions zu finden. Davon abgesehen ist es dann natürlich eine tolle Sache, zusätzliche Kits über eine standardisierte Plattform auf das Modul laden zu können.
Dafür lassen sich im Modul des Roland VAD-716 jedoch viele Samples mit einer Bandbreite an Effekten, Einstellungen und Mikrofonierungsoptionen schon sehr genau anpassen. Auch Layering ist ohne Weiteres möglich.
Preis und Leistung des Roland VAD-716
Nun, zur Bewertung eines Produkts gehört neben dem Beurteilen der technischen und musikalischen Umsetzung auch das In-Perspektive-Setzen von Preis und Nutzbarkeit. Und hier tue ich mich, ehrlich gesagt, schwer.
Denn auch wenn die Features im Modul vielfältig und akustisch super umgesetzt sind, schaue ich beim Schreiben dieses Testberichts auf mein M1-MacBook – und höre meine Toontrack-Lizenzen schreien: „Wir können das übrigens schon seit vielen, vielen Jahren.“
Also: Was macht das V71-Modul so teuer? Sind es die drei Digital-Pad-Eingänge, die es z. B. nicht ermöglichen, eine zweite digitale Snare anzuschließen? Oder sind es die acht Klinken-Direct-Outs, die nicht ausreichen, um dem FOH eine klassische Drum-Mikrofonierung zu simulieren? Gleichzeitig kostet ein MacBook Air, ein anständiges Interface und ein entsprechender Software-Drummer nicht ansatzweise so viel, wie Roland für das TD-716 aufruft.
Gleichzeitig gibt es hardwareseitig bessere Alternativen. Zumindest, wenn man von einem Arbeitstier für den Live-Betrieb ausgeht. EFNOTE macht es mit seiner Pro-Serie vor: eine separate Stagebox mit XLR-Direct-Outs, damit die Kabel auf der Bühne nicht am Schlagzeug herunterhängen. Eine größere werksseitige Cymbal-Pad-Auswahl, die nicht nur optisch, sondern auch spielerisch überzeugt (trotz klassischer Piezo-Abnahme) und dennoch eine gute hauseigene Sample-Auswahl bietet.
Natürlich lässt sich diskutieren, dass 100 % Digital-Pads zu kostspielig wären oder der Entwicklungszyklus des V71 so ungünstig lag, dass ein größeres Touch-Display nicht realisierbar war. Dennoch sind es Dinge, die mich als Nutzer stutzig machen, auch wenn es ein tolles E-Drum-Kit ist, das mir im Laden große Freude bereitet hat.
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Alternativen zum Roland VAD-716
Grundsätzlich gibt es in dieser Preisklasse nicht viele Alternativen zum Roland VAD-716, denn vermutlich hat nicht jeder Hersteller die Ressourcen, solch ein Schlagzeug zu entwickeln und auf den Markt zu bringen. Und die Gruppe der Interessenten ist vermutlich auch nicht allzu groß. So sucht man bei Yamaha oder Alesis beispielsweise vergeblich nach solchen Top-Drumkits.
EFNOTE Pro 703X/ 707
Der recht junge Hersteller EFNOTE bietet mit seiner Pro-Reihe eine gute Auswahl verschiedener E-Drum-Konfigurationen. Dabei gibt es neben dem Modul bzw. Steuergerät zusätzlich eine Stagebox, an der sämtliche Pads und Audio-Ausgänge angeschlossen werden.
DW DWe E33
Einen etwas anderen Ansatz verfolgt DW mit seinen beiden E-Drum-Kits: metallene Cymbals, ein softwarebasierter Klangerzeuger, optional kabellose Pads – und wenn man die Mesh-Heads durch echte Felle ersetzt, erhält man ein Standard Collector’s-Series-DW-Kit. Definitiv einen Test wert.







































nette Optik.
aber der Preis?
früher gab’s einen Kleinwagen dafür.
@Numitron Finde ich auch. Für die Hälfte bekommt man ein megaprofessionelles Akustikset. Abgesehen von der Lautstärke was vermutlich einer der Hauptgründe für ein E-Set ist – Aber schick ist es.
@Filterpad Ja. bei einem Akustischen würde ich es noch eher verstehen.
edles Holz und gute Materialien..
😎
@Numitron Vor allem, wenn es heißt: „Kein Vorteil gegenüber VSTs“.
Ich benutze nach wie vor zwei alte TD12er, triggere damit BFD…und bin damit wahrscheinlich flexibler.
Den Unterschied hört todsicher keiner…
@mort76 stimmt.
sicher gut mit bfd.
hab ein Yamaha dtx pro. muss ich Mal testen.
Wie klingt das Set denn mit normalen Fellen?
Sehr gut und ausgewogen geschriebener Test.
Die Plus- und Kritikpunkte halte ich absolut für plausibel.
Insbesondere verwundert es, warum man in dieser schon fast haarsträubenden Preisklasse immer noch die genannten Einschränkungen bzgl. Bühnentauglichkeit hinnehmen soll.
Was für meinen Geschmack auch so gar nicht zum aufgerufenen Preisschild paßt: In den Demos scheint selbst für die Werkssound nicht überall Round-Robin zu gelten. Anders dürfte der Maschinengewehr-Effekt im Trash-Metal Demo beim Tom-Fill bei Sekunde 8 kaum zu erklären sein.
Warum ich da besonders laut jammere: Eines meiner klagtechnischen Lieblings-VSTi ist immer noch „Drum Mic’a“ von Neumann/Sennheiser (leider inzwischen eingestellt), das ja eigentlich zum virtuellen Ausprobieren der Mikrofone des Herstellers bei einem Drumset war, aber (deshalb) eben auch wirklich sehr realitätsgetreu klang. Ok, war „nur“ ein einziges Acryl-Set mit mehreren Mikrofonierungen – aber alle Samples waren „Round Robin“ – und das für Null Euro. Warum muß mal bei einem 9000€ Set da immer noch Abstriche machen?