Test: Roland VP-550 Vocoder Synthesizer

29. März 2008

Der Nachfolger des VP-330?

Eine Betrachtung des Roland VP-550

Der Roland VP-550 ist ein moderner Voice-Prozessor für den Live-Einsatz. Er beinhaltet die selbe Technologie die man z.B. für den V-SYNTH als optionale Soundkarte kaufen kann.

Sein großer Vorteil liegt aber darin, dass er eben NUR DIES kann und sonst nichts!

Vorteil? Weniger ist mehr – vor allem im Live-Einsatz. Mit dem VP-550 lassen sich im handumdrehen fantastische Chöre und Vocoder-Voices einfliegen und verändern. Für jeden Parameter gibt es tatsächlich ein Bedienelement. Auf ein Display wurde daher bewusst verzichtet.

Bevor wir das aber nun im Detail erklären, kurz ein paar Worte zum Thema Vocoder:

Über Vocoder

1939 wurde der Vocoder erfunden, ein Gerät dass es ermöglichen sollte menschliche Stimmen zu verschlüsseln und über weite Strecken zu übertragen. Der Begriff VoCoder setzt sich aus den englischen Worten Voice und Code zusammen, zu deutsch also ein Stimmenkodierer. Während diese Technologie zunächst nur militärische Zwecke erfüllte, kam der Vocoder erst in den 70er Jahren zu musikalischem Erfolg.Die Sprachverständlichkeit von Vocodern hängt stark von der Bauart ab. Prinzipiell wird bei einem Vocoder die Stimme mit mehreren Bandpässen zerteilt und jedem Bandpass ist ein Envelope-Follower nachgeschaltet.

Bei der Synthese des Sprachsignals beim Empfänger wird ein Trägersignal (z.B. Rauschen) durch die gleiche Konstellation von Bandpässen geschickt und deren Lautstärke durch die beim Sender erzeugten Steuerspannungen moduliert. Je mehr Bandpässe eingesetzt werden, desto höher wurde die Sprachverständlichkeit. Zur Verschlüsselung wurde die Reihenfolge der Bandpässe vertauscht und nur in der korrekten Konstellation war die Sprache verständlich. Das gleiche Grundprinzip wird übrigens heute bei Datenreduktionsverfahren wie z.B. MP3 oder WMA eingesetzt, ist aber klanglich nicht mit einem Vocoder zu vergleichen. Um bei herkömmlichen Vocodern ein klanglich ansprechendes Resultat zu erzielen, sollte man die Stimme stark komprimieren und das Volumen mit einem EQ etwas verringern – so bekommt man eine bessere Sprachverständlichkeit als mit einer unbearbeiteten Stimme. Auch sollte das Trägersignal höhenreich sein (z.b. Sägezahn), damit genug Pegel in den hohen Frequenzen vorhanden ist um die Zischlaute zu synthetisieren.

Roland hatte in den 80er Jahren mit dem VP-330, dem VP-70 und diversen Effektgeräten Vocoder für den musikalischen Gebrauch auf den Markt gebracht und heute, anno 2006, stellt Roland mit dem VP-550 ein interessantes Konzept vor, das den Vocoder nur als Untermenge inne hat.

Laut Rland ist der VP-550 ein „Human Vocal Modelling Instrument“ oder auch „Vocal Designer“. Dabei werkelt nicht mehr eine komplizierte analoge Schaltung, sondern ein noch komplizierterer digitaler Algorithmus an der Stimme des Anwenders.

Sie wollen mehr über Vocoding wissen?

Was genau ein Vocoder ist, wie die Hintergründe für seine Entwicklungwaren und welche Varianten es gibt, erklären wir ausführlich in unserem Vocoder-Special. Dazu bitte HIER KLICKEN.

Die Features des Roland VP-550

Der VP-550 ist ein richtiges Musikinstrument. Es ist also nicht mit Features überladen, es gibt auch kein Display mit zigtausend Untermenüs – nein, es ist für jede Funktion ein Bedienelement vorhanden. Somit benötigt man das Handbuch eigentlich nicht, denn das Gerät erklärt sich von selber und lässt sich wirklich exzellent bedienen.
Der Anwender kann mit dem VP-550 mit seiner eigenen Stimme Chöre steuern, die auf der Tastatur in Echtzeit gespielt werden. Dazu schließt man ein dynamisches Mikrofon an und singt oder spricht hinein. Die gebildeten Worte werden dann mit einem von sechs einstellbaren Sounds polyphon gespielt. Das klingt dann wie folgt:

Drückt man die Tasten Vocoder 1+2 so kann man ein externes Signal einspeisen, und so die Klangvielfalt erhöhen.

Zusätzlich kann man aus sechs Multisamples wählen, die man unterstützend unter den Gesangsteppich legen kann.Zur Echtzeit-Kontrolle des Klangs stehen neben dem Pitchbend/ModWheel auch ein D-Beam Controller zur Verfügung. Dieser kann auf Pitch, Lautstärke und Filter geroutet werden. Singt man mit einem Headset ein und spielt mit der rechten Hand, so kann man mit der räumlichen Position der linken Hand über dem D-Beam Controller den Klang beeinflussen.

Als Begleitinstrumente kann man die unterste Oktave der Tastatur mit Vocal-Bassklängen oder auch Human-Percussions belegen.

An Effekten steht nur ein Hall in drei Variationen und mäßiger Qualität zur Verfügung.

Der Roland VP-550 in der Praxis

Das Gerät macht wirklich Spaß und klingt äußerst interessant. Die Qualität des Vocal-Modelling ist für heutige Maßstäbe in Anbetracht des Entwicklungsstandes in diesem Bereich erstklassig. Wenn man die Ergebnisse mit einem echten Chor vergleicht, klingt der VP-550 aber immer noch relativ unnatürlich bzw. synthetisch, was den praktischen Einsatzbereich schmälert. Wenn man den VP-550 geschickt in einen Song einmischt können aber auch verblüffend realistische Chöre entstehen, man muss dabei aber mit anderen Instrumenten den Klang des VP-550 kaschieren und die original Stimme deutlich lauter machen als den Chor des VP-550.

Die Bedienung könnte nicht besser gelöst sein, denn es steht wirklich für jede Funktion ein Bedienelement zur Verfügung. Alleine das macht den VP-550 am Markt einzigartig und damit sehr empfehlenswert für LiveActs die einen „Voice-Modulator“ suchen.

Schade ist allerdings, dass es nicht mehr Effekte gibt. Ein Multieffekt mit Echo, Delay, und Modulationseffekten hätte dem VP-550 gut gestanden.

Was wir außerdem wirklich vermisst haben ist eine Halterung für ein Schwanenhals-Mikrofon, so wie es sich eigentlich für einen Vocoder gehört ;-). Natürlich können Sie ein Mikrofon anschließen, benötigen dafür aber ein weiteres Stativ.

Mitbewerber

Da steht der VP-550 in seinem Konzept eigentlich alleine auf weiter Flur. Wir möchten Sie aber auf die Geräte der Firma TC Helicon aufmerksam machen:
Die TC Electronic VoicePro, VoiceLive, VoiceWorks und Quintet sind 19“ Geräte, die auf ebenfalls hohem Niveau vierstimmige Chöre modellieren und auch verschiedene Einstellmöglichkeiten für die Stimmcharakteristik bieten. Sie werden per MIDI angesteuert und erlauben somit auch eine Echtzeitsteuerung der Harmonien.

An PlugIns gibt es die Steinberg Voice-Machine und den NI Vokator, die aber beide noch synthetischer klingen als der VP-550 oder die TC Helicon Geräte.

Der Roland VP-550 on YouTube

Fazit

Als All-In-One Gerät mit Tastatur und kinderleichter Bedienung wird man den VP-550 sicherlich in Zukunft oft auf Bühnen uns auch in vielen Studios zu sehen bekommen. Die Klang-Qualität ist für heutige Maßstäbe hervorragend, auch wenn es immer noch leicht synthetisch klingt. Auch der sangestechnisch ungeübte Keyboarder kann mit dem VP-550 schöne Background-Chöre erzeugen, sie sich wirklich hören lassen können.

Plus

  • Bedienung
  • Klang des Vocal Modellings
  • zusätzliche Sample-Klänge
  • D-Beam-Controller

Minus

  • Qualität des Halls
  • wenige Effekte
  • fehlender Anschluss für ein Schwanenhalsmikrofon

Preis

  • Straßenpreis: 990 Euro
Klangbeispiele
Forum
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    Ich konnte den VP-550 auf der letzten Musikmesse ausgiebig testen und war sichtlich beeindruckt von den Möglichkeiten. Ich hatte viel Spass mit dem Gerät und konnte meine, ansonsten nicht gerade wohl klingende Gesangsstimme ;-), richtig gut tönen lassen. An den unvergleichlichen Charme des alten VP-330 kommt der VP-550 zwar nicht heran, aber das sollte er sicherlich auch nicht.

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    Sehr, sehr interessant. Nur leider etwas teuer, für 500-600 Euro würd ich den direkt kaufen.

    • Profilbild
      mokli

      hallo. Lange ist es her, dass du einen Roland Vocoder VP 550 für 550 gekauft hättest.
      Hast Du noch Interesse? Ich verkaufe ihn für 550,-€
      März 2017!! Gruß

  3. Avatar
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    Wer soll den denn für diesen Preis kaufen ? Dafür bekommt man nen Notebook inkl. Sequenzer Programm. Oder mindestens einen sehr guten real-analogen Vocoder oder 'nen Microkorg usw. Tssss – Lächerlich in meinen Augen.

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    Wenn ich das Geld hätte, würde ich mir das Teil ohne zu überlegen bestellen.

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    Den Demos nach zu urteilen klingt das Teil ja echt gut, aber der Preis hat mich jetzt auch ziemlich überrascht.
    Der ist meiner Meinung nach viel zu hoch angesetzt. Hätte so mit 300€ gerechnet ..

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    „Wer soll den denn für diesen Preis kaufen ? Dafür bekommt man nen Notebook inkl. Sequenzer Programm. Oder mindestens einen sehr guten real-analogen Vocoder oder nen Microkorg usw. Tssss – Lächerlich in meinen Augen.“
    Was ist das für ein Vergleich ? Für einen Moog Voyager bekommen ich 3 Notebooks, oder für nen Porsche 1000 Fahrräder, was hab ich jetzt davon ?

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