Test: Rupert Neve Design Portico II, Channel Amplifier

6. Januar 2014

The Legend Strikes Again

Rupert Neve Design Portico II, ein Gerät, das neben der aktuellen Produktbezeichnung einen Namen enthält, der nahezu jeden Studiobesitzer und -betreiber einen Gesichtsausdruck zaubert, der wahlweise zwischen dezentem Schmunzeln bis hin zu demutsvoller Bücklingshaltung variieren kann. Zu groß sind die Leistungen, die der 1926 geborene und mit dem Lifetime Achievement Technical Grammy Award ausgezeichnete Tontechniker im Laufe seines Lebens entwickelt hat. Er gilt als DER Mann, der die Mixing Console entwickelt hat.

Wird unter dem Namen einer solchen Legende ein Produkt veröffentlicht, legt man automatisch eine Erwartungshaltung an den Tag, welche sich im oberen High-End-Bereich ansiedelt, ob man will oder nicht. So auch bei dem in den USA gefertigten Portico II, einem Channel-Amplifier, der die wichtigsten Baugruppen eines Vorverstärkers wie Aufholverstärker, Entzerrer und Kompressor beinhaltet. Zudem hat das Produkt noch einen schaltungstechnischen Trumpf in der Hand, welcher der Konstruktion eine Einzigartigkeit bezüglich des Klangs zukommen lässt. Hierzu mehr im folgenden Test. Die Bezeichnung Channelstrip hört Mr. Neve übrigens nicht so gerne, da sie das Produkt in seinen Augen abwertet …

Rupert Neve Designs Portico II Channel

Rupert Neve Designs Portico II Channel

Konstruktion

Wer den Portico II erstmals in die Hand nimmt, erfährt unmittelbar das Gefühl von wertigem Equipment. Das 2 Höheneinheiten beanspruchende Gehäuse kommt mit stattlichen 9 Kilogramm Gewicht daher, was unter anderem auch dem sehr kräftigem Stahlblech und einer Aluminium-Frontplatte von knapp 5 Millimetern geschuldet ist. Das gesamte Erscheinungsbild ist sehr edel, was durch die hinterleuchteten Plexiglas-Druckschalter nochmals untermauert wird. Alle Regler laufen gleichmäßig mit einem angenehmen Drehwiderstand bzw. rasten sauber in ihren Positionen ein.

Im Bezug auf die Qualität der Bauteile wird an nichts gespart, diskrete Operationsverstärker, selektierte Halbleiter sowie speziell gefertigte Eingangs- und Ausgangsübertrager sollen ihren Teil zu einer perfekten Signalübertragung beisteuern. Zudem sind nahezu alle spannungsrelevanten Komponenten überdimensioniert beziehungsweise arbeiten mit einem überdurchschnittlichen Headroom, was man anhand der Spannungsversorgung von 36 Volt und dem aufgrund seiner Größe an einen Gitarren-Röhrenverstärker erinnernden Ringkerntransformator erkennen kann.

Bezüglich der Signalverarbeitung wurde der Rupert Neve Design Portico II sowohl für Mikrofon- als auch für Mono-Linesignale konzipiert. Rückseitig befinden sich neben zwei symmetrierten Mikrofon- und Lineeingängen im XLR Format ein Sidechain-Einschleifweg in 6,35 Millimeter Klinke und 2 Link-Buchsen zwecks Daisy-Chain-Verschaltung. Zudem kann das Gehäuse mit einem Ground-Lift versehen werden. Hochohmige Signale, wie zum Beispiel ein passiver E-Bass, lassen sich sinnigerweise über eine Klinkenbuchse auf der Frontseite des Gerätes anschließen. Über den Gain-Regler ist eine Verstärkung bis zu +66 dB möglich, was wahrlich alle anliegenden Signale erfassen sollte. Was hier in Sachen Pegel darunter liegt, wird zwangsweise in Nebengeräuschen ersaufen.

Die Abstufung erfolgt in 6 dB Schritten, welche in einem darüber liegenden Trim-Potentiometer nochmals in +/- 6 dB angeglichen werden kann. Eine seitlich platzierte LED wacht über eventuell anliegende Peaks. Die doppelte Unterteilung des Aufholverstärkers erlaubt eine extrem feine Abstufung und wird bei korrekter Handhabung das Maximale aus dem anliegenden Signal heraus holen. Ein Eingangswahlschalter, Phasenumkehr, ein Mute Button, 48V Phantomspeisung und eine Thru-Klinkenbuchse des Hz-Eingangs schließen die Bestandsaufnahme der ersten Signalstufe ab. Ein Trittschallfilter, welches stufenlos zwischen 20 – 250 Hz einstellbar ist und mit einer Flankensteilheit von 12 dB pro Oktave arbeitet, bildet die erste Stufe der Signalverarbeitung. Das abschaltbare Filter kann zudem über einen Sidechain-HPF Button aus dem Signalweg des Kompressors entfernt werden, um mittels der energiereichen Tieffrequenzen nicht die Arbeitsweise des Kompressors zu verfälschen.

Klangbeispiele
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