Zwei Kompressoren - grenzenlose Möglichkeiten
Der Rupert Neve Designs OptoFET Kompressor vereint zwei unterschiedliche Kompressorschaltungen in einem flachen 1 HE Rack-Gehäuse: ein neu entwickelter FET-Kompressor und ein Opto-Kompressor, die sich auf vielfältige Weise miteinander kombinieren lassen. Darüber hinaus bietet das Gerät spezielle Funktionen, um dem Signal harmonische Oberwellen hinzuzufügen.
- Klangkonzept: Charakterstarker Effekt-Kompressor mit klarer Neve-DNA, der bewusst Farbe, Punch und musikalische Sättigung liefert.
- Flexibilität: Serieller Dual-Stage-Betrieb oder Dual-Band-Kompression mit frei wählbarer Reihenfolge der beiden Sektionen.
- Oberwellen: GRIT und BLOOM erzeugen deutlich hörbare harmonische Obertöne und erweitern den klanglichen Gestaltungsspielraum massiv.
- Praxis: Enorm vielseitig für Drums, Vocals und Instrumente, verlangt jedoch Erfahrung und überlegte Bedienung.
- Fazit: Hochwertig verarbeitet, einzigartiges Konzept und klanglich herausragend – ein kompromissloser Best Buy.
Inhaltsverzeichnis
Der neue OptoFET ermöglicht eine nahezu grenzenlose Anzahl an Kompressionskombinationen, wie man sie bisher kaum gesehen oder gehört hat. Und schon gar nicht von einem eher konservativen Hersteller wie Rupert Neve Designs. Ein äußerst spannendes Gerät, wie wir sehen werden!
Die Ausstattung des RND OptoFET
Zwei hochwertige Kompressoren in einem flachen 1 HE Rack-Gehäuse? Rupert Neve Designs verspricht, trotz des kompakten Formfaktors, keine Kompromisse eingegangen zu sein.
Der komplett neu entwickelte FET-Kompressor ermöglicht Attack-Zeiten von 300 µs bis 50 ms sowie Release-Zeiten von 50 ms bis 1,5 s. Zudem stehen zwei wählbare Ratios (4:1 und 8:1) zur Verfügung, ein Sidechain-Highpass-Filter, um Frequenzen unter 125 Hz von der Kompression auszunehmen, sowie ein „GRIT“-Schalter, auf den wir später noch genauer eingehen werden. Ein Blend-Regler erlaubt das Mischen von unkomprimiertem und komprimiertem Signal, während der sehr griffige rote Gain-Regler den Ausgangspegel anpasst. Laut Hersteller wurde dieser FET-Kompressor speziell für den OptoFET entwickelt und soll sich besonders harmonisch und „richtig“ anfühlen.
- Die FET Sektion
- Der Crossoverbereich
- Die Opto Sektion
Der Opto-Kompressor des Rupert Neve Designs OptoFET ist ähnlich ausgestattet: ein Attack-Regler mit prinzipbedingt langsameren Reaktionszeiten (5 ms bis 50 ms), ein Release von 50 ms bis 1,5 s identisch zur FET-Sektion sowie wählbare Ratios von 2:1 und 5:1.
Auch hier stehen ein Sidechain-HPF, ein Blend-Regler und ein Makeup-Gain zur Verfügung. Das Hinzufügen harmonischer Anteile übernimmt beim Opto-Kompressor der „BLOOM“-Schalter.
Beide Kompressoren verfügen jeweils über ein eigenes Threshold-Poti zur individuellen Anpassung der Empfindlichkeit, das über eine LED-Kette visuell dargestellt wird. Am Ein- und Ausgang befinden sich zudem je ein rotes Poti für Input und Output, wobei letzteres über eine Peak-Anzeige für den Ausgang verfügt.
Harmonische Oberwellen mit GRIT und BLOOM
Der Rupert Neve Designs OptoFET präsentiert sich ganz klar als Effekt-Kompressor. Anders als analytisch-nüchterne Vertreter seiner Art (elysia, SPL etc.) verleiht er dem Signal bewusst Charakter und das gewisse Etwas.
Man kennt den warmen, „punchy“ Klang des legendären Neve 1073 Preamps und genau in diese klangliche Tradition soll sich auch der OptoFET einreihen. Dafür wurden spezielle Schaltungen entwickelt, die gezielt Oberwellen erzeugen und den Charakter der jeweiligen Kompressorsektion verstärken.
Die GRIT-Funktion wird von RND sogar als Wave Shaper bezeichnet und erzeugt im oberen Frequenzbereich kräftige harmonische Obertöne, die dem Signal Frische und Aggressivität verleihen.
Die BLOOM-Schaltung wirkt dagegen stärker im unteren Frequenzbereich und soll den runden, warmen Charakter eines Opto-Kompressors weiter betonen. Laut Hersteller ist der Effekt so präsent, dass er in bestimmten Fällen sogar einen Equalizer ersetzen könne, da waren wir natürlich gespannt.
Von anderen Neve Geräten kennt man bereits die „SILK“-Schaltung, die den Ausgangsübertrager sättigt und so Obertöne zweiter und dritter Ordnung erzeugt. Dieser Effekt ist eher subtil. GRIT und BLOOM hingegen sind deutlich wahrnehmbar und verändern den Klang klar hörbar.
Die globale Steuerung des RND OptoFET
Schon beim ersten Nachdenken eröffnen sich zahlreiche Möglichkeiten, zwei Kompressoren in einem Gerät einzusetzen und genau hier enttäuscht der OptoFET kein bisschen.
Im Dual-Stage-Modus lassen sich beide Kompressoren klassisch hintereinanderschalten. Per Knopfdruck kann die Reihenfolge der beiden Sektionen getauscht werden. Dieser Modus wird über die FLIP-Taste im zentralen Bedienfeld aktiviert.
Alternativ steht der Dual-Band-Modus zur Verfügung (aktiviert über „X-OVER IN“). Mit dem Crossover-Regler legt man fest, ab welcher Frequenz der FET-Kompressor arbeitet und ab wann der Opto-Kompressor übernimmt. Auch hier lässt sich die Reihenfolge tauschen, also entweder FET für den Bassbereich und Opto für die höheren Frequenzen oder umgekehrt.
Um stets den Überblick zu behalten, kennzeichnet RND den aktuell gewählten Modus über entsprechende LEDs – sehr übersichtlich gelöst.
Doch damit nicht genug: Je nachdem, ob der Sidechain-HPF aktiviert ist oder nicht, beeinflusst der Gain eines Kompressors das Verhalten des anderen. So lässt sich beispielsweise der Bassbereich subtil verdichten, während ein hoher Makeup-Gain den Opto-Kompressor bewusst heiß anfährt, was dessen Klangcharakter deutlich verändert. Kombiniert man dies noch mit GRIT und/oder BLOOM, bekommt man eine Vorstellung davon, wie groß der klangliche Spielplatz des OptoFET wirklich ist.
Verarbeitung und Anschlüsse des RND OptoFET
Der Rupert Neve Designs OptoFET ist sehr hochwertig und professionell verarbeitet. Die 31-stufigen Regler liegen hervorragend in der Hand und selbst mit meinen recht großen Händen ließ sich der OptoFET problemlos und „fummelfrei“ bedienen.
Alle Funktionen werden zuverlässig über LEDs bestätigt und sämtliche Schalter, Buchsen sowie Bedienelemente machen einen äußerst langlebigen Eindruck.

Auf der Rückseite befinden sich ein Ground-Lift zur Vermeidung von Brummschleifen, ein symmetrischer XLR-Ausgang sowie ein symmetrischer XLR/TRS-Combo-Eingang. Der OptoFET verfügt über ein internes Netzteil.
Auch Beschriftung, Materialstärken und Verarbeitung bewegen sich auf höchstem Niveau, von mir gibt es dafür eine glatte Eins mit Sternchen.
Der Rupert Neve Designs OptoFET in der Praxis
Da beide Kompressoren einzeln zu- und abschaltbar sind, kann man sich Schritt für Schritt in die Klangwelt des OptoFET einarbeiten:
- Wie klingt der FET-Kompressor?
- Wie wirkt das Sidechain-HPF?
- Was bewirkt der GRIT-Schalter?
Dann dasselbe mit dem Opto-Kompressor:
- Wie „drückt“ er?
- Wie reagiert das optische Element auf hohen Eingangspegel?
- Und welchen Einfluss haben Attack, Release und natürlich BLOOM?
Nach einigen Tagen mit dem Gerät bin ich restlos begeistert. Die einzelnen Kompressoren – allein oder in Kombination – sind eine echte Wucht. Das Arbeiten im Dual-Stage-Modus (seriell) oder im Dual-Band-Betrieb (Frequenzaufteilung zwischen beiden Kompressoren) eröffnet eine enorme Bandbreite an klanglichem Ausdruck.
Die GRIT-Funktion ist ziemlich empfindlich. Bei Aktivierung der Funktion wird die Menge an Oberwellen durch den Blend-Regler gesteuert. Bei deutlich mehr als 50 % finden wir schon einige Verzerrungen im Audiomaterial, also hier bitte sanft rangehen. Der BLOOM-Schalter hingegen ist in meinen Tests eine Allzweckwaffe: Aktiviert klingt es immer besser!
Gibt es kein „Aber“? Doch. Unerfahrene Nutzer könnten sich in den vielen Möglichkeiten leicht verlieren und schöpfen das Potenzial des Konzepts nicht voll aus. Natürlich ist der OptoFET ein Gerät für erfahrene Nutzer, die wissen, wie sie ihren Klang gestalten wollen. Entsprechend gilt beim Rupert Neve Designs OptoFET: Erst nachdenken, dann am Regler drehen. Ein erfahrener Toningenieur hat ja meist schon vor dem Einschalten eine klare Vorstellung vom gewünschten Ergebnis.
Audiobeispiele Drums
Beispiel Schlagzeug: Sollen Kick und große Toms weich und organisch klingen, während Snare und Hi-Hats hart und präsent bleiben? Oder alles weich? Oder alles aggressiv? Im folgenden Beispiel habe ich den Logic Pro Session Drummer mit dem OptoFET mit ganz unterschiedlichen Kombinationen grooven lassen.
- Drumtrack ohne jegliche Effekte
- Nur mit FET Kompressor
- Nur mit Opto-Kompressor
- Dual Stage FET + Opto
- Dual Stage Opto + FET
- Dual Band FET im Low Bereich unter 150 Hz
- Dual Band Opto im Low Bereich unter 150 Hz
Bei allen Beispielen habe ich die Einstellungen so gewählt, wie es typisch für Drums ist, mit längerem Attack für betonte und klare HiHats und Snare und einen kurzen Release für einen knackigen Kick. Es war jeweils das sanftere Ration gewählt (4:1 bzw. 2:1) bei 100 % Blend.
Bei den sieben verschiedenen Kombinationen gefällt mir Nr. 7 am besten: Der Opto ist einfach so schön cremig im Bassbereich und der FET-Kompressor macht die höheren Frequenzen sehr transparent und klar. Am Track Nr. 4 (Dual Stage FET vor dem Opto) merkt man, dass hier die Einstellungen gar nicht passen, während es andersherum durchaus passabel klingt.
Man könnte nun noch mit mehr Input die Kompressoren heißer anfahren und das SC Hochpass-Filter aktivieren, aber auch so hört man gut, wie unterschiedlich sich der Charakter der Drums verändert, nur indem man die Dual-Stage- oder Dual-Band-Varianten auswählt.
Klangbeispiele Frauenstimme
In diesem Beispiel hört ihr zuerst die unbearbeitete Frauenstimme. Dann den OptoFET nur mit dem FET-Kompressor mit schnellem Attack und schnellem Release, aber insgesamt eher zurückhaltend am Eingang. Kompression bei 4:1 und ohne GRIT und ohne SC HPF.
Im dritten Track dann die finale Fassung mit FET vorne und dann dem Opto in Serie. BLOOM war aktiviert und auch hier schnelle Attack- und Release-Zeiten. Im Gegensatz zum ersten Rohmaterial ist die Stimme lebendiger, voller und präsenter. Der Opto-Kompressor gibt hier mit dem BLOOM-Effekt einen sehr schönen Schmelz.
Klangbeispiele Männerstimme
Bei der Männerstimme klingt das Ausgangsmaterial (mit einem Shure SM58) zwar recht dynamisch, aber doch eher uninspiriert. Im zweiten Track wurde die Stimme erst durch den FET und dann in Serie durch den Opto geschickt, was der Dynamik und Durchsetzungskraft gut tut und auch mehr Wärme und Volumen bringt. Im umgekehrten Fall, also zuerst Opto und dann FET (dritter Track), ist es dann mit Volumen schon fast zu viel. Diese Variante ist bei einer sonoren Männerstimme eher nicht zu empfehlen.
Im Anschluss dann noch Track 4 mit der Demonstration des GRIT-Buttons. Hier merkt man deutlich die recht starke Neigung zum Verzerren. Diese Funktion bitte nur sehr sanft verwenden.
Der BLOOM hingegen (Track 5) macht alles richtig: Er gibt genau dort mehr Energie, wo es hilft. Eine sehr feine Zugabe in diesem tollen Kompressor.
Klangbeispiele akustische Gitarre
Hier wird deutlich, wie der Rubert Neve Designs OptoFET mit dem Klang einer akustischen Gitarre, aufgenommen über ein Kleinmembran-Kondensatormikrofon (Lewitt LCT140AIR), umgeht. Neben dem rohen Beispiel-Track habe ich in Track 2 im Dual-Stage-Mode für die Bässe den FET-Kompressor mit langem Attack, mittlerem Release aber recht steiler 8:1-Ratio in den Opto-Komprosser geschickt, der die Frequenzen ab 180 Hz bearbeitet – jeweils mit schnellem Attack und Release.
Das Ergebnis kann sich hören lassen. Der FET löst die Bässe sauber auf und der Opto gibt in den Mitten und Höhen viel Schmelz hinzu. Dreht man die Reihenfolge der beiden Kompressoren mit denselben Einstellungen um, dann fühlt sich das Ergebnis überkomprimiert an. Die Anschläge wirken hektisch und dem Sustain wird nicht genug Zeit gelassen.
In diesen Praxisbeispielen erkennt man sehr gut, dass man mit dem RND OptoFET sehr guten Klang erzeugen, aber ein einziger falscher Knopfdruck das Ergebnis zerstören kann. Deswegen nochmals meine Empfehlung: Erst nachdenken, dann einstellen. Dann wird es auch gut. Am Rupert Neve Designs liegt es definitiv nicht.
Mitbewerber des RND OptoFET
Mir ist kein anderer Kompressor bekannt, der zwei derart unterschiedliche Schaltungen in einem Gerät vereint. Zwar gibt es hybride Geräte wie den Black Lion Audio B172A, die FET- und Optokoppler in einem Signalweg kombinieren – jedoch nicht als getrennt regelbare Einheiten.

Ein fairer Vergleich wäre daher eher ein klassisches Setup aus FET- und Opto-Kompressoren. In vielen Studios stehen hierfür Universal Audio LA-2A (Opto) und 1176 (FET) im Rack. Zusammen liegen diese Legenden heute gebraucht bei knapp unter 10.000,- Euro.
Natürlich kann man auch auf Klone zurückgreifen, etwa von Warm Audio (WA-2A und WA76) oder Black Lion Audio (B172A und Seventeen). Letztlich bleibt es jedem selbst überlassen, sich eine solche Kombination frei zusammenzustellen.
Diese speziell aufeinander abgestimmte Kombination zweier hochwertiger Kompressoren mit enormer Flexibilität gibt es jedoch nur beim Rupert Neven Designs OptoFET, dazu noch im platzsparenden 1 HE Format und zu einem vergleichsweise moderaten Preis von 2.199,- Euro.
Einen ähnlichen Ansatz, allerdings mit völlig anderer Technologie, verfolgt lediglich der SSL BUS+ mit seiner frequenzabhängigen Kompression.
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Super Gerät und Test, danke Jörg Hoffmann.
Genau so etwas, habe nichts so, muss ich unbedingt noch haben.
…… dann habe ich wirklich alles und brauche nichts mehr 🙂
@masterBlasterFX Es ist mir eine Freude!
Wirklich interessantes Gerät und ein schöner Test dazu!
Die Kombination FET und Opto macht auf jeden Fall Sinn. Ich verwende bei mir im Studio auch einen Universal Audio LA-610 MK2 als Opto-Kompressor und einen Klark Teknik KT-76 als FET-Kompressor.
Da ich beide Geräte in Cubase als externe Hardware eingebunden habe, kann ich die Reihenfolge per Mausklick ebenfalls ändern. Aber Alles in einem Gerät zu haben inklusive speziell entwickelter Schaltungen zur Erzeugung harmonischer Oberwellen ist natürlich ein feines Tool.
Also bei den Drums finde ich ja das Original mit Abstand am Besten, liegt aber vermutlich daran, dass es Stereo ist und die anderen Beispiele wohl nur Mono.
@ollo das habe ich auch so gehört. Ich dachte schon ich habe was an den Ohren.
Ich finde die Soundbeispiele unmöglich. Das klinkt wie mit dem Smartphone aufgenommen. Für einen Pro-Kompressor sollte man doch wenigstens grundlegende Dinge bei der Aufnahme der Audiobeispiele machen. Oder einfach jemanden Fragen, der sich damit auskennt. Tut mir leid für mein Gemecker, aber so ist der Soundtest maximal sinnlos.
@Vertigo82 Hallo, ja, die lieben Soundbeispiele…
Vielleicht sollte man sich mal klar machen, dass ein Shure SM57/58 genau so klingt, wenn man es nicht durch einen EQ schickt! Was nützen denn Audiobeispiele, wenn ich sie bestmöglich optimiere? Was helfen Gitarrenklänge, wenn sie mit Reverb und EQ verschönert werden?
Ich habe hier sehr gutes Equipment, aber ich versuche hier immer den Effekt / Klang des zu testenden Geräts herauszuarbeiten und nicht ein fertig abgemischtes Sample.
Bitte das zu berücksichtigen.
Gruß, Jörg