Test: Ryouta Kira KQ Dixie iOS App, FM-Synthesizer

4. April 2018

Frischer Wind für DX7er

KQ Dixie AudioUnit, Universal
Ryouta Kira
4,49 Euro, App-Store

Dixie Hauptfenster

Nachdem man sich erstmal herzlich über den Namen amüsiert hat, wird der geneigte iOS-Musiker feststellen, dass es sich bei diesem App um eine extrem naturgetreue Emulation eines Yamaha DX7 handelt. An dieser Stelle gehe ich bestimmt nicht mehr auf das Original ein, das hat Kollege Klaus-Peter Rausch schon hervorragend getan (siehe Links).

Dixie – Param Seite

 

Wichtig an dieser Stelle ist nur, dass der Dixie auch dazu gemacht ist, als graphische Bedienoberfläche fast alle Parameter eines DX7 per MIDI fernzusteuern. Quasi als natürliche Konsequenz davon  kann Dixie auch SysEx-Patches von der Hardware 1 zu 1 übernehmen kann. Das allein macht Dixie schon zur Nr. 1 unter den DX7-Emulationen auf iOS.
Einfach die gezippten oder einzelnen SysEx-Dateien über iTunes File-Sharing, die Dateien-App, oder iCloud in Dixie kopieren und los geht’s.

Dixie – SysEx Import

Leider erlaubt die Preset-Verwaltung in der AudioUnit-Version nicht das Zugreifen auf gezippte oder in Verzeichnisses organisierte Dateien, sondern verlangt eine flache Dateiorganisiation. So müssen in der IA/A/Standalone-Version die einzelnen SysEx-Dateien unter Umständen separat geladen und abgespeichert werden, was schon ein Stück Arbeit sein kann, bei den vielen DX7-Patches, die da draußen im Web umherschwirren.
Die App kann nur einen Patch auf einmal laden, ist also nicht etwa multitimbral. Da sie aber als AudioUnit vorliegt und somit beliebig oft instanziiert werden kann, ist das aber auch kein Problem.

Die Oberfläche an sich ist die Offenlegung fast aller Parameter des DX7 und ist damit um einiges bedienungsfreundlicher als das Original. Wie ich schon öfter geschrieben habe, u.a. beim iPhrophet, Casio CZ und der iWavestation, macht der Touchscreen diese Synthesizer zum ersten Mal wirklich erfahrbar und spielt seine Vorteile gegenüber diesen unleidlichen 2-Zeilen-LCD- und 10er-Tastertur-Interfaces voll aus, wie es auch mit einem Hardware-MIDI-Controller nicht möglich ist. Allenfalls was in der Art der alten Novation Zero Controller käme da noch mit, diese Unmengen an Parametern zu bewältigen.

Dixie – Operatorenanordnung

Der Komfort fängt schon damit an, dass sich die 31 Verschaltungen der 6 FM-Operatoren in ihrer grafischen Darstellung auswählen lassen und man nicht wieder erst im Handbuch nachschlagen muss, welche Anordnung Nr. 27 wieder war.

Dixie Parametereditierung Hüllkurven

Die einzelnen Parameter der FM-Operatoren lassen sich nicht direkt auf der Oberfläche editieren. Stattdessen öffnet sich für jeden Parameter per Antippen ein kleines Fenster, in dem selbiger per Wischen und Ziehen manipuliert werden kann. Hüllkurven lassen komfortabel mit dem Finger anpassen und numerische Werte können per vertikalem Ziehen erhöht oder vermindert werden. Für Feineinstellungen gibt es noch die +/- Taster.

Dixie – Parametereditierung Keys

Wenn sich nun bei einigen solche Gedanken aufdrängen, dass das umständlich wäre, nicht intuitiv und überhaupt „auch nicht besser als Tasten-Menüs“, kann ich sie beruhigen. Nein, ist es nicht!

Es mag vielleicht nicht das Ultimum sein, wie die Einblendung der Parameterskalierung  bei Thor von Propellerhead, aber es ist eine extrem gute, intelligente Lösung für das universale Design und die verschiedenen Größenanforderungen von AudioUnit, iPhone und iPad. Für AudioUnits ist es Vorgabe, dass die Fenstergröße skalierbar sein muss, was so manchen skeuomorphischen Oberflächen arge Probleme bereitet und sie sich nicht optimal der gewünschten Fenstergröße anpassen lassen, auch wenn Moog Model 15 das trotzdem ganz gut hinbekommt.

Dixie – Auch ganz klein noch editierbar

Bei der vektorisierten Oberfläche von Dixie passen sich die Operatormodule immer der Fenstergröße an und wird das Fenster zu klein, lässt sich bequem durch die Oberfläche scrollen. Die Parameter bleiben aber selbst bei kleinster Fenstergröße noch editierbar.

Dixie – iPhone Parameter

Ähnlich auf dem iPhone. Die Parameter direkt auf der Oberfläche bedienen zu wollen, wäre eine Tortur sondergleichen. Stattdessen nutzt die Parameterdarstellung immer den größten Teil des Bildschirm aus, ohne einer flüssigen Bearbeitung im Weg zu stehen. Sicher, mit dem iPhone musikalisch zu arbeiten, ist immer eine Komforteinbuße gegenüber einem iPad und ich persönlich sehe iPhone-Versionen meist auch mehr als eine nette Dreingabe zur iPad-Version. Es mindert aber in keiner Weise die Fähigkeiten des iPhones und dass es seinen Platz und Nutzen in der iOS-Musiknische hat.

dixie iPhone – Auswahl

 

Fazit

Ob jetzt Dixie so klingt wie ein DX7, lasse ich mal dahingestellt. Es ist ein 6-Operatoren FM-Synthesizer, der alles liefert, was man von einem FM-Synthesizer erwarten kann. Von extrem druckvollen Tiefen zu glasklar scheidenden Höhen und allem, was dazwischen liegt. Die Patch-Kompatibilität wird Nicht-Besitzer der Hardware erfreuen, eröffent sie doch den Zugriff auf Tausende von „neuen“ Sounds und an der MIDI-Kompatibilität mit dem DX7 werden sicher Besitzer der Orginal-Hardware ihre helle Freude haben. Zumal man die neu erstellten Klänge ja auch gleich in Dixie verwenden kann.
Bis auf die Farbauswahl der Oberfläche ein rundum gelungener Synthie!

Plus

  • Klang
  • DX7-Kompatibilität
  • Skalierbarbeit

Minus

  • Farbpresets alle nicht besonders augenfreundlich

Preis

  • 4,49 Euro
Forum
  1. Profilbild
    amazonaman  AHU

    Der Entwickler sollte sich mit einem Grafiker anfreunden. Ansonsten muss ich für mich sagen sind die Originale aus den 80zigern die besten, und die schlechten Wandler sind durchaus interessant, das zeigt die Entwicklung des Akai S950 Wandler Simulator als VST der hier kürzlich getestet wurde. Mußte ich mir zugelegt, sehr gutes Teil!

    • Profilbild
      Markus Schroeder  RED

      Das finde ich ja immer das Tolle an digitaler Audiobearbeitung: Du kannst Dir die Klangfarbe selbst festlegen. Bei den Hardware-Teilen musst Du immer mit der Klangfarbe leben, die Dir aufgetischt wird. Im Digitalen / in der DAW kannst Du im Detail auswählen wie Dein Klang erodiert werden soll.

      Das „schlechte DAC, guter Sound“ gabs z.B. beim Commodore AMIGA so. Der klang auch nur so gut, WEIL die DACs so schlecht waren und vieles einfach übermalt haben und die Musiker haben damit gearbeitet. Wenn Du dir einige Tracker-Mods von damals auf saubern DACs anhörst ist das fast nicht mehr ertragbar.

  2. Profilbild
    Wellenstrom  AHU

    @ Markus Schroeder
    „Das finde ich ja immer das Tolle an digitaler Audiobearbeitung: Du kannst Dir die Klangfarbe selbst festlegen. Bei den Hardware-Teilen musst Du immer mit der Klangfarbe leben, die Dir aufgetischt wird. Im Digitalen / in der DAW kannst Du im Detail auswählen wie Dein Klang erodiert werden soll.“

    Schön auf den Punkt gebracht. Sobald die Aufnahmen einen gewissen Umfang erreichen, kommt man durchaus nicht selten auf die Idee, an den Sounds noch mal rumschrauben zu müssen – und sie für das „Puzzle“ an den Kanten schleifen zu wollen. Und das geht oftmals direkt über die Oszillatoren, Modulationseinstellungen, Filtereinstellungen etc. und eben nicht nur über EQs usw.

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