Gelungene Neuinterpretation eines Klassikers
Der Original P ist eine Hommage an den ersten Preci aus den frühen 50er-Jahren. Mit einem gelungenen Konzept aus authentischen Eigenschaften nahe am Vorbild sowie eigenen Elementen hat Roger Sadowsky eine überzeugende Neuinterpretation des Klassikers geschaffen, die Spaß macht zu spielen und in jeder Konstellation richtig gut klingt!
Worum geht es? Der Sadowsky Original P interpretiert den frühen Precision Bass der 50er-Jahre neu und kombiniert Vintage-Vibe mit modernen Features.
- Sound: Holzig, dynamisch und authentisch – der Lollar-Single-Coil liefert überzeugenden Oldschool-Preci-Ton.
- Elektronik: Die aktive Sadowsky-Elektronik erweitert den klassischen Sound sinnvoll um moderne Flexibilität.
- Handling: Jazz-Bass-Hals, geringes Gewicht und perfekte Verarbeitung sorgen für hohen Spielkomfort.
- Verarbeitung: Hochwertige Materialien, makellose Bundierung und exzellente Detailarbeit auf Top-Niveau.
- Charakter: Vintage-Feeling mit modernen Features – ein inspirierender Bass mit eigenständigem Konzept.
Inhaltsverzeichnis
Über den Sadowsky Original P
Der Sadowsky Original P ist eine moderne Interpretation des legendären frühen Precision-Bass-Konzepts aus den 50er-Jahren und verbindet authentischen Vintage-Vibe mit den typischen Sadowsky-Tugenden in Sachen Spielkomfort, Verarbeitung und Sound. Das hier getestete Modell wird ausschließlich auf Anfrage gebaut und gehört damit eher zu den exklusiveren Instrumenten im Portfolio. Allerdings bietet Sadowsky auch zahlreiche andere hervorragend verarbeitete Bässe an, die leichter verfügbar sind und ebenfalls den charakteristischen Sound und die hohe Qualität der Marke liefern.
Die Specs
- Body: Alder
- Neck: Maple
- Fingerboard: Rosewood
- Profil: 20 Frets, 9″-Radius, 1 ½ Nut Width (Jazz Bass)
- Hardware: Chrome
- Pickup: Lollar Single Coil
- Weight: 3,74 kg

Aufbau und Verarbeitung
Der Sadowsky Original P ist eine Neuinterpretation des ersten Modells von Leo Fender, as 1951 das Licht der Welt erblickte und heute vor allem als „53er“ bekannt ist. Das Design unterscheidet sich deutlich vom später berühmt gewordenen Precision Bass von 1957 und besitzt noch den ursprünglichen Single-Coil. Roger Sadowsky geht es bei diesem Instrument nicht um den perfekten Nachbau des Originals, sondern um eine moderne Neuinterpretation, die den Vibe und Sound des Vorbilds einfängt und mit zeitgemäßen Features kombiniert.
Mit einer Holzkombination aus Erle, Ahorn und Palisander sowie einem Single-Coil von Lollar in authentischer Position bringt der Sadowsky Original P die richtigen Voraussetzungen mit, um klanglich möglichst nahe an sein großes Vorbild heranzukommen. Das 2-Tone-Sunburst sowie das große Schlagbrett im Telecaster-Design sorgen für ein stimmiges Erscheinungsbild. Einen deutlichen Unterschied macht allerdings der verwendete Klarlack, der optisch wie auch haptisch völlig anders daherkommt als ein altes Nitro-Finish.
Was Hardware und Elektronik angeht, beschreitet der Sadowsky Original P dagegen eigene Wege. Anstelle einer 2-Saddle-Bridge wurde hier das gängige Eigenmodell von Roger verbaut, ebenso wie die Lightweight-Tuner an der Kopfplatte. Gleiches gilt für die Security-Locks von Dunlop und natürlich die berühmte aktive Sadowsky-Elektronik. Ein weiterer großer Unterschied zum Original ist der Hals. Zum einen wurde hier ein moderner Spannstab mit dem von Roger üblichen System verbaut, zum anderen besitzt der Hals Maße und Profil eines Jazz Basses, was sich unter anderem im Griffbrettradius bemerkbar macht. Natürlich ist der Sadowsky Original P auch gechambert, was ihn mit 3,74 kg angenehm leicht macht und ebenfalls einen deutlichen Unterschied zur Version von Leo Fender darstellt.
Die Verarbeitung des in NYC hergestellten Basses ist wie üblich auf sehr hohem Niveau. Jede Schraube sitzt perfekt, der Hals ist bombenfest und ohne die kleinste Lücke in der Tasche verankert, die Abrichtung der Bünde ein Traum. Ganz klar: Roger und sein Team verstehen ihr Handwerk – hier gibt es absolut nichts zu beanstanden.
Angespielt!
Auch wenn ein 53er-Modell eher zu den Exoten auf dem Markt gehört, schafft es der Sadowsky Original P von Anfang an, eine gewisse Vertrautheit mitzubringen. Der Body fügt sich im Sitzen wie im Stehen dank seines Shapings wunderbar an den Körper an, die leichten Mechaniken sorgen für eine tolle Balance und dank des geringen Gewichts trägt sich das Instrument auch mühelos an der Schulter. Während Leo Fender damals beim Hals auf ein „U“-Profil setzte, hat Roger Sadowsky dem Bass eher ein flaches „C“ verpasst. Dementsprechend fühlt er sich wie ein typischer Jazz Bass an und lässt sich mühelos spielen. Dank der hervorragenden Abrichtung der Bünde ist zudem eine wunderbar flache Saitenlage realisierbar, was mir persönlich sehr gut gefällt.
Bereits unplugged entwickelt der Sadowsky Original P einen großen und dynamischen Ton. Das Instrument schwingt extrem intensiv durch, es vibriert förmlich unter den Fingern, der Ton ist laut und holzig – einfach klasse. Deadspots sucht man vergeblich, der Bass klingt über alle Lagen und Bünde gleichermaßen gut. Bereits im akustischen Zustand reagiert der Sadowsky Original P stark auf verschiedene Anschlagspositionen der rechten Hand. Man hat zu jeder Zeit das Gefühl, ein ehrliches Feedback zu bekommen. Das macht definitiv Lust auf mehr!
Der Sound am linearen Interface
In bewährter Vorgehensweise hören wir zunächst einmal in den passiven Sound hinein – das Original von Leo Fender war schließlich ebenfalls so aufgebaut. Durch das Ziehen der VTC wird der Sadowsky-Preamp aus der Signalkette entfernt, sodass lediglich Volume und Tone zur Verfügung stehen. Für die vier Beispiele habe ich ein paar typische Riffs eingespielt und dabei die Höhenblende jeweils um eine Vierteldrehung weiter geschlossen. Die Signalkette verläuft über ein Kabel von Vovox in die Radial J48 und von dort ins Interface. Die aktive DI-Box aus Kanada ist für ihren hochwertig linearen Sound bekannt und spiegelt den Klang des Instruments entsprechend optimal wider.
Grundsätzlich bringt der Sadowsky Original P einen tollen holzigen und knorzigen Ton mit sich. Der Single-Coil aus dem Hause Lollar liefert einen klasse Sound und kommt meiner Meinung nach auch nah an das Original heran. Der Bass klingt über alle Lagen offen, dynamisch und spritzig. Die E- und A-Saiten drücken und pumpen, wenn man sie attackiert, in den hohen Registern kann es dagegen weich und gesanglich zugehen.
Selten habe ich ein so ehrliches Feedback von einem Instrument bekommen. Besonders gut gefällt mir der einheitliche Sound über alle Saiten hinweg. Im Gegensatz zu seinem Bruder mit Split-Coil hört man beim Sadowsky Original P nicht den üblichen Übergang zwischen A- und D-Saite. Wie beim Jazz Bass bleibt der Charakter des Pickups konstant.
Die klangliche Intensität des VTC würde ich im Vergleich zu anderen passiven Precision- oder Jazz-Bässen im mittleren Bereich ansiedeln. Sie greift hörbar in den Ton ein, bringt aber nicht ganz so viele Nuancen mit wie andere Regler. Das hat natürlich den Vorteil, dass man nicht extrem fein justieren muss, sondern auch etwas beherzter am Poti drehen kann.
Gleichzeitig bringt es allerdings den Nachteil einer etwas geringeren Vielseitigkeit mit sich. Persönlich finde ich das für den Nachbau eines Ur-Preci aber vollkommen in Ordnung – solch einen Bass spielt man nicht wegen seiner klanglichen Variationen, sondern weil man genau diesen einen Sound haben möchte.
Ein weiterer Faktor ist natürlich auch der Einfluss der Saiten: Da diese bekanntlich weniger Höhen entwickeln als Roundwounds oder Steels, gibt es für die Höhenblende auch weniger Frequenzen zum Bearbeiten.
Für die nächsten Beispiele kommt die aktive Elektronik ins Spiel. Durch das Drücken der VTC wird der Preamp wieder in die Signalkette genommen, was mit einem deutlich höheren Output einhergeht. Nach erneutem Einpegeln auf dieselbe Lautstärke ist der klangliche Unterschied zwischen aktivem und passivem Betrieb zwar noch hörbar, bei neutral eingestellter Elektronik aber nicht so groß, wie man vielleicht erwarten würde.
Der Preamp macht den Sound insgesamt etwas fetter und dicker und bringt auch ohne Boost bereits einen leichten „Scooped Sound“ mit. Dieser zusätzliche Schub bringt den Bass im Bandmix weiter nach vorne und ist sicherlich einer der Gründe, warum die Bässe von Roger Sadowsky bei Working-Bassisten auf der ganzen Welt so beliebt sind.
Da die Elektronik für ihren kräftigen Boost bekannt ist, habe ich diese nur behutsam eingesetzt. Das erste Riff bekam eine Vierteldrehung am Bass-Poti, um den Sound etwas anzudicken, beim zweiten Beispiel habe ich zusätzlich die Höhen leicht angehoben. Das Signal gewinnt dadurch an Griffigkeit und Tiefe, ohne den natürlichen Klang des Instruments zu stark zu verändern.
Natürlich will so ein auf alten Preci getrimmter Bass auch authentisch mit einem Schwamm gespielt werden. Für mich persönlich blüht das Instrument so erst richtig auf – die Kombination aus Single-Coil, Flatwounds und Mute passt einfach hervorragend zusammen. Egal ob soulige Motown-Linie oder knackiger Riff mit Pick, der Sound inspiriert und macht richtig Spaß.
Dank der aktiven Elektronik und dem leichten Boost von Bässen und Höhen läuft man zudem nie Gefahr, den Klang zu dunkel und muffig werden zu lassen und dadurch im Bandmix unterzugehen. Der Sadowsky Original P liefert hier die perfekte Kombination aus authentischem Sound und modernen Ansprüchen!
Der Sadowsky Original P am Röhren-Preamp
Wer sich für solch ein Instrument interessiert, möchte in der Regel auch den passenden Amp dazu nutzen. Und was liegt in diesem Fall näher, als einen Precision Bass mit Flatwounds mit einem Röhren-Amp zu kombinieren? Zu diesem Zweck habe ich mich für zwei tolle Tube-Preamps der kleinen Manufaktur Sushi Box entschieden.
Der Ein-Mann-Betrieb aus Illinois ist hierzulande nach wie vor ein echter Geheimtipp, muss sich qualitativ aber keineswegs vor den großen Namen verstecken. Man hat es sich zur Aufgabe gemacht, große und bekannte Tube-Amps zu klonen und zu moderaten Preisen anzubieten. Das gelingt mit Bravour, weshalb ich jedem empfehlen kann, sich diese Pedale einmal genauer anzuschauen – hier kann man auch abseits des Mainstreams wunderbar glücklich werden.
Als ersten Preamp habe ich das Nobelium ausgewählt, einen Clone des berühmt-gehypten Noble Preamps. In meinem Podcast TiefTonTalk habe ich diesen in einem Blindvergleich mit dem Original getestet und auch wenn ich das Ergebnis jetzt spoilere: Einen Unterschied von über 1.000,- Euro hört man nicht … Wer es genauer wissen will, hier geht es zur entsprechenden Episode!
Wie sein Vorbild bringt das Nobelium einen Low-Cut bei 80 Hz mit, der sehr gut zum Sadowsky-Preamp passt. Entsprechend habe ich Bass- und Höhenpoti am Instrument ordentlich – etwa auf zwei Drittel – aufgedreht, um gleichzeitig mit dem Low-Cut unten herum etwas aufzuräumen. Den EQ des Nobelium habe ich beim ersten Beispiel neutral gelassen, damit der Einfluss der Röhre gut hörbar bleibt. Für das zweite Riff habe ich dann noch etwas Bass am Pedal hinzugegeben.
Ich denke, es überrascht niemanden, dass eine solche Kombination einen überragend guten Sound liefert. Die Röhre des Sushi Box Nobelium bringt die typische Dicke einer Tube-Schaltung mit und passt hervorragend zum Klangbild des Sadowsky Original P. Der fette, wuchtige und warme Ton bleibt dabei aber immer definiert und dreidimensional und erfüllt damit alle Anforderungen, die ich an ein gutes Bass-Signal stelle – einfach nur mega!
Zum Abschluss der Testrunde habe ich den Bass wieder in den passiven Modus versetzt und ihn mit dem Sushi Box Slampegg kombiniert, einem Clone des berühmten Ampeg-Sounds. Die Kombination aus Fender Precision Bass und SVT samt Kühlschrank gehört sicherlich zu den meistgenutzten Bass-Sounds der Welt. Und auch hier macht der Sadowsky Original P eine hervorragende Figur: Ob leicht angezerrter Rock-Sound oder die berühmte „Badewanne“ – die Kombination liefert Sounds auf höchstem Niveau und macht richtig Spaß zu spielen!
































Toller Bass, aber ab 4000€ definitiv zu teuer.