Test: Samplitude 11

Neue Effekt-Plug-ins

Endlich sind mit dem Mastering-tauglichen EQ116 und dem Maximizer sMax 11 auch für edle Mischungen und finales Mastering wichtige Präzisionswerkzeuge im Plug-in-Pool von Samplitude.

Neues Präzisionswerkzeug: sMax 11

Neues Präzisionswerkzeug: sMax 11

Der sMax11 ist ein „Maximizer“, also ein für Mastering prädestinierter Brickwall-Limiter mit verschiedenen Arbeitsmodi. Essentiell gibt es drei Bedienelemente: „IN“ regelt die Eingangslautstärke und damit eben auch die Einsatzschwelle  des Limiters. „OUT“ regelt die Lautstärke nach der Kompression, „Release“ ihre Ausklingzeit. Die Attackzeit lässt sich – wie immer bei solchen Plug-ins – nicht bestimmen, ist aber Bestandteil der vier Betriebsmodi. Diese unterscheiden sich daneben auch in ihrer Vorlaufzeit  (die eine zusätzliche Latenz bedingt). Der schnelle Modus benötigt recht wenig Vorlaufzeit und spricht schnell an und eignet sich eher für perkussives Material. Der ausgewogene Modus ist langsam und eignet sich für jede Art von Instrument oder Audiomaterial. Aggressiv ist eher flott, zerrt recht schnell an und ist weniger für natürlich klingende Mixe zu gebrauchen, Clipper ist ein Hardclipper, der nicht stark komprimiert (also limitiert), sondern Transienten “köpft”. Damit übersteuert er immer, was in härteren oder experimentellen Mixen auf einzelnen Spuren den benötigten Druck oder Dreck liefern kann. Der Klang hat dabei etwas von einem Transistoramp – ganz sicher ist es keine gute Röhrenemulation. Manchmal ist sowas ganz nützlich.

Der EQ116 hat sechs Bänder (mit Tiefpass, Hochpass, Shelving, parametrischem EQ), lässt sich durch 3 Betriebsmodi (normal/veredelt durch Oversampling/linearphasig, also sehr neutral für Mastering) präzise an verschiede Arbeitssituation anpassen und bietet mit integriertem Analyser auch eine gute Übersicht. Genaues Einstellen der Darstellungsoptionen ermöglicht Anpassen an verschiedene Arbeitsprozesse oder den eigenen Arbeitsstil.
Beide Werkzeuge sind im Kontext des Gesamtbundles nötig. Für edlere Anwendungen genügen sie, für edelste aber nicht. Hier sollte Magix eigentlich etwas aufholen – die anderen neueren Plug-ins sind m.E. qualitativ etwas besser.

Mit den essentialFX spendiert Magix den Samplitude 11 Besitzern eine Sammlung aus fünf einfachen, resourcenschonenden und sehr sauber klingenden Effekten. Aufs Zentrale reduzierte Bedienelemente und wenig Resourcenverbrauch machen sie zu idealen Universalwerkzeugen auch  für komplexe Projekte, besonders für Spuren, die im Mix weniger im Vordergrund stehen.

eFX Stereo Delay

eFX Stereo Delay

Das Stereodelay eFX Delay lässt sich zwischen ziemlich authentischem Analog- und glatt klingendem Digitalmodus umschalten und lässt sich auch nur mit wenigen Bedienelementen (Delayzeit links und rechts, Damping, natürlich Feedback und Mix) einstellen. Dazu kommt eine Tempo-Sync-Option für diejenigen, die es mit den Delayzeiten nicht so genau nehmen. Weicht man hier von festen Notenwerten ab, so lässt sich ein Mix ja bekanntlich dichter und lebendiger gestalten.

Der eFX chorus/flanger bietet dabei vier Betriebsmodi (Chorus und Flanger in stereo und mono), regelbare Modulationsgeschwindigkeit und Tiefe sowie Feedback, also das erneute Senden des Effektsignals in den Effekt für stärkere oder schöne Vintage-Effekte.

Sein Partner, der eFX Flanger, bietet 3 Modi vom eher einfachen Flanger mit vier Stufen zur komplexen, auch schöne hallartige Effekte erzeugenden 16-Stages-Variante.

Drei verschiedene schöne Hallvarianten bietet der eFX Reverb. Neben diesen Algorithmen Plate, Hall und Room können Größe, Ausklingzeit, Dämpfung, Modulation und natürlich Effektanteil eingestellt werden. Der letzte Neuzugang unter Magix‘ neuen Brot&Butter Effekten ist der eFX Compressor. Er bietet die Standardparameter Threshold (Schwelle, ab der das Signal komprimiert wird), Ratio (der Komprimierung), Attack (die gerade für perkussive Spuren wichtige Einschwingzeit) und Release (die für die berüchtigten „Pumpeffekte“ zentrale Ausschwingzeit der Kompression). Auch bietet er Sidechain, inklusive einem Filter. Damit lassen sich sehr genaue Mischanteile für in der Frequenz benachbarte Spuren ausarbeiten. Beispielsweise kann einem gelinde gesagt schmerzhaften Bass in den hohen Lagen etwas Biss entzogen werden, indem seine hohen Anteile die Kompression einer benachbarten Spur (Bassdrum, tiefe Gitarre) regeln, und dieser dadurch zu etwas mehr Druck zu verhelfen.

Insgesamt finde ich die Esential FX prima. Sie klingen genau und eher edel und ermöglichen durch etwas abweichende Parametrisierung auch ungewöhnlichere Effekte. Für ihre Qualität brauchen sie keine übertriebenen Resourcen. Auf einem eher bescheidenen Athlon 450e Dualcore (2,81 GHz) benötigten sie zwischen 1% (Compressor) bis 3% (eFX Reverb, 16-Stage-Flanger).

Klein und fein - eFX Compressor

Klein und fein – eFX Compressor

Forum
  1. Profilbild
    GeorgK

    Nachdem Samplitude 12 in ein paar Monaten erscheinen wird, und die Sam-Update-Preise üblicherweise eher deftig sind, lohnt es sich wohl momentan nicht, die 11er zu kaufen (zumindest bis Magix/Samplitude offiziell eine „grace period“ ankündigt).
    Ach ja: Variverb sollte man bei den enthaltenen Effekten natürlich nicht übergehen (oder habe ich es überlesen?).

  2. Profilbild
    sir stony

    [zweiter Anlauf diesen Kommentar unterzubringen]

    GeorgK:
    Da schließe ich mich an, speziell was die Updatesituation angeht. Die Preisgestaltung ist im Hause Magix tatsächlich für Crossgrader sehr entgegenkommend, für Updates hingegen langt man vergleichweise dreist in die Taschen seiner Kunden, ganz besonders angesichts der Frequenz, mit der man „Major“ Updates bringt.
    Der Test für die Version 11 kommt eigentlich viel zu spät, die 12 steht wohl schon bald in den Startlöchern.

    Ich selbst bin noch bei 10Pro geblieben, weil das, was mir für ein Update am wichtigsten gewesen wäre, den Weg in die Version 11 noch nicht gefunden hatte. Ich hoffe dass dies bei 12 der Fall sein wird, dann werde ich auch ohne zu zögern nachziehen. Samplitude ist in meinen Augen die DAW mit der angenehmsten Oberfläche und bietet mir mit dem vernünftig gewählten Featureset für meine Arbeitsweise den besten Workflow. Seit aus Cubase VST SX wurde habe ich das Redesign der Oberfläche verwünscht, und was nach SX kam hat es leider nur noch schlimmer gemacht. Logic ist auch keine Option, da ich keinen Apfel will, und mit ProTools habe ich mich auch nie anfreunden können, aus mehreren Gründen. Den Wechsel zu Samplitude habe ich bisher nicht bereut, abgesehen von: der noch nicht optimalen Einbindung/Bearbeitung von MIDI und MIDI Geräten/Sub Sequenzern (Clock auf mehr als einem Port?), einem Konsolidieren von Audiospuren und dazugehörigem Batch Spuren Export, sowie der generellen Unfähigkeit OMF zu verarbeiten, was ja nunmal weitestverbreitet ist im Broadcast Bereich. Aber ansonsten bin ich sehr zufrieden.

    Der Test allerdings beleuchtet fast nur die Ausstattung mit Plugins ab Werk, die eigentlichen Qualitäten von Samplitude werden hier garnicht angeschnitten. Man sollte vielleicht mehr hervorheben, dass man diesen Test auch eher nur als „Update“ der bisherigen Tests verstehen muss, z.B. durch entsprechende Hinweise und Links in der Einleitung. Ansonsten aber ein guter Überblick.

  3. Avatar
    AMAZONA Archiv

    heimlicher könig ? das ist jetzt aber nicht dein ernst…..
    der sequenzer ist wenig bedienerfreundlich und viele effekte sind katastrophal. da gibt es weitaus bessere „daws“ für weniger geld.

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