Flexibles XLR/USB-Mikrofon fürs Studio
Der US-amerikanische Hersteller Samson führt seit den 1980er-Jahren Audioequipment, Musikzubehör und Elektrotechnik. Dem Zeitgeist mit mehr und mehr One-Man-Show-Studios folgend, kommt mit dem Samson Q9U ein Mikrofon auf den Markt, das sowohl den Heimstudiobetreiber als auch den Profi ansprechen soll. USB für digitales und XLR für analoges Arbeiten werden angeboten. Wir haben das Q9U für euch getestet.
Was ist es? Das Samson Q9U ist ein dynamisches USB/XLR-Mikrofon, das sowohl für den Heimstudiobetrieb als auch für professionelle Anwendungen konzipiert ist.
- Konnektivität: Das Mikrofon bietet sowohl USB- als auch XLR-Anschlüsse, wobei USB als I/O mit integriertem Interface und XLR als reiner Output fungiert.
- Features: Es verfügt über einen internen Popfilter, einen Mute-Button, einen schaltbaren Low-Cut-Filter unter 200 Hz und einen Mid-Boost zur Anhebung der Sprachfrequenz.
- Klangcharakteristik: Der Klang wird als klar, deutlich und präzise beschrieben, jedoch mit einer Tendenz zur Dumpfheit, die bei Bedarf mittels EQ korrigiert werden kann.
- USB-Betrieb: Im USB-Modus wandelt das Mikrofon mit bis zu 24 Bit/96 kHz und ermöglicht latenzfreies Direct-Monitoring über den integrierten Kopfhörerausgang.
- Schwächen: Beim Betätigen des Mute-Buttons am Gehäuse können Handhabungsgeräusche hörbar werden, obwohl der Schalter weich gelagert ist.
- Anwendungsbereich: Als dynamisches Mikrofon ist es gut geeignet, um Raumanteil bei Aufnahmen zu minimieren, was besonders in akustisch unbehandelten Umgebungen vorteilhaft ist.
Inhaltsverzeichnis
Bereits 2005 brachte Samson eines der ersten USB-Mikrofone auf den Markt. Mehr als 20 Jahre später halte ich nun ein solides, aber trotzdem handliches USB/XLR-Mikrofon in den Händen und bin sehr auf den Klang des Mikrofons gespannt. Das zum Test vorliegende Q9U-Mikrofon ist eines von drei Mikrofonen der Samson-Q-Serie. Zur Serie gehören noch die Mikrofone Q2U und das Q9x.
Überblick Samson Q9U
Als dynamisches Mikrofon benötigt die interne Technik des Samson Q9U im Gegensatz zu einem Kondensatormikrofon keine extra Phantomspeisung. Lediglich die interne Interface-Sektion mit AD/DA-Wandler und Kopfhörerverstärker muss, wenn das Mikrofon über USB angeschlossen wird, mit Strom versorgt werden, sonst funktioniert der Interface-Betrieb nicht.
Ein USB-Mikrofon ist logischerweise für das Arbeiten mit einer USB-Schnittstelle vorgesehen. Per Plug & Play wird das Mikrofon über die mitgelieferten USB-C-auf-USB-A- bzw. USB-C-auf-USB-C-Kabel mit dem Rechner oder dem Smartphone verbunden. Nach der automatischen Erkennung, in meinem Fall über Windows 10 und Cubase, kann das Mikrofon nach den üblichen DAW-Hardware-Einstellungen als Input und Output (Kopfhörer) festgelegt werden.
Latenzfreies Direct-Monitoring wie auch die klassische Hinterbandkontrolle im Interface-Betrieb sind mit dem Samson Q9U möglich. Der Unterschied? Beim Direct-Monitoring wird das Signal des Mikrofons direkt zum Kopfhörerausgang abgezweigt und hörbar gemacht. Dieses direkte Signal wird also noch vor der Computeraufnahme abgegriffen.
Bei der Hinterbandkontrolle durchläuft das Audiosignal zuerst den Wandler, dann die DAW-Audiospur im Recording-Modus, danach dann erst wird sie im gleichzeitigen Playback hörbar gemacht. Das erzeugt Latenzen. Je nachdem, wie viele Audiospuren oder Effekte gleichzeitig offen sind, summiert sich die Latenz immer weiter und macht ab einem gewissen Punkt das Arbeiten recht schwierig, da das Signal ähnlich einem Slapback-Kurzecho dann doppelt zu hören ist.
Die Features des Samson Q9U
Wie bereits erwähnt, besitzt das Samson Q9U sowohl einen USB- als auch einen XLR-Anschluss. USB fungiert per Interface als I/O, der XLR-Anschluss ist ein reiner Output. Somit kann das Mikrofon für verschiedenste Setups Verwendung finden, was es für mich zum eigentlichen Gewinner-Feature macht.
Bei vielen Radiostationen sind die Moderatorenmikrofone noch klassisch mit einem externen Preamp verkabelt bzw. durchlaufen die üblichen Prozessoren wie Kompressor und Equalizer. Ist dieses Setup gewählt, kann der Pegel noch optimal auf den jeweiligen Einsatz optimiert werden. Im USB-Betrieb ist eine Autolevel-Funktion aktiv, die einem gut ausgesteuerten Preamp gleichkommt.
Das integrierte Interface wandelt das Signal mit bis zu 24 Bit/96 kHz. Wer es etwas weniger aufgelöst mag, kann in der DAW auch die Wandlung auf geringere Abtastraten einstellen. Grundsätzlich arbeitet das Mikrofon im Frequenzübertragungsbereich von 50 Hz bis 20 kHz.
Der Preis von 259,- Euro für das Samson Q9U kann gerade noch so zum semiprofessionellen Level gerechnet werden. Dafür bekommt der Nutzer auch hochwertigeres Interieur wie etwa ein Neodymium-Humbucker-Coil.
Beim Wort Humbucker wird sofort die Gitarristen-Fraktion hellhörig, kennt man das Wort doch vom Tonabnehmerprinzip beispielsweise bei Les-Paul-Modellen. Die gegenläufige Wicklung wirkt Störmagnetfeldern entgegen, denn das Wort Hum meint Brummen.
Als weiteres Feature bietet das Samson Q9U einen Mute-Button, der direkt auf dem unteren Teil des Rundgehäuses platziert ist. Bei Sprachproduktionen mit dynamischen Mikrofonen ist der Sprecher sowieso mit dem Mund nah am Mikrofon, kann also mit bequemer Handhaltung gleich selbst den Mute-Button für die Stummschaltung des Signals betätigen.
Im Mikrofoninneren ist ein Popfilter/Ploppschutz in Form eines Schaums angebracht, dazu mehr bei den Erläuterungen der Klangbeispiele. Als schönes Feature ist noch die Zuschaltbarkeit zweier EQs zu nennen. Klassisch ein Low-Cut, ein mit einer Absenkung von 3 dB arbeitendes Trittschaltfilter für Frequenzen unterhalb 200 Hz sowie ein Mid-Switch, der die Sprachfrequenz anhebt. Die genaue Frequenz gibt Samson hierfür nicht an.
Zubehör
Um das Mikrofon entsprechend in Szene zu setzen, bietet Samson einiges an Zubehör für das Q9U an.
Für den sicheren Stand gibt es den Samson MD5 Tischmikrofonständer. Wer das Mikro stehend nutzt, kann dagegen einen Samson BL3 oder Samson BT4 3-Fuß-Galgenständer optional hinzukaufen. Für die Tischmontage empfiehlt sich die Samson MBA-Serie, die es in verschiedenen Größen gibt.
Für zusätzlichen Schutz gegen Plosivlaute bietet Samson den PS01, ein per Schwanenhals verbiegbaren Pop-Filter an. Für weniger Reflexion und Raumanteil hinter dem Mikrofon kann der Samson RC10 Reflection Filter genutzt werden.
Selbstverständlich bietet Samson auch eigene Kabel und Kopfhörer an. Hier sind die TOURtek Pro Cables (XLR) zu nennen. An Kopfhörern bietet der Hersteller die SR & Z Series-Headphones an.
Man muss kein Prophet sein, um zu erkennen, dass die Accessories in der Summe teurer als das Mikrofon selbst sind. Glücklicherweise hat der Studiobetreiber meist sowieso schon 99 % alle Extras zu Hause. Aber seinen wir mal ehrlich: Auf die Frage: „Schatz, brauchst du denn noch ein Kabel, du hast doch schon so viele?“, kennen wir alle die Antwort.
Klangbeispiele und Klangeinordnung
Im USB-Betrieb müssen alle Einstellungen wie Pegel und die Kopfhörerlautstärke in der DAW eingestellt werden. Das ist soweit ok.
Bedient man während des Sprechens den Mute-Knopf am Mikrogehäuse, hört man das. Zwar ist der Druckschalter weich gelagert, doch erfordert es Disziplin, nicht das ganze Mikrofon, sondern nur den Mute-Knopf anzufassen.
Für den Test der USB-Aufnahmefunktion habe ich einen Text eingesprochen. Im ersten Durchgang hört ihr das Mikrofon mit Mikrofonschutz und Flat-Einstellung, danach mit Low-Cut, danach nur Mid-Boost, danach Low-Cut und Mid-Boost. Im letzten Durchgang wird immer mal der Mute-Button betätigt.
Im zweiten Klangbeispiel habe ich den mitgelieferten Mikrofonschutz weggelassen. Wieder zuerst alles flat, dann Low-Cut, danach Mid-Boost, danach Low-Cut und Mid-Boost. Im letzten Durchgang wird an einigen Stellen wieder der Mute-Knopf gedrückt. Schön ist, dass Plosivlaute wenig bis gar nicht zu erkennen sind, trotz der Nahbesprechung. Das hat Samson sehr schön gelöst.
Für das letzte Sprachbeispiel habe ich das Mikrofon via XLR an mein Mischpult Yamaha MGx10 angeschlossen, dort eingepegelt und dann über den Wandler des Pults in die DAW geschickt. Im XLR-Modus ist das Interface des Mikrofons ausgeschaltet und der Kopfhörerausgang des Mikrofons inaktiv. Das kann in der DAW entsprechend eingestellt werden, dann tritt jedoch wegen des eingangs beschriebenen Signalwegs etwas Latenz auf. Der Sound klingt natürlich etwas aufgepumpter als im USB-Betrieb, der Gundcharakter ist jedoch identisch.
Der Klang des Samson Q9U ist generell klar und deutlich sowie präzise, in der Summe für meinen Geschmack aber etwas dumpf. Das kann später mit einem EQ berichtigt werden, je nach Geschmack des Anwenders eben. Der Mid-Boost bei gleichzeitigem Low-Cut macht noch die deutlichste Sprachverständlichkeit, aber auch das ist Geschmackssache.
Viele Podcasts sind beschämend schlecht produziert, das liegt meist an der schlechten Raumsituation des Producers. Bei einem dynamischen Mikrofon muss man eben mit dem Mund etwas näher ran an das Mikrofon, dann klingt es auch. Ferner wird der Raumhallanteil dadurch kleiner, weil der Direktschall näher an der Mikrofonmembran dran ist. Dynamische Mikros sind sowieso besser geeignet, um mit weniger Raumanteil aufzunehmen, das kommt den ganzen Homestudio-Betreibern entgegen.
Alternativen zum Samson Q9U
Im Handel sind die unterschiedlichsten Produkte erhältlich, die wie das Q9U eine Kombination aus XLR- und USB-Betrieb ermöglichen. Als preislich ähnliche Mikrofone sollte man u. a. das Rode PodMic, das the t.bone MB7 Beta oder (im Low-Budget-Bereich) das the t.bone MB88U in Betracht ziehen.







































Das ist doch wohl eher nix fürs Studio, sondern für Podcast und Livestream?
Die fehlende Phantomspannung ist tontechnich eine Nachteil, aber wichtig, wenn man das Mikrofon an einen USB-Port hängen will, was im Studio aber nunmal niemand macht.
Ich benutze für sowas das Blue Yeti, und das kann ich als Budgetlösung auch empfehlen…
Die Kombination aus USB und XLR finde ich richtig interessant. Gerade fürs Homerecording ist USB natürlich extrem praktisch, gleichzeitig bleibt man mit XLR flexibel, wenn das Setup später wachsen soll. Auch dass ein dynamisches Mikrofon in einem akustisch nicht perfekten Raum Vorteile haben kann, wird oft unterschätzt. Für 259 Euro auf jeden Fall ein spannendes Gesamtpaket.