Eurorack-Oszillator mit Biss
Schlappi Engineering Three Body Oszillator versteht sich als Phase- und Frequency-Modulation-Toolkit für das Eurorack, das moderne digitale Technik in ein analoges Interface bringen will. Wir haben uns das Oszillatormodul genauer angesehen.
- Drei Oszillatoren: Gegenseitige Modulation mit acht Osc-States und vorkonfigurierten Signalwegen.
- FM & Phase-Mod: Through-Zero-FM und seltene Phase-Modulation präzise und klanglich differenziert umsetzbar.
- Hohe Auflösung: 12,5 MHz interne Samplerate sorgt für nuancierte, druckvolle und teils brachiale Sounds.
- Analoges Bediengefühl: Große Regler, keine Shift-Funktionen, direkter Zugriff ohne Menüstruktur.
- Klangcharakter: Von sauberen Sinustönen bis zu komplexen, verzerrten Bass-Sounds vielseitig kontrollierbar.
Inhaltsverzeichnis
Schlappi Engineering Three Body
Ausgangslage: Neue digitale Welt und Schlappi
Aktuell wird der Eurorack-Markt mit zahlreichen digitalen Oszillatormodulen überschwemmt. Mit verbesserten technischen Möglichkeiten lassen sich wildeste Oszillatorfantasien realisieren. Das Umsetzen solcher Ideen ist mit kleinen Modulen bei extern geregelter Stromversorgung und einer großen User-Community im Eurorack-Bereich besonders gut möglich und vielversprechend. Three Body ist dennoch ein rares Exemplar, das sich von vielen anderen digitalen Neuerscheinungen unterscheidet, die Wavetable-Synthese nutzen und zahlreiche Menüs und Optionen besitzen.
Schlappi Engineering Three Body kommt ohne Bildschirm und Zweitfunktionen aus und ist ein Spezialist für das, was gemeinhin als Frequenzmodulation (FM) bekannt ist. Phase-Modulation kann man dabei als artverwandt betrachten. Sie kam und kommt auch beim Yamaha DX7 zum Einsatz. In einem Modul findet man eine solche Option seltener.
Auf dem YT-Kanal von Schlappi Engineering gibt es für 2025 ein „Schlappy Minutes“-Compilation-Video, das Experimente mit anderen Schlappi-Modulen zeigt.
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Auf der Firmen-Website bloggt Chef Eric Schlappi seine „News“, die einst mit Geschichten über einen temporären Umzug vor einigen Jahren nach Grenoble sowie einem Firmensitz in Portland oder Vancouver beginnen. Man merkt, dass hier ein Künstler hinter der Firma steckt. Außerdem findet sich ein Link zur Website von Eric Schlappi mit Live-Performances. Das meiste klingt ziemlich noisy. Dabei wirkt Schlappi meist gut gelaunt und sympathisch.
Schlappis Ding scheinen kräftige Verzerrungen und unkonventionelle Interfaces zu sein. Das zeigt sich auch beim erfolgreichen Filtermodul 100 Grit. Hier erlaubt ein Filter im Moog-Ladder-Stil eine bis zu 100-fache Verstärkung, FM, temporäre Aktivierung von Verbindungen durch Berühren von Metallteilen und mehr. Die Schlappi-Module Nibbler, BTMX und BTFLD gibt es nun auch kostenlos für VCV Rack. Das neue Firmenlogo ziert ein kleines Urzeitvögelchen. Das passende T-Shirt heißt „Das kleine Pterosaurier Shirt“.
Äußeres von Three Body
Das Interface von Schlappi Engineering Three Body fühlt sich tatsächlich analog an. Die fest verschraubten großen Metallpotis (13) einerseits sowie die vielen kleinen Schalter (9) und Buchsen (32) vermitteln dem Modul ein wohltuend analoges Feeling. Eine Shift-Taste sucht man hier angenehmerweise vergebens. Ein digitales Modul mit einer solchen Haptik ist mir bislang noch nicht unter die Finger gekommen. Three Body ist wie andere Schlappi-Module in Silber oder Schwarz erhältlich. Im Rack misst das Modul nur 30 mm Tiefe und passt somit auch in flachere Skiffs.
Three Body Basics
Schlappi Engineering Three Body besitzt drei Oszillatoren und einen sogenannten FPGA-Kern mit hoher interner Samplerate. Damit sollen Modulationen mit hohen Frequenzen im hörbaren Bereich ermöglicht werden. Die Bedienung fällt leicht, wenn man sich den Aufbau kurz vor Augen führt. Das ist schnell nachvollziehbar.
Als interne Samplerate werden hohe 12,5 MHz (!) angegeben. Eingangssignale werden mit 12 Bit Auflösung und 96 kHz gesampelt. Jeder der drei Oszillatoren bietet vor allem folgende Ausstattungsmerkmale:
- Regler und Modulations-Inputs für Phase- und Frequenzmodulation sowie Modulation-Index-CV-In/Out (VCA)
- eigener V/Oct-Input
- Sine-, Triangle-, Saw- und Square-Outputs
- Free oder Ratio: Einstellung für Tuning/Stimmung im Ratio- oder Free-Running-Mode
- Exp/Ph oder Lin: Option für exponentielle oder lineare Through-Zero-Modulation
- Low/High oder Div/Mult: Umschalter für niedrige und hohe Frequenzbereiche
Die drei letztgenannten Umschaltmöglichkeiten mit jeweils zwei Alternativen – Free/Ratio, Exp/Lin und Low/High/Div/Mult – ergeben insgesamt acht mögliche Kombinationen. Das Handbuch bezeichnet diese als acht „Osc States“.
Der mittlere Oszillator beziehungsweise Operator verfügt über zwei zusätzliche Outputs: Cosinus, also eine um 90 Grad phasenverschobene Sinusschwingung sowie eine phasenverschobene Sägezahnschwingung. Während die beiden äußeren Oszillatoren vier verschiedene Schwingungsformen ausgeben, bietet der Center-Oszillator sechs Einzelausgänge. Einen Summenausgang für alle drei Oszillatoren gibt es nicht.
- Schlappi Engineering Three Body – Waveform Outs des Center Oszillators/ Operators
- Waveform Outs des linken Oszillators/ Operators
- Waveform Outs des rechten Oszillators/ Operators
Dabei sind die Regler der drei Oszillatoren unterschiedlich auf dem Modul verteilt. Ich bezeichne den linken Oszillator als Osc 1, den rechten als Osc 3 und den mittleren als Center-Oszillator beziehungsweise Osc 2. Bei FM-Geräten spricht man auch von Operatoren, die gleichzeitig Oszillator und Modulationsquelle sind.
Es gibt viele vorkonfigurierte Normalisierungen. Das bedeutet, dass die Oszillatoren intern bereits miteinander verbunden sind. „FM In“ von Osc 1 links ist mit dem Sinus-Out des Center-VCO normalisiert, „FM In“ von Osc 3 mit dem Cosinus-Out des Center-VCO. Beim „Phase Modulation In“ ist der Center-Oszillator mit beiden äußeren Oszillatoren normalisiert verbunden. Von dort empfängt er ebenfalls modulierende Sinusschwingungen. Die „Phase CV Ins“ der äußeren Oszillatoren 1 und 3 sind mit den Sinusschwingungen des jeweils anderen äußeren Oszillators normalisiert verbunden.
Das klingt kompliziert, ist es aber nicht. Am Modul ist bei den jeweiligen Intensitätsreglern, die entweder „Index“ oder „CV“ heißen, die normalisierte Quelle jeweils klein angegeben. Zudem zeigen LEDs die Aktivitäten der einzelnen Sektionen an.
Der FM-Index-Regler steuert die FM-Intensität bei den äußeren Oszillatoren. Auch hierfür gibt es einen CV-Input. Dieser „FM Index CV In“ ist vom „FM In“ zu unterscheiden, der die Quelle routet und nicht die Intensität bestimmt. Ähnlich verhält es sich bei den „Phase Index CV Ins“ für die Intensität beziehungsweise den „Phase Ins“ für die Quelle des Center-Oszillators. Der Center-Oszillator besitzt zudem einen eigenen FM-CV-Regler, den die anderen Oszillatoren nicht haben. Hier ist zunächst nichts auf „FM In“ normalisiert.
Mit drei V/Oct-Inputs könnte das Modul theoretisch auch drei unterschiedliche Stimmen spielen, sofern man die Modulationen unterbindet. Das ist jedoch nicht der eigentliche Zweck des Moduls. Ein sauberes Tracking für vier Oktaven nach oben bei positiver Steuerspannung sowie „zwei oder drei“ nach unten bei negativer Steuerspannung wird vom Hersteller beworben. Laut Handbuch werden -8 bis +8 V verarbeitet. -5 bis +5 V gelten als optimal.
Weitere Optionen der Oszillatoren:
- Tracking-Option für ein externes Signal mit per CV regelbarer Frequenzrelation
- Sync-Inputs
Klang
Komplexe Ergebnisse sind dank interner Routings ohne große externe Verkabelung möglich. Man kann direkt loslegen und an den Reglern drehen und wird mit erstaunlichen Resultaten belohnt. Alles kann sich gegenseitig beeinflussen. Stand ein seitlicher Oszillator im Low-Mode und einer im High-Mode, fand ich die Ergebnisse oft besonders interessant.
Heftige Neurofunk- oder Dubstep-Bässe à la Xfer Serum gelingen schnell. Im Gegensatz zu einem Sample lassen sie sich im Detail verändern und der Übergang zum reinen Sinuston ist stufenlos dosierbar. Manchmal klingt es, als wäre der kleine Pterosaurier röhrend im Gerät versteckt. Gleichzeitig wirken die LEDs so, als würden sie anzeigen, wie er dabei verschiedenfarbig „ausdampft“.
Die hohe interne Auflösung des Schlappi Engineering Three Body Moduls lässt vieles sehr gut klingen und erlaubt zahlreiche Nuancen. Natürlich eignet sich Three Body auch hervorragend als Noise-Source und für chaotische Klänge.
Um an simplere, klarere Töne heranzukommen, ist zunächst etwas Durchblick nötig. Dieser ist jedoch leicht zu gewinnen. Passend eingesteckte Inputs können die jeweilige Normalisierung zur am Modul angegebenen Quelle aufheben. Das Herunterdrehen des Intensitätsreglers ist die einfachste Möglichkeit, um mit überschaubaren Experimenten zu starten.
Um reine, von Modulation unverfälschte Schwingungsformen der äußeren Oszillatoren zu erhalten, stellt man sowohl den FM-Index- als auch den Phase-CV-Regler auf null, also ganz gegen den Uhrzeigersinn. Beim Center-Oszillator dreht man die Phase-2-Index-Regler herunter. Dreht man sie anschließend wieder leicht auf, lassen sich Modulationen sehr klar im Detail hören. So kann man beispielsweise den Klangunterschied zwischen FM und Phase-Modulation erforschen.
Letzteres finde ich besonders interessant. Mir gefallen die Klänge, die ich aus Schlappi Engineering Three Body herausbekomme. Phase-Modulation wird gut hörbar, wenn der Modulator im Audiobereich schwingt. Oft klingt sie etwas sauberer oder nach dem, was man etwa vom DX7 kennt. Im folgenden Beispiel hören wir zunächst Phase-Modulation, später FM, zuerst exponentiell, dann linear.
Schlappi liefert im Handbuch gute Erklärungen zur digitalen Technik und stellt einige Regeln auf: Mit FM verändert sich grundsätzlich die Tonhöhe des Carriers. Der Modulator sollte eine niedrigere Frequenz als der Carrier haben. Andernfalls ist der Ton des Modulators weniger oder gar nicht mehr zu hören. DC-Offsets bewirken Tonhöhenänderungen.
Im Ergebnis können Three-Body-Sounds in Bezug auf Bewegung im Klang vielschichtig und fett wirken. Weil alles miteinander verknüpft ist, alle Oszillatoren in acht States arbeiten können und es zusätzlich zur FM die oft etwas musikalischer wirkende Phase-Mod-Option gibt, entstehen hier Gebilde, die man anderswo nicht so leicht hinbekommt.
Im Vergleich zu Crossmodulationen etwa mit meinem Make Noise DPO habe ich beim Schlappi Engineering Three Body Modul das Gefühl, Interface und Klangspektrum von bassigen Sounds mit wenigen Obertönen bis hin zu wildesten Verzerrungen insgesamt besser beherrschen und dosieren zu können. Manchmal klingt es dabei fast analog. Nur gelegentlich schimmert für mein Empfinden der digitale Charakter durch, etwa bei extremen Verzerrungen oder beim Übergang zu manchen charakteristischen hohen Obertönen.
Glatte Ratios sorgen in allen Modi meist für harmonischere Sounds. Im Ratio-Mode folgen die äußeren Oszillatoren der Einstellung des mittleren Oszillators beziehungsweise werden in Relation zu diesem gestimmt. Bewegt man also die Frequenz des Center-Oszillators, verändern sich die Frequenzen der äußeren Oszillatoren im entsprechenden Verhältnis mit.
Stehen Oszillatoren im Ratio-Mode, bewirkt das Drehen des Coarse/Mult-Reglers abgestufte, einrastende Tonhöhenveränderungen. Das gilt überraschenderweise häufig auch für Bewegungen des Fine/Div-Reglers. Diesen würde ich im Ratio-Mode manchmal lieber nur für ein leichtes Verstimmen nutzen. Das ist jedoch im Free-Mode möglich.
Dass sich die Frequenzen der drei Oszillatoren direkt aufeinander beziehen lassen, ist natürlich ein Vorteil gegenüber Versuchen mit drei separaten Oszillatormodulen, die oft lediglich lineare oder exponentielle FM-Inputs bieten.
Will man FM wie in einem fertigen Synth à la DX7 oder NI FM8 realisieren, benötigt man auch mit Three Body typischerweise eine externe Hüllkurve. Diese steuert dann einen VCA und auf diesem Weg die FM- oder Phase-Modulationsintensität. Im Free-Mode ohne FM kann beispielsweise auch die Sync-Option von Three Body, getriggert durch einen anderen Oszillator, interessant klingen.
Alle Möglichkeiten auszureizen, ist hier nicht leicht. Besonders gut hat es mir im Test gefallen, Schlappi Engineering Three Body zusätzlich durch analoge Module wie Joranalogue x Hainbach Collide 4, das ich kurz zuvor getestet habe, CG-Products Delay 1022 oder Audioscape Eurobuss zu schicken.
Alternativen
Als Phase- und Frequency-Modulation-Toolkit bietet Three Body ein eigenständiges Gesamtpaket. Die Through-Zero-FM-Option und vor allem Phase-Modulation sind seltener am Markt anzutreffen, während viele Oszillatoren lediglich lineare oder exponentielle FM-Inputs bereitstellen.
All das beherrscht beispielsweise auch das Joranalogue Generate 3, allerdings als einzelner Oszillator. Expert Sleepers Disting NT bietet seit einem Update ebenfalls Phase-Modulationsoptionen. Diese sind dort jedoch nicht so bedienfreundlich zugänglich, dafür stellt das Modul zahlreiche weitere Funktionen bereit. Through-Zero-Phase-Modulation bietet auch Ferry Island Modular Four Seas (Test) allerdings auf Basis von Wavetable-Oszillatoren.
In der Praxis, auf der Suche nach wilden, komplexen und noch nie gehörten Basslines, lässt sich Schlappi Engineering Three Body durchaus als Konkurrenz zu komplexen Oszillatoren mit FM wie dem Make Noise DPO betrachten, der exponentielle und lineare FM sowie weitere Funktionen bietet. Im Rack benötigt Three Body 2 HP mehr, also 30 statt 28 HP beim DPO, und nur geringfügig mehr Strom, nämlich 95 statt 70 mA. Der Preis ist vergleichbar. Mit drei statt zwei Oszillatoren ist hier etwas mehr möglich und in der Praxis wirkt Three Body etwas besser kontrollierbar.
Im Vergleich besticht Schlappi Engineering Three Body vor allem durch seine gute Bedienbarkeit. Die großen Knöpfe fühlen sich wertiger an als bei vielen anderen Modulen und lassen sich präzise justieren.
Video
Hier noch ein kleines selbst produziertes Video zum Schlappi Engineering Three Body Modul mit wenig Sprache beziehungsweise Text und einer intensiven Bass-Jam-Session zum Ende hin.
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guter Artikel. Für mich ist mein 3B ein FM Experimentierbaukasten. Die Modulationsmöglichkeiten über Cross-Modulation und Phase Verschiebungen sind klasse. Durch den hochauflösenden Digitaloscillator sind musikalische Ergebnisse etwas leichter zu erzielen, als bei analogen ThruZero wie dem Generate 3, aber auch die analoge Rauh-heit ist interessant. Für FM Liebhaber ist der 3B wie gemacht. I love it