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Test: Sendy Audio Peacock, High-End Kopfhörer

1. November 2021

Hochwertige Verarbeitung und doch nur Mittelmaß

sendy audio peacock test

Sendy Audio Peacock, High-End Kopfhörer

Ich muss gestehen, dass ich schon etwas Panik vor diesem Test hatte, nachdem die Anfrage kam. Getestet werden soll ein knapp 1.500 Euro teurer High-End Kopfhörer – der Sendy Audio Peacock. Ich habe in der Vergangenheit viel über Kopfhörertests gelesen und über die Schwierigkeit, diese messtechnisch zu erfassen. Wie kann man also einem so teuren Kopfhörer in einem Test gerecht werden?

Sendy Audio

Von Sendy Audio habe ich noch nie zuvor gehört. Nun bewege ich mich aber auch nicht in HiFi-Kreisen, in denen das Hi für High und das Fi für Fidelity besonders hervorgehoben werden. Eine kurze Internetrecherche brachte mich schließlich auf die Website des Herstellers, der seinen Firmensitz in China hat, wobei Sendy Audio eine Division der Dongguan Sivga Electronic Technology Co., Ltd. ist. Zu dieser Firma gehört auch die Marke Sivka Audio, die ihrerseits Kopfhörer herstellt, die den verfügbaren Sendy Audio Kopfhörern sehr ähnlich sehen, aber erheblich günstiger sind.

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Sendy-Audio_Peacock test

Man scheint die Marke Sendy Audio also als High-End-Marke etablieren zu wollen. Jedenfalls schreiben sich Sendy Audio auf die Fahne, handgefertigte Kopfhörer zu liefern. Ausgewählte Hölzer und millimetergenaue CNC-gestützte Fräsungen sollen ein Maximum an Qualität liefern und zugleich durch die Maserungen des Holzes ein hohes Maß an Individualität. Technologisch setzt man auf außergewöhnliche Konzepte, um den Kunden ein unverfälschtes und einzigartiges Klangerlebnis zu garantieren.

HiFi ungleich Studio

Zu Beginn des Tests habe ich mir einige Gedanken darüber gemacht, wie man überhaupt zu einem Testurteil gelangen kann und wie ein möglicher Testablauf aussehen könnte.

Schwierig wird es beim Klang. Ein Blick auf Kopfhörertests in diversen HiFi-Magazinen zeigt schnell, dass meistens keine Messungen durchgeführt werden. Das hat auch gute Gründe: Das notwendige Messequipment, wie z.B. ein Kunstkopf, ist sehr teuer. Zwar gibt es mit dem miniDSP EARS eine günstige Lösung im Bereich zwischen 200,- und 300,- Euro, doch hat diese aufgrund fehlender Standards und einiger Konstruktionsmängel, wie etwa eines zu geringen Ohrabstands und zu kurzer künstlicher Hörkanäle, einige Nachteile, die Messergebnisse verfälschen können.

Andere Anbieter von Messtechnik, die verschiedenen Standards zur Kopfhörermessung folgen, verlangen hohe vier- bis fünfstellige Summen für das Equipment. Auch der Hersteller Sendy Audio liefert zum Peacock keinerlei Messdiagramme und nur einige wenige technische Daten ohne allzu große Aussagekraft. Dennoch habe ich bei meiner Recherche zwei Tester gefunden, die Messungen am Sendy Audio Peacock durchgeführt haben. Eine davon ist mit dem miniDSP EARS System entstanden (Link zum Test mit Messung), die andere mit einem teuren Messsystem mit Simulator (Link zum Test mit Messungen). Beide Messungen habe ich später mit meinen Hörerlebnissen abgeglichen.

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Nun treiben Tests in HiFi-Magazinen ja teilweise seltsame Blüten. Aussagen zum Klang wie „zarter Schmelz“, „feinfühlig“ oder „erdiger Charakter“ sind oft zu finden, gehören aber nicht unbedingt zu meinen bevorzugten Metaphern, was die Beschreibung von Klangerlebnissen angeht, sondern werden von mir eher mit Weinproben assoziiert. Mir geht es beim Klang des Kopfhörers primär um den Nutzen im Heimstudio für Aufnahme und Mix und natürlich auch zum Musikhören in der Freizeit. Ausgewogenheit, Tiefenstaffelung, Lokalisation von Schallquellen sollten also Kriterien sein, die angelegt werden.

Und dennoch: Klang und Klangbewertung bleibt immer subjektiv. Schon die wie ein Fingerabdruck individuellen Ohrmuscheln und die verschieden langen und unterschiedlich geformten Gehörgänge lassen erahnen, dass Klang nicht gleich Klang sein kann und sehr unterschiedlich beurteilt wird.

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Ein gutes Beispiel dafür ist der Neumann NDH 20 Kopfhörer, der von einigen Leuten in den Himmel gelobt wird, während andere den Klang schlecht finden. Ich bitte darum, das beim Lesen meiner abschließenden Bewertung im Hinterkopf zu behalten und im Zweifelsfall einfach selbst zu testen.

Letzter Punkt: Kopfhörerverstärker. Die meisten Heimstudiobesitzer werden weniger mit teuren HiFi-DACs und Kopfhörerverstärkern auf Röhrenbasis abhören, sondern schlicht und ergreifend mit dem, was Interface oder Mischpult zu bieten haben. Oftmals wird auch der Kopfhöreranschluss eines Monitorcontrollers genutzt. Da AMAZONA.de in erster Linie Musiker und Tontechniker anspricht, teste ich den Kopfhörer auch an den dort üblicherweise anzutreffenden Kopfhörerverstärkern. Dabei kann ein Kopfhörerverstärker den Klang eines Kopfhörers in Teilen verändern, weil die Impedanz eines Kopfhörers zum Kopfhörerverstärker passen muss. Es macht deshalb Sinn, zwischendurch mal den Kopfhörer an einem anderen Kopfhörerverstärker zu nutzen und zu vergleichen.

Offen vs geschlossene Kopfhörer-Bauweise

Kopfhörer gibt es in offener und in geschlossener Bauweise. Es gibt auch einige Modelle in der Mitte, die als halboffen bezeichnet werden. Diese sind allerdings seltener anzutreffen. Bei einem geschlossenen Kopfhörer dringt so gut wie kein Schall nach außen, sobald man den Kopfhörer aufgesetzt hat. Das Gehäuse des Kopfhörers ist auf der dem Ohr abgewandten Membranseite komplett verschlossen. Oft besitzen geschlossene Kopfhörer zudem einen recht hohen Andruck, um durch möglichst dicht sitzende Hörermuscheln zusätzlich das Klangfeld nach außen hin abzudichten. Bei geschlossenen Kopfhörern dringt also weder Klang von außen nach innen noch von innen nach außen.

Anders sieht es bei offenen Kopfhörern aus. Bei offenen Kopfhörern haben die Hörermuscheln auf der dem Ohr abgewandten Seite der Membran Öffnungsschlitze oder Löcher. Schall kann somit auch nach außen dringen. Offenen Kopfhörern wird eine bessere räumliche Darstellung und ermüdungsfreieres Hören nachgesagt .

Im Studio sind überall da, wo mit Mikrofonen aufgenommen wird, in der Regel geschlossene Kopfhörer zu finden, um das Übersprechen vom Kopfhörer auf das Mikrofon zu minimieren oder gänzlich auszuschließen. Für das Abhören in der Regie oder das Abmischen zu Hause in den Abendstunden können hingegen auch offene Kopfhörer verwendet werden.

Sendy Audio Peacock – Erstkontakt

Nach dem Befreien der Produktverpackung aus dem Versandkarton halte ich eine relativ schlichte Verpackung in den Händen.

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Schlichte Verpackung, sündhaft teurer Inhalt

Nach dem Abheben des Deckels erscheint ein etwas seltsam geformtes Hardcase aus einem Material, das sich wie Leder anfühlt. Der Hersteller schreibt darüber „Real Leather“, was vermuten lässt, dass es sich um echtes Leder handelt. Nähere Angaben werden nicht gemacht. Vom Geruch her hätte ich allerdings eher auf Kunstleder getippt.

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Das Hardcase besteht laut Hersteller aus „Real Leather“.

Außerdem entdecke ich ein Stoffsäckchen mit weiteren Zubehörteilen.

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In einem kleinen Stoffsäckchen finden wir weiteres Zubehör….

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….wie Kabel und Adapter.

Holz, Leder, Aluminium – die Ausstattung des Peacock

Beim Sendy Audio Peacock Kopfhörer handelt es sich um ein High-End Modell in offener Bauweise. Der in der chinesischen Sendy Audio Manufaktur hergestellter Hörer setzt dabei auf hochwertige Materialien: Das „Headband“, also der Bügel über dem Kopf, ist aus echtem Ziegenleder gefertigt. Gleiches gilt für die Hörermuscheln. Hier wurde der Memory-Schaumstoff mit Ziegenleder umhüllt, um ein angenehmes Tragen auch über längere Zeit zu ermöglichen. Das Gehäuse besteht aus Echtholz. Als Material dient dabei Zebrano, auch Zebraholz genannt. Dieses Edelholz, das vor allem aus Microberlinia-Bäumen aus den tropischen Regenwäldern Westafrikas gewonnen wird, steht aufgrund seiner Gefährdung durch hohe Abholzungsquoten mittlerweile auf der Roten Liste, denn die Baumart ist stark gefährdet. Dennoch ist die Nachfrage nach Zebrano aufgrund der tollen Maserung ungebrochen hoch.

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Beim ersten Öffnen der Verpackung sieht der Kopfhörer noch recht unspektakulär aus.

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Beim Umdrehen verschlägt es dem Autoren die Sprache: Ist das etwa Gold?

Es ist alles Gold, was glänzt

Das Gitter außen an den Hörern hat das Design eines Pfaus mit aufgefächertem Schwanz (daher auch der Name „Peacock) und ist mehrlagig. Es gibt einen schwarzen Layer und einen goldenen Layer. Letzterer besteht aus einer 24K Vergoldung. Alle Metallteile sind aus Aluminium aus der Luftfahrt gefertigt.

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24K Gold zieren den Sendy Audio Peacock. Für das Echtholzgehäuse wurde Zebrano gewählt.

Sendy Audio Peacock Zubehör

Das auswechselbare und ca. zwei Meter lange Kabel wird mittels verriegelbarer Stecker am Kopfhörer befestigt und besitzt am anderen Ende einen fünfpoligen Pentaconn-Stecker. Mit handelsüblichen Kopfhörerverstärkern, wie wir sie im Studio vorfinden, ist das nicht kompatibel. Glücklicherweise liegen dem Kopfhörer zwei Adapter bei: Wir dürfen wählen aus vierpoligem Mini-XLR und 6,3 Millimeter TRS-Klinke. Im Studio werden wir meistens die letztere Variante antreffen. Einen Adapter auf Miniklinke gibt es nicht.

Geliefert wird das alles in einem sehr, sehr stabilen und dicken Karton, der neben dem Kopfhörer auch das genannte Hardcase enthält. Mit vergoldetem Reißverschluss und weiteren vergoldeten Teilen wie Nieten oder Haken für die Handschlaufe wirkt das Hardcase sehr edel. In diesem ist der Kopfhörer jedenfalls sehr sicher verstaut.

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Ein hochwertiges Kabel befindet sich im Lieferumfang und kann bei einem Defekt ausgetauscht werden.

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Dem Kopfhörer liegen auch zwei Adapter für das Kabel bei.

Planar Magnetic Driver

Eine Besonderheit des Sendy Audio Peacock ist das Treibersystem. Dieses arbeitet nach dem planarmagnetischen Prinzip. Anders als bei herkömmlichen Treibern ist hier keine Membran an einer Schwingspule montiert, die sich im Luftspalt eines Permanentmagneten bewegt. Stattdessen werden elektrische Leiter direkt auf der Membranfläche montiert und die Membran vor einen großflächigen Magneten gehängt. Wird nun über den Kopfhörerverstärker Strom auf die Membran gegeben, stößt diese sich entweder von dem Magneten ab oder wird von diesem angezogen. Es bewegt sich also immer die gesamte Membranfläche. Angeblich schwingt ein solches System gleichmäßiger und präsentiert deshalb ein natürlicheres Klangbild.

Sendy Audio haben dieses Prinzip auf die Spitze getrieben, indem sie auf beiden Seiten der Membran zwei Lagen mit elektrischen Leitern untergebracht haben. Frei nach dem Motto: Mehr Strom klingt besser. Außerdem wurde gleich noch ein zweiter Magnet montiert – für die andere Seite der Membran. Getauft hat man das „Quad Former Technology“. Ein Schaubild auf der Website von Sendy Audio veranschaulicht den Aufbau:

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Aufbau der Treiber

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Flugzeugaluminium und per CNC-Fräse gearbeitete Schlitze

Testablauf

Für den Testablauf habe ich den Sendy Audio Peacock mit einem üblichen und günstigen Studiokopfhörer verglichen, der mittlerweile zum Studiostandard avanciert ist: den Beyerdynamic DT770 Pro in der Version mit 250 Ohm (wobei Beyerdynamic kürzlich überarbeitete Versionen einiger beliebter DT-Kopfhörer vorgestellt hat). Im Vergleich zum Sendy Audio Peacock mit seinen geringen 50 Ohm muss also der Kopfhörerverstärker beim Beyerdynamic DT770 Pro richtig arbeiten, um diesem eine ordentliche Lautstärke zu entlocken.

Gehört wurde mir sehr gut bekannte Musik, die ich oft für Tests nutze: Titel von Dire Straits, Bruce Springsteen, Genesis, Phil Collins, Sting bis hin zu Iron Maiden wurden genutzt und oft ein Album komplett durchgehört. Außerdem wurde der Sendy Audio Peacock für eine Testmischung genutzt und diese anschließend mit dem Beyerdynamic DT770 Pro und der sonst genutzten Abhöre angehört. Im Verlauf des Tests musste der Kopfhörer mit verschiedenen Kopfhörerverstärkern klarkommen, zum Beispiel mit diverser Interfaces wie dem iConnectAudio 2+ oder dem des X32 Rack.

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Kein gutes Paar: Leider bieten weder das Kabel noch die beiliegenden Adapter einen passenden Stecker für den Miniklinkenanschluss des Apogee Interfaces.

Praxis

Zunächst einmal fiel das hohe Gewicht des Sendy Audio Peacock auf. Der Hörer wiegt rund 580 Gramm. Das ist fast das Doppelte dessen, was ein Beyerdynamic DT770 Pro auf die Waage bringt. Bei längerer Tragedauer hat mich das doch sehr gestört. Durch das hohe Gewicht  rutscht der Kopfhörer auch trotz der Einstellung auf die kleinste Stufe hin und her, wenn ich den Kopf bewege. Hier arbeitet einfach die Schwerkraft gegen den Bügel und den Andruck, der auch nicht sonderlich hoch ist. Leider ist die Andruckkraft vom Hersteller nicht angegeben.

Als Musiker stören mich die beiden nach vorne geführten Kabel. Über die Optik kann man sich streiten, doch die Kabelführung ist für das Einspielen von Instrumenten wie Keyboards oder Gitarre einfach störend. Anders herum hingegen wäre sie gut gewesen, weil dann das Kabel über den Rücken laufen würde. Hier bleibt dann nur, denn Kopfhörer seitenverkehrt aufzusetzen, was jetzt auch kein Beinbruch ist.

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Die nach vorne geführten verriegelbaren Anschlüsse sind ebenso gewöhnungsbedürftig wie die Steckerfarbe im Kontrast zum Holzgehäuse.

Kommen wir zum Klang: Natürlich ist Klangwahrnehmung immer subjektiv und gerade bei Kopfhörern scheiden sich oft die Geister. Im direkten Vergleich zum günstigen Beyerdynamic DT770 Pro hätte ich aber schon einen großen Unterschied erwartet – der positiven Art. Beim Hören fiel mir jedoch auf, dass der Bassbereich des Sendy Audio Peacock nur scheinbar stärker betont ist als beim schon nicht ganz bassschwachen DT770 Pro. Hört man ganz genau hin, merkt man, dass der DT770 Pro tiefere Frequenzen produziert als der Sendy Audio Peacock. Sehr eindrucksvoll wird das demonstriert durch die folgenden Songs:

  • Iron Maiden – Album Senjutsu – Song Senjutsu
    Das Tom-Gewitter zu Beginn des Songs reicht auf dem Beyerdynamic DT770 Pro weit hinunter bis in den Keller, gleichzeitig sind die Attacks der Anschläge sehr gut zu hören. Beim Sendy Audio Peacock sind die Toms laut, aber nicht so tief wie beim DT770 Pro. Die Attacks sind schwach zu hören, dafür klingt es insgesamt etwas breiter.
  • Sting – Album All this Time Live – Song Fields of Gold
    Der extrem laut gemischte und tief klingende Kontrabass in diesem Song klingt auch genau so auf dem Beyerdynamic DT770 Pro. Trotzdem bleiben alle Feinheiten in den Mitten und Höhen schön durchsichtig. Ganz anders beim Sendy Audio Peacock. Der Kontrabass klingt laut, aber nicht wirklich richtig tief. Das Perlende in der Nylonsaiten-Gitarre in diesem Song geht etwas verloren. Stings Stimme klingt sehr voll, sehr nah. Erneut ist das Klangbild breiter, aber auch nicht so differenziert wie beim DT770 Pro.
  • Sting – Album All this Time Live – Song Moon over Bourbon Street
    Hier sind es vor allem die feinen Details des Schlagzeugs wie das diffizile Besenspiel, das der Peacock schluckt, während der Beyerdynamic DT770 Pro damit überhaupt keine Probleme hat. Erneut machen Bass Drum und Kontrabass hier viel Druck in den sehr tiefen Lagen, die der DT770 Pro besser repräsentiert als der Peacock, der den Bass zwar voluminös, aber nicht tief klingen lässt.
  • Dire Straits – Album Brothers in Arms – Song Brothers in Arms
    Zu Beginn des Songs passiert vor dem Einsatz von Mark Knopflers Gitarre sehr viel in den tiefen Lagen, was vor allem der Hammond Orgel zuzuschreiben ist. Erneut transportiert der DT770 Pro das sehr gut. Alle Einzelheiten sind gut zu hören. Auch beim Peacock hört man das Geschehen im Bassbereich, aber die Details bleiben verdeckt. Das feine Brizzeln des Overdrives und gleichzeitig das sehr tiefe Grummeln der Hammond B3 bildet der DT770 Pro besser ab als der Peacock, der in den höheren Lagen zurückhaltender klingt.

Zwischenfazit

Der DT770 Pro klingt im direkten Vergleich im ersten Moment zwar weniger bassbetont, ist dafür aber klarer und reicht bei genauerem Hinhören doch tiefer. Meine Vermutung ist, dass der Peacock einen ähnlichen Effekt nutzt wie viele kleinere Streaming Lautsprecher, die durch die geringe Membrangröße keinen Tiefbass erzeugen können. Hier werden gezielt Resonanzfrequenzen im Bassbereich genutzt, um den Lautsprecher größer und den Bass kräftiger klingen zu lassen als er tatsächlich ist. Das führt aber oft zur Maskierung von anderen Frequenzen. Ich konnte beim DT770 Pro einfach mehr Details in der Musik wahrnehmen als beim Sendy Audio Peacock.

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Nun ist der Sendy Audio Peacock bestimmt nicht für das analytische Hören entwickelt worden, sondern soll eher die Hörgewohnheiten der HiFi-Zunft befriedigen. Dennoch hätte ich in der Preisklasse einen glasklaren Klang erwartet. Wie oft bei Kopfhörern tritt auch hier ein Gewöhnungseffekt ein. Wechselt man nach längerem Hören vom Sendy Audio Peacock auf den DT770 Pro klingt dieser zunächst dünn. Macht man es umgekehrt und hört erst eine längere Zeit mit dem DT770 Pro Musik und wechselt dann zum Sendy Audio Peacock, treten die erwähnten Verdeckungseffekte deutlich zutage und der Peacock scheint schon fast eine etwas nasale Note zu besitzen. Der leicht überbetonte Bass wird zu einer Belastung und verdeckt das Geschehen in den tieferen Frequenzgefilden. So konnte ich bei einer Live-Aufnahme von „Dancing in the Dark“ (Bruce Springsteen) mit dem Beyerdynamic DT770 Pro deutlich einen E-Bass und einen parallel spielenden Synthiebass unterscheiden und heraushören. Beim Peacock musste ich mich extrem auf den E-Bass konzentrieren, um diesen überhaupt zu hören.

Übrigens hören Mitbewohner schon bei geringerer Lautstärke beim Peacock fleißig mit. Kommentar meiner Ehefrau: „Warum hast du den Kopfhörer so laut?“ Es ist halt ein offener Kopfhörer und wer Musik genießen möchte, ohne andere zu stören, ist hier fehl am Platz.

Klassik mit dem Sendy Audio Peacock

Ich habe mir mit dem Sendy Audio Peacock mir gut bekannte Aufnahmen einiger klassischer Klavierstücke angehört. Darunter Aufnahmen, die ich damals für die Vorbereitung auf meine Examensprüfung sprichwörtlich rauf und runter gehört habe. Zunächst einmal weiß der etwas mittigere Klang des Peacock bei Klavieraufnahmen zu gefallen. Egal ob live oder im Studio aufgenommen, die Flügelaufnahmen klingen etwas größer und beeindruckender. Doch auch hier gibt es Schattenseiten. Während getragenere Aufnahmen von Chopin-Kompositionen mit ihrem vielen Pedalspiel und langen Legatolinien eindrucksvoll klingen, wird es bei schnelleren und virtuoseren Kompositionen schwieriger: Als Beispiel sei „Grand valse brillante No. 1 in Eb-Dur, Op 18“ von Chopin genannt. Bei den extrem schnellen Tonwiederholungen in diesem Stück beginnen beim Peacock die Transienten zu verschwimmen. Die Passagen klingen nicht so akurat und prägnant wie beim Beyerdynamic DT770 Pro.

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Gleiches fällt bei den von Glenn Gould eingespielten Bach-Werken auf. Auch hier gefällt der Peacock bei langsameren Stücken besser als bei den rasanten. Schnelle Läufe mit dem Gould-typischen Staccato verschmieren erneut stärker als beim DT770 Pro.

Interessant ist die Gould-Einspielung des Bach Concerto No. 5 in Eb-Dur für Piano und Orchester, Op. 73, I. Allegro. Zu Beginn spielt das Orchester nur einzelne Akzente und überlässt das Feld dem Klavier. Ab dem „a tempo“ Teil mit Themeneinsatz im Takt 11 (1:19) spielen die Streicher im Hintergrund schnelle 16tel Tonwiederholungen mit dem Bogen. Während die Töne beim DT770 Pro klar getrennt erscheinen und der Bogenstrich auch hörbar ist, klingt es beim Peacock fast wie eine Streicherfläche. Das Klangbild ist einfach insgesamt aufgeräumter, auch wenn die „Bühne“ nicht ganz so breit wirkt wie beim Peacock.

Mixing mit dem Sendy Audio Peacock

Zum Abschluss habe ich noch mit einer alten Aufnahme in Logic etwas gespielt und diese mit dem Peacock und dem DT770 Pro gemischt. Der Vergleich ist etwas unfair, weil ich den Klang des DT770 Pro gut kenne und mich darauf eingehört habe. Aber mit dem Beyerdynamic DT770 Pro war der Klang auf der Abhöre im Anschluss ausgewogener als beim Peacock. Durch die stärker betonten Bassfrequenzen waren diese später beim Abhören auf den Studiomonitoren unterrepräsentiert. Auch das Abstimmen verschiedener Instrumente im Bassbereich und den tiefen Mitten aufeinander war schwieriger, weil hier das Klangbild nicht so straff und aufgeräumt ist wie beim Beyerdynamic DT770 Pro. Stimmen, die beim Peacock sehr mittig klingen, waren später zu dünn. Gut ist hingegen die Stereowirkung und Tiefenstaffelung. Signale lassen sich sehr gut im Raum verteilen und bewegen. Hier ist es jedoch wie bei Studiomonitoren. Der beste Monitor versagt, wenn man sich nicht darauf eingehört hat und seine Stärken und Schwächen nicht kennt. Für mich wäre aufgrund des hohen Gewichts der Peacock aber nicht die erste Wahl beim Mischen.

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Ready for Mixdown: die ebenfalls zu testende Adam Audio TV5/T10S Kombination und der mehr als doppelt so teure Sendy Audio Peacock Kopfhörer treffen sich zum Mixing-Showdown

Angesichts des Preises bleibt mir am Ende nur ein befriedigendes Urteil, denn selbst günstige Kopfhörer machen vieles besser als der Sendy Audio Peacock. Lässt man die hochwertigen Materialen, die tolle Verarbeitung und auch die Voreingenommenheit aufgrund des Preises („teuer muss gut sein“) mal außen vor, bleibt am Ende in meinen Augen nur Mittelmaß übrig – zumindest bei einer Beurteilung vor dem Hintergrund Heimstudio.

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Fazit

Der Sendy Audio Peacock ist bestimmt kein Kopfhörer für das Studio. Dazu ist er zu schwer, zu wenig analytisch und als offener Kopfhörer auch darüber hinaus nicht in der Nähe von Mikrofonen zu gebrauchen. Als Musiker stört mich das Kabel, das durch die Art des Anschlusses nach vorne geführt wird. Zum Musikhören bei geringeren Lautstärken ist der Kopfhörer bestens geeignet. Hier spielt er seine Stärken aus: Der Bass bleibt schön präsent und auch die Höhen werden klar übertragen. Ab mittleren Lautstärken empfinde ich das Klangbild als anstrengend, zu mittig und die betonten Bassfrequenzen verdecken immer mehr das sonstige Geschehen. Im Vergleich zum DT770 Pro ist der Peacock in den Höhen weniger luftig und zurückhaltender. Dafür klingt die „Bühne“ beim Peacock etwas größer und das Klangbild hat etwas mehr Tiefe. Hier spielt auch das offene Hörerprinzip eine Rolle, denn offenen Hörern wird genau hier eine Stärke attestiert, die geschlossene Hörer nicht haben.

Kommen wir zur interessanten Frage: Darf dieser Kopfhörer 1.500 Euro kosten? Meiner Meinung nach nicht. Hier bezahlt man definitiv das Design, die ungewöhnlichen Materialien und (vermutlich auch) eine Prise Hifi-Voodoo mit. Oft hört man ab einer gewissen Preisklasse, was der Preis suggeriert. Manche Leser mögen anderer Meinung sein, was ich voll und ganz akzeptiere. Aber nicht immer ist teuer auch mit gut gleichzusetzen.

Der Sendy Audio Peacock ist ein guter Kopfhörer, bietet meines Erachtens nach aber keine wesentlichen Vorteile im Vergleich zu einem etwas günstigeren Kopfhörer. Größter Nachteil bleibt bei allen subjektiven Dingen aber eine objektive Sache: das hohe Gewicht. Eine Alternative aus gleichem Hause könnte der Sendy Audio Avia sein. Dieser verzichtet auf den Einsatz sehr teurer Materialien und kostet erheblich weniger als der Peacock. Auch der Blick auf die Modelle der Schesterfirma Sivga (sivgaaudio.com) könnte sich lohnen.

Plus

  • Klang bei geringeren Lautstärken
  • Verarbeitung
  • Eindrucksvolle Stereobreite und Tiefenstaffelung
  • hochwertiges Kabel

Minus

  • Gewicht
  • Überbetonte Bässe ab mittlerer Lautstärke
  • Kabelführung für Musiker unpraktisch
  • Maskierungseffekte in den Mitten und Bässen
  • Klang verliert ab mittlerer Lautstärke an Prägnanz und Höhen
  • Transienten verschmieren bei schnellen Attacks

Preis

  • 1.499,- Euro
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Forum
  1. Profilbild
    bluebell  AHU

    Sehr hilfreicher Test. Ich finde es gut und richtig, dass in Amazona-Tests auch die nicht so schmeichelhaften Aspekte eines Produkts genannt werden.

    • Profilbild
      Markus Galla  RED

      Ich habe wirklich hart mit mir gerungen und ich weiß, dass einigen eingefleischten Hifi-Fans das nicht gefallen wird. Aber am Ende ist ein Test ein Test und ich habe mit dem Produkt sehr viel Zeit verbracht und immer wieder verglichen. Natürlich ist so etwas immer auch subjektiv. Nachdem ich dann aber nach langer Sucherei im Netz die Messungen gefunden habe, war schnell klar, dass ich mich da nicht „verhört“ habe. Und bei diesem Preis erwarte ich einfach mehr als unnötige Materialien, um das zu rechtfertigen.

  2. Profilbild
    Jörg Hoffmann  RED

    Nur so eine Frage: Waren die Kopfhörer nagelneu? Bei Tests von neuen Kopfhörern lasse ich die gerne 2 Tage bei mittlerer Lautstärke vor sich hin dudeln, insbesondere mit dynamischer Musik. So werden die Treiber „weichgekocht“ und die Sicken werden beweglicher. Ich kenne die Kopfhörer nicht, aber dünner Bass und mangelnde Feinzeichnung ist oft ein Phänomen von brandneuen KHs.
    Gruß, Jörg

    • Profilbild
      Markus Galla  RED

      Ich glaube nicht, zumindest war nichts mehr eingeschweißt oder so. Aber selbst wenn: Der Kopfhörer war lange genug hier und ich habe ihn auch sehr lange getestet. Das dürfte eigentlich kein Problem sein.

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