Test: Sennheiser MK 8, Doppelmembran-Kondensatormikrofon

Praxis

Die Anwendungsgebiete des MK 8 sieht Sennheiser vorwiegend bei Gesang und Sprache, aber auch akustische Gitarren, Gitarrenamps, Flügel, Streich- und Blasinstrumente sowie Drums und Percussion sollen dem Mikro bedenkenlos anvertraut werden können. Damit wäre es ein absoluter Allrounder, das gilt es nun soweit wie möglich zu überprüfen. Um mir ein besseres Bild machen zu können, habe ich einen meiner Favoriten, ein altes AKG C 414 B-ULS, mit hinzugezogen.

Das MK 8 und mein Vergleichsmikro C 414 B-ULS

Das MK 8 und mein Vergleichsmikro C 414 B-ULS

Mein erster Test widmet sich natürlich der Stimme, die dafür gewählte Richtcharakteristik ist die Niere. Das Signal ist direkt, weitgehend linear mit einem leichten Boost in den Höhen, der eine schöne Luftigkeit erzeugt. Im Vergleich dazu klingt das AKG etwas belegter, steuert aber im Mittenbereich eine druckvolle Kernigkeit hinzu, die meiner Stimme mehr Charakter verleiht. Ein Nahbesprecheffekt ist beim MK 8 vorhanden, allerdings ist der nicht besonders ausgeprägt. Bei der Gelegenheit überprüfe ich durch leichtes Klopfen am Mikroständer und am Kabel, wie sich die Entkoppelung so verhält. Gegenüber dem ebenfalls nur in einer Klemme steckenden  C 414 funktioniert der integrierte Shockmount super. Zum direkten Vergleich stecke ich das Mikro in eine Spinne, hier ist nochmals eine deutlich bessere Störsignalunterdrückung zu vermelden, doppelt gelagert hält einfach besser.

Nun teste ich die verschiedenen Charakteristiken durch. Zuerst die breite Niere. Hier geschieht etwas Unerwartetes. Obwohl das Klangbild weitgehend so erhalten bleibt, scheint das Soundergebnis etwas näher heran zu rücken. Aufgrund der breiteren Klangaufnahme mit mehr Umgebungsgeräuschen hätte ich eigentlich ein gegensätzliches Ergebnis erwartet.

Zwischen Niere und Superniere ist bei einem normalen Abstand von 20-30 cm kein Unterschied zu hören, das gilt es am Instrumentarium nochmals zu überprüfen.

Acht und Kugel sind nun nicht die typischen Charakteristiken für Sologesang, aber auch hier bleibt der Klang weitgehend erhalten. Die Kugel gerät in den tiefen Mitten minimal schlanker, der Gegentest mit dem AKG C 414 zeigt, dass dieser Effekt dort viel deutlicher auftritt. Getestet wurde natürlich im schalloptimierten Raum, der die Reflexionen von hinten abmildert.

Bisher lässt sich also konstatieren, dass es Sennheiser geglückt ist, die neutrale Einstellung des MK 8 in allen Charakteristiken weitgehend zu erhalten. Übrigens, die in der Bedienungsanleitung mitgelieferten Frequenzschriebe zeigen natürlich schon gewisse marginale Unterschiede. Wer meine Tests aber kennt…ich höre lieber mit den Ohren als mit den Augen.

Forum
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    Klaus Joter  

    Zuerst ein Danke für den Test. Aber leider muss ich feststellen, dass er gerade dort, wo er für mich hätte wichtig werden können, sprich bei Flügel/Klavier, Blas- und Streichinstrumenten, keine Aussage machen kann. Ich verstehe nicht, wie man sich immer wieder auf Stimme, akust. und el. Gitarren sowie Drums kapriziert. Gerade bei etwas höherwertigeren Kondensatormikros sollte man nicht mehr von einer 08/15-Bandbesetzung ausgehen und stattdessen voraussetzen, dass damit auch anspruchsvollere Aufgaben erfüllt werden sollen.
    Wenn es nur nach der Optik ginge, würde ich Sennheiser – wie fast immer – eine goldene Zitrone verleihen, aber das nur nebenbei.

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    Armin Bauer  RED

    Hallo Klaus,

    natürlich hast du da recht. Es muss für den Tester aber auch zu leisten sein.
    Ich möchte mal erläutern, wie so ein Test bei mir abläuft.
    – Anfrage der Radaktion, ob Interesse besteht.
    – Zusendung des Testobjekts durch (i.d.R.) den Vertrieb
    – Testen im eigenen Studio. Da ich im Moment kein Recordingstudio mehr betreibe, sondern Mix und Mastering abdecke, können hierbei eben Stimme und die Instrumente getestet werden, die ich (wenigstens leidlich) spiele. Streich und Blas gehört da eben nicht dazu, Flügel fällt mangels Besitz weg.
    – Wenn möglich Antesten bei einem Live Event. Das hängt aber davon ab, ob da im Testzeitraum ansteht und ob dann vor Ort auch die Zeit und das Entgegenkommen der Musiker vorhanden ist.
    Grundsätzlich lässt sich sagen: Was für Stimme tut ist bei den meisten Bläsern auch unproblematisch. Wenn es an der akustischen Gitarre klingt ist die Wahrscheinlichkeit auch hoch, dass Piano/Flügel auch ganz anständig rüber kommt.
    Übrigens gerade in Vorbereitung: Ein dritter Teil meines „Mikrofonieren für die Bühne“ Workshops, dieses Mal genau für die von dir geforderten Instrumentenabteilungen. Vielleicht kannst du nach Erscheinen ein Feedback geben und die etwas maue Resonanz auf die Reihe damit erhöhen :-)
    Grüße Armin

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