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Test: Sequential Prophet 6 Module vs Oberheim OB-6 Module

Die NRPN-Implementation zur Steuerung der Oberfläche ist also beinahe identisch, wobei dem Hersteller sogar Fehler in der Dokumentation unterlaufen sind. Beispielsweise wird der Wertebereich des Filter Cutoffs des LP-Filters bei beiden mit 164 angegeben – im Test stellte sich heraus, dass das LP-Filter des Prophet-6 von 0 bis 127 geht und das des OB von 0 bis 255.

Synthesearchitektur – Signalpfad, Hüllkurven, Oszillatoren, Filter

Filter

Die grundlegende Synthesearchitektur ist gleich, hier unterscheiden sich die beiden Synthesizer nicht. Die Unterschiede liegen hier in Details der Ausführungen. Größter Unterschied ist natürlich das Filter. Beim OB-6 ist es als 12 dB variabler Multimode- und beim Prophet-6 als 24 dB LP- und 12 dB HP-Filter ausgeführt, allesamt resonanzfähig. Beim Oberheim OB-6 können die Modi stufenlos von LP über Notch zu HP überblendet werden und es steht ein zusätzlicher Band-Pass-Modus zur Verfügung.

Der entscheidende Unterschied liegt in den Filtern.

Der entscheidende Unterschied liegt in den Filtern

Allein durch die Art und Weise der Steuerung, die beim Prophet-6 straight forward ist, beim OB-6 verschachtelter, geht man anders an die Filter heran. Dabei kommt der OB-6 im LP-Modus auch bei voll aufgedrehter Resonanz nicht zum Zwitschern, der Prophet-6 hingegen pfeift so ordentlich, dass das Trommelfell zittert. Und eben dieses Mehr treibt das Signal dann auch leichter in die Sättigung, so dass ein aggressiverer Charakter als beim Oberheim OB-6 entsteht.

Zum Thema Aggressivität fällt mir da gerade der Distortion-Regler des Prophet-6 ein, den der OB-6 ja vermissen lässt. Tatsächlich fehlt jedoch nur der physikalische Regler, denn auch der OB-6 hat einen Distortion-Schaltkreis! Der NRPN-Parameter 64 steuert die Distortion bei beiden Synths. Über das Prophet-6-Panel kann man das auch einstellen. Ein echtes „Easter-Egg“ würde man in Gamer-Kreisen sagen.

Oszillatoren

Beide Synthesizer bieten zwei Oszillatoren plus Suboszillator pro Stimme an. Und auch hier sind die Unterschiede nur minimal, mal abgesehen vom Suboszillator. Der ist bei beiden unterschiedlich ausgeführt – beim Oberheim OB-6 gibt es eine (ungefähre) Rechteckschwingung, beim Prophet-6 eine Dreieckschwingung. Damit geht in Sachen Obertöne der Punkt an den OB-6, während der Prophet-6 durch die Dreieckschwingung besser „schiebt“.

Die Suboszillatoren unterscheiden sich deutlich

Oszillator 2 ist wiederum gleich, auch was den optionalen Einsatz als zweiten LFO angeht. Er blendet stufenlos von Dreieck über Sägezahn bis zu Puls über. Oszillator 1 des Prophet-6 ist eine genaue Kopie, der Oszillator 1 des Oberheim OB-6 hat dagegen ein eingeschränkteren Regelbreich. Hier startet man mit einem Sägezahn und blendet dann bis zur Rechteckschwingung, eine Dreieckschwingung fehlt. Das wird auch beim Konvertieren im CTRLR-Panel berücksichtigt, wenn man sich den Sourcecode anschaut. Andersherum geht das natürlich nicht, also hier ein Punkt in Sachen Flexibilität für den Prophet-6.

Oszillator 1 des OB-6 bringt nicht so viele Wellenformen hervor, wie der des Prophet 6.

Oszillator 1 des OB-6 bringt nicht so viele Schwingungsformen hervor wie der des Prophet-6

Entscheidend für die Lebendigkeit eines Klanges ist auch die Pulsbreitenmodulation. Auch hier ein kleiner Unterschied. Während der Prophet-6 nur die Option bietet, beide Oszillatoren gleichzeitig in der Pulsbreite zu modulieren, kann der OB-6 hier den LFO entweder auf OSC1 oder auf OSC2 oder auf beide gleichzeitig anwenden. Kein riesiger Unterschied, aber ein subtiler, gerade für Flächen. Auch hier scheint in der Anleitung ein Fehler zu sein. Denn auch der Oberheim OB-6 kennt angeblich nur zwei Modi: PWM aus und PWM auf OSC1 und OSC2 gleichzeitig.

Saegezahn: links OB-6, rechts Prophet 6

Sägezahn: links OB-6, rechts Prophet-6

Sowohl Prophet-6 als auch Oberheim OB-6 können Hard-Sync. Gerade hier kann man Oszillatoren verschiedener Bauarten gut voneinander unterscheiden. In Test stellt sich jedoch heraus, bei Beachtung der andersartigen Schwingungsformeinstellung, dass beide Sync-Sounds sich kaum voneinander unterscheiden.

Im Unison Modus stehen die Parameter „Slop“ beim Prophet-6, respektive „Detune“ für das Verstimmen der Oszillatoren gegeneinander. Dabei geht der Prophet-6 heftiger zur Sache und verstimmt die Oszillatoren stärker.

Klangbeispiele
Forum
  1. Profilbild
    MichBeck  

    Klasse und bis in’s Detail geschauter Bericht. Da demnächst einer der Beiden seinen Weg zu mir nach Hause finden sollte, werde ich diesen Test beim anspielen im Geschäft im Hinterkopf haben. Hab da ne leichte Tendenz ,trotz ausgeprägtem Atheismus, zum Propheten.
    Danke ?

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    fkdiy  

    Verdammt, gerade wo ich den OB-6 wieder verdrängen konnte geht jetzt die Rechnerei wieder los, ob man sich die Kiste nicht vielleicht doch irgendwie ins Haus holen kann. Mein GAS ist ganz, ganz schlimm mit dem Teil …

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      digital-synthologie  AHU

      Ich bin jetzt mal gemein und schreibe, dass es mir auch so ging, nachdem ich ihn das erste Mal gehört habe und ihn mir dann sofort, als er verfügbar war, gekauft habe und es bis heute nicht bereue.
      Alleine die Presets durchzusteppen und darauf rumzuspielen macht viel Spaß. Dann drehst du an eine paar Reglern und der Sound wird ganz anders aber immer noch gut und interessant.

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    spookyman  

    Super Bericht, detaillreich und sehr gut dokumentiert, sei es von den Bildern oder Soundbeispiele. Vielen Dank !

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    Allroundlaie

    „Das entscheidende Bauteil ist dabei der Quad-VCA V2164M von Cool-Audio, bei dem es sich um einen Nachbau des bekannten SEM-VCA handelt. Ansonsten gibt es noch und Standard OTAs und OpAmps (LM1374, 062, 064). Und nein – es gibt keine SEM-Filterchip-Klone. Die Filterarchitektur wird über die VCAs realisiert.“

    Ernsthaft jetzt? Wenn mann keine Ahnung hat, kann man auch einfach kurz recherchieren anstatt so einen Stuss zu verbreiten.

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      Soundreverend  

      Hast Du Infos dazu? Was ist dann richtig? Das VCAs einen Filter realisieren können klingt irgendwie komisch, geht das? Wer weiss wer weiss…

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      fkdiy  

      Ich bin persönlich überfragt, aber auf der Seite des VCA Herstellers steht tatsächlich: „The V2164 is available for many applications such as Automatic Volume Controls, Audio Mixers, Compressor / Limiters / (…) Voltage Controlled Filters, and Effects Processors.“

      Link: http://www.....ducts.html

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      Allroundlaie

      Dann eben im Detail:
      1.Bei dem V2164 handelt es sich nicht um einen „Nachbau des bekannten SEM-VCA“, im SEM steckt ein CA3080, also ein OTA, welcher ja in Form von LM/NJM 13600/13700 und NE5517 weiter fortlebt. Ein SSM2164/V2164 hingegen ist kein OTA und kann daher auch kein Nachbau eines OTAs sein. Einen nicht linearisierten OTA wie den 3080/13700 kann man z.B. langsam „überfahren“, bei den „echten“ VCAs wie V2164 und THAT2180/2162 passiert sehr lange nichts, bis es dann scheiße klingt, dazu kommen noch die Kompressionseffekte der OTAs und vieles weiteres, was den Sound entscheidend beeinflusst.

      2.Auch im SEM-State-variable-Filter stecken zwei CA3080 für die Spannungssteuerung. Und wenn man ganz genau schaut, findet man im OB-6 (und Prophet 6 HPF) auch den entsprechenden LM13700 samt den beiden Limiting-Dioden mit den lustigen Widerständen im Feedback-Pfad, genau wie im Original ;)
      Für die Kontrolle der Resonanz ist dann wohl tatsächlich eine Zelle des 2164 zuständig, was für den Sound aber egal ist, im Original hatte man statdessen ein neutrales Potentiometer.
      3. Das LPF-Filter im Prophet 6 ist diskret nach dem Vorbild SSM2040 aufgebaut, mit den Dual-Transistoren Q7-Q22.
      So wird es im Kern aussehen: http://www.....s2040.html

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        Allroundlaie

        Natürlich kann man mit VCAs VCFs realisieren, aber das wurde hier eben offensichtlich NICHT gemacht.
        Dave lässt die armen Bausteinchen eben lieber Filtermodi und Wellenformen überblenden, FM-Modulationstiefen regeln und für Stereospread sorgen ;)
        LM1374 ist dann wohl ein Tippfehler?

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          AMAZONA Archiv

          hier noch hübsch bebildert
          http://imgur.com/a/q1iTt
          und der lm13700 ist auch auf dem ob-6 board ersichtlich..
          http://bit.ly/2m3KkeN
          nur.. das sie das essenzielle vom filter des ob-x weggelassen haben.. schade eigentlich
          wusste diesbezüglich bis vor kurzen auch nicht warum die alten sem module und der ob-x soviel besser sind..
          hab nur den marion von tom.. nie gross damit auseinander gesetzt..

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          t.goldschmitz  RED

          Hallo,

          ja, da ist mir wohl „die Lupe abgerutscht“. Tatsächlich kann man auf den Riegeln sehen, dass es sich um LM13700 OTAs handelt.

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            AMAZONA Archiv

            die bilder vom ob6 sind auch nicht wirklich gut… habe kein highres gefunden…
            was ist eigentlich mit dem prophet v3.. curtis… wird der für ein späteres release aufgespart ?

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      t.goldschmitz  RED

      Hallo,

      danke für die Kritik. Ich muss hier den Fehler eingestehen. Zunächst einmal handelt es sich natürlich um SSM Chips, nicht SEM.
      Da mir kein Schaltplan des P6/OB6 vorlag, habe ich einfach mal geschätzt und hätte deswegen zwingend im o.g. Satz „vermutlich“ einbauen müssen.
      Denn nach Studium des Prophet 5 Schaltplans, PDF Seite 94:

      http://man.....Manual.pdf

      Handelt es sich vermutlich (ich kenne die Schaltpläne des OB6/P6 eben nicht) tatsächlich um eine diskrete Version des SSM-2040 OTA-Blocks, wie hier beschrieben:

      http://www.....m2040-vcf/

      und die Schaltung:

      http://www.....alysis.pdf

      Um das zu erkennen, reicht aber meine Lupe leider nicht aus.

      Cheers,
      T

      PS
      Ich persönlich finde einen freundschaftlich kollegialen Ton in einem Forum wie diesem einfach angemessener, just my 2 cents.

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        Allroundlaie

        Ja, sorry! Du hast da was abbekommen was nicht wirklich direkt und in Teilen auch garnichts mit dieser Sache zu tun hat. Also nochmal: Tut mir leid für den Rüpel, bin jetzt auch wieder artig :-)

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    Thomas Columbo  

    Klingen denn die Module anders als die jeweilige Keyboardversion ? Wenn nicht, so verstehe ich 1. den Sinn dieses immerhin 8-seitigen Tests nicht und 2. wäre das Testfazit in meinen Augen fatal falsch bzw. nur mit einer oberflächlichen Herangehensweise des Autors zu erklären. Ich habe beide Synths als Keyboardversion, und ich bin sehr froh, beide zu haben, weil sie im Charakter sehr unterschiedlich klingen und sich sehr gut ergänzen.
    Mir bringen die AMAZONA Tests immer weniger, lieber Peter, bitte weniger, aber dafür mehr Qualitätskontrolle und einen roten Faden im Magazin, und nicht alles doppelt und dreifach.

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      Soundreverend  

      Ich finde den Artikel sehr spannend. Die Sound Vergleiche, die Bilder vom Innern sind klasse, man kann so sehr gut erkennen, daß Dave Smith tatsächlich eine Platform geschaffen hat, mit der er „nur“ die Sound Chips neu designen muss und einen weiteren begehrenswerten Synth zu schaffen. Nur leider ein bisserl was zu hochpreisig für mein Portemonnaie… Da kann ja wirklich noch ein Jupiter 8 und CS 80 Chip kommen ;-) …weiter so!

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      AMAZONA Archiv

      nur zu…
      While the main board is exactly the same hardware, the panels Boards are not. The mapping of controls on the panels are different and the CV mapping to the voices cards is also different
      viel spass beim grillieren

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      t.goldschmitz  RED

      Hi,

      man kann den OB-6 Filter ja stufenlos überblenden (siehe Abb Filter-Sektion auf Seite 4) und bekommt dabei auch die Notch-Charakteristik.

      Cheers,
      T

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        AMAZONA Archiv

        ich hab da nochmals nachgedacht… mit je einem lp und hp seriell lp zuerst,ist ein bandpass aber keine bandsperre möglich, auch wenn der hp höher als der lp gehen sollte, er bekommt ja kein signal mehr, das gleiche problem wenn der hp zuerst ist… , parallel geht nur eine bandsperre,…. evtl sind da noch automute für den hp am unteren bereichsende dabei…..sonst stört der hp im seriellen betrieb immer ….schade das online kein signalfluss diagram zu finden ist

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    mysputnik07  

    Im Text der Zusammenfassung heißt es aber: „Ganz vordergründig fallen beim Prophet-6 also Notchfilter-Klänge unter den Tisch.“ Das ist doch nicht richtig. Mit LP und HP kann man doch prima Notchfilter-Klänge machen. Oder?

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      fkdiy  

      Ich denke, mit in Serie geschalteten Lowpass- und Highpass-Filtern kann man etwas Bandpass-ähnliches erzeugen. Der LP nimmt die hohen Frequenzen raus, der HP anschließend die tiefen, und übrig bleibt ein Mittenband.

      Das, oder ich habe noch viel weniger Ahnung von solchen Sachen als ich wusste. :)

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    AMAZONA Archiv

    da lp und hp separate cuttoffs haben, ist theoretisch sowohl bp als auch notch möglich…höchstens der hp ist von der frequenz des lp limitiert, dann nicht, aber da müsst ihr albert hoffman fragen.. ;)

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      Maxim  

      … kann doch alles nicht so schwierig sein ;)
      Mit einer Serienstruktur ist ein BP, aber kein Notch möglich.
      Mit einer Filter LP/HP Parallelstruktur (Bingo!) ist ein Notch, aber kein klassischer BP möglich.
      Grüße

      Notchfilter sind sowieso das unmusikalischste, was jemals erfunden wurde. Was soll denn dieses ecklige harsche Kriseln da oben? Ich gab mich mit dem Synth halb totgeschraubt, hilft alles nichts, der HP ist komplett wertlos. Liegt auch daran, dass schon eine Dreieckschwingung nicht so klingt wie theoretisch und bei Vintage normalerweise der Fall und in den Höhen extrem gehypt ist. Deshalb wird das Filter schon ultraaggressiv angeregt, was man nur in der DAW nachfolgen korrigieren muss.

      Die Eckfrequenz ist zu hoch gewählt, das HP klingt total disconnected und greift die Ohren an, vorausgesetzt, die Ohren sind jung. Das ist sogar beim Arturia Filtermodell besser gelöst. Es stehen vor allem diejenigen auf den Sound, die altersbedingt nichts mehr da oben hören. Sonst würde ihnen sofort auffallen, dass der Prophet weitaus weniger aggressiv klingt.

      So hätte eine fundierte Diskussion aussehen müssen.

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        alba63

        „Es stehen vor allem diejenigen auf den Sound, die altersbedingt nichts mehr da oben hören. Sonst würde ihnen sofort auffallen, dass der Prophet weitaus weniger aggressiv klingt.“
        Haben wir ein Aggressivitäts- Problem am Laufen? Man kann seine eigenen Präferenzen auch entspannt äußern. Ich höre noch ganz gut, und mir gefällt der OB-6 bei weitem besser. Notch- Klänge hab ich mit Samplern und Synths schon in den 90ern programmiert und hab sie geliebt.
        Was du eine „fundierte Diskussion“ nennst, ist einfach schlicht deine persönliche Meinung. Simple as that….

  8. Profilbild
    Son of MooG  AHU

    Beide sind tolle Instrumente, wobei mir der Obie-Sound etwas besser gefällt als der Prophet. Hier ist wirklich nur der eigene Geschmack ausschlaggebend (wie der OB-6 sich mit dem DM 12 verträgt, habe ich kürzlich auf der Röhrte gesehen, nett). Ob es je einen polyphonen Moog geben wird?

    • Profilbild
      AMAZONA Archiv

      ja.. polyphoner moog von behringer…
      war auf gearslutz der gedanke… monophoner odyssey angekündigt..renderings veröffentlicht. es wurde der polyphone deepmind…
      monophoner minimoog angekündigt…renderings veröffentlicht…
      wobei da gibt es einen schaltplan.. dh. chill :P

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