Test: Sequential Prophet-600 GliGli Upgrade

Pfo 600 Mod

In der Praxis

Nach so viel techniklastiger Betrachtung zum entscheidenden Punkt: Wie klingt er nun, der derart gepimpte Prophet-600? Die Antwort kann nur lauten: Er ist kaum wiederzuerkennen! Erstaunlich, wie dieser Synthesizer vor allem dank der schnelleren Hüllkurven und feineren Parameterauflösung an Druck und Lebendigkeit gewinnt. Das Filter kann nun endlich kräftig zupacken, vor allem bei erhöhter Resonanz. Damit sind knackige Bässe und perkussive Sequencer-Sounds für den Prophet-600 kein Problem mehr.

Hier zwei Soundbeispiele, erst jeweils ohne, dann mit dem Upgrade:

 

Wer sich ein wenig mit Soundprogrammierung beschäftigt, weiß um das klangtechnische Potential, das sich erst mit invertierten Hüllkurven oder einer Random- bzw. Noise LFO Schwingungsform eröffnet. Interessant ist auch die Möglichkeit, beide VCOs in den Drive Bereich zu fahren, das Filter klingt dann noch fetter.

Performance-orientierte Spieler werden an den zusätzlichen Arpeggiator- und Sequencer-Funktionen (Stichwort: „on the fly“ Transponierung) sowie den erweiterten Spielhilfe-Optionen ihre Freude haben. Und mit der verbesserten MIDI-Implementierung und dem neu geschaffenen „Trigger Clock In“ ergeben sich, gerade auch in Verbindung mit anderen Synthesizern oder Drumcomputern, musikalisch ganz neue Möglichkeiten.

Das Bedienkonzept zur Ansteuerung der neuen Parameterebenen ist dabei sehr gut gelöst. Dass das Arpeggiator Speed- und das Glide-Poti dem neuen Interface zum Opfer fielen und nur noch über das Menü anzuwählen sind, ist in Anbetracht der dafür gewonnenen Verbesserungen leicht zu verschmerzen.

Fazit

Das Prophet-600 GliGli P600fw Upgrade ist ohne Übertreibung eine Offenbarung für alle Prophet-600 Besitzer. Galt der Prophet-600 bislang zwar als klanglich charaktervoller, aber leider auch etwas limitierter Synthesizer, hievt das Upgrade ihn in eine andere, höhere Liga. Unweigerlich stellt sich die Frage: Wie groß ist noch der Abstand zum großen Bruder, dem Prophet-5 (Rev3 Modell)? Nun, an dessen geschmeidige HiFi-Qualität kommt auch der „neue“ Prophet-600 nicht ganz heran, er bleibt im Kern – trotz neu gewonnener Agilität – ein eher rauer Zeitgenosse. Dafür punktet er mit Performance-Features und einer up-to-date MIDI Implementierung, die dem Prophet-5 wiederum gänzlich fehlen. Aber auch zu gesuchten polyphonen Synthesizern wie Jupiter-6, Chroma Polaris, OB-8 etc. (alle ebenfalls mit zwei VCOs und CEM-Filterchip-basierend) könnte der „gliglifizierte“ Prophet-600 eine attraktive Alternative sein. Die zukünftige Preisentwicklung auf dem Gebrauchtmarkt wird es zeigen. Für alle, die bereits einen Prophet-600 besitzen, gibt es ohnehin nicht viel zu überlegen: Ausprobieren! Das Aufwand zur Umrüstung ist relativ gering und das Resultat ist einfach nur überzeugend. Es ist fast so, als hätte der Prophet-600 all die Jahrzehnte auf den Tag gewartet, an dem einmal ein weißer Ritter kommt, der ihn aus seinem (CPU-) Verlies befreit. Für die Autoren ist GliGli – der geniale Tüftler aus Frankreich – zweifelsfrei dieser Held. Chapeaux!

Plus

  • lebendigerer, druckvollerer und variablerer Klang
  • treppenförmige Signalverläufe und schlappe Anstiegsflanken gehören der Vergangenheit an
  • viele neue Parameter und Performance-Features
  • leistungsfähigerer Arpeggiator und Sequencer
  • neue Synchronisationsmöglichkeiten und verbesserte MIDI-Implementierung
  • günstiges Upgrade; technische Bastlerfähigkeiten vorausgesetzt

Minus

  • alte Sounds im neuen Upgrade nicht mehr abrufbar
  • Arpeggiator Speed und Glide können nur noch über das Menü angewählt werden

Preis

  • Teensy Board ca. 40 Euro
  • gligli-Software ist kostenlos
  • Arbeitszeit für einen erfahrenen Techniker zwischen 1 1/2 und 2 Stunden
Klangbeispiele
Forum
  1. Profilbild
    Viertelnote  AHU

    als EX-Besitzer kann ich nur sagen, das ein
    Firmwarewechsel hier absolut Pflicht ist.
    Die eher trägen Hüllkurven und groben Parametereinstellungen waren für mich der Grund, ihn abzustoßen.
    Klanglich ist der Prophet-600 ein sehr guter Kontrast zum Juno/Polysix aus der damaligen Zeit. Der Prophet 600 klingt eher ruppig, ungehobelt und sehr direkt.
    Er kann stellenweise sehr knallen, er drängt sich immer irgendwie in den Vordergrund. Ein guter Vintagesynthesizer. Wenn man einen Prophet 600 hat, sollte man sein Geld nicht in einen anderen Synthesizer investieren, sondern genau in DIESEN.
    Warum: die Curtischips!
    Diese müssen für jeden Klangbaustein separat erworben werden. Osc, Filter, VCA
    und das kann ins Geld gehen. Die Chips sind fast vom Markt geblasen. Also ergattert euch diese Teile, denn diese gehen gerne mal kaputt.
    Ansonsten: Upgrade ist Pflicht!

    netter Gruß

    • Profilbild
      YC45D  

      solche Upgrades von alten Analog-Synthies scheinen sich in letzter Zeit zu vermehren.
      Ich denke da z.Bsp. an das neue OS Upgrade für den Roland JX10 P.

      Diese Klangbeispiele vom Prophet 600 sind sehr anregend.Frage mich,ob der Prophet 08 aus gleichem Haus so etwas auch könnte…

      • Profilbild
        Piet66  RED

        @YC45D: Vielen Dank! Mit den Upgrades bleibt es spannend, weil sie mitunter sehr viel bieten. Als gutes Beispiel sei hier auch das Europa Upgrade für den Jupiter 6 genannt.

        Frage in die Runde: mich würde noch interessieren, ob es Erfahrungen mit dem MTG Pro-One Upgrade gibt.

    • Profilbild
      Piet66  RED

      @Viertelnote: ja absolut, dieses Upgrade ist ein „Muss“ für Prophet-600 Besitzer. Ich finde auch, daß dieser Synthesizer vom Sound her eine sehr gute Ergänzung zu den Junos darstellt, die doch eher etwas gefälliger daherkommen. Grüße!

  2. Profilbild
    AMAZONA Archiv

    Der Prophet-600 ist ein super klingender Synthesizer mit eigenständigem Sound. Mit geschickter Programmierung kann der auch weich und lebendig, was ihm sonst nicht so zugetraut wird. Leider hab ich ihn vor ein paar Jahren verkauft. Bei ihm tut es mir wirklich ein bisschen Leid.

    • Profilbild
      Piet66  RED

      @Marko: das Upgrade erlaubt es, den Prophet-600 klarer und, falls gewünscht, auch härter erklingen zu lassen. Sogar FM-ähnliche Sounds sind damit möglich. Es lassen sich aber auch weiche Klänge und Klangverläufe sehr schön abbilden. Insgesamt wird die Farbpalette deutlich erweitert, dem Programmierer stehen mehr Möglichkeiten zur Verfügung. Grüße!

  3. Profilbild
    SpotlightKid  

    Das ist schon bemerkenswert, dass dieses Upgrade als Open Source entwickelt und vertrieben wird und sich dadurch die Anschaffungs- und Einbaukosten in Grenzen halten (und die Entwickler erhalten idR davon nichts!). Wenn man vergleicht, dass das vergleichbare Kiwi-Upgrade für den Roland JX-3P ca. 300 EUR kostet (und dann noch nicht eingebaut ist), und man bei diesem bei den Features an das gebunden ist, was der Hersteller implementiert, können sich Prophet 6000 Besitzer sehr glücklich schätzen. Ich hoffe, in diesem Bereich tut sich in den nächsten Jahren noch mehr. Die Musikequipmentindustrie ist m.E. noch viel zu sehr von proprietären Entwicklungsmodellen geprägt.

    • Profilbild
      Piet66  RED

      @SpotlightKid: die Chancen stehen m.E. gar nicht so schlecht, dass auch andere Talente GliGlis Beispiel folgen und uns in Zukunft mit innovativen, kostengünstigen Upgrades überraschen werden. Immerhin wird GliGli bereits heute von einer aktiven Community unterstützt. Es muss halt immer einer den Anstoss geben. GliGli hat übrigens auch andere interessante Projekte im „Angebot“, z.B. im Kontext von RX-5 und Matrix1000, und er arbeitet u.a. an einem eigenen Synthesizer „Overcycler2“. Vielleicht sollte man einmal eine Reportage über GliGli andenken?! Wer es möchte, kann GliGli übrigens eine freiwillige Spende zukommen lassen: auf seiner Homepage gibt es ganz unten einen entsprechenden „Donate“ Button…

Kommentar erstellen

Die AMAZONA.de-Kommentarfunktion ist Ihr Forum um sich persönlich zu den Inhalten der Artikel auszutauschen. Sich daraus ergebende Diskussionen sollten höflich und sachlich geführt werden. Haben Sie eigene Erfahrungen mit einem Produkt gemacht, stellen Sie diese bitte über die Funktion Leser-Story erstellen ein. Für persönliche Nachrichten verwenden Sie bitte die Nachrichtenfunktion im Profil.