Test: Seymour Duncan, Classic – Blue – Mayhem, Gitarren-Preamps

Twin Tube Mayhem SFX-04

Der Mayhem ist der direkte Nachfolger des Classic. Er ist vom Aufbau ähnlich, doch die Poti-Konfiguration ist anders gesetzt, und er verfügt nur über einen Kanal plus einen Boost, den man auf 4, beziehungsweise 8dB schalten kann. Schon alleine am Design kann man schnell erkennen, in welcher Stilistik der Mayhem zuhause ist, in der härteren Gangart der Rockmusik nämlich. Ein verchromtes schwarzes Metallgehäuse mit lackierten Verziehrungen und ähnlich gut verarbeitet wie der Classic. Geregelt wird über einen Dreiband-EQ (Bass/Mid/Treble), ein Volume- und ein Gain-Poti. Der Treble-Regler hat eine Center-Frequenz von 3kHz, einen Q-Faktor von 1,4 und eine 12dB Anhebung oder Absenkung. Beim Middle-Regler kann man zwischen zwei Center-Frequenzen wählen, 600Hz oder 1,4kHz, Q-1,5 und auch 12dB plus/minus. Der Bassbereich zentriert sich bei 125Hz, Q-1,5 und besitzt ebenfalls +/-12dB Spielraum. Auch hier gibt es zwei Schalter, einen zum Aktivieren bzw. in den True Bypass zu schalten und einen, um den Boost zu steuern. Angefeuert wird der Mayhem mit zwei 6205 Röhren des selben Herstellers wie beim Classic.

-- Seymour Duncan Twin Tube Mayhem --

— Seymour Duncan Twin Tube Mayhem —

Twin Tube Blue SFX-11

Wenn man die laufenden Nummern der Seymour Duncan Stompboxes verfolgt, kamen doch einige Pedale dazwischen, bis man sich dazu entschlossen hatte, den Twin Tube Blue nachzulegen. Bis auf die Farbe, natürlich blau, der Lackierung und den Röhren, diesmal vom Typ 6111, unterscheidet sich dieser Preamp nicht wirklich von seinem älteren Bruder, dem Twin Tube Classic. Wie der Name schon sagt, geht der SFX-11 eher in Richtung Blues/Bluesrock. Mehr dazu im Praxisteil.

Praxis

Twin Tube Classic SFX-03

Am Verstärker angeschlossen geht es relativ schnell zur Sache. Der Classic ist innovativ zu bedienen und nicht nur im Sound, sondern auch bei dem Handling an alte Röhrenamps angelehnt. Mit dem On/Bypass-Schalter kann man den Preamp einschalten oder in den True Bypass-Modus schalten und sich vor Aktivierung überlegen, welchen Kanal man benutzen möchte. Sehr praxisorientiert, so besteht die Möglichkeit, zum Beispiel vom Clean-Kanal des Verstärkers in den Rhythm-Channel oder in den Lead-Kanal zu schalten, beziehungsweise mit dem Channel-Select zwischen den beiden Vorstufen zu wählen. Das Ergebnis wäre in dem Fall ein Dreikanal-Verstärker. Der Sound des Rhythm-Kanals ist eher rudimentär in Richtung „England“ angesiedelt. Vielleicht etwas ruppig und mit einem kleinen Fender Anteil, klingt der Kanal doch mehr nach 70er in Richtung Plexi (Marshall). Meiner Meinung nach sehr authentisch hält der Twin Tube Classic genau das, was er verspricht. Schön mittig, durchsetzungsfähig und mit einem guten röhrentypischen dynamischen Verhalten.

Im Lead-Kanal finden wir das Gleiche, nur mit etwas mehr Gain. Ausreichend portioniert bekommt man den Ton hier schön zum Singen. Die beiden Tonblenden decken eine sinnvolle Bandbreite und greifen gut. In manchen Momente hätte ich mir vielleicht eine Mittenblende gewünscht, aber da ist der Preamp dann doch eher von der alten Schule. Was mich neben dem durchweg guten Sound überraschte, war der Pegel. Es gibt sehr viel Raum nach oben, was nicht immer von diversen Bodentretern zu erwarten ist. Aber da unterscheidet sich der Twin Tube doch und besticht eher als Vorverstärker und nicht als Overdrive-Pedal. Neben der Dreikanal-Option kann man ihn auch sinnvoll als Booster zum Anblasen eines schon verzerrten Röhrenverstärkers benutzen.

-- Twin Tube Blue back --

— Twin Tube Blue back —

Twin Tube Mayhem SFX-04

Beim Mayhem geht es in Richtung High-Gain, somit also eher amerikanisch. Gut dass es hier einen Mittenregler gibt, die beiden Frequenzen sind gut gewählt, um diverse Metal-Stilistiken zu bedienen. Vor allem auch, um die beliebte „Badewannenfrequenz-Einstellung“ zu wählen. Auch hier bekommt man einen schönen dynamischen Röhrensound, der sich auch gut vor einem Transistorverstärker macht. Die drei, respektive vier Bänder, greifen gut und liefern ein facettenreiches Angebot an Soundvarianten. Also ein ähnliches Pedal wie der Classic, doch mehr im härteren Rock zuhause. Am meisten hat mich die Boost-Option überrascht. Mit der 4dB Anhebung kann man sehr gut gewisse Parts im Song anblasen und/oder das Ganze für Solosounds herausheben. Nicht dass es schon fast reichen würde, von der Lautstärke gibt die 8dB-Variante den absoluten Kick, um sich im Solo nach vorn zu schieben. Ich finde, die dB-Zahlen des Boosts sind gut gewählt und in jedem Fall in der Praxis zu gebrauchen.

Klangbeispiele
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