Test: Seymour Duncan Silver Lake, Effektgerät

9. August 2018

Das Duncan Reverb-Flaggschiff fährt ein!

Der Seymour Duncan Silver Lake – ein weiteres Reverb-Flaggschiff, das nun auf den Markt kommt, diesmal aus amerikanischem Hause. Als Seymour Duncan 1976 ins Leben gerufen wurde, lag das Augenmerk der Firma nicht bei Workstations oder Effektpedalen, sondern bei Tonabnehmern. Das amerikanische Familienunternehmen, das sich leidenschaftlich dem Ton und dem Klang von Gitarren verschrieben hat, fand dann im Laufe seiner Geschichte vermehrt zur Welt der Fußtreter, auch wenn die Anfänge Seymour W. Duncans erst mal darin lagen, Instrumente von Größen wie Jimmy Page und Jimi Hendrix zu reparieren. Doch wer eine so lange Geschichte und so viel Know-how unter einem Dach vereint, setzt das früher oder später auch für die Konstruktion interessanter Effektpedale ein – der Dirty Deeds oder zuletzt auch die Gain Stage Palladium, die sich vor allem unter Bassisten großer Beliebtheit erfreut, sind hier zu nennende Beispiele.

Nach der Delay-Workstation Andromeda nun also das Silver Lake, eine vielfältige Hall-Workstation, die sich eine Preis-Riege unter der des Strymon Big Sky oder des Empress Reverb bewegt. Bringt der Seymour Duncan Silver Lake genug interessante Alleinstellungsmerkmale mit sich, um sich von der schieren Masse der Hallpedale auf dem Markt abzusetzen? Man darf gespannt sein!

Seymour Duncan Silver Lake – Facts and Features

Seymour Duncan Silver Lake

Für seinen Funktionsumfang besitzt der Seymour Duncan Silver Lake die angemessene Größe. Sämtliche Buchsen und Anschlüsse befinden sich auf der Stirnseite. Was schließt das alles mit ein? Stereokapazitäten sollten für eine Hall-Workstation inzwischen selbstverständlich sein, da macht das Seymour Duncan Silver Lake auch keine Ausnahme. Hinzu kommt auch ein MIDI-In, mit dem man ggf. Presets per MIDI ansteuern kann sowie ein MIDI-Thru-Anschluss. Über einen Mini-USB-Anschluss kann das Silver Lake mit den Firmen-Updates aus der Online-Library gefüttert werden und 128 Preset-Speicherpositionen ergeben vor allem in der Kombination mit MIDI eine hervorragende Bedienbarkeit. Was die grundlegenden technischen Details also angeht, zieht das Silver Lake ganz klar mit Strymon und Empress mit und kann vielfältig eingesetzt werden.

Seymour Duncan Silver Lake

Grundlegend besitzt der Seymour Duncan Silver Lake acht separate Reverb-Engines, die allesamt ihre Daseinsberechtigung haben – dazu aber später mehr. Eine digitale 24 Bit / 48 kHz Engine verantwortet die allgemeine klangliche Qualität der Engines und eine gut lesbare, nicht allzu grelle Anzeige in der linken oberen Flanke ermöglicht ein problemloses Orientieren zwischen den Presets.

Seymour Duncan Silver Lake – Bedienpanel

Schnell wird deutlich – hier geht einiges. Seymour Duncan wird sich mit der Frage beschäftigt haben, was eine Reverb-Workstation mitbringen sollte, das anderen fehlt. Viele Potis und Schaltmöglichkeiten, die über die üblichen Parameter hinausgehen, zeichnen den Silver Lake aus. Hat alles seine Daseinsberechtigung? Die acht Engines lauten zunächst wie folgt:

  • Room bietet den klassischen, unaufdringlichen Reverbsound aus den 70ern, der sich vor allem für kurzes, akzentuiertes Spiel eignet.
  • Hall bietet weitläufigen Reverb für epische Leads.
  • Plate ermöglicht massive, transparente Hallflächen, die sich vor allem für Akkorde eignen.
  • Spring transportiert erwartungsgemäß ein gewisses Vintage-Feeling.
  • Shimmer bringt die allseits beliebte Engine für aufhellenden Klang und Melodieführung mit.
  • Gated bietet einen kurzen, fast Trail-losen und metallischen Hall, der sich vor allem bei hohem Lowpass bemerkbar macht.
  • Swell ermöglicht einen schwelenden, mit viel Decay angereicherten Reverb-Sound.
  • Delay-Verb ist eine eher sphärische Engine, die am ehesten noch mit der Cloud-Engine des Strymon Big Sky verglichen werden kann.

Für jede dieser Engines bestehen Modulationsmöglichkeiten über das Tweak-Poti. Entweder High- oder Lowpass-Filter können hier eingerastet werden, aber auch Chorus- und Vibrato-Sounds können erzeugt werden, die vor allem bei den „weiten“ Reverb-Engines wie Plate oder Delay-Verb gut zur Geltung kommen. Darüber hinaus sind die Parameter, die eingestellt werden können, genau die, die man von einer Reverb-Workstation erwartet, nämlich Mix, Pre-Delay und Decay, über die wahrscheinlich nicht mehr allzu viel gesagt werden muss. Allzu ungewöhnlich ist der Tone-Regler, namentlich das Damp-Poti, das eine Einstellung der Klangfarbe des Hallsignals zulässt, ebenfalls nicht, und die Lo-Fi-Sättigung über „Grit“ kennt man ebenfalls von einigen Reverb-Pedalen, wie dem BigSky etwa.

Was eher ein Alleinstellungsmerkmal darstellt, ist der Dynamic Expression Trademark. Hier werden die Anschlagsdynamik und das Picking vom Seymour Duncan Silver Lake in Echtzeit erfasst. Wählt man den Soft-Modus, lässt sich das Spiel mit sanftem Picking durch die Trails tragen, während der Hard-Modus die Trails quasi abschneidet und hartes Picking begünstigt. Beide Modi interagieren äußerst interaktiv mit den Parametern – wenig Pre-Delay oder Decay können zum Beispiel im Soft-Modus schön sphärisch ausarten, je nach Spielweise. Hier wird also Echtzeitkontrolle über die Anschlagsdynamik in Abhängigkeit vom Mix, dem Damp oder Chorus/Vibrato ermöglicht – definitiv interessant und ein Feature, das man bei anderen Hallpedalen vergeblich sucht. Abgerundet wird das Ganze durch einen Trails On/Off-Schalter.

Klangbeispiele
Forum
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    lightman  AHU

    Ich finde, daß sich in den Soundbeispielen der Name/das Motto des Geräts durchaus widerspiegelt. Mit Silver Lake assoziiere ich nächtliche Kühle, diffuse Schatten in der Ferne, schimmerndes, Mondlicht auf kleinen Wellenkräuseln, oder auch das kalte, klinische Licht einer Bahnhofswartehalle von früher. Das Künstliche kann in manchen Lagen durchaus gewollt sein, zumindest kamen mir beim Anhören der Beispiele verschiedene Ideen, wie man den Silver Lake mit Synths einsetzen könnte – vielleicht wäre das überhaupt mal ’ne Idee, in solchen Grenzfällen weitere Soundbeispiele mit Synthesizern anzubieten, um auszuloten, ob ein für Gitarren nicht so gut geeignetes Produkt womöglich für elektronische Instrumente besser taugt.

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      Dimitrios Kasprzyk  RED

      Durchaus sinnvoller Vorschlag, völlig richtig – allerdings drängt sich bei einem Traditionshaus wie Seymour Duncan der Gedanke auf, dass das schon für Gitarren gedacht ist. Aber vielleicht hätte man mal den Volca FM da mal durchjagen können. Notiert für die nächsten Male – allerdings ist die Enttäuschung hier handfest, trotz allem.

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        lightman  AHU

        Ich bin da ehrlich gesagt nicht so firm in der Welt der Bodentreter, hab erst so vor circa fünf Jahren begonnen, mich mit den Teilen zu beschäftigen. Als Elektroniker mit Hang zum leicht Kaputten habe ich da vielleicht etwas abseitige Vorlieben, aber ich denke, daß ein bißchen mehr Synth bei solchen Reviews nicht schaden könnte, es ist ja nun schon lange kein Geheimnis mehr, daß Effektpedale wie der Silver Lake auch gerne im mehr oder weniger experimentellen Elektronikbereich verwendet werden.

        Stell‘ dir einen schlanken, aber warmen (d. h. mit wenig Obertönen ausgestatteten) FM-Sound vor, der durch die Einstellung in Soundbeispiel Nr. 4 geschickt wird, oder auch den klinischen Spring Reverb… fast schon Industrial. Oder wie wärs mit einer Drummachine?

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    Wellenstrom  AHU

    Also, wenn man eine gewisse schäbige, kühle Atmosphäre erzeugen willst, wie man sie so aus einigen David Lynch Filmen kennt, dan ist das Teil gar nicht mal so verkehrt. Kann die Testnote aber hier nachvollziehen. Für einen sehr speziellen Charakter, den man nicht immer und überall einsetzen kann, wäre mir das Teil schlichtweg zu teuer.

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    L. Lammfromm  

    Interessante Nebengeräusche, zumal mit einem Pegel, der ihnen jederzeit die Gelegenheit gibt, für „Charakter“ zu sorgen. Dazu eine Effektqualität, wo man auch mit einem prall gefüllten Schrank voll mit Billig-Tretern und extremst günstigen 80er und 90er-Jahre Effekten-Geräten Schwierigkeiten haben wird, etwas zu finden, was an diesen besonderen Sound heran reicht.
    .
    (Kaufwarnung)

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    swellkoerper  AHU

    Ich warte immer noch auf einen Pedal-Umschalter, der mehrere Stereopedale gleichzeitig aufnimmt und switchen sowie routen kann. Es gibt mittlerweile so viele edle Pedale mit Stereo In/Out, aber kaum Switcher dafür. Der Boss ES-8 z.B. kann nur ein reines Stereopedal bedienen. Die Dinger sitzen irgendwie zwischen allen Stühlen, ursprünglich für Gitaristen gemacht mit einer Effektqualität und einem Userinterface, die einem Rackgerät ebenbürtig oder gar überlegen sind. In einer typischen Aux-Return-Konfiguration (mono in, stereo out) bleibt einfach zuviel Potential der teuren Kistchen liegen, und true stereo ist jedesmal mit einer Patch-Orgie verbunden. Vielleicht hat jemand von Euch einen Tip, wie man das elegant lösen kann.

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