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Test: Seymour Duncan Vapor Trail, Delay-Pedal

Der analoge Underdog!

10. Januar 2023

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Das Seymour Duncan Vapor Trail ist leider immer noch ein Sleeper und konnte sich in meinen Augen leider nie so richtig in der Effektwelt durchsetzen. Da half auch ein bisschen Makeup in Form eines neuen, blauen Äußeren nichts. Vielleicht fehlt dem analogen Delay einfach der berühmte Gitarrist, der heimlich fotografiert wurde, wie er das Pedal in sein Setup einbaut. Vielleicht kann ich ja für den unterschätzten „Kondensstreifen“ in die Bresche springen, denn ich finde das Pedal richtig klasse, ob blau oder grau-blau.

Konstruktion des Seymour Duncan Vapor Trail

Das Seymour Duncan Vapor Trail ist in einem stabilen Aluminium-Druckguss-Gehäuse der Größe 125B behaust, wie man es in der Boutique-Szene schon öfter gesehen hat.
In der ersten Variante war es in einem Silber-Metallic mit blauer Schrift lackiert und wurde durch eine zusätzliche Schicht Klarlack nochmals schlaggeschützt. Der Schriftzug ist psychedelisch mit blauen Wellen hinterlegt. Der robuste True-Bypass-Schalter aktiviert das Seymour Duncan Vapor Trail und eine helle, blaue LED zeigt den Status des Pedals an.


Der Mix Regler und der Repeats Regler agieren beide ganz klassisch, sind mit einem schwarzen Knebelknopf versehen und mit einer gut sichtbaren, weißen Markierung lackiert.
Der Delay-Regler ist interessanterweise durchsichtig, mit schwarzer Markierung und er blinkt in der Delay-Geschwindigkeit. Dadurch ist die Delay-Zeit jederzeit gut erkennbar, denn auch im ausgeschalteten Zustand blinkt das Vapor Trail fröhlich weiter.
Alle drei Potis sind stabil mit dem Gehäuse verschraubt.

Die Modulation wird über zwei kleinere Potis mit weißer Markierung in Rate und Depth eingestellt. Das ist durchaus praxistauglich und platzsparend und aufgrund ihrer Positionierung sind sie auch mit dicken und unbeweglichen Gitarristenfingern gut zu erreichen.

An der Stirnseite findet man zwei stabile Buchsen für den Mono-In- und Ouput. Sie sind zwar aus Plastik, machen aber, wie aus der Amp-Welt, einen robusten Eindruck.

Seymour Duncan Vapor Trail

Dazwischen findet man die Netzteilbuchse, die in Ihrer Beschriftung die zu verwendende Polarität auszeichnet (sehr löblich und oft Gold wert) und den Hinweis liefert, dass das Pedal mit 9-18 V betrieben werden kann.
Also bin ich gespannt, ob man eine Klangveränderung oder ein größeres Headroom mit 18 V, wie bei vielen Verzerrern, erreichen kann oder ob diese Voltzahl intern angepasst wird.

Obwohl die Buchsenanordnung sehr eng anmutet, findet der Netzstecker selbst dann noch exakt genug Platz, selbst wenn man Pancake Stecker für das Audiosignal verwendet.

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An der Gehäuseseite ist noch ein Wet-Insert-Effektweg als weiteres Feature angebracht.

Da dieser Insert-Weg mit einer einzelnen Stereo-Buchse ausgelegt ist, ist es super, dass auch hier die Beschriftung (Tip – Send, Ring – Return) aufgedruckt ist. So können keine Missverständnisse entstehen und ein langwieriges Suchen nach Gebrauchsanweisungen bei einer seltenen Nutzung bleibt erspart.
Das analoge Delay, das im Übrigen mit vier MN3205 ICs arbeitet, verfügt an der Unterseite auch noch über eine Batterieklappe.

Diese besteht aus Plastik, lässt sich aber ohne Schraubenzieher öffnen. Das Batteriefach ist mit einer Trennwand vom Schaltkreis isoliert.
Die Gehäuseunterseite ist gummiert und bietet so einen festen Stand, ohne zu rutschen.
Ein Großteil der sichtbaren Platine ist in SMD-Technik aufgebaut, an der Unterseite sind jedoch die Fullsize MN3205 erkennbar.

Noch angemerkt: Das Pedal kommt in einem unaufgeregten Pappkarton, dem allerdings bereits zwei Streifen Velcro, hierzulande auch als Klettband bekannt, beiliegen und zwar beidseitig.
Ein liebevoll designtes Benutzerhandbuch erklärt nicht nur die grundlegenden Funktionen, sondern auch ein paar anschauliche Einstellungsvorschläge samt Bebilderung.
Inklusive einem freigelassenen User-Setting, das man selbst ausmalen darf und einer Seite für User-Notes. Ich bin gespannt, ob hier schon mal jemand etwas reingeschrieben hat. Ich werde es gleich mal tun.

Der Sound des Seymour Duncan Vapor Trail

Das Seymour Duncan Vapor Trail ist ein echtes analog Delay mit einer Delay-Zeit-Range von 15 ms bis 600 ms. Das ist schon mal doppelt so lang wie seine Vintage-Vorfahren.
Mit kurzer Delay-Zeit erhält man einen Reverb-Effekt mit kleinem Raum.

Wenn man dazu Speed und Depth voll aufdreht, würzt man dies mit einem schönen Vibrato-/Tremolo-Effekt, der an so manchen Vintage-Amp mit Onboard-Hall und Tremolo findet.

Als reines Chorus-Pedal ist das Seymour Duncan Vapor Trail nur bedingt geeignet, da die Modulationstiefe nicht ganz so weit reicht. Die schnelleren Leslie-Effekte bekommt es aber gut hin.

Die Modulationstiefe wird im Handbuch mit „Zero To Over The Top“ angegeben und damit haben sie den Regelbereich etwas zu weit beschrieben. Was mir nämlich am Seymour Duncan Vapor Trail auf- und auch gerade gefällt, ist, dass die Modulation immer praxistauglich und nie „Over The Top“ ist und unkontrolliert eiert. So kann man selbst bei längeren Delay-Zeiten Rate und Depth voll aufdrehen, ohne dass es unmusikalisch eiert.

Sicherlich, mit einer kürzeren Rate der Zeit und voller Depth schaukelt es schon ganz schön doll, aber auch das erinnert eher an ein Space Echo, das in guter alter Studiotechnik vom Tontechniker beim Spielen manipuliert wird.
Die Modulationskurve fühlt sich wie ein Mittelweg aus einer Sinus- und einer Ramp-Schwingung an. Der Rise-Effekt ist etwas schneller als der Fall-Effekt. Dies ist nur maginal, erzeugt aber eine sehr schöne Modulation, die weit weg von dem langweiligen hoch und runter ist.

Manche analoge Delays sind in der Modulation schwierig einzustellen.
Das Seymour Duncan Vapor Trail ist aber super bedienerfreundlich und wartet mit zahlreichen Sweetspots auf. Fehler kann man hier eigentlich aufgrund des Regelwegs nicht machen.
Auch das Delay-Zeit-Poti hat einen klasse Regelweg. Sowohl in kurzen Delay-Zeiten, als auch im letzten Drittel des Regelwegs (beides Schwachstellen vieler analoger Delays), lassen sich die Zeiten präzise einstellen. Mit höherem Feedback und einem angespielten Akkord ist es sogar möglich, diesen Akkord gezielt zu pitchen, zum Beispiel von einem F zum A und zurück. Das ist gerade kurz vor der Oszillation ein Traum.

Bei kurzen Slapback-Delays hat es ein ausgeprägtes Attack, das aber auch bei längeren Delay-Zeiten noch erhalten bleibt und nie verwäscht.

Die Höhen werden, wie bei allen analogen Delays, etwas bedämpft und dadurch werden die oberen Mitten markanter.
Interessant ist, dass die Delays mit längerer Delay-Zeit kaum weiter in den Höhen beschnitten werden. Es kreiert also bei den Repeats seinen rauchigen Vintage-Charme, der über den gesamten Regelweg erhalten bleibt.
Bei ganz langer Delay-Zeit und gehaltenem Ton fügt das Delay dem Signal natürlich ein Rauschen hinzu. Das passt vom Charakter aber gut zum Sound und verleiht dem Vapor Trail einen leichten LoFi-Vintage-Charakter, um den so mancher SP-404 Nutzer es beneiden könnte.
Man könnte dieses Delay also als praxistaugliches Arbeitstier ohne Starallüren bezeichnen.

Seymour Duncan Vapor Trail

High-Pitched-Noises oder Artefakte sind auch bei maximaler Delay-Zeit nicht zu vernehmen. Der gesamte Regelweg ist also gut nutzbar und damit fast so unkompliziert wie ein Digital-Delay.

Ähnlich kontrolliert wie die Delay-Zeit und die Modulation verhält sich die Oszillation. Die Repeats erhalten ihr Attack und, egal wie weit man die Delay-Zeit auf- oder zudreht, das Seymour Duncan Vapor Trail verliert nie den Faden, findet immer wieder Frequenzen, die über die Obertöne in die Oszillation kippen und spielt endlos weiter.

Auch hier wird es nie zu laut, fügt dem Signal aber eine wunderschöne Zerre hinzu, wenn es sich aufschaukelt und in die Sättigung gelangt. Es meistert die Oszillation also mit Bravour.
Einen klanglichen Unterschied konnte ich bei dem Betreiben mit 9 V oder mit 18 V nicht feststellen. Vermutlich wird die Spannung intern stabilisiert. Daher ist auch kein 9 V oder 18 V, sondern ein 9 V bis 18 V aufgedruckt.
Der Mix Regler reicht bis zu einem leichten Boost von ca. 3 dB. Dadurch ist das erste Repeat in Vollaussteuerung etwas lauter als das trockene Gitarrensignal und kann sich besser durchsetzen.

Das reicht vollkommen aus, um prägnante Delays zu erzeugen oder die Repeats leicht hinter den Mix zu regeln.
In dem Wet-Insert kann dem Delay-Signal durch Einschleifen weiterer Pedale noch Effekte hinzugefügt werden.
Spannend finde ich hier Pitch-, Drive- oder EQ-Pedale, um weitere, spannende Effektmodulationen zu erzeugen.

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(9)

Außerdem kann laut Handbuch der Wet Insert auch als Wet-Output genutzt werden, um das Dry- und das Wet-Signal zu splitten und über ein Wet/Dry-Setup zu spielen.
Allerdings schaltet man, wenn man das Seymour Duncan Vapor Trail deaktiviert, auch den Wet-Amp aus. Man sollte es dann also immer eingeschaltet lassen.

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Fazit

Der unauffällige Klassenprimus trägt anscheinend oft das Schicksal, einfach mal übersehen zu werden. Das Seymour Duncan Vapor Trail glänzt in allen Kategorien, ohne sich in den Vordergrund zu drängen und unangenehm extravagant zu werden.
Der Gentlemen unter den analogen Delays. Und dabei hat er einen klassischen Vintage-Delay-Sound, der alles mitbringt. Wer auf Tap-Tempo nicht verzichten kann, könnte sich seinen Bruder, das Vapor Trail Deluxe, anschauen. Tap-Tempo vermisst man aufgrund des gewählten Regelwegs eigentlich gar nicht, zumal dieses Delay nicht als moderner Rhythmus-Begleiter konzipiert wurde.
Es soll vielmehr ein Resümee der Analog-Delay-Geschichte mit all seinen Vorzügen sein.
Ich kann mir das Pedal auch gut im Studio vorstellen, wo es von sämtlichen Delays mit einer beachtlichen maximalen Delay-Zeit von 600 ms über die dezente und vintage-orientierte Modulation bis zu flächigen Background-Oszillations-Teppichen alles meistern kann.
Hier haben die Konstrukteure absolut praxistauglich gedacht, inklusive der mitgelieferten Klettstreifen für das Pedalboard.
Das Seymour Duncan Vapor Trail muss nicht gehypt werden, es macht einfach seinen Job und wer es für sich entdeckt, hat einen soliden Kollegen auf dem Pedalboard.
Unbedingt mal antesten.

Plus

  • Regelwege aller Potis
  • analoger Sound
  • der Sound insgesamt
  • Schmutz und Bedienbarkeit der Oszillation

Preis

  • 199,- Euro
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