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Test: Shadow Hills Industries, Quad Golden Age Microphone Amp, Vorverstärker

3 in 1

Alle drei Ausgangstransformatoren haben unterschiedliche klassische Vorverstärker als Vorbilder und somit gänzlich verschiedene Klangcharaktere. Jeder besitzt eine spezielle Frequenzbetonung, eine eigene Art der Verzerrung und dadurch auch ein individuelles Oberton- und Sättigungsverhalten.
Der Nickel Transformator beruht auf den Vorverstärkern der Custom Konsole im legendären Sunset Sound Studio 1, die von De Medio Engineering gebaut wurde. Er hat von den dreien den klarsten und brillantesten Sound, am wenigsten Verzerrung und einen Frequenzanstieg um 1 dB bei 10 kHz.
Für den Iron Transformator dient der LO 1166 Ausgangstransformator von Neve als Vorbild. Sein Klang zeichnet sich wie beim Original durch enorme Wärme und Druck aus, bei 100 Hz besitzt er eine Anhebung von ebenfalls 1 dB.
Im Stil der Vorverstärker alter API Konsolen der 1970er Jahre ist der Steel Transformator konstruiert. Im Vergleich zu seinen zwei Kollegen hat er die stärkste Färbung und Verzerrung im Obertonbereich. Das typische API LowEnd wird durch eine Betonung bei 40 Hz erzeugt, die abermals 1 dB stark ist und eine recht schmale Flankensteilheit aufweist.
 
Peter Reardon setzt mit dem Quad Gama voll und ganz auf den Sound der 1960er und 1970er Jahre, sprich auf das goldene Zeitalter der Studiotechnik.
Mal abgesehen von der Classic-Serie von Neve, klingen die aktuellen Modelle von Neve und insbesondere von API deutlich diskreter als ihre Vorfahren, weswegen die Vintage Modelle sich heute unverändert großer Beliebtheit erfreuen und somit zu horrenden Preisen auf dem Gebrauchtmarkt angeboten werden. Zum Beispiel kann für eine Neve 1073 Kassette locker 3000 Euro eingeplant werden, wohlgemerkt ohne Rack und Stromversorgung.

XLR-Anschlüsse von Preamp 4

XLR-Anschlüsse von Preamp 4

Interface

Allein die Bedienung des Quad Gamas bereitet große Freude. Die großen Gainregler laden regelrecht zum Zugreifen ein, dabei ist kein filigranes Fingerspitzengefühl von Nöten, denn es kann mit der ganzen Hand zugelangt werden. Auch die Kippschalter und der 3-Weg Hebel zum Wechseln der Transformatoren scheinen für die Ewigkeit geschaffen, kurzum die Verarbeitung der Bedienelemente ist hervorragend, hier wackelt und ruckelt einfach gar nichts. Bereits das  mechanische Klacken der gestuften Gainregler ist ein Ohrenschmaus und vermittelt die hohe Verarbeitungsqualität.
Bei den ersten Aufnahmen mit dem Quad Gama verunsichern beim Einstellen der Preamps ein bisschen die fehlenden Aussteuerungsanzeigen. Somit muss das Gehör entscheiden, wie viel Sättigung und Verzerrung einem Signal gut tut. Das bedarf durchaus einer Eingewöhnungs- und Kennenlernphase, führt letztendlich aber zu einer äußerst musikalischen Bedienung und schult dabei das Ohr. Nebenbei wird daran erinnert, dass stets das Gehör Maß aller Dinge ist und die oft wagen Angaben eines VU-Meters oder einer Diodenanzeige nur zur Hilfestellung dienen.

Klangbeispiele
Forum
  1. Profilbild
    TheTick

    Irgendwie funktionieren die Beispiele nicht.

    Super Artikel! Hat wirklich Spaß gemacht zu lesen!!

  2. Profilbild
    fenchel

    Ich finde es gut, wenn amazona autoren mal so langsam so genanntes „Boutique Gear“ testen. Die Blue box serie scheint groesstenteils vorbei zu sein.

    Doch! – Es gibt sie, die suendhaft teuren studiogereate, drehscheibe seit einem jahrzehnt bei solch foren wie Gearslutz, die auch publikumsmagnet beim deutschsprachigen amazona & co sein koennen. Bisher sehr wenig hier zu sehen… Danke Chris!

    P.s die Audiobeispiele sind nicht spielbar:( – Bitte um besserung!

  3. Avatar
    AMAZONA Archiv

    Danke für den interessanten Bericht. Mich würde noch interessieren, wie bis dato diese wildesten gerätekombinationen ausgesehen haben, die diese Qualität eben nicht ermöglichten. Vergleicht man da Äpfel und Birnen?
    Interessant wäre ja der Vergleich mit seinesgleichen, sprich z.B. Electrodyne 501 oder dem slate Fox oder dem Neve 1073 usw.

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