Test: Shure GLXD, Drahtlosanlage

12. Juni 2015

Der Kampf um das 2,4 GHz-Frequenzband

Digitale Funkstrecken sorgen zurzeit für enormes Aufsehen. Im Hobbybereich als Alleskönner gelobpreist, beäugen professionelle Verleiher die neue Technik durchaus kritisch. Der US-amerikanische Hersteller Shure spült mit den Serien GLXD und QLXD zwei digitale Funkstrecken auf den Markt. Die bereits auf Amazona.de getestete QLXD ist dabei die professionelle Variante des hier getesteten GLXD. Ob Shure gewohnte Qualität auch in einem für den semi-professionellen Bereich angemessenen Geldbeutel realisieren kann, soll der folgende Test zeigen.

Shure GLXD digitales Funksystem

Digitales Funksystem Shure GLXD

Technische Daten

Trägerfrequenz:2400 bis 2483,5 MHz
Kanäle:17 (davon unter optimalen Bedingungen maximal acht parallel)
Übertragungsbereich:50 bis 15.000 (SM58), 20 bis 20.000 Hz (Beta 87A)
Strom:Lithium-Ionen-Akku
Sendeleistung:10 mW
Betriebsdauer:16 Std. (bei einer Ladezeit von drei Stunden)
1,5 Std. (bei einer Ladezeit von 15 Minuten)
Kompatibel:Mac, Windows
Maße/Gewicht:Handsender: Ø 3,5 cm (Korb: 4,8 cm), 25 cm, 315 g (inkl. Akku);
Empfänger: 18 x 12 x 4 cm, 286 g

Digitale Signale und Funken im 2,4 GHz-Band

Aber zuerst möchte ich noch mit einigen Mythen beziehungsweise Missverständnissen im Bereich digitaler Signalwandlung und Übertragung im 2,4 GHz-Bereich aufräumen.

Zunächst ist es wichtig zu betonen, dass die digitale Signalverarbeitung und die Sendefrequenz auf 2,4 GHz nicht zwangsläufig zueinander gehören. Viele befreundete Musiker glauben, dass digitalisierte Signale nur im klassischen „W-LAN Frequenzband“ von 2,4 GHz übertragen werden können. Das ist ein Irrglaube. Die anfangs erwähnte professionelle Drahtlosanlage von Shure (QLXD) verarbeitet die Signale digital, sendet allerdings im klassischen UHF-Bereich von (je nach Band) 470 bis 865 MHz.

Vor- und Nachteile der Technik

Ein Vorteil ist vor allem, dass sich durch digitale Übertragung ein linearer Frequenzgang von 20 Hz bis 20 kHz ergibt. Es gibt also faktisch von der Signalübertragung keinen Unterschied mehr zwischen einem drahtlosen und einem drahtgebundenen Mikrofon. Auch im Instrumentalbereich, die im sehr tiefen oder auch sehr hohen Frequenzbereich unterwegs sind, ist der lineare Frequenzgang sehr entgegenkommend.

Der einzige Nachteil ist das Thema Latenz. Digitale Signalverarbeitung benötigt aufgrund der enormen Rechenleistung, um aus einem analogen Signal eines aus Einsen und Nullen zu machen, etwas mehr Zeit. Wir sprechen hier von einer Zeitverzögerung von im schlimmsten Fall 10 ms (bei GLXD max. 7,3 ms). Das Thema Latenz hier ausführlich zu diskutieren, würde den Rahmen dieses Tests sprengen. Wer sich für das Thema interessiert, kann sich aber durchaus auf Amazona.de kundig machen.

Sender und Empfänger

Doch jetzt geschwind ans Auspacken der GLXD Funken. Bekommen habe ich zwei Varianten: Einmal das GLXD24/SM58 mit der dynamischen SM58-Kapsel als Klassiker unter den Shure Mikrofonen und das GLXD24/Beta 87A, das mit seiner Kondensatorkapsel das teuerste Mikrofon für dieses System darstellt.

Im Softcase ist alles sicher verpackt.

Im Softcase ist alles sicher verpackt

Ausgeliefert wird das Set in einem Softcase, das aufgrund einer Verstärkung im Innensaum einen sehr stabilen Eindruck macht. Alle Zubehörteile sind sicher im dicken Schaumstoff versenkt. Im Lieferumfang enthalten sind der Empfänger GLXD4, der Handsender mit der jeweiligen Mikrofonkapsel, die zum Set gehört, eine Mikrofonklammer, das Netzteil, eine gedruckte Ausgabe des Handbuchs UND man sehe und staune: ein Akkupack für den Handsender (dazu später mehr).
So viel Zubehör ist für eine Drahtlosanlage, die man noch unter 500,- Euro Straßenpreis bekommt, schon eine ganze Menge!

Haptik und Verarbeitung

Alle Elemente, bis auf den Mikrofonkorb, sind aus Plastik gefertigt, was für mich zunächst ein kleiner Wermutstropfen ist. Bei genauerer Betrachtung stelle ich allerdings fest, dass hier kein billiger, sondern ein sehr hochwertiges Kunststoff verarbeitet wurde. Vertiefungen, und Gewinde (Handsender) sind sauber ausgefräst. Angesichts des Budgets und der damit gelieferten Technik leuchtet mir aber auch irgendwie ein, dass statt Metall hier Kunststoff verwendet wurde.
Das Material spiegelt sich natürlich auch im Gewicht wieder. Nimmt man den Sender in die Hand, ist man zuerst etwas erschrocken. 315 Gramm mit Akku ist ungefähr ein Drittel des Gewichts vergleichbarer Handsender aus Metall.

Handsender und Empfänger sind aus hochwertigem Kunststoff gefertigt und daher sehr leicht.

Handsender und Empfänger sind aus hochwertigem Kunststoff gefertigt und daher sehr leicht

Auf der Frontseite der Empfangseinheit GLXD4 befinden sich zwei Antennen, ein überraschend großes und gut lesbares LCD-Display und eine gesonderte LED, die den Empfang durch einen Sender anzeigt. Außerdem sind fünf Drucktaster für die diversen Einstellungen wie Channel-, Group-, Gain-Einstellungen zuständig. Ähnlich wie man dies schon von digitalen Systemen anderer Hersteller kennt, gibt es einen Link-Knopf, der bei gleichzeitiger Aktivierung am Sender und Empfänger diese miteinander verbindet. Man spart sich so die lästige Frequenzsuche. Schade ist, dass man die Antennen nicht abnehmen kann, aber auch das sollte für den anvisierten Kundenkreis im Budget-Bereich, der maximal eine Handvoll Funkstrecken in einem Rack betreibt, kein Problem sein. Das Wichtigste am Frontpanel wurde allerdings noch nicht erwähnt. Sofort sticht ein kleiner Schacht rechts neben dem Display ins Auge. Hier hat sich Shure was sehr Nutzerfreundliches überlegt. Dieser Schacht ist die Ladestation für den Li-Ionen-Akku, der standardmäßig mitgeliefert wird. Dieses Feature sehe ich als entscheidenden Mehrwert der Drahtlosanlage. Jeder Musiker kennt den Ärger mit leeren Batterien. Wer sich einen kostengünstigen zweiten Akkupack gönnt, kann während der Nutzung des einen den anderen aufladen lassen. Hierfür gibt’s einen ganz dicken Pluspunkt.

GLXD4 in der Frontansicht.

GLXD4 in der Frontansicht – gut zu erkennen: Der Schacht zum Laden der Akku-Packs

Die Rückseite ist sehr übersichtlich. Sie besteht aus jeweils einem symmetrischen XLR- und Klinkenausgang, einem schraubbaren Netzstecker, dem An/Ausschalter sowie einem Micro-USB Anschluss zur Steuerung und Konfiguration des Empfängers. Das Fazit beim Empfänger lautet: selbsterklärende und sehr übersichtliche Bedienung. Die Einstellung traue ich auch jedem Hobbymusiker ohne einen Blick ins Handbuch zu. Sehr gut!

Sehr übersichtlich ist das GLXD4 in der Rückansicht.

Sehr übersichtlich ist das GLXD4 in der Rückansicht

Der Handsender GLXD2 ist im Umfang naturgemäß etwas dicker als die kabelgebundenen Varianten des SM58 oder des Beta87a. Der untere Teil kann abgeschraubt werden. Darunter befindet sich der Li-Ionen-Akku. Dieser kann bei Bedarf auch über ein Micro-USB Kabel direkt im Handsender geladen werden. Auch hier hat Shure sehr gut auf die technische Entwicklung reagiert.

Der Handsender GLXD2 mit der SM58 Kapsel.

Der Handsender GLXD2 mit der SM58 Kapsel

Schraubt man den Handsender auf, kommt der Micro-USB anschlus zu Tage. Gut gelungen ist auch der versenkte Mute-Schalter.

Schraubt man den Handsender auf, kommt der Micro-USB-Anschluss zu Tage
Gut gelungen ist auch der versenkte An/Aus-Schalter

Der Handsender übermittelt zudem auch die Restlaufzeit des Akkus an die Empfangseinheit. So ist es auf wenige Minuten genau möglich, in der Spielpause entscheiden zu können, ob der Akku noch ausreicht für den Gig oder ob er besser getauscht werden sollte. Der An/Ausschalter des Handsenders ist dankbarerweise versenkt und hat einen angenehmen festen Druckpunkt, sodass ein versehentliches Ausschalten fast unmöglich ist. Außerdem hat sich Shure ein sehr interessantes Gimmick einfallen lassen. Es gibt für die Handsender sechs verschieden farbige Gehäuseoptionen. In einem Video zeigt Shure, wie man innerhalb weniger Minuten sein Mikrofon farblich individualisieren kann.

Am Empfänger kann die Akkulaufzeit auf 15 Minuten genau abgelesen werden.

Am Empfänger kann die Akkulaufzeit auf 15 Minuten genau abgelesen werden

Frequenzmanagement-System

Shure hat seinem neuen Drahtlossystem eine absolute Innovation gegönnt: ein so genanntes Frequenzmanagement. Zur Veranschaulichung zuerst mal eine Tabelle, um die Funktionsweise zu erklären:

GLXD Frequenztabelle.

GLXD Frequenztabelle

Das GLXD System arbeitet in drei verschiedenen Gruppen. Maximal können acht Funkstrecken parallel betrieben werden (dies allerdings nur bei optimalen Bedingungen – dazu gleich mehr).

Die Gruppe 3 besitzt acht Kanäle mit jeweils drei Frequenzen. Das Drahtlossystem funkt immer auf drei unabhängigen Frequenzen. Wird eine der drei Frequenzen im Betrieb gestört, zum Beispiel durch einen in der Nähe befindlichen WLAN Kanal, so wird das Audiosignal ohne klangliche Beeinträchtigungen auf den verbleibenden zwei Frequenzen übertragen. Wenn nun noch andere Störfrequenzen auftreten, gibt es einen letzten Kanal, auf den das System ausweichen kann, allerdings mit klanglichen Beeinträchtigungen. Das Signal ist komprimiert und hat daher eine verminderte Qualität.

In der Gruppe 2 finden sich fünf Kanäle mit jeweils sechs „Backup“-Frequenzen, auf die das System im Falle einer Störung zurückgreifen kann. Das gewährleistet einen störungsfreien Betrieb, wenn sich beispielsweise mehrere WLAN-Netze in der näheren Umgebung befinden.

Kommen wir zur letzten Gruppe, der Gruppe 1. Diese arbeitet genau wie die Gruppe 2. Nur wurde hier auf eine möglichst geringe Latenz optimiert. Geringe Latenz bedeutet unter anderem einen höheren Rechenaufwand. Aus diesem Grund wird hier die maximale Kanalanzahl auf vier Funksysteme reduziert und die Latenz sinkt von 7,3 ms auf 4 ms.

Angeschlossen: Los geht’s

Der Live-Test verlief so reibungslos, dass ich wenig darüber schreiben kann, weil es kaum einen Unterschied zu meinen sonst gerne genutzten SM58 Mikrofonen gab. Die Konfiguration des Sets war denkbar einfach. Den Empfänger ans Stromnetz angeschlossen, Empfänger und Mischpult mit XLR verbunden, geladenes Akku-Pack ins Mikrofon, anschalten und los geht’s. Wirklich klasse ist, dass der Empfänger bei einer Gain-Einstellung von 0 dB dieselbe Leistung bringt, wie das kabelgebundene SM58, das zuvor an diesem Kanal betrieben wurde. Erstklassig. Zudem sind Sender und Empfänger ab Werk aufeinander abgestimmt und finden sich nach dem Einschalten sofort.

Gut gelöst hat Shure auch das Problem der Griffgeräusche. Mir scheint fast, dass die Wahl Kunststoff statt eines Metallgehäuses zu verwenden, positiv wirkt. Die Griffgeräusche am Sender GLXD24/SM58 sind nach meinem Empfinden noch geringer als beim klassischen SM58.

Das Fazit unserer Sängerin Frida: „Mensch, ich kann fast keinen Unterschied feststellen. Es liegt eher noch besser in der Hand als das klassische SM58 und ich kann mich komplett frei bewegen – sehr geil!“

Einsatz der Funkstrecke unter freiem Himmel

Einsatz der Funkstrecke unter freiem Himmel – und Frida kann sich frei bewegen

Fazit

Mit dem GLXD-Drahtlossystem schickt auch Shure eine Funkstrecke in den Kampf um das 2,4 GHz Frequenzband. Das System kann mit einer sehr gut Verarbeitung sowie einigen tollen Features punkten. Die Tatsache, dass ein Akku-Pack samt eingebauter Ladestation beigelegt ist, ist extrem nutzerfreundlich. Zusammen mit der Batterielaufzeitanzeige am Empfänger würde ich sogar sagen, dass Shure hier ein Volltreffer gelandet ist. Die Qualität des Mikrofons ist in gewohnter Shure-Qualität und der Preis ist für dieses Gesamtpaket ein echtes Schnäppchen für alle Hobby-Musiker, die nicht auf gute Qualität verzichten wollen. Ganz klar: Daumen hoch!

Plus

  • Klangqualität
  • Funkfrequenzmanagement
  • Handling
  • Zubehör
  • Verarbeitung

Minus

  • Rackeinbau nur bedingt möglich

Preis

  • Ladenpreis GLXD24/SM58: 477,- Euro
  • Ladenpreis GLXD24/Beta 57A: 625,- Euro
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