Test: Shure UHF-R Serie Drahtlosanlage

24. Juli 2009

Viva Wireless

Die UHF-R Serie von Shure ist es, die in diesem Bericht besondere Aufmerksamkeit geschenkt bekommt. Für die Kenner unter euch muss ich über die Drahtlos-Technologie keine Worte verlieren.

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Den Neugierigen und Neulingen stelle ich die Möglichkeit vor, das Mikrofonsignal über einen im Mikrofon eingebauten Sender über ultra-hohe-Frequenzen (UHF) zu einem Empfänger in Mischpultnähe zu senden und somit dem Künstler auf der Bühne eine unglaublich geschätzte Bewegungsfreiheit zu ermöglichen. Zudem verringert der Techniker zu packende und Transportierende Kabel im Vorfeld, Kabelsalat auf der Bühne und verschafft sich einen besseren Überblick über das komplette System.

Die R (steht für remote) Serie ist speziell dafür entwickelt, um  ein extrem leichtes Handling und eine effiziente Überwachung der Empfängergruppen durch USB und Ethernet zu ermöglichen. Bevor ich mit dem Bericht fortfahre, sollte ich zum Verständnis die Bezeichnungen der Empfänger und Sender klären, das kann auf den ersten Blick verwirren.

Während die ältere UHF Serie lediglich als „U“ bezeichnet wird, kommt bei der neuen Serie das „R“ (für remote, also ferngesteuert) hinzu.

Die Ziffern hinter dem UR klären, um welches Bauteil es sich handelt. UR 1 bezeichnet den Taschensender, UR 2 den Handsender und UR 4 den Empfänger. Hinter dem UR 4 der Empfänger befindet sich ebenfalls der Buchstabe „S“ für „single“ (einzeln), oder ein „D“ für „double“ (Doppelemfpänger).

Vorderseitige Anschlüsse

  • Kopfhörerausgang
  • BNC Antennenbuchsen

Rückseitige Anschlüsse

  • IEC Eingangs- und Ausgangsbuchse (100-240V)
  • BNC Antennenbuchsen (50Ω)
  • Pro Seite XLR Ausgangsbuchse (elektronisch symmetriert)
  • Pro Seite 6,35 mm Ausgangsbuchse (200Ω)
  • USB für Computer
  • RJ 45 Ethernet (Auch „Ether-Con“ geeignet)

Neuigkeiten

Der RS-232 Anschluss der alten Sender wurde durch einen zeitgenössischen USB Port und Rj 45 Stecker ersetzt. Somit kann man einen Empfänger über USB ansprechen und die restlichen über Ethernet vernetzen oder über die komplette Gruppe über einen DHCP Server ansprechen. Dennoch ist man in der Lage, auch mit der neuesten mitgelieferten „Workbench“ Software parallel UR4 und U4 Empfänger zu betreiben, die älteren U4 sind also nicht aus dem Rennen. Außerdem kann man über die Software die Empfänger sperren, sodass man nur vom Rechner aus Einstellungen vollführen kann.  Trotzdem kann man weiterhin am Empfänger durch das Menü navigieren, um sich zumindest die Werte anzeigen zu lassen.

Beispiel

Man stellt die Empfänger hinter die Bühne, statt neben den FOH, um sich die Übertagungstrecke zu sparen. Von der Empfängergruppe schafft man sich eine Ethernet-Verbindung zum Laptop am FOH und kann so vom FOH aus Werte am Empfänger ändern, ohne die Empfänger den eifrigen Fingern anderer preiszugeben.

Während man noch bei den älteren Sendern die Frequenz zwischen Sender und Empfänger manuell eingeben musste, was gerade in stressigen Situationen nicht sehr hilfreich war, kann man bei der UR Serie über Infrarotschnittstellen an Mikrofonsender und Empfänger die Bänder angleichen. Zusätzlich kann man wahlweise Einstellungen wie Empfindlichkeit (nur Taschensender), Gain, HF Leistung, Power und Frequency Lock gleich mit an den Sender übermitteln.

Das analoge Output-Poti am Frontpanel wurde entfernt; man kann den Empfängeroutput nur noch im Menü ändern (0dB bis -32dB).

Die Infrarotschnittstelle im Handsender

Die Infrarotschnittstelle im Handsender

Sync-Vorgang zwischen Schnittstellen an Sender und Empfänger

Sync-Vorgang zwischen Schnittstellen an Sender und Empfänger

Die Displays und Aussteuerungs-LEDs auf den Empfängern sind den Vorgängern gegenüber heller (dadurch im Dunkeln angenehmeres Arbeiten), und die Displays der Hand- und Taschensender sind endlich beleuchtet.

Altbewährtes

Betrieben wird die UHF-R Serie in einem Frequenzband zwischen 518 MHz und 865 MHz. Welche Frequenzen man benutzen darf, ist abhängig von den örtlichen Bestimmungen und den Lizenzen, die man erworben hat. Wer es nämlich noch nicht weiß: Man muss für die Frequenzen, auf denen man sendet, Geld bezahlen. Macht euch bitte schlau, es kann eine Menge Ärger geben. In den Verweisen habe ich Links zu wertvollen Information bezüglich Frequenzzuteilungen und Lizenzen eingebettet.

Die einzelnen Frequenzen sind von Shure in Gruppen und Kanälen (in Abständen von 25 kHz) vordefiniert (wir verwenden J5E). Verschiedene Frequenzbereiche, also Bänder, wurden ebenfalls von Shure gruppiert. Pro Band kann man laut Shure bis zu 40 Systeme betreiben. Benutzt man mehrere Bänder,  kann man angeblich bis zu 108 Systeme störungsfrei verwenden. Ich war jedoch mal bei einem Shure UHF Workshop, und der äußerst kompetente Abgesandte erzählte uns eine kleine Anekdote von rund 250 Systemen in Dubai. Man hat sowohl in der Software als auch im Menü des Empfängers die Möglichkeit, nach freien Gruppen und Kanälen zu scannen und kann ebenfalls nach verwendeten Frequenzen tasten, falls sich jemand auf eurer Frequenz eingeschlichen hat und eure Übertragung stört.

Der Empfänger

Die Empfänger sind sogenannte Diversity-Empfänger, d.h. jeder Empfänger besitzt zwei eigenständige Antennen. Fällt eine Antenne aus, kann der Empfänger immer noch das Signal der anderen verwenden (man spricht von einer funktionellen Redundanz). Falls der Empfänger kein HF Signal empfängt, schaltet eine sogenannte integrierte Pilottonsteuerung den Ausgang stumm. Dazu sollte ich noch erwähnen, dass sich rückseitig ein Groundlift-Schalter befindet und man zwischen Mic/Line-Pegel (+30dB) umschalten kann (gilt nicht für die 6,3mm Buchse). Die UR4 wiegen knapp 5 Kg und sind 1 HE hoch, schon dadurch ist man in der Lage, sich schnell ein übersichtliches Rack zusammenzubasteln. Genau aus diesem Grund haben die Empfänger hinten eine IEC Ausgangsbuchse, um sich Dreierverteiler zu sparen. Die BNC-Antennenbuchsen im  Rear-Panel lassen sich per mitgelieferte Kabel mit den BNC-Buchsen im Front-Panel verbinden. Dadurch kann man sowohl hinten als auch vorne Antennen befestigen, um je nach Situation freies Feld zu erhalten. Kleiner Tipp: Der Shure Abgesandte riet uns, die Antennen in einem Winkel von 45 zur mittigen Senkrechten aufzustellen, um den besten Empfang zu erzielen.

Frontansicht mit korrekt angebrachten Antennen

Frontansicht mit korrekt angebrachten Antennen

Muss man die Antenne in einer größeren Distanz zum Empfänger anbringen, kann man sie mit Antennenverstärkern (UA830) kombinieren, die mit einer 12 V DC von den BNC-Buchsen versorgt werden (immer anliegend). Sie verstärken das Signal wahlweise über längere Koaxialkabel um +3 dB oder +10 dB. Um größere Distanzen zwischen Antenne und Sender zu überbrücken, kann man  seinen Empfänger mit einer aktiven Richtantenne ausstatten (UA870), welche ebenfalls um +3dB oder +10 dB verstärkt und auch Outdoor einsetzbar ist.

Aktive Richtantenne UA870

Aktive Richtantenne UA870

Antennenverstärker UA830

Antennenverstärker UA830

Oben zwei UR4D und unten ein Verteiler (UA845)

Oben zwei UR4D und unten ein Verteiler (UA845)

Oberes Bild: Ein zusammengebauter „Tower“ aus zwei Empfängern und einem Verteiler ganz unten. Die seitlich herausragenden BNCs kommen von den Buchsen am Frontpanel.

Zu der Sendeleistung von +10 dB kann ich aus eigener Erfahrung sagen, dass man sich durch die größere Antennenleistung tendenziell Störsignale einfängt. Die Sendereichweite beträgt unter „normalen“ Umständen laut Hersteller 150m. Ich hatte leider nie die Möglichkeit es zu testen, habe jedoch Distanzen von 70m ohne irgendein Problem eingerichtet.

Natürlich kann man die Richtantennen an einen Verteiler anschließen (UA845), um nicht für jeden Empfänger zwei Richtantennen verwenden zu müssen. Die Verteiler lassen sich per BNC Verbindung kaskadieren.

Der Sender

Wie schon vorher erwähnt hat man die Möglichkeit, Hand- oder Taschensender zu verwenden. Mikrofonköpfe der Typen SM58, SM 86, Beta87A, KSM9 BK/SL können auf entsprechende Sender aufgeschraubt werden und sind dadurch austauschbar. An die Taschensender können beliebige Headseats mit ihren XLR-Steckern auf den 4-poligen Anschluss adaptiert werden – es gibt auch einen Adapter auf 6,3mm Klinke. Die Sender werden mit zwei LR6 AA betrieben. Öffnet man das Batteriefach, gelangt man auch zu den Einstellungsknöpfen (auf dem Handsender außen angebracht). Es dauert 2 Minuten, um die Menüführung und Einstellungsvorgänge zu begreifen. Frequenz, Gain (0dB bis +30 dB), Sendeleistung (10 mW oder 50/100 mW je nach Typ, braucht natürlich mehr Strom) lassen sich selbstverständlich einstellen. An den Taschensendern kann man zusätzlich eine 3-stufige Vordämpfung (insgesamt -25dB) zuschalten. Zugriff auf Frequenz und Power on/off lassen sich durch Tastenkombinationen sperren, außerdem kann man in einem Sicherheitsmodus die Frequenz am Sender wechseln und die neue Einstellung erst mit erneutem Anschalten aktivieren. Entgegen der alten Serie sind die neuen Taschensender wesentlich leichter und kleiner dimensioniert und verschwinden stilvoller in den Outfits der Redner – find ich gut. Dadurch dass die Gehäuse nun aus Kunststoff sind, zerkratzen sie nicht und sehen auch nach längerer Zeit benutzbar aus, was man von der älteren Serie nicht ohne weiteres behaupten kann. Kunden achten auf so was. Auch muss ich positiv anmerken, dass die neuen Sender nach dem Einschalten fast sofort startklar sind, die älteren Sender brauchten immer eine gewisse Anlaufzeit.

Fazit

Ich kenne die UHF-R Serie seit einiger Zeit und muss eigentlich nur am Rande erwähnen, dass sie extrem zuverlässig arbeitet. Was anderes kenne und erwarte ich eigentlich auch nicht von Shure. Mit der UHF-R Serie haben die Ingenieure ein flexibles und Rock’n’Roll-taugliches System auf den Markt gebracht, das Maßstäbe setzt – ich bin gespannt auf die Zukunft. Die Infrarotschnittstellen und der USB-Anschluss erleichtern das Arbeiten extrem Zu der Software ist zu sagen, dass sie übersichtlich und funktional arbeitet. Ich habe mit einem Taschensender einen Redner in 70 Meter Entfernung durch eine Glas- und Vorhangsfront ohne Probleme empfangen können. Wenn man sich nicht komplett blöd anstellt, ist das System sehr gütig. Die Mikrofonköpfe verhalten sich so, wie man es von den kabelgebundenen und weltweit extrem beliebten Versionen her kennt. Die Beta 87A sind für meine subjektiven Verhältnisse klar und extrem rückkopplungsfest. Dass die Sender-Displays beleuchtet sind, finde ich angebracht, und es macht das Einstellen hinter der Bühne wesentlich leichter.

Es gibt jedoch ein paar Sachen, die ich an dem System auszusetzen habe, beginnend mit dem höheren Stromverbrauch gegenüber der alten Serie.

In erster Linie ist es schade, dass an dem System einfache Dinge kaputtgehen, zum Beispiel brechen bei den Handsendern gerne die Displayabdeckungen heraus.

Meines Erachtens ist der 4 Pol Anschluss an den Taschensendern keine Lösung, er ist sehr empfindlich, rastet nach gewisser Zeit nicht mehr korrekt ein und verursacht dadurch Krachen und Verzweiflung. Ich würde mir eine bessere Lösung wünschen, denn die meisten Redner sind keine Profis und ramponieren die Anschlüsse trotz entsprechender Hinweise unbeabsichtigt. Ich bin mit der Lebensdauer der Batterien (Duracell Procell) sehr zufrieden (bis zu 8 Stunden), sollte aber erwähnen, dass man sich nicht auf die Batterieanzeige auf dem Empfängerdisplay verlassen kann. Es kann sein, dass der Empfänger drei von drei Balken anzeigt und man plötzlich auf dem Sender einen von drei sieht, wenn man ihn der Hand hält. Zu guter letzt stellt sich das Handling an den Empfängern manchmal als nervig heraus. Ist der Empfänger nämlich in ein Rack eingeschraubt, ist es schwer, von hinten die BNC Kabel vom Frontpanel und dort die Antennen zu lösen. Außerdem finde ich es unpraktisch, dass der Ein/Aus Schalter am Handsender seitlich angebracht ist  und beim Aufschrauben verdeckt wird. Manchmal vergisst man nämlich beim hektischen Batteriewechsel, den Sender auszuschalten und muss ihn dann nochmal zuschrauben, um an den kleinen Schalter zu kommen. Man kann den Verschluss in dem Fall auch einfach komplett abdrehen, um ihn im Dunkeln vielleicht aus Versehen fallen zu lassen, um ihn dann zu Suchen (Wie wohl ein Testbericht über mich ausgehen würde?). Nervig. Alles jedoch Sachen, die sich mit der nächsten Serie schnell beheben lassen. Ich habe leider noch keine Sennheiser Strecken testen können, ich werde mich jedoch in naher Zukunft mit ihnen auseinandersetzen und kann euch dann sagen, ob der Preis von 3,500 Euro pro Doppelempfänger gerechtfertigt ist. Bis dahin, seid fleißig.

Plus

  • Infrarotschnittstelle
  • durch Ethernet praktische Einstellungs- und Überwachungsmöglichkeiten
  • beleuchtete Sender-Displays
  • intuitive Menüführung und Handling
  • durchdachte Set-Up Möglichkeiten

Minus

  • empfindliche Taschensenderadapter und Displayabdeckungen
  • zum Teil umständliches Handling

Preis

  • UR4S: 2.260 Euro
  • UR4D: 3.490 Euro
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