Unschlagbares Preis-Leistungs-Verhältnis!
Der Markt für erschwingliche Premium-Bässe ist in den letzten Jahren stark gewachsen und Sire spielt dabei eine zentrale Rolle. Mit dem Marcus Miller Z7-5 erweitert der Hersteller seine Z-Serie um einen 5-Saiter im Music Man StingRay-Stil, der mit zusätzlichem Single-Coil am Hals und aktiver Elektronik deutlich mehr Klangoptionen bietet als das klassische Vorbild. Für unter 500,- Euro verspricht der Bass hochwertige Ausstattung, flexible Sounds und Studio- wie Live-Tauglichkeit. Ob der Marcus Miller Sire Z7-5 dieses Versprechen einlösen kann, zeigt der folgende Test.
Worum geht es? Marcus Miller Sire Z7-5 Mint, 5-Saiter-E-Bass im Music-Man-StingRay-Stil mit aktiver Elektronik und erweitertem Pickup-Layout zum attraktiven Preis.
- Sound: Klassischer StingRay-Grundsound durch MM-Humbucker, erweitert durch Single-Coil am Hals und passive Alnico-Pickups.
- Ausstattung: Erle-Korpus, Ahornhals mit abgerundeten Griffbrettkanten, Premium-Hardware und Marcus-Heritage-3-Preamp.
- Praxis: Sehr gute Verarbeitung und vielseitige Klangoptionen, die sich nach kurzer Zeit erschließen.
- Preis-Leistung: Für 499 € außergewöhnlich gut ausgestattet und klanglich flexibel.
- Fazit: Sire setzt erneut einen starken Benchmark im Bereich Value for Money.
Inhaltsverzeichnis
Sire Marcus Miller Z7-5
Interessanterweise sagen viele Bass-Freunde „Marcus Miller“ zur Marke, die ja eigentlich Sire heißt. Für mich ist Marcus Miller eher die Modellreihe, unter der diese preisgünstigen Kopien von Fender-Bässen und seit 2024 auch Music Man StingRays vom Hersteller Sire aus Südkorea hergestellt werden.
Da die amerikanischen Originale aus bekannten Gründen immer teurer werden und selbst die indonesischen Sterling-by-Music-Man-Bässe der erschwinglicheren Tochtermarke sich allmählich Fender-Preisen nähern, war die 2015 beginnende Zusammenarbeit einer der hellsten Sterne am Bass-Himmel, Marcus Miller und Sire ein taktischer Schachzug, der seinesgleichen sucht.
Die ersten Modelle waren natürlich vom Jazz-Bass inspiriert, aber auch Precision-Bässe wurden über die Jahre zum Fokus. Mit der Erweiterung des Programms um den Music Man StingRay wurde schließlich der dritte große Bass-Klassiker angegriffen. Natürlich hat das die Neugier der Bass-Community entfacht und beinahe jeder Basssklave, den ich kenne, hat mindestens einen, wenn nicht mehrere Sires im Arsenal.
Meinen Schülern habe ich die Marcus Miller Z3-Bässe immer empfohlen, weil die passiven Jazz-Bässe für etwas über 300,- Euro einfach so gut für das Geld waren, dass sich der eine oder andere statt wachsender Spielfreude und Skill später eben keinen „besseren“, wertigeren Bass anschaffen musste. Die Versuchung für GAS (Gear Acquisition Syndrome) ist zwar immer groß, weil etwas Neues natürlich immer reizvoll ist.
Wenn aber der Basslehrer sagt: „Glaub mir, du wirst sehr tief in die Tasche greifen und lange suchen müssen, um dich zu verbessern“, dann hemmt das vielleicht doch ein wenig, und man übt lieber noch eine Runde mehr. Eventuell hat man dann doch Lust, sich weiterzuentwickeln und holt sich nach dem passiven Sire Z3-Jazzbass einen aktiven 5-Saiter. Am besten gleich einen anders bestückten, moderner klingenden Bass mit mehr Sound-Optionen.
Der hier vorliegende Marcus Miller Z7-5 punktet genau hier als Ergänzung, sofern man nicht ohnehin bereits exklusiver 5-Saiter-Player ist. Jetzt kann man sich auch einmal an eine komplexere, aktive Elektronik heranwagen. Der Z7 hat zwei Tonabnehmer und ist somit nicht nur ein Music Man StingRay mit einzelnem MM-Humbucker. Der Single-Coil in der Halsposition macht aus dem 5-String ein tonales Beast mit zahlreichen Einstelloptionen.
Der klassische Music Man StingRay mit dem einen Humbucker in der Bridge-Position ist, böse gesagt, wie der Fender Precision ein One-Trick-Pony, weil beide im Kern nur einen charakteristischen Sound liefern. Dieser ist allerdings offenbar so beliebt in der Popmusik, dass Profis und leidenschaftliche Basssklaven wie ich mit diesem Sound aufgewachsen sind, gelebt und gelernt haben, Bass genau so zu spielen, zu fühlen und zu hören.
Die wichtigsten Specs in Kürze
- Neue Z-Serie mit J- und Humbucker-Tonabnehmern sowie Premium-Hardware
- Korpus: Erle
- Geschraubter Hals: Ahorn
- Griffbrett mit abgerundeten Kanten: Ahorn
- Schwarze Dot-Griffbretteinlagen
- Griffbrettradius: 305 mm (12″)
- Mensur: 864 mm (34″)
- Sattelbreite: 45 mm (1,77″)
- Knochensattel
- Halsprofil: C
- Matching Headstock
- 22 Edelstahl-Medium-Jumbo-Bünde
- Tonabnehmer: Sire Premium MM Humbucker (Steg) und Sire Premium J Single-Coil (Hals)
- Elektronik: Marcus Heritage-3 Preamp
- Regler: Volume/Tone, Blender, Treble, Middle/Freq, Bass mit Push/Pull-Funktion
- Mintgrünes Schlagbrett
- Sire Premium MM Steg
- Chrom-Hardware
- offene Premium-Mechaniken
- Farbe: Mint
Unboxing und erste Übersicht
Beim Auspacken des Sire Marcus Miller Z7-5 freut man sich direkt über die ansprechende Optik. Die Farbe Mint und das dazu perfekt abgestimmte mintgrüne, im Vergleich zur Korpusfarbe angenehm weiß anmutende Schlagbrett machen sofort gute Laune.
Erstes unangeschlossenes Begrabbeln des Halses setzt das gute Gefühl fort, auch wenn sofort klar wird: Der Bass ist kein Leichtgewicht und leicht kopflastig. Aber gut, wenige 5-Saiter sind wirklich leicht und der Bass ist außerdem sehr günstig. Insofern empfinde ich beinahe Schuldgefühle, überhaupt darauf hinzuweisen. Also weiter im Text.
Der Hals und das Griffbrett mit den abgerundeten Kanten lassen mich vermuten, dass es sich hier um eines der teureren Sire-Modelle handelt. Dem ist nicht so und nach kurzem Konsultieren der Thomann-Seite bin ich über die 499,- Euro doch sehr überrascht und dem Bass weiterhin wohlgeneigt.
Die Hardware wirkt tatsächlich premium-mäßig. Der Knochensattel und der Matching-Headstock machen einen guten, soliden Eindruck. Die Sire Premium-Bridge erinnert mich an die Brücke meines 1978er Music Man StingRay, sehr cool.
Die 22 Edelstahlbünde passen zum bisher sehr guten ersten Eindruck und ich freue mich auf Plug-and-Play und die ersten Sounds. Ich stöpsle den 5-String direkt in mein Interface und spiele ein bisschen typisches Test-Zeug-Genudel.
Wie klingt der Marcus Miller Z7-5 passiv?
Die H-Saite kommt super für eine 34-Zoll-Mensur, aber das funktioniert auf Music Man Bässen ohnehin oft besser als auf Fender Instrumenten mit B-String. Slap- und Fingersound sind top und ich habe ein akustisches Aha-Erlebnis: Der Bass klingt bereits passiv vom Grundsound her kräftig, lebendig und gibt mir das wohlige Gefühl, auf Planet StingRay gelandet zu sein.
Top! Ich bin so beeindruckt, dass ich mich unweigerlich frage, warum man so viel Geld für das US-amerikanische Original ausgeben sollte. Dazu werde ich in meinem in Kürze erscheinenden Amazona-Testbericht des Ernie Ball Music Man DarkRay 4 mehr schreiben. Kurz gesagt: Beziehungsstatus – it’s complicated.
Der Volume- und passive Höhenregler als Stack-Potis nerven allerdings ein wenig, weil sie sich ständig beide ungewollt bewegen und so das gezielte Regeln der beiden Funktionen erschweren. Dasselbe gilt auch für die aktiven Mitten, siehe unten.
Daneben befindet sich der Blend-Regler, der in der Mittelstellung sauber einrastet und beide Pickups gleich laut abbildet. Ich finde, das klingt sehr nach klassischem Music Man StingRay mit einem Touch Fender Jazz-Bass. Genau das erfüllt die Erwartungshaltung bei einer solchen Bestückung. Natürlich ist der Single-Coil etwas leiser als der MM-Humbucker, aber zusammen klingen sie sehr schön.
Mit dem Humbucker solo klingt der Z7 wie ein moderner StingRay, während der Hals-Pickup den Bass eher in Richtung Jazz-Bass verschiebt. Der passive Alnico Single-Coil ist tatsächlich hum-cancelling. Damit werden die für Single-Coils typischen Störgeräusche und das Brummen verhindert. Auch das spricht für den Marcus Miller StingRay zu diesem niedrigen Preis.
Ich benutze den Neck-Pickup-only-Sound selten, weil er für mein Gefühl einem Precision-Ton nicht ganz das Wasser reichen kann. Andere Bassisten spielen fast ausschließlich so, weil sie dem nasalen Jaco-like Bridge-Tonabnehmer-Sound nichts abgewinnen können. Jedem Tierchen sein Pläsierchen, sage ich und werde aktiv.
Wie klingt der Sire-Bass aktiv?
Die aktive Elektronik ist wirklich nicht unbedingt für Anfänger geeignet. Eingangs bin ich als alter Hund zunächst auch etwas verwirrt und muss mich orientieren.
Mit aktivierter Elektronik wird der Bass deutlich lauter. Das ist nicht ungewöhnlich, kann aber beim Umschalten zu Gain-Problemen führen, wenn der Unterschied zwischen passivem und aktivem Betrieb zu groß ist.
Der Treble-Regler lässt eine klare Mittelstellung erkennen, sodass sich gut anheben und absenken lässt. Leicht angehobene Bässe und Höhen liefern bereits sehr brauchbare moderne Sounds.
Mein Problem liegt bei den gestackten Mitten-Potis. Diese bewegen sich häufig gemeinsam, egal wie vorsichtig man dreht. Beide rasten zwar mittig ein, aber wenn ich unten eine Mittenfrequenz auswähle und oben gezielt anheben oder absenken möchte, fische ich ein wenig im Dunkeln.
Klar hört man, wie die Elektronik greift, aber es bleibt ein wenig Hit-and-Miss. Manche Sire-Nutzer spielen deshalb lieber passiv. Allerdings gilt diese Kritik wirklich nur für die Mitten und ist angesichts des Preises eine echte Luxus-Beschwerde.
Der Bass-Regler rechts außen fungiert gleichzeitig als Push/Pull-Schalter für aktiv/passiv. Insgesamt gibt es hier wenig zu meckern.
Ein Beispiel-Sound in Richtung Bernard Edwards von Chic zeigt, wie flexibel der Bass ist. Mit angehobenen Bässen, Mitten und Höhen entsteht ein moderner Disco-Sound mit ordentlich Druck. Super Fly.
In diesem „Bass The World“-Video habe ich bereits im letzten Jahr Marcus Miller Sire Z3 und Z7 gespielt. Hier bekommt man einen zusätzlichen Eindruck im Band-Mix:
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