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Test: Sirus Stereo Link 5.8 Funksystem

14. April 2022

Einfach funken? Audioübertragung im 5-GHz-Bereich

Test: Sirus Stereo Link 5.8 Funksystem

Sirus Stereo Link 5.8 Funksystem

Nie wieder Lautsprecherkabel ziehen müssen – dank der Funkübertragung von Audiodaten mit Produkten wie dem Sirus Stereo Link 5.8 Funksystem? Das wäre perfekt und ähnlich wahrscheinlich wie ein Lottogewinn. Gleichzeitig würde so ein Produkt zu tiefen wirtschaftlichen Verwerfungen bei Kabelherstellern führen. Dem ist aber bislang nicht so. Und dafür gibt es Gründe. Aber gleichermaßen interessant wie verlockend ist die Funkübertragung eines Stereo-Audiosignals schon. Und auch erschwinglich, denn der Sirus Stereo Link 5.8 Bundle zur Funkübertragung kostet knapp 130 Euro. Hit oder Niete?

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Bei der Marke Sirus handelt sich um ein Sortiment im Angebot des Musikhauses Thomann mit Beschallungsequipment für Event-Dienstleister und Gastronomie. Das besondere Merkmal dabei: Verschiedene Bundles der Sirus-Range lassen sich miteinander kombinieren – egal, ob Räume in einem Restaurant beschallt werden oder Equipment für eine Podiumsdiskussion benötigt wird. Der modulare Charakter soll es ermöglichen, ein vorhandenes Set individuell und gezielt mit weiteren Produkten zu erweitern, um kostensparend und flexibel auf verschiedene Bedürfnisse reagieren zu können. Das hört sich gut an – mal schauen, ob das Sirus Stereo Link 5.8 Funksystem diese Verheißungen als Audio-Gen in sich trägt.

Lieferumfang: Sirus Stereo Link 5.8 Funksystem

Das Thema Funkübertragung ist komplex – und auch wieder nicht. Was in der Mikrofon- und Bühnentechnik meist gut funktioniert, hat in der Stereo-Signalübertragung seine Tücken. Schwachstellen liegen im meist erforderlichen Sichtkontakt zwischen Sender und Empfänger und – zumindest bei den anmelde- und gebührenfreien Produkten – im frequentierten Funknetz, beispielsweise im 2,4 GHz Bereich. In diesem Punkt geht das Sirus Stereo Link 5.8 einen anderen Weg. Das Bundle funkt im 5,8 GHz Bereich mit einer Latenz von knapp 17 ms, wobei der Abstand zwischen Sender und Empfänger maximal 30 m mit Sichtkontakt betragen darf. Der 5,8 GHz Bereich ist derzeit noch nicht so „bevölkert“, insofern auch von der Nutzung weniger störanfällig, aber bietet im Gegenzug eine geringere Reichweite im Vergleich zum 2,4er-Spektrum. Raumteiler wie Wände und Säulen oder Pogo-tanzende Fans sind wahre Spaßbremsen in diesem Frequenzspektrum. Bleibt festzuhalten: Es gibt nicht nur Vor- sondern auch deutliche Nachteile bei der Nutzung des 5,8 GHz Bereichs. Apropos Latenz: Solange der Einsatz sich auf die reine Audioübertragung vom Mischpult oder Zuspieler hin zu Aktivboxen erstreckt, ist die zunächst „üppig“ erscheinende Latenz kein Grund zur Beunruhigung. Bei größeren Veranstaltungen sehe ich die Produkte eher nicht, dort wäre dieser „Verzögerungswert“ bei der Nutzung von Delay-Lines im Hinterkopf zu behalten.

Test: Sirus Stereo Link 5.8 Funksystem

Bis auf den Wahlschalter für Mono-/Stereo-Betrieb sind die Frontseiten von Empfänger und Sender identisch

Zurück zu den „kleinen Kästen“, deren Abmessungen ohne Antenne 115 x 105 x 45 mm betragen (L x B x H). Das Bundle besteht auch je einem Sender und Empfänger, wobei ein Sender mit bis zu acht Empfängern kombiniert werden kann (beispielsweise, wenn mehrere Räume beschallt werden sollen). Die Eingänge des Senders, an welche die Signalquelle angeschlossen wird, und die Ausgänge des Empfängers, die zu Amp oder Aktivboxen führen, sind als symmetrische XLR- und alternativ als unsymmetrische 6,3 mm Klinkenbuchsen ausgeführt. Insgesamt sind sowohl Sender als auch Empfänger von den Bedienelementen her überschaubar aufgebaut. Auf der Vorderseite befinden sich neben dem Gewinde für die schraubbare Antenne, die Pair-Taste zur Funkverbindung samt Status-LED, ein Level-Regler (lediglich zur Abschwächung, nicht zur Verstärkung anliegender Signale), zwei Signal-LEDs sowie die Buchse für das externe Netzteil. Bei den Signal-LEDs handelt es sich übrigens nicht um Peak-Anzeigen, das wäre hilfreich gewesen. Abweichend zum Empfänger hat der Sender noch einen Schalter für Dual-Mono- oder Stereobetrieb zu bieten.

Gut bedienbar?

Um Sender und Empfänger des Sirus Stereo Link 5.8 Funksystems zu verbinden, muss die Pair-Taste für etwa drei Sekunden gedrückt werden. Zunächst blinkt die Status-LED, bei erfolgreicher Kommunikation leuchtet sie dauerhaft. Das funktioniert genau so einfach, wie es sich hier liest und bedarf keinerlei Fachwissen. Und, um eine der beliebten „Was ist wenn“-Fragen ins Spiel zu bringen: Was passiert beim Stromausfall im maroden Club, dessen Sicherungskasten bereits bei der Inspektion durch den Band-Techniker keinen vertrauenerweckenden Eindruck hinterließ? Als wäre nichts geschehen verbinden sich, sobald der „Lebenssaft“ erneut durch die Adern fließt, Sender und Empfänger in wenigen Sekunden automatisch – ganz ohne erneutes manuelles Pairing. Praktisch beim Ausprobieren in unterschiedlichen Räumen (wie in diesem Test), um die Funkverbindung zu prüfen. Und speziell, wenn das System in „luftiger Höhe“ seine Funkarbeit verrichtet, wäre ein erneutes Pairing mit einigem Umstand verbunden. Schön also, dass es automatisch läuft. Allerdings wird die erneute Funktion mit einem deutlich hörbaren „Knackser“ quittiert, wenn möglich sollte deswegen der Level-Regler am Sender in so einem Fall auf Linksanschlag stehen.

Test: Sirus Stereo Link 5.8 Funksystem

Rückseite des Sirus Stereo Link 5.8 Funksystems: 6,3 mm Klinken- und wahlweise XLR-Buchsen als Ein- oder Ausgänge

Sender und Empfänger arbeiten laut Herstellerangabe mit 24 Bit/48 kHz, bei einem Frequenzgang von 20 Hz bis 22 kHz und einem Signal-Rausch-Verhältnis >90 dB. Sie Sendeleistung beträgt 7 dBm, damit sollen bei Sichtbedingungen 30 m Reichweite erreicht werden. Im Lieferumfang befinden sich neben der überschaubaren Beschreibung auf einer DIN A4 Seite das externe Netzteil DC 12 V/1 A, die abnehmbare Antenne (je eine für Sender und Empfänger) sowie Montagewinkel samt Schrauben.

30 Meter Freiheit enden an der Mauer

In der Praxis sind die angegebenen 30 m Übertragungsstrecke mit dem Sirus Stereo Link 5.8 Funksystem durchaus realistisch, allerdings im Rahmen dieses Tests nur im Freifeld bei direkter Sichtverbindung. Daraus ergibt sich die folgende Frage: Wann ist bei einer Veranstaltung mit entsprechendem Publikum direkte Sichtverbindung gegeben? Genau, das funktioniert nur mäßig überzeugend, außer wenn Sender und Empfänger in luftiger Höhe ihre Funkarbeit verrichten (um die 2 m, wenn möglich höher). Ich habe mir für solche Szenarien eine Halterung für ein König & Meyer Mikrofonstativ mit extra langem Schwenkarm „gebastelt“. Schade, dass Sender und Empfänger nicht über Stativgewinde auf der Unterseite verfügen – das wäre äußerst praktisch. Natürlich muss dann auch noch die Stromversorgung für das externe Netzteil „auf Höhe“ gebracht werden – elegant sieht das nicht aus.

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Test: Sirus Stereo Link 5.8 Funksystem

Der nicht verriegelbare Anschluss für das externe Netzteil beim Sirus Stereo Link 5.8 Funksystem ist auf der Vorderseite des Gehäuses

Zudem: Luftige Höhe ist eine feine Sache, hilft aber bei der Durchdringung von Wänden nur bedingt. Im Praxistest war die kabellose Verbindung zwischen zwei unterschiedlichen, direkt angrenzenden Räumen bei etwa 10 m Gesamtdistanz möglich. Auch zwischen zwei Stockwerken, bei drei Stockwerken musste das Sirus Stereo Link 5.8 Funksystem passen. Dabei bestand selbstredend kein Sichtkontakt – Störungen resultierten bereits, wenn eine Person sich in den Räumen bewegte. Hier ist also der Anwender gefragt, um auszuloten, ob die genannten Möglichkeiten der 5 GHz Domäne dem Anwendungsprofil entsprechen oder eben nicht. Das ist bei ständig wechselnden Locations im Gastro- und Eventbereich sicher schwieriger einzuschätzen als bei Erfahrungswerten für definierte, immer gleiche Verkaufsräume, Tagungen in Hotels oder der Clubbeschallung mit separaten räumlichen Beschallungszonen. Unter dem Strich: Hier hilft nur … ausprobieren.

Grundsätzlich gibt es einige praktische Aspekte für die Funkübertragung. Wenn die bereits erwähnten, unter Umständen sich auf die Performance auswirkenden Einflussfaktoren ausgeräumt sind, ist eine schnelle Audioverbindung ohne optisch störende Kabel zu realisieren. Zudem bleiben Fluchtwege unbeeinträchtigt. Ein Schritt also zu dezenter Audio-Ästhetik, bei der die Technik weitestgehend im Hintergrund bleibt und ein wie auch immer gestaltetes Raumambiente nicht stört. Eben dies ist allerdings bei der Live-Beschallung nur selten ein Hauptargument. Da interessiert schon eher die Frage, ob es qualitative Unterschiede bei der Funkübertragung im Vergleich zur Kabelstrecke gibt. Schließlich soll das anliegende Signal möglichst unverfälscht durch die Funkstrecke übertragen werden. Die Antwort liefert der direkte A/B-Vergleich.

Test: Sirus Stereo Link 5.8 Funksystem

Butter bei die Fische: Funk- und Kabelverbindung im Vergleich

Das als Testsignal durch den NTi Audio MR-PRO bereitgestellte Weiße Rauschen geht einerseits via Kabel direkt ins Roland Super UA S 10 Audiointerface (24 Bit/44,1 kHz), um in Steinbergs Wavelab analysiert zu werden. Es folgt der identische Aufbau, nur dieses Mal geschieht die Signalübertragung via Kabelstrecke. Selbstredend befindet sich keine weitere Hardware in der Audiokette und die Signale bleiben unbearbeitet – lediglich die Eingangspegel werden vorher angeglichen. Im A/B-Vergleich zwischen Funkübertragung und kabelgebundenem Signal zeigt das Sirus Stereo Link 5.8 Funksystem seine Stärke. Veränderungen im Frequenzgang ließen sich in der grafischen Darstellung nicht feststellen. Dies bestätigte das Vergleichshören – der Klang ist unauffällig, was hier ausdrücklich als Kompliment zu werten ist.

Butter bei die Fische: Funkübertragung vs. Kabel im Vergleich (Audio-Analyse der Funkübertragung)

 

Hier sind selbst „Fledermausohren“ chancenlos: Messungen mit Weißem Rauschen (abgebildet die Übertragung via Kabel)

In dieser Hinsicht kann, und das ist aufgrund des vergleichsweise günstigen Verkaufspreises hervorhebenswert, bedenkenlos „grünes Licht“ gegeben werden.

Ich bin mit einer dieser typischen Rock-Blues-Coverbands einige Jahre unterwegs gewesen und habe dabei ein Sirus Stereo Link 5.8 Funksystem oder ein vergleichbares Produkt wie beispielsweise das Alto Professional Stealth Wireless  sowie das für knapp 240 Euro angebotene Denon DN-202 Bundle weder vermisst, noch eingesetzt. Warum? In so einem Rahmen sind zwei Kabel vom Mischpult zur Aktiv-PA schnell gezogen, stören ästhetisch in keiner Weise und funktionieren zuverlässig. Aber als Event-Dienstleister, da würde ich mir so ein Bundle sicherlich in den PA-Koffer legen – hier ist das Anwendungsspektrum bei Veranstaltungen unlängst höher, ästhetische und qualitative Gesichtspunkte können eine tragende Rolle spielen. Auch bei der Zonenbeschallung kann sich das Sirus Stereo Link 5.8 Funksystem gerade auch durch die Möglichkeit, bis zu acht Empfänger miteinander zu koppeln, als hilfreich erweisen, solange die bereits erwähnten Eigenschaften des 5 GHz Bereichs dem keinen Strich durch die Rechnung machen.

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Fazit

Hit oder Niete? Bis auf die fehlende Peak-LED sind mir beim Sirus Stereo Link 5.8 Funksystem in technischer Hinsicht keine Schwachstellen aufgefallen. Manche werden über das nicht verriegelbare externe Netzteil maulen, aber das ist rein technisch gesehen für mich kein funktioneller Minuspunkt. Die 5 GHz Funkübertragung arbeitet zuverlässig in den bekannten Grenzen (Stichwort „Sichtkontakt“). Und qualitativ ist das Audioergebnis makellos. Da zudem das Investment keine unüberwindlichen Höhen markiert, darf also zugegriffen werden – speziell im Event-Bereich, demgegenüber bleibt der Nutzen im Rahmen einer Live-Band-Beschallung für mich „überschaubar“. Aber, falls doch die „Funken“ zum Einsatz kommen, die Kabel zum Anschluss der Aktivboxen bitte nicht gleich als Folge erster kabelloser Euphorie im Kleinanzeigenmarkt verhökern, sondern in Griffweite halten – für alle Fälle, falls „Funkenmarie“ Migräne hat.

Plus

  • einfache Bedienung
  • günstiger Verkaufspreis
  • vollständiger Lieferumfang
  • makellose Übertragungsqualität

Minus

  • externes Netzteil nicht verriegelbar
  • keine Peak-LED
  • kein richtiger Minuspunkt, aber erwähnenswert: Reichweite im 5-GHz-Bereich

Preis

  • 128,- Euro
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Forum
  1. Profilbild
    DJ Ronny

    Danke für den Test. Dein Fazit kann ich nicht zustimmen. Wenn die Verbindung nur in Sichtweite sicher ist, dann ziehe ich lieber ein Kabel. Das Produkt ist genauso unpraktisch wie die Teile von Denon.
    Ich nutze erfolgreich 2 Bluetooth 5.0 Geräte, wenn es darum geht, eine Box in einen 2. Raum oder als Außenbeschallung zu verwenden. Natürlich müssen Sender und Empfänger auch mindestens in 2m Höhe angebracht sein. Nutze ich auch nur, wenn Kabel wirklich kaum/ nicht geht.

    • Profilbild
      Christoph Rocholl RED

      Der Grund, dass die Verbindung nur in Sichtweise verlässlich funktioniert, ist eine Begleiterscheinung der Bluetooth-Spezifikation, wobei grundsätzlich gilt: je aktueller, je besser. Das steht ja auch so im Test und hat mit der Hardware wenig zu tun. Trotzdem gibt es durchaus Situationen, was sich so ein System einsetzen lässt (immer vorausgesetzt, die systembedingten Einschränkungen sind dem Anwender geläufig), sei es beispielsweise aus optischen Gründen im Event-Bereich. Aber: Wo immer sich Kabel schnell und unproblematisch verlegen lassen, sind sie als Verbindung klar im Vorteil – allein schon aus Gründen der Zuverlässigkeit (das wird im Home-HiFi-Bereich sicherlich anders bewertet, als bei Veranstaltungen).

  2. Profilbild
    Garfield Modular

    Hallo Christoph,

    Herzlichen Dank für den interessanten Artikel!

    Das Idee finde ich super interessant, leider aber nur das der Sender und Empfänger in einander Sicht sein müssen, oder mindestens zu empfehlen ist das die in Sicht sein sollten.

    So etwas ähnliches wie das hier aber dann ohne das Problem mit dem „in Sicht“, dann wurde ich mir so etwas ernsthaft überlegen um teils die viele Kabeln „weg zu bekommen“ ;-) Wobei ich eigentlich gar nichts gegen Gebrauch von (guten) Kabeln habe, aber manchmal hat man halt zu viele Kabeln herum liegen.

    Viele Grüße, Garfield.

    • Profilbild
      Christoph Rocholl RED

      Moin Garfield,
      es gibt auch Alternativen – beispielsweise von IMG Stageline (WSA-24R Empfänger und WSA-24T Sender). Beide Einheiten­ arbeiten in ­Stereo­ und übertragen ­Line-­Signale. Gesendet­ wird ­im­ anmeldefreien­ 2.4-GHz-WLAN-Bereich,­ wobei­ das­ System­ ein­ automatisches­ Frequenz-Hopping­ zwischen­ 25­ Kanälen­ betreibt.­ Theoretisch lassen sich beliebig viele Empfänger mit einem Sender koppeln, was ­das­ System­ flexibel­ macht.­ Nur mal so als Tipp.

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