Kreativer Mixing-Controller mit starkem Workflow
Hardware-Controller sind für Softube kein Neuland. Mit der Console 1 brachte man einen DAW-Controller auf den Markt, mit dem man die Plug-ins von Softube und Universal Audio in Channelstrips steuern kann. Der jetzt erschienene Softube Flow Studio verfolgt ein etwas anderes Konzept, denn damit werden ganze Signalketten – von Softube „Flow“ genannt – direkt bearbeitet. Entwickelt, um „schnell zu arbeiten und Inspirationen sofort umzusetzen“. Die „Softube Flow Studio Suite“ gehört mit zum Lieferumfang, andere Softube Suites funktionieren aber auch. Dann schauen wir mal, ob und wie diese Intention umgesetzt wird.
Was ist es? Softube Flow Studio ist ein Hardware-Controller für das Softube-Flow-Ökosystem, mit dem sich Mixing- und Mastering-Signalketten haptisch steuern und intuitiv bearbeiten lassen.
- Workflow: Sehr schneller, kreativer Zugriff auf komplexe Signalketten über Makro-Regler statt klassischer Plug-in-Bedienung.
- Lieferumfang: 25 Softube-Effekte und über 100 Flows im Paket, dazu hochwertige Hardware mit Display und taktilen Reglern.
- Bedienung: Durchdachtes Controller-Konzept mit hilfreichen Visualisierungen und direkter Einbindung in den Mixing-Prozess.
- Einschränkung: Funktioniert ausschließlich mit Softube-Plug-ins und unterstützt keine Drittanbieter-Effekte.
- Kritikpunkte: Teilweise verwirrende Lizenzierung, kleinere Installations-Unklarheiten und keine Transport-Steuerung für die DAW.
Inhaltsverzeichnis
- Ein Hinweis vorab
- Lieferumfang des Controllers
- Diese Softube-Effekte gehören dazu
- Registrierung und Installation der Software
- Verarbeitung und Design
- Der Softube Flow Studio am PC
- Bedienelemente des Softube Flow Studio
- Arbeiten mit dem Softube Flow Studio: Erste Schritte
- Arbeiten mit dem Softube Flow Studio: Mehr Details
- Viel für das Auge: Drei Bildschirme
- Wer braucht den Softube Flow Studio? Und wer nicht?
- Softube Flow Studio und Softube Console 1
Ein Hinweis vorab
Ich werde im Test von „der Flow Studio“ sprechen, da es ja ein Controller ist. Also eigentlich „der Softube Flow Studio Controller“ oder eben verkürzt „der Flow Studio“. Klingt irgendwie komisch im Zusammenhang mit dem Wort „Studio“, aber „das Flow Studio“ wäre nicht richtig.
Lieferumfang des Controllers
Zum Lieferumfang des Software Flow Studio gehören ein 2 m langes USB-C auf USB-C-Kabel – stoffummantelt, rostrot, mit Softube-Logo und aufgerollt (nicht geknickt), also durchaus hochwertig und mit Wiedererkennungswert. Auch vier kleine M4-Schrauben sind mit dabei. Damit lässt sich der Flow Studio in den für 85,- Euro optional erhältlichen – übrigens sehr ansehnlichen – „Single Unit Stand“ aus Walnuss-Holz einbauen. Für den Test hatte ich mir mit einem einfachen Tablet-Ständer aus Holz beholfen – kostet 5,- Euro und passte perfekt.
Statt eines Handbuchs und den üblichen Zetteln mit Sicherheitshinweisen gibt es einen Link und einen QR-Code, um mich zu registrieren und die dazugehörigen 25 Softube-Effekte herunterzuladen.
Diese Softube-Effekte gehören dazu
Der Flow Studio funktioniert ausschließlich mit den Suites von Softube, Dritthersteller werden nicht unterstützt. Die folgenden 25 Effekte gehören mit zum Lieferumfang. Sofern es die Effekte auch einzeln zu kaufen gibt, habe ich den Preis dahinter unter EP vermerkt.
- 30W Top Boost – Nachbildung eines 3-Channel Guitar Amps von 1964
- American Mainstayer 100W – Guitar Amp auf Basis des Mesa Boogie Rectifiers
- Bad Speaker – Emulation von Lo-fi-Speakern (EP: 59,- Euro)
- Bass Standard Line V8 – Bass Amp für mehr Punch im Keller
- British Class A Drive – ein Saturator aus der “berühmten britischen Analog-Konsole“. Hat da jemand Neven gesagt? (EP: 39,- Euro)
- British Class A Equalizer – der Equalizer aus derselben Konsole (EP: 99,- Euro)
- Clipper – Peak Clipper mit zwei Clipping-Stufen (EP: 79,- Euro)
- Core Dimensions – Reverb mit fünf Algorithmen (EP: 79,- Euro)
- Deesser – De-Esser mit Frequenzerkennung (EP: 79,- Euro)
- Dirty Tape – Lo-fi Distortion/Modulation mit Drive und Dirt (EP: 59,- €)
- Equalizers – Equalizer mit flexiblem M/S L/R-Routing (EP: 99,- Euro)
- FET Compressor MKII – Nachbildung des Universal Audio 1176 LN (EP: 149,- Euro)
- Kraft – Overdrive/Distortion-Pedal (EP: 19,- Euro)
- Layers – Doubler/Widener mit sechs Widening-Algorithmen (EP: 149,- Euro)
- Lion Head – Vibrato-Pedal
- Model 72 Envelope Filter – Kombination aus Envelope Follower und regelbarem Drive aus dem Minimoog (EP: 59 Euro)
- Model 84 Chorus – Chorus aus dem Juno-106 (EP: 29,- Euro)
- OPTO Compressor – der T4 Opto-Cell aus den frühen 60ern (EP: 149,- Euro)
- Pacific Dual Tremolo 100W Black – klassischer Combo-Verstärker für Gitarre und Bass aus dem Jahr 1966 (EP: 29,- Euro)
- Pacific Dual Tremolo 100W Silver – ein weiterer Guitar Amp
- Stereo Delay – Digital Delay mit 80er-Jahre Chorus (EP: 59,- Euro)
- Tinnerö – Tremolo-Pedal
- Tube – Overdrive-Pedal
- Vocal Tuner – Pitch Correction mit Pitch- und Formant-Shifting und Oktaven (EP: 199,- Euro)
- Widener – Stereo Imager mit fünf Algorithmen (EP: 79,- Euro)
Rechnet man die Einzelpreise zusammen, kommt auf rund 1.500,- Euro – und da sind die sieben Effekte, die es nicht einzeln gibt, noch gar nicht mit berücksichtigt. Insofern ist der Preis von aktuell 389,- Euro inklusive der Hardware sicherlich nicht zu hoch angesetzt.
Anders als bei den Abonnements von Softube gehört Nutzern die Flow Studio Suite nach dem Kauf des Controllers auf Lebenszeit und muss später weder verlängert noch neu bezahlt werden.
Der Flow Studio Controller funktioniert auch mit den anderen Plug-in-Suiten von Softube, wie Flow Mastering Suite oder Flow Mixing Suite.
Registrierung und Installation der Software
Für die Registrierung der Plug-ins, die in der „Flow Studio Suite“ zusammengefasst sind, benötigt man einen Softube-Account und ein iLok auf dem Rechner, der mit dem Account verknüpft sein muss. Nach Eingabe des 16-stelligen Lizenzcodes wechseln wir in die Softube Central App, um die Flow Studio Suite zu installieren. Was problemlos gelang, „installiert und aktiviert“, meldete die App.
Allerdings tauchte die Studio Suite dann aber nicht in meiner DAW auf (Fender Studio Pro) und war auch nicht als Plug-in auf meiner Festplatte zu finden – nur die schon zuvor installierten Suites Flow Mastering und Flow Mixing.
Also beim Support nachgefragt. Antwort: „That’s expected. You will not see a plug-in called Flow Studio in your DAW. You will need to load the Flow Mixing Suite.“ Und tatsächlich findet auch Kollege Toneup – der sich den Flow Studio Controller privat gekauft hat und bis dahin keine Softube Suites besaß – lediglich die Flow Mixing Suite in seiner DAW. Das Mixing Suite-Plug-in scheint also hier mit installiert zu werden, allerdings ohne die Effekt-Plug-ins, die zum Mixing-Abo gehören. So erklärt es sich auch, dass auf der Produktseite des Flow Studio aktuell das Flow Mixing Suite Plug-in im Lieferumfang mit aufgeführt ist (mit dem Zusatz „no subscription required“). Etwas missverständlich, räumt auch der Softube Support ein. Man wolle das mal mit dem Marketing- und Sales-Team besprechen.
Zweite Ungereimtheit: Sieben der 25 Plug-ins, die zum Flow Studio gehören (das sind die sieben aus der Liste, die ohne Einzelpreisangabe sind), finden sich nicht in der Liste der Einzel-Plug-ins in meiner DAW wieder.
Dazu erklärt der Support: „ (…) those are effects that won’t be listed separately in Softube Central (or available as regular plug-ins in your DAW) and will only work inside Flow Studio/Flow Mixing Suite.” Und tatsächlich: Lege ich beispielsweise eigene Signalketten an, tauchen die fehlenden sieben dort im Angebot der Plug-ins auf – sie sind also irgendwo doch vorhanden, auch wenn sie bei mir als Einzeleffekte außerhalb einer Suite nicht nutzbar sind. Bei Kollege Toneup ließen die sich dagegen auch per Einzel-Installer nachträglich noch installieren, was bei mir eben nicht möglich war. Da geht also einiges (noch) durcheinander.
Verarbeitung und Design
Auf den ersten Blick (und aus größerer Entfernung) hat der Flow Studio Controller tatsächlich ein wenig Ähnlichkeit mit einem vergrößerten Gameboy: Rechteckig, oben das Display (leider nicht entspiegelt), unten die Knöpfe und Regler. Natürlich ist das Display hier um einiges größer – nämlich 4,3 Zoll groß und es handelt sich um ein High-Resolution-IPS Screen (ein Typ, der bekannt ist für eine exzellente Farbwiedergabe, hohe Farbgenauigkeit und große Betrachtungswinkel) – auch gibt es hier mehr Knöpfe als am Gameboy. Genauer: Zehn Knöpfe mit einem klaren Druckpunkt und fünf geriffelte, taktile Endlos-Drehregler, die wir uns gleich noch genauer ansehen werden.
Die Unterseite des anthrazitfarbenen Gehäuses (144 x 217 x 42 mm groß und 660 g schwer) mit den leicht abgerundeten Ecken besteht aus Kunststoff, die Oberseite aus eloxiertem Aluminium. Mit seiner dezenten Pultform kann man den Flow Studio auch recht gut liegend auf dem Tisch bedienen, noch besser aber ist – wie eingangs erwähnt – ein Stand. Die Verarbeitung ist hochwertig und einwandfrei, nichts wackelt, unsaubere Kanten gibt es auch keine.
Der Softube Flow Studio am PC
Der Softtube Flow Studio wird einfach mit dem USB-C-Kabel mit dem Rechner verbunden, Treiber oder eine zusätzliche Stromversorgung sind nicht notwendig. Einmal angeschlossen, kann man dann per Klick auf den Button „OSD“ das frei skalierbare Softube On-Screen-Display auf dem Bildschirm des PCs öffnen, das Einstellungen und Informationen zu den Tracks und den aktuell verwendeten Plug-ins anzeigt.
Beim ersten Mal musste ich das OSD im Test noch von Hand aus dem Softube-Verzeichnis heraus starten, anschließend funktionierte es aber reibungslos. Die Firmware des Flow Studio wird automatisch über das OSD aktualisiert.
Bedienelemente des Softube Flow Studio
Die Bedienoberfläche des Softube Flow Studios ist symmetrisch aufgebaut: oben das 4,3 Zoll IPS-Display, darunter im Halbkreis vier taktile Endlos-Drehregler für Parameter-Änderungen, deren Funktion vom jeweiligen Modus abhängt. Flow Studio besitzt drei Betriebsmodi:
- Flow Modus – zur Auswahl und Bearbeitung der Signalketten
- Detail-Modus – zum Bearbeiten einzelner Plug-in-Parameter
- DAW-Modus – für DAW-spezifische Funktionen, wie Lautstärke, Panorama, Solo/Mute und Send 1-6
„Taktil“ bedeutet, dass es schon bei der Berührung eines Reglers zu einer Reaktion kommt. Im Flow-Modus werden Textinfos zu den verwendeten Plug-ins und ihrer Wirkweise eingeblendet – sehr hilfreich besonders für weniger erfahrene Tonbastler – im Detail-Modus hingegen die aktuellen Zahlenwerte der Parameter angezeigt. Jeder Drehregler ist von einem Multicolor-LED-Kranz umgeben, der die Werte auch optisch wiedergibt.
Zentral darunter befindet sich der große – ebenfalls taktile – Omni-Knopf mit gleich zwei LED-Kränzen. Seine Hauptfunktionen sind das Durchblättern durch die mehrseitigen Parameter-Listen im Detail-Modus oder die Steuerung von Klang und Lautstärke.
Im unteren Bereich sind die zehn Buttons angeordnet: drei übereinander, jeweils rechts und links, dazwischen vier nebeneinander. Mit einem Shift-Button sind den meisten der Knöpfe zwei Funktionen zugewiesen, die Anordnung folgt einer gewissen Logik: rechts unten die Buttons für die drei Modi DAW, Detail und FLOW (mit Shift: allgemeine Settings, Compact (kompakte Listen) und Save (der Benutzervoreinstellung).
Links unten der Shift-Button, die OSD-Anzeige und die Favoriten. Sehr interessant ist die Shift-Funktion beim OSD-Button. Damit kann ich nämlich verschiedene Visualisierungen des Klangs auf den Bildschirm holen. Dazu gehören ein Waveform-Viewer, ein Frequency-Analyzer, ein Frequency-Graph und – besonders wichtig – Stereo-Image und eine detaillierte LUFS-Anzeige.
In der Mitte unten befinden sich schließlich drei Buttons für die DAW-Bedienung, Mute, Solo und Track (zeigt die Liste der Tracks der Session an, mit Shift wird Flow Studio auf Bypass geschaltet). Solo und Mute haben in einigen Situationen auch die Funktion „ok“ und „cancel“ – daran muss man sich erst einmal gewöhnen.
Mit dem Action/Prev-Button schließlich werden kontextabhängig entweder Funktionen aktiviert oder zum nächsten/vorigen Element einer Liste gesprungen. Das klingt jetzt in der kompakten Zusammenfassung recht verwirrend und unübersichtlich, ist aber – bis auf einige etwas ungewöhnliche Sonderfunktionen – erstaunlich schnell erlernbar, da dem Ganzen eine gewisse innere Logik innewohnt.
Arbeiten mit dem Softube Flow Studio: Erste Schritte
Dann legen wir mal los. Ich starte meine DAW (Fender Studio Pro) und öffne eine alte Funk-Track-Idee. Noch zeigt das Display des Flow Studio nur eine Analoguhr an, auch ist der DAW-Modus noch funktionslos. Der Flow Studio erkennt nämlich nur die Spuren, auf die auch eine der Softube Suites liegt.
Sobald ich aber einen oder mehrere Tracks mit meiner Flow Mixing Suite versorgt habe, erscheinen diese auch auf dem Display. Dabei sollte man aber berücksichtigen, dass das zu Lasten der CPU geht, sofern die Tracks dann auch Flows zugeordnet werden.
Sehr schön: Nicht nur die Track-Namen, sondern auch die Farben der Tracks, werden dabei übernommen. Und das nicht nur im Display, sondern auch auf dem LED-Kranz des Omni-Reglers. Mit dem scrolle ich durch die Tracks (die ohne Suite bleiben ausgegraut, ohne Namen und werden übersprungen) und bestätige bei den Drums mit „ok“ – auch in der DAW ist der jetzt der aktive.
Im Display sehe ich jetzt erst einmal zwei analoge und zweit digitale Pegelanzeigen für Input und Output-Level des Kanals, inklusive Kanalname, Farbe und den Namen der verwendeten DAW.
Mit einem Klick auf den FLOW-Button erscheint die Liste aller verfügbaren Flows (aka Signalketten). Mehr als hundert sind mit dabei, aber zum Glück kann ich alle blitzschnell mit dem linken Drehregler in Kategorien filtern, die sich von Suite zu Suite unterscheiden. Mit dabei sind Instrumentengruppen, aber auch Flows für Mix Bus, Sends und Mastering.
Apropos Mastering: Ich kann auch die Softube Flow Mastering Suite auf den Main-Bus oder den Listen-Bus legen und mit dem Flow Studio ansteuern. Oder eben auch die Mixing Suite oder die Flow Suite für eine Gesamtanpassung des Sounds.
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Ich wähle also „Drums“ als Kategorie aus und muss anschließend auch nichts bestätigen. Sofort reduziert sich die Anzeige auf die Drums-Flows. Der „Punchy Drum Bus“ klingt, als könne er meinen dünnen Drums mehr Power verleihen. Also „ok“, der Flow wird kurz in der DAW auf den Track geladen, fertig.
Wie in den Softube Flows üblich, bearbeite ich nicht die drei dazugehörigen Effekt-Plug-ins (hier: Tonelux Tilt, American Class A und Clipper), sondern verändere mit einem Regler gleich mehrere, inhaltlich zusammenhängende Parameter (Makros). Welche das sind, erfahre ich, sobald ich einen der taktilen Regler berühre, sehr praktisch.
Bis zu acht (vier Regler plus Shift) stehen jeweils zur Auswahl. Hier sind es Tilt/Tone, LowCut/Compression, High Cut/Drive und Sustain & Punch/Clipper. Bei Betätigung eines Reglers erscheint auch der aktuelle Zahlenwert und die Kurven der Effekt-Plug-ins. Zu klein? Ein Knopfdruck genügt und ich hole mir zusätzlich das OSD auf den PC-Bildschirm.
Ich schalte den Kanal mit dem passenden Button auf Solo und passe den Sound nach Gehör an. Erst ganz grob mit dem Omni-Regler, (omnis (lat) = alle), mit dem ich alle Parameter gleichzeitig verdrehe, um zu hören, wie es klingt. Was mir auch optisch durch mehrere farbige Kreise samt Erklärungen angezeigt wird. Dann noch mal gezielter, indem ich mit den vier Reglern einzelne Parametergruppen ändere. Das ist ein ganz anderes Arbeiten als die Parameter-Schieberei mit der Maus am Bildschirm, wo ich von einem Plug-in zum Nächsten hangele und ständig um Abstimmung bemüht bin.
Was mir gut gefällt: Praktisch wäre es, wenn Flow Studio eine Transport-Sektion für die DAW hätte. Mich selbst stört das Fehlen weniger, da ich dafür ohnehin den ATOM-Controller daneben stehen habe. Alle anderen müssen halt dann aber doch noch zur Maus oder zur Tastatur greifen.
Arbeiten mit dem Softube Flow Studio: Mehr Details
Wer nun über die Flows/Signalketten hinaus mehr ins Detail gehen möchte, kann das mit dem Flow Studio machen. Mit dem Detail-Button bekomme ich eine Übersicht über alle im Flow eingesetzten Plug-ins, scrolle mit dem Omni-Button und bestätige mit ok – und schon habe ich Zugriff auf sämtliche Parameter jedes einzelnen Plug-ins. Und das können dann – je nach Plug-in – schon mal 60 und mehr sein, da ist dann einiges an Scrollen, Suchen und Klicken angesagt.
Zum Glück lassen sich Parameter als Favoriten kennzeichnen, die dann stets ganz oben in der Liste erscheinen. Trotzdem ist das dann weniger „Flow“, sondern eben mehr Parameter-Frickelei. Die wiederum mit der Maus am Bildschirm fast noch einfacher ist. Aber trotzdem schön, dass die Möglichkeit besteht.
Viel für das Auge: Drei Bildschirme
Wer es mag, kann sich auf die drei Bildschirme des Controllers die Mixing-Infos geben lassen. Da ist zum einen das kleine Display am Controller, das eigentlich schon ausreicht. Der OSD, der über den Controller zugeschaltet wird, bildet das Display nicht 1:1 ab. Die Aufteilung ist etwas anders, zusätzlich gibt auch es noch einen Überblick über die Flow-aktiven Tracks und die im Flow eingesetzten Effekte. Und schließlich habe ich im OSD sämtliche Parameter auch ohne Shift-Taste als Balken im Blick, die farblich mit den LED-Kränzen korrelieren. Das frei skalierbare OSD liegt fest immer im Vordergrund über allen anderen Fenstern auf dem Computer-Bildschirm, ist nicht für Maus-Aktionen vorgesehen und kann auch nur über den Flow Studio-Controller wieder geschlossen werden.
Zuletzt gibt es noch das Flow-Plug-in-Fenster der DAW. Das reagiert ebenfalls auf die Eingaben am Controller, zeigt alle Drehregler mit farbigen Kreisen und auch alle eingesetzten Effekte des Flows. Die ich hier aber – anders als im OSD – ja auch auswählen kann, um sie einzeln im Detail zu bearbeiten. Über einen Mangel an Visualisierungen muss man sich also nicht beschweren.
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Wer braucht den Softube Flow Studio? Und wer nicht?
Der Softube Flow Studio kommt mit 25 Plug-ins und 102 Flows (Signalketten). Klingt nach viel Inhalt, ist aber zum einen mit der Auswahl der Plug-ins und den recht vielen Amp-Simulationen und Effektpedalen ein wenig gitarrenlastig (auch wenn damit natürlich auch andere Genres/Instrumente bearbeitet werden können). Zum anderen verwenden einige der mitgelieferten 102 Flows auch schon mal Plug-ins, die nicht zum Lieferumfang gehören und daher innerhalb der Flows ausgegraut sind. Die muss man dann also entweder einzeln nachkaufen oder gleich eine der größeren Suiten abonnieren. Bspw. die Flow Mixing Suite oder die Flow Mastering Suite (je 14,99 Euro/mtl.) oder beide zusammen als Flow Complete Suite (24,99 Euro/mtl.). Da dient der Softube Flow Studio Controller wohl auch ein wenig als Köder, nach dem Motto „Wenn ich schon mal fast 400,- Euro für den Softube Flow Studio ausgegeben habe, will ich den auch vollumfänglich nutzen.“
Wer zu weiteren Käufen bereit ist, oder wie ich schon eine oder mehrere Softube Suites (oder viele Einzel-Plug-ins) besitzt, bekommt mit dem Flow Studio ein recht interessantes Mixing-Konzept geboten. Auch wenn der Flow Studio im Grunde genommen ja nichts weiter ist als ein Makro-Controller für Softubes Flow-Universum, gestaltet sich das Mixing mit der Hardware noch intuitiver und zugänglicher als das Hantieren mit der Maus an den Plug-ins auf dem Computer-Bildschirm.
Man probiert einfach mehr (weil unkomplizierter) herum, verliert sich nicht in Details, bleibt mehr im „Flow“ und verlässt sich wieder stärker auf seine Ohren. Die Flows sind ja auch so angelegt, dass sie den Sound auch komplett verändern können. Worauf man mit den schnellen Hardware-Reglern eben viel eher stößt als mit vorsichtigem Maus-Einsatz – der Mensch ist nun mal ein sinnliches Wesen, das anfassen und berühren will. Dass es dann obendrauf auch viele hilfreiche Visualisierungen sowohl bei der Effektbearbeitung, aber auch bei der Kanalkontrolle gibt, ist einfach ein weiterer Pluspunkt.
Allerdings ist der Softube Flow Studio letztendlich nur für die interessant, die beim Mixing und Mastering komplett auf Softube-Plug-ins setzen. Denn Effekte von Drittanbietern werden – zumindest Stand jetzt – nicht unterstützt. Solange die nicht in die Flow Suites eingebunden werden können, bleiben sie außen vor. Das dürfte den Kreis der potentiellen Nutzer drastisch einschränken.
Softube Flow Studio und Softube Console 1
Kollege Toneup hat sich das Flow Studio zusätzlich zu seiner Console 1 gekauft. Hier sein kurzer Vergleich der beiden Controller und seine Meinung zum Flow Studio.
„Mein Fazit ist: Softube Flow Studio ergänzt Console 1 sehr gut. Console 1 klingt in meinen Ohren besser und feiner, Flow besticht aber durch den sprichwörtlich schnellen Workflow und kann ergänzend sehr gut als Kreativeffekt eingesetzt werden.
Dass man sich eigene Chains abspeichern und alle Softube-Plug-ins im Besitz einbeziehen kann, erweitert die Möglichkeiten enorm. So ist es ganz schnell möglich, Dinge im Flow des Produktionsprozesses auszuprobieren.
Leider hat es Softube wieder nicht geschafft, Transport-Controller auf der Flow Hardware unterzubringen, was sehr schade ist, weil Flow sonst durchaus das Zeug hätte, andere Controller wie z.B. von SSL zu ersetzen. Schließlich kann man mit Flow sehr bequem Spuren anwählen, Lautstärke, Panorama und auch Effekt-Sends einstellen, auch die optischen Goodies wie Pegelanzeigen gefallen.
Das Preis-Leistungsverhältnis empfinde ich dabei als sehr gut. Arbeiten sollte Softube noch am Lizenzierungssystem. Einige der mitgelieferten Plug-ins ließen sich nur über den Umweg mittels Standalone Installer installieren, das sollte nicht sein.“







































für mich völlig uninteressant. Ich würde mir zu keinem Zeitpunkt einen Controller kaufen, der nur hauseigene Plugins nutzbar hat, zum anderem führt es dazu, dass es zu einer quasi Abhängigkeit bei Änderung von Lizenz-/Bezahlmodellen bei der nutzbaren Software kommt.
🙂Davon abgesehen lehne ich die aufkommenden Bestrebungen Nutzer in Software-Monokulturen zu kapseln grdstzl ab, da dies immer zu höheren Preisen und weniger Innovationen führt. Also immer zu Lasten vom Nutzer.
@DasIch&DerEr Das sehe ich ganz ähnlich.
Vor Zeiten hatte ich mir auch einmal (und aus der gleichen Hoffnung) den Native Instruments Kore Controller geholt, um deren umfangreiche Komplete Flotte einheitlich und besser regeln zu können. Und NI behauptete damals sogar, kompatibel zu externen Plugins zu sein – war es aber nur derart eingeschränkt, daß es null praktikabel war.
Natürlich sieht die Sache nun 20 Jahre später sicher etwas anders aus, und Softube ist nicht NI.
Aber da ja die allermeisten DAWs schon von Hause aus mit teils exzellenten Plugins kommen (und man dort sicher auch schon einige persönliche Favouriten hat), ist so ein Softube Hw Controller dann eben doch nur etwas für absolute Fans der Marke. Denn wenn man es nicht ständig intensiv nutzt, dann verschwindet die Hardware dann eben doch wieder so schnell vom chronisch knappen Platz der physischen Arbeitsfläche – wie damals mein Kore Controller….
@DasIch&DerEr Sehe ich genau so.
Ein geschlossenes System mag für diejenigen interessant sein, die sich noch keine PlugIn Sammlung angelegt haben oder mit einem Hersteller zufrieden sind. Das sind vermutlich jedoch die wenigsten.
Für mich ebenfalls völlig uninteressant, da mein persönlicher „PlugIn-Werkzeugkasten“ gefüllt ist. Und der beinhaltet wie oft üblich, PlugIns von unterschiedlichen Software-Schmieden.
Es gab ja schon einige Versuche mit Controllern, die zumindest teilweise auch andere Hersteller einbinden. SSL hat so etwas mit einem Modul-System im Angebot, war jedoch mit Problemen mit PlugIns von Drittanbietern verbunden. Hat sich das inzwischen verbessert? Bin da nicht auf dem Laufenden. Wenn ja, wäre das für mich eher eine Überlegung wert.
@Mixit Bei mir laufen ein paar Brainworx Plugins die ich gerne mag, tadellos, auch die Einbindung ist einfach und läuft gut. Die SSL Plugins haben mir nie so recht gefallen deswegen ist das für mich ein Segen. Man muß natürlich mit manchen Parametern kreativ oder zumindest selektiv sein da die Plugins manchmal mehr Parameter als der SSL Controller Potis hat. Ein paar Potis habe ich dafür mit einem alten Dymo neu beschriftet, beim Amek Mastering Compressor bietet sich das an, was in echt ziemlich cool aussieht (wie das übrigens bei manchen Plugins da aber ein wenig blöd aussieht imho).
@Llisa Vielleicht wird Softube das ganze ja auch noch auf Drittanbieter Plugins erweitern. Mit Console kann man mittlerweile auch einige UAD Plugins steuern, das ist erst mit der Zeit nachgerüstet worden.
Sonst wäre der Dialr Controller eine alternative, der war auf der Superbooth ausgestellt und hat mir sehr gut gefallen. Preislich ist er allerdings kein Schnäppchen.
@toneup Sieht gut aus! Erinnert ein bißchen an den MP Midi Controller, aber ganz ohne Wrapper wenn ich es richtig verstehe. Aber jeder hat da seine Vorlieben, für Synths bin ich 100% RotoControl, andere mögen den gar nicht.
@Llisa Der RotoControl ist großartig
@DasIch&DerEr Richtiger Punkt. Durch die Fixierung allein auf Softube-Plugins ist man natürlich zukünftig davon abhängig, dass diese seitens des Herstellers auch weiterentwickelt und gepflegt werden. Und dass der Controller auch stets an aktuelle Betriebssysteme angepasst wird.
Ich stimme den bisherigen Kommentaren zu. Der Preis erscheint überzogen, wenn sich die Nutzung ausschließlich auf Softube beschränkt. Zudem ist das Fehlen einer Transportsteuerung ein deutlicher Nachteil. Wenn ich am Controller arbeite, habe ich weder Maus noch Tastatur griffbereit, wodurch der Workflow spürbar unterbrochen wird.
@Round Robin Die fehlende Möglichkeit einer Transportsteuerung sowohl bei Console / Console Fader und jetzt beim Flow wieder habe ich nie verstanden. Gerade der Flow hätte die Funktionalität eines SSL UF-1 zumindest teilweise gut übernehmen können.
Vielen Dank für den Beitrag. Ich kann nicht nachvollziehen, warum Softube so etwas auf den Markt bringt. Sobald es nach Fertiggericht klingt, bin ich raus. Ich wünsche es den fleissigen Schweden nicht, aber wahrscheinlich wird das am Ende eher ein Flop. Mich erinnert das an Industrien, die nach dem Ersten Weltkrieg plötzlich zivile Märkte erschließen mussten…dieselbe Logik, nur anders verpackt. Davon abgesehen wird es qualitativ und haptisch wohl in der oberen Liga mitspielen, wie alles andere von Softube. Ich würde mir weniger Fertiggerichte und mehr Innovation wünschen.
Software-Controller sind generell überbewertet.
Ich hätte aber gerne diesen Formfaktor als Monitor-Controller. 4 Stereo Eingänge (je 2 analog und digital), 4 Stereo Ausgänge (ebenfalls analog und digital) + Mono Subwoofer Ausgang (Lautstärke im Verhältnis der zu den Stereo-Ausgängen regelbar). Dazu eine „Echtzeit“ Anzeige der wesentlichen Audio Parameter des gerade aktiven Eingangs (dBFS, LUFS, Phasencorrelation, wenn Platz gern auch ne Frequenzkurve (FFT)). Und der Mainlautstärkeregler muss natürlich digital sein inklusive Anzeige der Ausgangsdämpfung (in xx,x dB), damit man einfach und reproduzierbar einen Referenzpegel einstellen kann.
2 ebenfalls digital (mit dB Anzeige) regelbare Kopfhörerausgänge braucht es auch.
Und natürlich Mono und Mute Schalter.
Wundert mich, dass es sowas noch nicht gibt. Wäre mir locker 1000 € wert.
@arnte Ich denke, so pauschal kann man nicht sagen, das Software Controller überbewertet sind. Wenn einem haptisch Knöpferldrehen lieber als Mausschubsen ist, wird man das anders sehen. Jedem sein Workflow. Aus eigener Vorliebe auf generell zu schließen würde ich mir nicht anmaßen. Ich persönlich schätze sehr, mit den sehr feinfühligen Reglern des Console mk3 EQ und Kompressor einzustellen. Andere erledigen das lieber mit Maus und Tastatur. Jeder wie er mag.
@toneup Yo, hab den Smiley vergessen bzw. die Präzisierung „für mich“.
Selbstverständlich kann jeder seinen workflow gestalten wie er will ✌
“ Kollege Toneup hat sich das Flow Studio zusätzlich zu seiner Console 1 gekauft. Hier sein kurzer Vergleich der beiden Controller und seine Meinung zum Flow Studio.
„Mein Fazit ist: Softube Flow Studio ergänzt Console 1 sehr gut. Console 1 klingt in meinen Ohren besser und feiner, Flow besticht aber durch den sprichwörtlich schnellen Workflow und kann ergänzend sehr gut als Kreativeffekt eingesetzt werden. “
Wie kann denn Console 1 besser und feiner klingen, wenn es die selben Plugins sind, die auf dem selben Rechner laufen?
@ollo Um ein Missverständnis aufzuklären, die mit Flow mitgelieferten Plugins sind nicht dieselben, die unter Console laufen. Unter Console läuft einmal primär der Console Core Mixing Channel und dann je nach zugekauften Plugins Emulationen amerikanischer und britischer Mischpulte oder (American, British Class A, Chandler Limited, Empirical Labs, Weiss). Jedes dieser Packs kostet mit 199,– Euro schon gut die Hälfte der Flow soft- und Hardware. Console zielt darauf ab, ein Hardware Mischpult zu emulieren, auf klanglich hohem Niveau, Flow ist vom Ansatz ein Konzept, im kreativen WorkFLOW schnell Klänge im Arrangement auf Basis von Presets aufzupolieren oder kreativ zu verändern, es ist mehr ein Effektgerät, denn ein Mischpult. Und diese zwei Konzepte kann man durchaus gewinnbringend parallel betreiben. Was zum Start leider gar nicht funktioniert hat, ist das beschriebene Durcheinander mit den Lizenzen. Das sollte einem so erfahrenem Hersteller wie Softube eigentlich nicht passieren.
Kommentare so:
Oh, ein neues Produkt (A). Ich hätte aber lieber ein Produkt (B), daher ist Produkt (A) scheisse.
Ich denke überall da, wo es auf Schnelligkeit ankommt, vor allem im professionellen Bereich, kann so ein Tool durchaus Sinn machen. Der beigelegte Controller ist ja nur ein Zusatz zum eigentlichen Produkt – so wie damals der Guitar Rig Controller.
Das ist natürlich nischig, besonders da geschlossenes System – dafür mussten aber wahrscheinlich auch weniger Kompromisse gemacht werden.
Für mich ist das sicher nichts – aber ich verdiene mit Musik auch nicht mein täglich Brot.
Und Controller für andere Zwecke gibt es ja viele.
Daher verstehe ich die negativen Kommentare hier nicht so recht.
@Basicnoise Versteh ich auch nicht. Konstruktiv eine Sache auseinander nehmen hat ja seine Berechtigung.
Aber das immer gleiche reflexhafte Schlechtreden eines Produktes, sehr gern von Personen die entweder nicht Zielgruppe sind (oder sein wollen) oder den aufgerufenen Preis nicht zahlen könnenwollen, das nervt hart…
Und Meister sind diejenigen, die nicht in der Lage sind eine andere Sicht als die eigene einzunehmen.
@justcloseyoureyes Steht ja auch explizit im Artikel: „Allerdings ist der Softube Flow Studio letztendlich nur für die interessant, die beim Mixing und Mastering komplett auf Softube-Plug-ins setzen.“ Das wird auch Softube klar sein :-)