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Test: Solar Guitars A1.7C G2, E-Gitarre

19. September 2021

Schwedischer Metal-Happen!

Manchmal wird man doch eines Besseren belehrt. Wer hat sich nicht schon einmal gefragt, für wie viele professionelle Anbieter der Gitarrenmarkt noch Platz hat. Eigentlich sollte man meinen, dass der kommerzielle Bereich längst abgedeckt ist, aber hin und wieder wird man doch überrascht. So gelang es zum Beispiel der im Jahr 2017 gegründeten Firma Solar Guitars durch die mittlerweile schon Maintream-hafte Präsenz extremer Metal-Richtungen und der stetigen Bewerbung durch den schwedischen Inhaber und YouTuber Ola Englund, eine stetig wachsende Gemeinde von Usern aufzubauen, ohne dass man auf den ersten Blick ein Alleinstellungsmerkmal erkennen kann. Inwieweit sich doch einige Besonderheiten in der Konstruktion der Marke befinden, soll der Test der Solar Guitars A1.7C G2 zeigen.

Der Aufbau der Solar Guitars A1.7C G2

Schaut man sich die Artist Seite auf der Solar Guitars Website an, wird die Zielgruppe des Herstellers eindeutig definiert. Von melodiösem Powermetal bis hin zu grunzendem Rülpsmetal ist alles vereint, was sich unter der Stilrichtung „Metal“ finden lässt. Umso mehr verwundert es, dass sich die präferierte Korpusform, neben einer obligatorischen Explorer- und Flying V Form, als klassische Powerstrat im Stil der Ibanez RG Serien widerspiegelt. Vielleicht spielt auch die Transportabilität eine Rolle, wer einmal versucht hat, etwas B.C.Rich-Artiges ohne passenden Formkoffer zu transportieren, weiß wovon ich rede.

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So kommt die zum Test vorliegende Solar Guitars A1.7C G2 optisch vergleichsweise dezent daher, wenngleich das matt-schwarze Finish in Kombination mit 2 explizit ausgeführten Shapings im Cutaway Bereich einen Hauch von SciFi-Attitüde aufkeimen lässt. Ein kurzer Blick auf die Graphit-Sattelbreite von 48 mm und die Anzahl der Solar-Locking 18:1-Mechaniken, bei diesem Instrument handelt es sich um eine 7-saitige Gitarre. Ein interessanter Schachzug, hat dieser Typ Instrument doch seit seines Zenits durch den Hype um die Nu-Metal-Band Korn Mitte der Neunziger stetig an Interesse bei den Usern verloren. Wer heute den tiefen Ton sucht, greift aus Übersichtlichkeitsgründen entweder zu einer tiefer gestimmten Standard-Gitarre, eventuell auch Bariton-Gitarre oder aber er springt auf den Djent-Zug auf und widmet sich der haptischen und harmonischen Herausforderung eines 8-saitigen Instruments.

Gefertigt wird das mit einem Ladenpreis von 1.159,- Euro gelistete Instrument wie viele andere Konkurrenten aus dem unteren und mittleren Preissegment in Indonesien, das China im Gitarrenbau längst den Rang abgelaufen hat. An Auswahl soll es dem vergleichsweise jungen Unternehmen nicht mangeln, nimmt man alle Finish-Varianten, Linkshänder und Bässe mit ins Boot, kommt man auf eine stattliche Auswahl von über 150 verschiedenen Modellen. Wie viele davon jedoch ständig lieferbar sind, kann man wohl nur im örtlichen Shop in Erfahrung bringen.

05-Solar Guitars A1 7C Test

Solar Guitars A1.7C G2 Back

Hölzer

In Sachen Holzauswahl geht das Unternehmen sehr konventionell zu Werke. Das Instrument besitzt einen durchgehenden Hals aus Ahorn, der bekanntermaßen ein sehr gutes Sustain gewährleistet und sich im Bezug auf die verbaute Evertune-Bridge als gute Ergänzung erweist. Das Halsprofil wird in den Unterlagen als C beschrieben, meines Erachtens handelt es sich aber eindeutig um ein kräftiges D, allein schon weil ein C im 7-Saiter-Bereich vom Griffradius her einige Einschränkungen mit sich bringen würde.

Für alle, die das Evertune-System noch nicht kennen, hier eine sehr kurze Zusammenfassung der Wirkungsweise. Es handelt sich bei dem System um eine weltweit einzigartige Brückenkonstruktion, die mittels einer aufwändigen Federkonstruktion das Instrument bei perfekter Justierung automatisch in Tune hält. Man kann das System so einstellen, dass es den anvisierten Ton immer hält und so zum Beispiel Bendings ignoriert bzw. ausgleicht oder aber man gleicht die Federspannung der Saitenspannung so an, dass Bendings mitgenommen werden können.

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Neben dem Vorteil, dass das System Temperatur- und Luftfeuchtigkeitsschwankungen ausgleicht, hat es auch den Vorteil, dass ungeübte Musiker, die den Saitendruck ihrer linken Hand (noch) nicht unter Kontrolle haben, dennoch bei Aufnahmen über eine einwandfrei gestimmte Gitarre verfügen, so dass man in nahezu jedem hochwertigen Mietstudio eine oder mehrere Gitarren mit diesem System findet. Der Nachteil des Systems liegt darin, dass aufgrund der großen Fräsarbeiten das Instrument an Sustain verliert und sich Bendings und Vibrati selbst bei perfekter Justierung etwas indirekter anfühlen als bei einem Stop-Tailpiece. Zudem ist die erstmalige Einstellung des Systems sehr aufwändig und muss bei jedem Wechsel der Saitenstärke erneut vorgenommen werden.

Um dem Korpus die nötige Form zu verleihen, wurden Flügel aus Erle verleimt. Um das allgemein schwarze Finish zu unterstützen, wurde ein Griffbrett aus Ebenholz verwendet, das über 24 Jumbo-Frets verfügt und an den Seiten mit fluoreszierenden Dot-Inlays versehen wurde. Auf Inlays auf dem Griffbrett wurde verzichtet, lediglich das auffällige Solar Guitars Logo wurde aus Marketing-Gründen auf dem 12. Bund platziert. Um der tiefen B-Saite einen definierteren Attack zu verschaffen, erhielt das Instrument eine überlange Mensur von 673 mm, was die Saitenspannung im Vergleich zur langen Standard-Mensur etwas erhöht. Die Solar Guitars A1.7C G2 verfügt über 2 von Seymour Duncan hergestellte Humbucker, die über einen leider etwas indirekten und leicht wackeligen 5-Wege-Schalter gesteurt werden. Dazu gesellen sich ein Mastervolume- und ein Mastertone-Regler.

05-Solar Guitars A1 7C Test

Solar Guitars A1.7C G2 Profil

Die Solar Guitars A1.7C G2 in der Praxis

Was während des ersten Anspielens direkt auffällt, ist das trotz der starken Evertune Bridge Ausfräsungen und der damit verbunden Gewichtsreduzierungen hohe Gewicht. Mit ca. 3,8 kg ist das Instrument zwar noch weit vom Achtziger Les Paul Knüppel entfernt, liegt aber deutlich über der typischen Powerstrat-Gewichtsklasse, die sich meistens knapp oberhalb von 3 kg bewegt. Trotzdem lässt sich das Instrument gut handhaben, was nicht zuletzt der guten Ergonomie geschuldet ist. Bis auf die spitzen Cutaway-Enden besitzt die Gitarre eine „fließende“ Form, die über keinerlei Ecken oder Kanten verfügt. Auch das vergleichsweise breite Griffbrett lässt sich gut greifen und bietet über den gesamten Griffbereich einen hohen Spielkomfort.

Erwartungsgemäß werden User, die erstmals eine Evertune-Brücke auf einem Instrument erkunden, dieser mit kräftigem Stirnrunzeln begegnen. In der Werkseinstellung ist das Instrument auf „maximale Stimmstabilität“ eingestellt, soll heißen, die Gitarre kommt gestimmt aus dem Transportkarton und verstimmt sich während der gesamten Spielzeit nicht mehr. Was auf den ersten Blick einen echten Freudentaumel erzeugt, weicht bei den ersten Leads einem panischen Gesichtsausdruck. Bendings? Vibrato? Alles tot! Der Ton bleibt in Sachen Frequenz, wo er ist, egal was man mit der Saite macht. Erst bei sehr starkem Ziehen springt der Ton schlagartig auf den nächsthöheren Halbton, um einen Millimeter weiter bereits einen Ganzton nach oben zu springen. Ein gleichmäßiges Annähern des Tons durch Saitenziehen ist nicht möglich.

05-Solar Guitars A1 7C Test

Solar Guitars A1.7C G2 Side

Der Fairness halber muss ich allerdings vermerken, dass ich persönlich eine VGS-Gitarre mit dem Evertun- System besitze, das auf „reguläres Saitenziehen“ eingestellt ist und losgelöst von meinem 013-056 Saitensatz in Standard-Tuning gut mit dem normalen Spiel klarkommt. Ich habe die Solar Guitars A1.7C G2 allerdings in der Werkseinstellung belassen, da die Umstellung des Systems auf meine Bedürfnisse ein mehrstündiges Prozedere ist, sich aber problemlos machen lässt.

Klanglich deckt die Solar Guitars A1.7C G2 alles ab, was man nicht nur, aber primär im Metal haben möchte. Der Fokus liegt auf Gain, mehr Gain und High-Gain, zumal sich die klassischen Palm-Muted-Attacken aufgrund der Vibratosystem-freien Brückenkonstruktion gut umsetzen lassen. Die Pickups haben ebenfalls einen sehr starken Höhenanteil, um die Aggression des Tons nochmals zu featuren, Will man tatsächlich nur den Rhythmus-Knüppel geben und hat keine Ambitionen, sein Spiel mit ausdrucksvollen Licks anzudicken, kommt man sogar mit der Werkseinstellung der Evertune-Bridge im typischen Thrash- etc. Bereich bereits sehr weit und braucht zudem in keiner Weise auf die Griffkultur seiner Greifhand zu achten. Allerdings offenbart sich je nach verwendeter Tonart ein Problem, wie man es auch von nicht abgedämpften Vibratofedern eines Floyd Rose Vibratosystems her kennt. Bei hartem Anschlag trifft man die Resonanzfrequenz der Evertune-Federn, was sich ein wenig anhört, als wenn man eine Hallspirale zusätzlich benutzen würde. Bei mir war es die Tonart „E“, sehr gut am Ende des Klangbeispiels 04 zu hören, wie die Federn weiterschwingen, obwohl alle Saiten abgedämpft werden.

Die Klangbeispiele wurden mit einem Engl Savage MKII, einem Marshall 412er Cabinet mit Celestion G75T und zwei  Shure SM57 erstellt.

05-Solar Guitars A1 7C Test

05-Solar Guitars A1 7C in der Praxis

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Fazit

Mit der Solar Guitars A1.7C G2 hat die Firma um YouTuber Ola Englund eine gute Gitarre mit guten Komponenten am Start. Die auf „Knüppel-aus-dem-Sack“ getrimmte 7-Saitige ermöglicht sowohl im Tief- als auch im Hochtonbereich eine entspannte Spielweise und sollte jeden Bereich der Hard’n’Heavy-Fraktion zufriedenstellen. Inwieweit das Evertune-Bridge-System dem eigenen Spielstil entgegenkommt oder ihn gegebenenfalls behindert, muss jeder Musiker für sich selber herausfinden.

Plus

  • Verarbeitung
  • Komponenten
  • Konzept

Minus

  • hakeliger 5-Wege-Schalter
  • Evertune Federn schwingen je nach Tonart auf

Preis

  • 1.159,- Euro
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Klangbeispiele
Forum
  1. Profilbild
    Django07  

    Hallo, ich habe zwei Evertune-Fragen aus der Perspektive des „ambitionierten Anfängers“:

    Situation: Mangels Könnens habe ich bei meinen Aufnahmen das Problem, dass die Gitarre sehr leicht gegen Spuren mit „hartem Tuning“ – also einem Synthesizer, falsch klingt. Grund ist, dass ich noch zu sehr beim Anpressdruck der linken Hand, aber auch beim Muting variiere. Ich rede von einigen Cent, die allein nicht auffallen, zusammen mit den o.g. Instrumenten aber wehtun.

    Die Lösung im Home-Studio ist, dass ich die Gitarre leicht verstimme, sodass mein Spielfehler ausgeglichen wird. Das muss natürlich bei jedem Wechsel der Spielart wiederholt werden.Die andere Lösung wäre einfach noch zwei Jahre warten, bis man halt gut genug spielt.

    Jetzt die konkrete Fragen:
    1. Ist das Evertune-System so sensibel, dass es diese Spielfehler ausgleichen kann?

    2.: Da ich vermute, dass die Spieltechnik nicht besser wird: Ist es sinnvoll, zum Üben auf einer Hardtail zu spielen, während beim Spiel auf die Gitarre mit Evertune zurückgegriffen wird? Oder ist das Spielgefühl etwas komplett anderes?

    Wie schon geschrieben: Es geht um den motivierten Anfänger, nicht um den Kollegen, der die Bünde nur als Orientierungspunkt verwendet und den Zielton aus den Fingern zieht… :-)

    • Profilbild
      Axel Ritt  RED

      Hallo Django07

      das Evertune System ist in der Tat primär für das von dir genannte Problem des hohen Saitendruck konzipiert worden und gleicht sogar Klammergriffe auf Schwarzenegger Niveau aus. Der Nachteil ist dann allerdings wie beschrieben, dass du keinerlei Modulationen wie Bendings oder Vibrati spielen kannst, was zu einer starken Minderung der persönlichen Ausdrucksmöglichkeiten führt.

      Ich empfehle dir auf jeden Fall auf einer regulären Gitarre zu üben und an deinem Manko entsprechend zu arbeiten. Je mehr du an dem Problem arbeitest, umso besser wir deine Fingerkontrolle, so dass du das Evertune System erst einmal nur zu Stabilisierung nimmst und es später einmal für das reguläre Spiel in der Standadrd Wirkungsweise einstellst.

  2. Profilbild
    tenderboy  

    Also das Bending ist imho überhaupt kein Problem, wenn man einfach ein bisschen knapper an den Punkt dreht, wo sich die Gitarre nach oben hin verstimmen kann.
    Man hat dann immer noch einiges mehr an Stimstabilität als ohne Evertune, aber kann dann schon relativ leicht vibrato und bending anwenden.

    Das ganze ist in weniger als 5 Minuten eingestellt.

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