More Channels for the People!
Der Solid State Logic SSL Alpha 8 ist ein AD/DA-Wandler, 8-Kanal ADAT Expander und ein Audiointerface in einem Gerät. Das 1 HE, 19“ Zoll Rackmount-Device kann in deinem Studio-Setup eine zentrale Rolle spielen, um maximale Flexibilität und Erweiterbarkeit zu einem bezahlbaren Preis zu erreichen. Um dies zu verstehen, müssen wir zusammen tiefer in die Materie eintauchen, einverstanden? Na, dann los!
Kurz & knapp
- Vielseitigkeit & Flexibilität: Der SSL Alpha 8 kombiniert AD/DA-Wandler, ADAT-Expander und Audiointerface in einem Gerät.
- Top Verarbeitung: Hochwertiges Metallgehäuse, professionelle Anschlüsse und intuitives Bedienkonzept.
- DC-coupled Ausgänge: Ideal für Modular-Synths und CV-Steuerung ohne MIDI.
- Starke Ausstattung: Pegelanpassung pro Kanal, Wordclock-Support und inklusive SSL Softwarepaket.
- Kritikpunkt: Kein Monitor-Out und keine Software-Konfiguration – als Standalone-Interface nur bedingt geeignet.
Inhaltsverzeichnis
Was ist der SSL Alpha 8?
Diese Frage ist nicht so leicht zu beantworten, denn man darf davon ausgehen, dass potenzielle Kunden den Alpha 8 aus unterschiedlichsten Beweggründen erwägen. Ganz offensichtlich ist er ein 8-In/8-Out ADAT-Expander – man kann also sein bestehenden Audiointerface via ADAT-Schnittstelle um 8 Line-Level-Kanäle ergänzen. Hier empfiehlt der Hersteller natürlich sein eigenes Audiointerface SSL 18, das wir zuletzt „sehr gut“ getestet haben.
Aber im Grunde kann jedes Interface mit entsprechenden ADAT-Schnittstellen genutzt werden. Dazu verbindet man diese mit einem Lichtleiterkabel und schon zeigt die DAW acht weitere Kanäle an, die für jegliche Art von Instrumenten und Effekten genutzt werden können.
Dazu sind die Ausgänge DC-coupled, was bedeutet, dass man analoge Synthesizer und Drummachines ohne MIDI per CV ansteuern kann. Auch modulare Synthesizer freuen sich über diese Option.
Dann ist es möglich, die Kanäle 1 & 2 als S/PDIF-to-ADAT zu nutzen und die sechs weiteren Kanäle als Analog-to-ADAT Umsetzung. So kann man beispielsweise ein Modeling-Pedal für E-Gitarren digital über S/PDIF verbinden und die restlichen sechs Kanäle für Geräte mit analogem Ausgang.
Alternativ kann das SSL Alpha 8 auch als Standalone-8-Kanal-Audiointerface genutzt werden. Allerdings ist „Standalone“ hier relativ zu sehen, denn an der Front gibt es keinen Pegelregler. Man würde also ein analoges Mischpult oder Mikrofon-Preamps analog anschließen und diese über den Alpha 8 dann in der DAW verfügbar machen.
Da der Alpha 8 auch nicht über dedizierte Monitorausgänge verfügt, würde man diese dann über das Mischpult oder einen externen Monitorcontroller anschließen (müssen).
Die Ausstattung des SSL Alpha 8
Der Alpha 8 ist ausgesprochen gut ausgestattet, gar keine Frage. Als erstes sticht mir der Kopfhörerausgang samt Volume-Regler ins Auge, der für diese Geräteklasse eher untypisch ist. Dann acht Select-Buttons im klassischen SSL Viereck-Design.
Weiter geht es mit der Bedieneinheit für die Auswahl der Pegelanzeige (IN, OUT) und die Umschaltung für digital oder analog neben dem recht übersichtlichen Display. Dieses bietet multiple Arbeitsmodi, wie die Peak-Anzeige, Samplerate, Wordclock-Modus und eine 4-stufige Pegelauswahl (+9, +18, +20, +24 dB), die für jeden Kanal separat eingestellt werden kann. So kann man unterschiedlich laute Quellen anpassen. Dabei sind die Werte so gewählt, wie in der professionellen Audiotechnik üblich. Dazu wählt man zuerst per Select-Button den gewünschten Kanal aus (wird per roter LED angezeigt) und kann danach mit dem Level-Knopf nun einen der vier Basislevel anwählen.
Mit dem „Clock“ beschrifteten Button wird die Betriebsauswahl der Wordclock festgelegt. Entweder man verwendet die interne Clock des Alpha 8 oder eine externe Wordclock über die rückseitigen BNC-Buchsen, die S/PDIF-Ports oder ADAT.
Der SSL Alpha 8 verfügt über einen AD/DA-Wandler mit maximal 32-Bit und 192 kHz Samplerate und so kann dieser Wandler mit dem „RATE“-Button mit 44,1, 48,0, 88,2, 96,0, 172,4 oder 196 kHz arbeiten.
Sehr erfreulich: Der Alpha 8 verfügt auf der Frontseite über einen Ein-/Ausschalter.
Anschlüsse
Die Rückseite ist schnell erklärt: acht Eingänge, acht Ausgänge (jeweils symmetrisch), die BNC-Buchsen samt Terminierung für die Wordclock, je zwei optische Ports (ADAT oder S/PDF) und sogar zwei Cinch-Buchsen für S/PDIF über Kupferleitung.
Dazu gesellen sich ein USB-C-Port für die Verbindung mit dem Mac/PC und – ebenfalls sehr erfreulich – die Kaltgerätebuchse für das interne Netzteil.
In Sachen Software lässt sich SSL nicht lumpen und spendiert dem Alpha 8 das SSL Produktion Pack mit einer ganzen Menge nützlicher Tools, inklusive Ableton Live Lite und den SSL Vocalstrip und Drumstrip Plug-ins.
Alles in allem ist der SSL Alpha 8 ein sehr gut ausgestattetes Gerät, das keine Wünsche in Sachen Konnektivität offenlässt. Natürlich darf man immer gerne von einer Dante-Schnittstelle träumen. Betrachtet man Preis und Zielgruppe, dann gibt es aber hier definitiv nichts meckern.
Verarbeitung und Bedienung des SSL Alpha 8
Auch dies ist ein sehr erfreuliches Kapitel. Das Gerät wirkt wie ein zweieiiger Zwilling des Audiointerface SSL 18 und passt auch gut in die 19 Zoll Familie mit den Pure Drive Mikrofon-Preamps, dem Fusion Multieffekt und The Bus+ Kompressor.
Die Bedienung ist intuitiv und auch wenn man das Handbuch nicht zu Rate ziehen möchte, so versteht man die die Bedienlogik sehr schnell. Über USB verbunden, meldet sich das Gerät sofort am Mac (class compliant) und wird in der DAW sofort erkannt.
Die Verarbeitung des Alpha 8 ist ohne jeden Makel. Obwohl Solid State Logic diese Geräte in Fernost fertigen lässt, kann man keine Schwachstellen erkennen. Metallgehäuse, Schalter, Buchsen, Display: alles ist von sehr guter und absolut professioneller Qualität.
Einzig das Knacken der Line-In Kanäle beim Einschalten des Geräts ist mir als Kritikpunkt aufgefallen.
Hier die wichtigsten Daten des SSL Alpha 8 im Überblick:
Der SSL Alpha 8 in der Praxis
In meinem Setup habe ich verschiedenen Szenarien mit dem SSL Alpha 8 getestet:
-
ADAT Expander
Ein einfaches Setup: ein optisches Kabel vom ADAT-Ausgang des Audiointerfaces in ADAT-IN des SSL und ein weiteres vom Ein- zum Ausgang, fertig. Die Ein- und Ausgänge werden nun mit meinen Effektgeräten (Kompressor, Equalizer) und meinem BOSS GT1000 CORE Effektpedal verbunden. Nun habe ich diese Geräte beliebig ohne weitere Umsteckerei parat und kann diese schnell und unkompliziert aktivieren und in verschiedenen Reihenfolgen ansteuern.
Durch die Anpassung an den Referenzpegel habe ich nun eine sehr nützliche Erweiterungseinheit für mein Audiointerface gefunden. Die Anschlüsse am Apollo X6 bleiben so für weitere Instrumente und Mikrofone frei.
-
ADAT Expander mit externer Wordclock
In meinem Setup nutze ich einen SSL Pure Drive Quad Mikrofon-Preamp, der selber mit einem AD/DA-Wandler ausgestattet ist und auch intern sowie extern per Wordclock getaktet werden kann. Mit den entsprechenden BNC-Kabeln und einer Kupplung am Apollo X6 kann ich nun die Clock des Alpha 8 für das Apollo Interface und den Pure Drive nutzen. Auf digitaler Ebene ist dies der ideale Zustand, denn alle Geräte werden von zentraler Stelle synchron getaktet.
-
SSL Alpha 8 als Audiointerface
In diesem Setting verbinde ich den SSL Pure Drive Quad mit dem SSL Alpha 8, dazu diesen per USB mit der DAW (Logic Pro). Als Monitorcontroller setze ich einen Mackie Big Knob Studio+ ein, mit dem ich den Master-Pegel der Lautsprecher regle.
Auch dieses Setup funktioniert einwandfrei, wobei ich diesen Einsatz als etwas umständlich empfinde, denn der Alpha 8 verfügt über keinerlei Konfigurations-Software. Auch über SSL 360° wird das Gerät nicht angezeigt.
Nur wenn man ein unterstütztes SSL-Gerät verwendet, dann kann man die Kanäle des Alpha 8 sehen – aber nicht konfigurieren.
Hier würde ich definitiv die Anschaffung eines dedizierten Audiointerfaces mit ADAT-Interface (SSL12 oder SSL 18) empfehlen. Als Standalone-Audiointerface sind sonst (zu) viele Einschränkungen notwendig.
Die Mitbewerber des SSL Alpha 8
Ich durfte in den vergangenen Monaten einige ADAT-Expander testen und ich wurde nie enttäuscht. Sowohl die Kombination aus dem Arturia AudioFuse X8 OUT und X8 IN hat mich überzeugt als auch das Black Lion Audio Revolution EXP, das ich mir letztlich in einer Promoaktion günstig gekauft habe.
Gerade letzteres ist seit seiner Preissenkung auf 890,- Euro (vormals 1.089,- Euro) eine echte Alternative zum SSL Alpha 8. Der Vorteil des Black Lion liegt sicherlich bei seiner exzellenten Macro MMC Clock, wobei das SSL eine vierstufige Pegelanpassung besitzt (Black Lion nur -10 dB Pad) und dazu noch S/PDIF über Cinch ermöglicht.
Auch die Konfiguration mit 2x digital und 6x analoge Kanäle kann nur der SSL. Klanglich trennen die beiden Kontrahenten nur kleinste Nuancen, wobei ich den Black Lion Audio eine Nasenspitze weiter vorne sehe (was im Studioalltag eher zweitrangig ist).
Die Arturias sind meinem Empfinden nach etwas weniger flexibel in der Konfiguration, aber hier hat man den Vorteil, dass man wahlweise nur Eingänge (X8 IN) oder nur Ausgänge (X8 OUT) kaufen muss.
Und jetzt noch eine kleine Werbung: aktuell kostet der SSL Alpha 8 bei Thomann.de nur 777,- Euro, was eine 18 % Ersparnis gegenüber dem Listenpreis (951,- Euro) darstellt. Bei Interesse also schnell zuschlagen!
Sie sehen gerade einen Platzhalterinhalt von YouTube. Um auf den eigentlichen Inhalt zuzugreifen, klicken Sie auf die Schaltfläche unten. Bitte beachten Sie, dass dabei Daten an Drittanbieter weitergegeben werden.



















































„Dazu sind die Ausgänge DC-coupled, was bedeutet, dass man analoge Synthesizer und Drummachines ohne MIDI per CV ansteuern kann. Auch modulare Synthesizer freuen sich über diese Option.“
Könnte mir das der Tester erklären ???
@maga Viele analoge Synths lassen es zu, dass bestimmte Parameter über Control Voltage moduliert / gesteuert werden können. Soll diese aus dem Rechner kommen, müssen die Ausgänge der Soundkarte, die dafür genutzt werden, DC-coupled sein.
https://de.wikipedia.org/wiki/Steuerspannung
https://www.gearnews.de/modularsystem-per-daw-steuern/
Bei üblichen Audio-Interfaces sind die Ausgänge AC-gekoppelt, also mit Kondensatoren versehen, die Gleichspannungen blockieren.
Dadurch wird verhindert, dass z. B. Offset-Spannungen an Lautsprecher weitergegeben werden. Diese Filter schützen das Audio-Equipment, verhindern aber auch, dass du statische Spannungen oder sehr langsame Spannungsänderungen über die Ausgänge senden kannst.
Ein DC-gekoppelter Ausgang lässt auch langsame oder konstante Spannungsänderungen durch:
Spannungsänderungen von z. B. 0 V bis +5 V (oder –5 V bis +5 V) sind direkt übertragbar.
Die Ausgänge verhalten sich eher wie analoge CV-Ausgänge (Control Voltage), wie man sie aus der modularen Synthesizer-Welt kennt.
CV/Gate Output
Du kannst Hüllkurven, LFOs, Sequenzen als Spannungen ausgeben und damit Modularsysteme steuern.
Silent Way / CV Tools
Software wie Expert Sleepers Silent Way oder Abletons CV Tools nutzen diese Funktion zur Kommunikation mit analogem Gear.
Modular-Synth Integration
Du brauchst kein MIDI-to-CV Interface, sondern kannst direkt aus dem Rechner Spannungen schicken.
Latenz: Einige Rückmeldungen im Gearspace-Forum sprechen von leicht höheren Latenzen im Vergleich zu Konkurrenz-Wandlern, was aber in der Praxis bei vielen Anwendern kein Problem zu sein scheint.😀
@CDRowell Danke !
Wieder was gelernt !
👍
@CDRowell Vielen Dank, CDRowell – besser hätte ich es nicht schreiben können! 👍
Hallo, grundsätzlich meldet sich das Gerät ohne weitere Treiber am Mac an und kann als Audiogerät betrieben werden. Allerdings muss man sich klar sein, dass es keine klassischen Monitor Outs mit Volumeregler gibt, sondern ein Monitorcontroller genutzt werden sollte.
Frage mich, ob ein Ferrofish Pulse 16 oder Pulse 16MX (mit MADI) nicht die bessere Wahl wäre.
Der Ferro wäre zwar nicht als Audio-Interface nutzbar, jedoch
– 16x analoge Ports
– 4x ADAT I/O (double speed auch mit 16 Kanälen möglich)
– flexiblere Routingmöglichkeiten
– Pulse 16 kostengünstig auf MADI erweiterbar
– optional: +24 dBu Variante als BTO
Beim SSL hört sich der Preis natürlich wunderbar an (€777 bei T.) ist aber auch mit 18% rabattiert.
Der UVP liegt bereits nahe an den € 999 des Ferrofish Pulse 16.
@tubeheat Der Pulse16 ist super und in P/L kaum zu schlagen.
Der hätte hier gerne im Vergleich erwähnt werden können.
Ich hatte vorher zwei ADA8200. Die hatten beide extremes Übersprechen (Channelbleeding) und gingen zurück.
Der Ferrofish ist Top.
@Urs Der Pulse 8AE ist bei mir schon eine Weile im Rack. Kann ich nur empfehlen!
@Urs Ich habe mich mal mit einem Ex-Behringer-Mitarbeiter über das 8200 unterhalten, und der meinte, die Unterschiede lägen nur darin, daß das 8200 nicht so warm wird.
Ich habe die MIDAS-Preamps erwähnt, aber er sagte, das wäre Marketing-Quatsch.
@mort76 👍