Vielseitiger Channel-Strip im 19-Zoll-Format
Der SSL Revival 4000 ist ein 1-Kanal Channel-Strip, der die technischen Komponenten der berühmten SSL 4000 Konsolen in sich trägt und so den legendären Klang vieler legendärer Aufnahmen erschwinglich macht. Das 1 HE große Rackmount-Gerät ist dabei vollgepackt mit interessanten Funktionen, die einem Tester wahrlich das Herz aufgehen lassen. Ich nehme euch auf meiner Erkundungstour des SSL Revival 4000 gerne mit.
- Klang: Klar, druckvoll und flexibel, ideal für Vocals, Instrumente und Mix-Bus.
- Ausstattung: Vollbestücktes 1 HE Rack-Gerät mit De-Esser, Kompressor, Gate, EQ und Routing-Optionen.
- Verarbeitung: Hochwertige Bauteile, stabile Konstruktion, sehr gute Bedienbarkeit.
- Fazit: Originaler SSL-Sound mit enormer Funktionsvielfalt zu fairem Preis – uneingeschränkt empfehlenswert.
Inhaltsverzeichnis
Worum geht es beim SSL Revival 4000 Channel-Strip?
Hersteller mit einem starken Markennamen untermauern diesen Namen meist mit einer simplen Zahl. Bei Porsche ist es die 911, bei Neve ist es 1073 und bei SSL ist es die magische Zahl 4000. Mit dem Verkauf einer Mixing-Konsole im Jahre 1976 mit der Bezeichnung Solid State Logic 4000 begann die Legendenbildung und diesem speziellen Sound, der bis heute die Musikindustrie nachhaltig beeinflusst hat.
Der Sound ist klar und druckvoll, ideal für Kompression, EQing, für den Mix-Bus und die Summierung. Dieser Klang steht im Kontrast zu den Neve 1073 Preamps, die durch den Einsatz eines Marinair Überragers warm und bauchiger klingen.
Im SSL 4000 Channelstrip arbeitet der JT-115K-E Jensen Übertrager, der am besten klingt, wenn er schön heiß angefahren wird. Natürlich gibt es noch viele andere Unterscheidungsmerkmale, aber hier scheint – so sagen es die Legenden – der wesentliche Klangunterschied zu liegen.
Der SSL Revival 4000 vereint die besten Eigenschaften der Modellreihen 4000B (ab 1976) mit dem berühmten Kompressor/Limiter und dem De-Esser sowie der Version 4000E (ab 1979) mit dem Jensen Übertrager.
Dazu kommt ein diskreter Class-A VCA-Chip und der E-Series-Equalizer mit vier Bändern – inklusive dem „Brown Knob“ (02) und dem „Black Knob“ (242). Der „Brown Knob”-EQ umfasst zwei vollständig parametrische Mittenbänder mit dem charakteristischen symmetrischen Design von SSL, das unabhängig von den Gain- oder Frequenzeinstellungen für konsistente musikalische Intervalle um die Mittenfrequenz sorgt. Die Höhen- und Tiefenbänder sind 6 dB/Oktave-Shelving-Filter mit der Option, auf eine feste Q-Bell-Response umzuschalten. Dieser EQ wurde zu einem festen Bestandteil der Aufnahmen und Mixe der frühen 80er-Jahre.
1983 wurde in Zusammenarbeit mit George Martin eine neue EQ-Schaltung, der 242, für die erste SSL-Konsole entwickelt, die in den AIR-Studios installiert wurde. Das als „Black Knob”-EQ bekannte Filter bot größere Cut- und Boost-Bereiche (±18 dB gegenüber ±15 dB), eine verbesserte Regelungsreaktion und ein steileres 18 dB/Oktave-Hochpassfilter, wodurch eine präzisere Steuerung der tiefen Frequenzen und eine größere klangliche Flexibilität erreicht wurden.
Die Ausstattung des SSL Revival 4000
Die Frontplatte des SSL Revival 4000 ist voll bestückt mit Reglern und Knöpfen, die im Look & Feel dem Channel-Strip der Konsole ähneln.
Jede Sektion des Revival 4000 hat seine Spezialität und um den Rahmen hier nicht zu sprengen, gehe ich nur auf die interessantesten Funktionen ein: Über den Eingang, der bis zu 70 dB Gain liefert und den 4000B-type De-Esser haben wir schon gesprochen.
Der Kompressor ist mit einer Fast-Attack-Schaltung (3 ms), einer Hard-Knee-Option für eine aggressive Kompression und dazu einer Linear-Release-Option ausgestattet, die die Release-Charakteristik von logarithmisch zu linear umschaltet. Auch beim Gate lässt sich Fast-Attack aktivieren (100 Mikrosekunden pro 40 dB) sowie Range und Threshold einstellen.
Der Equalizer des Channel-Strips arbeitet ab Werk im Brown-Knob-Modus, kann jedoch in die Black-Knob-Version umgeschaltet werden (BLK Switch). Mit „DNY S/C“ aktiviert man die dynamische Side-Chain-Option, deren Signal auf der Rückseite eingespeist wird. Die Bässe (LF) und die Höhen (HF) können zwischen Shelving-Charakteristik und Glocke (Bell) umgeschaltet werden.
Die Routing-Sektion ändert die Reihenfolge der Effekte: So kann man den Kompressor/Gate hinter den Equalizer schalten und auch den De-Esser hinter den EQ setzen. Mit Ext Dyn S/C wird die externe Side-Chain-Quelle (beispielsweise für einen Drumcomputer oder ein Bass) aktiviert.
Ganz rechts auf der Frontplatte des SSL 4000 befindet sich die Ausgangssektion mit der Möglichkeit, den Insert-Point zu setzen: Mit Druck auf die OP-Taste wird der Insert ganz ans Ende der Effektkette gesetzt. Dieser befindet sich ansonsten am Anfang, direkt nach der Eingangssektion.
Alle Funktionen des SSL Revival 4000 werden mit einer farbigen LED gekennzeichnet. Dazu bietet er drei LED-Ketten, jeweils für den De-Esser (drei Elemente), für die Kompression und den Output (jeweils fünf LEDs).
Anschlüsse
Auf der Rückseite des SSL Revival 4000 finden wir, neben der Strombuchse, einen Line- und einen Mic-Eingang (jeweils XLR), einen Insert-Send/Return für die Einbindung eines Insert-Effekts, einen Dynamics-Sidechain-EXT-Input und eine Side-Chain-Link-Buchse für die Verbindung der Kompressor-Sektionen von zwei SSL Revival 4000 Einheiten. Hinzu kommt noch der symmetrische Ausgang (XLR).
Technische Daten, Verarbeitung und Einordnung
Die technischen Daten sind über jeden Zweifel erhaben. Bis zu 70 dB Gain und eine Dynamikbandbreite von bis zu 130,6 dBU (70 dB A-gewichtet) und ein ultralinearer Frequenzgang sind ein Statement. Alle anderen Werte sind ebenfalls State-of-the-Art und so kann man sicher sein, sich mit dem SSL Revival 4000 einen rausch- und verzerrungsfreien Channel-Strip ins Studio zu holen.
Die Verarbeitung des Channel-Strips befindet sich auf sehr hohem Niveau und ich kann selbst mit einer Lupe keine Schwachstelle finden. Na gut, die Mic-Buchse könnte eine Verriegelung vertragen, aber ansonsten sind alle Schalter und Regler gut zu bedienen, auch wenn man natürlich bei einer so vollbestückten Frontplatte schmale Finger braucht. Das ist bei dieser Ausstattungsfülle aber zu verzeihen.
Die Einordnung des Channel-Strips halte ich noch für einen wichtigen Punkt, denn im SSL-Portfolio befinden sich sowohl die Audiointerfaces mit 4000er-Button als auch die PureDrive-Mikrofonpreamps. Und weil es so schön ist, gibt es zusätzlich noch die „Six“ Konsolen von SSL:
- Die Audiointerfaces SSL 2, 2+, 12 und 18 bieten eine 4K-Option, die über Klanganpassung und zum Teil analoge Bauteile den Klang der 4000er Konsole simuliert.
- Die Pure Drive Quad und Octo Preamps bieten echte analoge Vorverstärker nach dem Prinzip der originalen Konsole von SSL mit zusätzlichen klangverändernden Möglichkeiten („Drive“).
- Die Mixer SSL SiX und BiG SiX verwenden die SSL „SuperAnalogue“-Preamps mit zusätzlicher G-Series-Kompression aus der 4000G Konsole (laut SSL mit identischen Schaltkreisen).
Der SSL Revival 4000 Preamp in der Praxis
Egal, ob man nun SSL 4000er Fan ist oder nicht: Der Anschluss und die Bedienung des Revival-Channel-Strips ist sehr einfach. Mikrofon an Mic In und den Output mit einem freien Line-Channel am Audiointerface anschließen. Dann checken, ob man für ein Kondensatormikrofon die 48 V Speisung benötigt und mit Hochdrehen des Gain-Reglers wird ein Signal durch den Revial 4000 in das Audiointerface geschickt.
Mit dem jeweiligen „IN“-Button werden die Sektionen aktiviert: De-Esser, Kompressor etc. Hier kommt es natürlich auf die Umgebung (Mikrofon, Quelle, Raum etc.) an, wie man die Einstellungen wählt.
Zur Einordnung des Klangs innerhalb der SSL Preamps habe ich mein Lewitt LCT 640TS Stereomikrofon mit einem Kanal an den SSL Revival 4000 angeschlossen und mit dem zweiten Kanal an meinen SSL PureDrive Quad. Alles ohne weitere Filter oder spezielle Drive-Parameter:
So kann man die unterschiedlichen Klangcharaktere der beiden Preamps deutlich erkennen: Der Revival klingt weniger hell, aber trotzdem transparent und im Vergleich wärmer als der SuperAnalogue Preamp im PureDrive Quad.
Das wahre SSL 4000 Erlebnis kommt jedoch erst zustande, wenn man die Feinheiten beherrscht. Das bedeutet: lieber mehr Gain als zu wenig. Wenn es zu laut wird, dann mit Trim und Output regulieren.
Das Geheimnis liegt im perfekten Gain-Staging, also der Pegel-Abstimmung der einzelnen Module untereinander. Ein Chris Lord Alge würde wie erwähnt sehr heiß reingehen, schnelle und starke Kompression wählen und die Frequenzenden etwas boosten – aber dies eher sanft.
Hier ein Klangbeispiel mit einer Gibson Les Paul an einem BOSS GT1000 Effektprozessor. Einmal durch den SSL Revival 4000 ohne Filter und mit hohem Gain, dann mit viel Kompression. Höhen und Bässe mit dem EQ betont und zuletzt mit hoher Kompression und starken Mitten:
Beim Herantasten an den optimalen Klang geht man auch beim SSL Revival 4000 üblicherweise von links nach rechts vor. Input Gain, Kompressor, EQ und dann den Ausgang anpassen. Dabei ist Fingerspitzengefühl angesagt und im Zweifel gilt: Weniger ist mehr (bis auf den Gain). So bekommt die Stimme mehr Kraft und Raum im Mix, die Gitarre ist dynamischer und strahlt mehr und die Kick drückt, ohne mumpfig zu werden.
Dabei sehe ich den Klang des SSL Revival 4000 persönlich vor dem 1073 von Neve, denn SSL bietet mit diesem Channel-Strip aus meiner Sicht einen breiteren Einsatzbereich, denn dieses wirklich schöne Warme eines Neve kann bzw. muss nicht immer zum Ziel führen, während man mit den 4000er praktisch in jedem Setting das Beste aus der Spur herausholt.
Als Stereoset kann man ein Pärchen Revival 4000 auch bestens im Mastering-Prozess einsetzen, auch wenn so manchem Ingenieur hier vielleicht die absolute Feinheit in den EQ-Bändern fehlen könnte. Hier hilft aber der Insert des SSL, der ein Einspeisen eines Enhancers oder Mastering-EQs ermöglicht und so auch beim finalen Abstimmen des Mixes eine sehr überzeugende Vorstellung abliefert.
Die Mitbewerber des SSL Revival 4000
Eigentlich ist diese Frage fast schon blasphemisch! Mitbewerber einer Legende? Wenn man sich von diesem Stigma befreit hat, dem wäre bei einem vergleichbaren klaren und transparenten Klang der formidable SSL Channel One Mk3 (Premium) empfohlen:
Oder als Preistipp der Drawmer 1977.
Natürlich auch die diversen Neve Originale und Klone. Allen Mitbewerbern ist aber gemein, dass sie nicht die Ausstattungsfülle des Revival 4000 bieten.
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Unter den Mitbewerbern hat sich ein kleiner Fehler eingeschlichen, dort ist der Channel One Mk3 von SSL empfohlen, der ist aber von SPL.
Dieser Kommentar kann dann gerne gelöscht werden, falls das überhaupt so einfach geht.
Was ich grade nicht verstehe: „ein diskreter Class-A VCA-Chip“.
Mein Verständnis vom gängigen Sprachgebrauch:
„diskret“ – Aufbau ohne integrierte Schaltkreise
„Chip“ – umgangssprachlich für einen integrierten Schaltkreis.
(und ja, mir ist bewußt, daß SSL das zumindest einmal auf der verlinkten Seite genauso schreibt).
Welches isses nun? Kann man in das Testgerät reinschauen? ;)
@moinho Jo, das hätte damals in der E-Technik Uni auch Punktabzug in der Klausur bedeutet…
Aber Marketing Abteilungen sind halt kreativ!
@moinho im computerbereich kann „diskret“ ja auch bedeuten, daß ein chip für eine spezielle aufgabe vorhanden ist, wie z. b. ein grafikchip….