Das eigene Tonstudio klonen?
Das wichtigste Werkzeug für uns Tonschaffende sind wohl unzweifelhaft unsere Ohren. Gleich danach in der Wichtigkeit kommt sicherlich die Raumakustik. Denn nur wenn wir klar und deutlich hören, was aus unseren Lautsprechern kommt, können wir auch einen überzeugenden Mix erstellen. Eine Firma, die das schon lange erkannt hat, ist Sonarworks. Mit dem Sonarworks Virtual Monitoring PRO bietet das Unternehmen ab sofort eine Software an, die den Klang des heimischen Studios eins zu eins auf die eigenen Kopfhörer übertragen kann.
- Funktionsprinzip: Das System erstellt ein individuelles Profil aus Raum, Lautsprechern und Kopfhörern und simuliert diese Abhörsituation über Kopfhörer.
- Praxisnutzen: Mixing- und Kontrollarbeiten sind zeit- und ortsunabhängig möglich, ohne auf die gewohnte Klangreferenz verzichten zu müssen.
- Einrichtung: Die Profilerstellung ist einfach, schnell erledigt und erfordert keine tiefgehenden technischen Kenntnisse.
- Zusatzfunktionen: SoundID Reference bietet zusätzlich Kopfhörer-Korrekturen und Referenzabhören wie Autoradio oder Smartphone-Speaker.
- Einschätzung: Ein sehr hilfreiches Werkzeug für Kopfhörerarbeit, das gute Abhörbedingungen erweitert, aber keinen guten Mix ersetzt.
Inhaltsverzeichnis
Schon seit etlichen Jahren bietet Sonarworks ein System, bestehend aus Software und Messmikrofon, an, mit dem man die heimische Regie optimieren kann. Dazu werden mittels Messung die Ungleichheiten im Frequenzgang erkannt und ein entsprechendes Profil erstellt. Dieses Profil, einer EQ-Kurve nicht unähnlich, kann dann in der mitgelieferten Software SOUND ID Reference genutzt werden, um den Frequenzverlauf der eigenen Lautsprecher zu optimieren. Das ersetzt keine akustische Behandlung der eigenen Regie, kann aber helfen, die letzten paar Prozent heraus zu kitzeln.
Mit dem heute hier im Test vorgestellten Sonarworks Virtual Monitoring PRO geht das Unternehmen noch einen Schritt weiter. Wie eingangs erwähnt, ermöglicht diese, den Klang des heimischen Studios oder auch jedes anderen Regieraums auf die eigenen Kopfhörer zu übertragen. Das Versprechen dabei: Man kann zu jeder Tages- und Nachtzeit und auch räumlich unbeschränkt so mischen und mastern, als ob man in der wohlbekannten Regie sitzen würde.
Übersicht: Sonarworks Virtual Monitoring PRO System
Was genau aber macht dieses System und wie funktioniert es? Das möchte ich nun Schritt für Schritt erklären, um dann später darauf einzugehen, wie gut das in der Praxis funktioniert.
Um Sonarworks Virtual Monitoring PRO nutzen zu können, sind im Lieferumfang ein kleines USB-Interface und ein Paar mitgelieferte In-Ear-Kopfhörer enthalten. Diese In-Ear-Kopfhörer enthalten Mikrofone, um die Messung durchzuführen. Hier ist wichtig zu verstehen: Die mitgelieferten In-Ear-Kopfhörer dienen lediglich der Messung. Das tatsächliche Arbeiten mit dem eigens erstellten Profil findet mit den eigenen Over-Ear-Kopfhörern statt.
Von der Website des Herstellers muss man sich zusätzlich noch die entsprechende Software herunterladen, die sowohl für Mac als auch für PC auf den aktuellen Betriebssystemen verfügbar ist.
Wichtig zu wissen: Das System funktioniert nur mit Stereoabhören. Eine Variante für Mehrkanalformate wie Dolby Atmos ist bisher nicht erhältlich.

Schritt für Schritt wird man in Sonarworks Virtual Monitoring PRO durch die Erstellung eines Profils geführt
Alternativ zur Verwendung des Plug-ins bietet Sonarworks auch eine Standalone-Variante von Sound ID Reference an, die systemweit arbeitet. Möchte man diese nutzen, so muss man in der DAW eben diese systemweite Software als Audioausgang definieren und in der Sound-ID-App das gewünschte Audiointerface als Ausgang auswählen.
Diese Variante hat den Vorteil, dass man beim Exportieren nicht vergessen kann, das Plug-in auszuschalten, da es sich außerhalb der DAW befindet. Außerdem hat man auf diese Art und Weise auch die Möglichkeit, etwa Musik von Spotify oder YouTube korrigiert zu hören.
Bevor man die Vorteile von Sonarworks Virtual Monitoring PRO nutzen kann, muss man sich zunächst ein eigenes Profil erstellen. Nach der Installation findet sich dazu neben Sound ID Reference eine weitere Applikation auf dem heimischen Rechner, die sich SoundID Virtual Monitoring PRO Measure nennt. Diese Software dient lediglich für den Messvorgang und wird später nicht mehr benötigt.
Um ein solches Profil zu erstellen, muss man lediglich den entsprechenden Befehl wählen und wird dann von der Software Schritt für Schritt durch den Prozess geführt. Zunächst wird dabei kontrolliert, ob die USB-Soundkarte und die mitgelieferten In-Ear-Kopfhörer korrekt angeschlossen sind und funktionieren. Danach werden diverse Testtöne über die eigenen Monitorboxen abgespielt. Hierbei handelt es sich um kurze Sinustöne und Sweeps. Das Ganze dauert zwei, drei Minuten.
Im nächsten Schritt wird man aufgefordert, sich die eigentlichen Over-Ear-Kopfhörer über die In-Ear-Kopfhörer aufzusetzen. Und nun werden auch über diese Kopfhörer einige Signaltöne geschickt, um den Frequenzverlauf des Kopfhörers zu messen und zu berechnen. Ist auch dieser Vorgang abgeschlossen, erstellt die Sonarworks-Software das Profil des eigenen Studios.

Die mitgelieferten Kopfhörer des Sonarworks Virtual Monitoring PRO Pakets dienen zum Erstellen eines Profils
Dieses Profil kann man jetzt unter einem selbstgewählten Namen speichern und auf Wunsch noch mit einem Foto des eigenen Studios versehen. Danach steht es im entsprechenden Menü von Sound ID Reference zur Auswahl bereit. Das ganze Setup dauert keine zehn Minuten und ist wirklich kinderleicht nachzuvollziehen.
Da nicht jeder einen akustisch optimierten Raum mit präzisen Monitoren zu Hause hat, bietet sich hier natürlich auch die Idee an, für die Messung ein anderes Tonstudio aufzusuchen. Vielleicht darf man ja mal für eine halbe Stunde ein großes Studio besuchen und kann sich dort ein Profil für den heimischen Gebrauch erstellen?
Einsatz des Sonarworks Virtual Monitoring Pro Systems
Kommen wir zum praktischen Nutzen des Sonarworks Virtual Monitoring PRO Systems. Ich habe mich für den Test darauf beschränkt, mein eigenes Tonstudio als Profil zu erstellen, da ich sowohl die Raumakustik als auch die Monitore sehr gut kenne und über die Jahre zu schätzen gelernt habe. Das erstellte Profil habe ich dann mit nach Hause genommen, um auf meinem Homeoffice-Rechner zu testen, inwiefern das Ganze in der Praxis gut funktioniert. Ich muss gestehen, ich weiß nicht ganz genau, was da technisch im Hintergrund passiert, aber der akustische Eindruck ist echt verblüffend.
Zunächst einmal ist man etwas irritiert, weil das Soundfeld viel enger wird, wenn das Plug-in geladen ist. Das ist aber nur logisch, da ein Kopfhörer ja ein extremes Stereobild wiedergibt, was so völlig unnatürlich ist. Man hört ja immer alles nur von extrem rechts oder extrem links. Als ich mich erst mal an das System gewöhnt hatte, wollte ich es nicht mehr missen.
Für mich persönlich ist es echt hilfreich, wenn ich mal eben abends, am Wochenende oder auch mobil unterwegs einen Mix checken oder korrigieren kann. Für eine komplette Mixing-Session gehe ich nach wie vor lieber ins Studio. Aber so habe ich eben die Möglichkeit, auch außerhalb meines Studios so zu arbeiten, wie ich es gewohnt bin.
Mit dem erstellten Profil klingt es mit Sonarworks Virtual Monitoring PRO tatsächlich ungefähr so, wie ich das aus dem Studio kenne: Vor mir, zwischen den beiden (in dem Fall gar nicht vorhandenen) Monitorboxen, entsteht eine Phantommitte und ich kann sehr genau hören, aus welcher Richtung einzelne Signale kommen. Das wird dann besonders deutlich, wenn man einzelne Signale solo hört und das Gefühl hat, sie kommen von vorne links aus dem Lautsprecher beispielsweise.
Das habe ich zum ersten Mal so extrem erlebt beim Test des Neumann-RIME-Systems, das meiner Meinung nach noch einen Tick besser klingt als das hier vorgestellte Virtual Monitoring PRO.
Der ganz große Vorteil bei Sonarworks Virtual Monitoring PRO ist aber, dass man das eigene Studio, die eigene Raumakustik verwenden kann und nicht auf irgendein anderes Studio wie im Falle Neumann angewiesen ist. Außerdem funktioniert das Neumann-System nur mit den eigenen Neumann Kopfhörern.
Zusätzliche Features: Sonarworks Virtual Monitoring PRO
Das Sound-ID-Reference-Plug-in von Sonarworks kann aber noch eine ganze Menge mehr, als nur das eigene Studio zu klonen. Aus einer Liste von mehreren hundert Kopfhörern kann man das eigene Modell auswählen und bekommt daraufhin eine optimierte Frequenzkurve geboten, die den Frequenzverlauf des eigenen Kopfhörers glättet. Allein schon diese Funktion ist ein ziemliches Aha-Erlebnis und kann ich jedem nur einmal empfehlen, zu testen – mithilfe der kostenlosen Testversion.
Weiterhin lassen sich auch diverse Referenzabhören laden, um zu checken, wie der eigene Mix auf anderen Abspielgeräten funktioniert. Typischerweise werden hier einige Autoradios angeboten, aber auch Laptop- und Smartphone-Speaker und auch diverse Studioklassiker wie NS-10 oder Mixcubes.
Das Ganze ist schon sehr hilfreich, um zu testen, wie der eigene Mix auf anderen Anlagen funktioniert, ohne jedes Mal umständlich einen Mix exportieren und woandershin mitnehmen zu müssen. Weiterhin bietet SoundID-Referenz auch noch eine Dolby-kompatible Abhörsimulation.
Wer zusätzlich eine entsprechende Lizenz und ein Messmikrofon erwirbt, kann mithilfe der Software auch ein Profil für die eigenen Monitorboxen anlegen, um damit eine Raumkorrektur für die eigene Studioakustik durchzuführen. Damit ist SoundID Reference ein mächtiges Werkzeug für alle Akustikbelange im Tonstudio, über das man aber immer nur genau die Lizenzen erwerben muss, die man benötigt.




































Im Prinzip keine schlechte Sache für den, der es braucht.
Wichtig zu wissen wäre, dass Sonarworks seit Reference ID einen quasi Online-Zwang voraussetzt.
Es reicht nicht aus, dass nur online aktiviert werden kann und dann die Software auch unbegrenzt offline benutzt werden kann.
Nein, Sonarworks möchte spätestens alle 10 Tage „nach Hause telefonieren“ , da sonst die maximalen 3 Aktivierungen verbraten werden, und man diese wieder zurücksetzen lassen muss.
Keine Firma mehr für mich, schlimmer als die 10 Aktivierungen bei IK Multimedia, welche bei Systemänderungen Stück für Stück weniger werden, da man nichts deaktivieren kann.
Äußerst fragwüdige Firmen-Philosophien mancher Software Anbieter !
@Marsi Vielen Dank für den Hinweis. Diese Info ist mir wohl irgendwie entgangen. Das geht natürlich garnicht.
@Marsi das gehört sofort in den artikel übernommen.
es ist höchste zeit, dass die user aka kunden aka comnunity gemeinsam gegen solche praktiken vorgehen und amazona sollte hier genauso aktiv mitwirken!!
@Marsi Ein Mitbewerber könnte sie abmahnen lassen wegen „YOUR Studio on YOUR Headphones. Anywhere.“
Ohne den Zusatz, dass man Internet-Zugang braucht, ist der Werbeslogan glatt gelogen.
@bluebell Das ist nicht so.
Der Werbeslogan wird vom Internet Umstand nicht tangiert.
@masterBlasterFX Dann betreibe dein Studio mal einen Monat in einer Region ohne Internet-Empfang, z.B. weil die Band ohne Ablenkung an ihrem Album arbeiten will. Ich habe es so verstanden, dass dein vermeintliches Eigentum dann die Arbeit einstellt.
@bluebell Der Kopfhörer wird im Slogan erwähnt.
Zusätzlich braucht es aber zwingend Strom, einen Computer der die Mindestanforderung der SW erfüllt, in diesem Fall inklusive Internet zur Freischaltung der SW.
Eine Lüge ist der Slogan nicht.
Selbstverständlich begrüsse ich diese online Freischaltung auch nicht.
Bei deinem Beispiel, an einem anderen Ort mit der Band ein Album einzuspielen, sehe ich keinen Sinn diese SW einzusetzen.
Auch ändert sich am Eigentumsverhältniss nichts, wenn du die SW mangels Internet Zugang nicht benutzen kannst..
Bei falscher Deklaration oder Täuschung muss dir das Geld vom Verkäufer zurück bezahlt werden, ansonsten du das einklagen kannst – Mitbewerber haben damit nichts zu tun.
Ja, ist bei denen leider eine üble Geschäftspraktik.
Ich wollte damals eigentlich von Reference 4 auf SoundID Reference updaten.
Man muss auf deren Seite ziemlich gut suchen um Hinweise darauf zu bekommen.
Ich habe das auf Anfrage hin auch vom Support so bestätigt bekommen.
Auf deren Seiten ist für SoundID folgendes zu finden:
We recommend using SoundID Reference on an online machine as the software runs an automated license check. As a result, it can be used for up to 10 days and the current activation license will expire. This means, that you will be required to access your Sonarworks Account and activate your SoundID Reference license again. The process will use activation seats, therefore, you will reach a deactivation limit eventually.
Und für Virtual Monitoring PRO steht nur noch:
Internet connection for periodic license validation (full offline use and offline activation are not supported).
Leider kommt man um Online-Aktivierungen nicht immer herum und ist so auf die Zugriffsmöglichkeit zum Server des Herstellers angewiesen.
Und selbst wenn es den Hersteller noch gibt kann einem dieser den Zugriff verwehren wie z.B. Ni damals für alte Produkte, welche über das Service Center aktiviert wurden.
Da lobe ich mir Hersteller wie Gforce oder Fabfilter.
Mit deren Lizenz kann man die erworbenen Lizenzen unabhängig wieder aktivieren!
@Marsi Danke, gut zu lesen, ich war kurz davor es zu kaufen/upgraden.
Das ist eine ziemliche Frechheit… dann noch lieber iLok.
Und bei „The process will use activation seats, therefore, you will reach a deactivation limit eventually“ werde ich ja fast wütend.
Schade, ich fand es interessant.