Test: Sonic Charge µTonic (MicroTonic)

3. Mai 2007

µTonic

Köttbullar für die Ohren !!

Was braucht ein gutes Drum-Plug-In? Mindestens hundert Zellen, achtfaches Velocity-Switching und eine 32 Gigabyte Soundlibrary? Wenn Sie diese Punkte unterschreiben, gibt es eigentlich keinen Grund weiter zu lesen. Für alle anderen ein herzliches: Bumm, boink, tschack! Willkommen in der Welt von µTonic.

SonicCharge MicroTonic

SonicCharge MicroTonic

Konzept
Hinter Herrn Lidströms Plug-In, seines Zeichen Entwickler des Malström Synthesizers in Reason, verbirgt sich ein achtstimmiger Drum-Synthesizer mit angeschlossenem Stepsequenzer. Keine Samples. Alles passiert in Echtzeit. Hauptklangelement ist ein Oszillator, der in einer der drei folgenden Wellen schwingen darf: Sinus, Dreieck oder Sägezahn. Sein Ein- und Ausschwingverhalten lässt sich mit einer auf Attack und Decay reduzierten Lautstärkehüllkurve beeinflussen. Dabei können die beiden Parameter bei Bedarf so herrlich snappy klingen, dass man einen analogen Klopfgeist vor sich glaubt. Eine rudimentäre und modulierbare Tonhöhenhüllkurve steht auch zur Verfügung. Damit kann man MicroTonic das Quietschen und Fiepen beibringen. Als Clap und Geräuschlieferant dient ein Noise-Oszillator. Der verfügt ebenfalls über Attack und Decay und kann dem Hauptoszillator stufenlos zugemischt werden.

Die Mastersektion schließlich erlaubt neben den üblichen Verdächtigen wie Lautstärke und Panorama pro Sound auch Klangeingriffe via Distortion und zweibandigem EQ. Natürlich auch pro Sound. So lassen sich bereits in MicroTonic äußerst brauchbare Submixe erstellen. Wer es gern ausgefuchster mag, wird sich über die Multi-Out Variante des Plug-Ins freuen. Dort liegt jeder der acht Sounds an seinem eigenen Output im VST-Mischpult an.

Als Bonus gestattet MicroTonic auch, Sounds melodiös zu spielen. Dieser Pitched-Midi Modus verwandelt den Drummer in einen monofonen Basssynth.

Der Lauf der Lichter
Ganz in der Tradition der ehrwürdigen Roland Trommelmaschinen bietet MicroTonic einen Stepsequenzer mit Lauflicht. Gefüllt werden dürfen insgesamt 16 Steps und das in bis zu zwölf Pattern. Das Standardraster beträgt somit 16tel Noten. Dies kann global auf 8tel oder 32tel Noten auch mit jeweiliger Triole angepasst werden. Ebenso global agiert ein Swing-Regler. Für jeden Step separat hingegen lässt sich eine sogenannte Fill-Rate vorgeben. Dahinter verbirgt sich eine Art Flam. Somit kann einem Loop durch geschickt eingestreute Minimaländerungen Leben eingehaucht werden. Jedes der zwölf Pattern kann via Midi-Note abgerufen werden.

MicroTonic

MicroTonic

Praxis
Wo nicht viel dran ist, kann auch nicht viel kaputt gehen. Getreu diesem Motto läuft MicroTonic ohne zu murren. Kein seltsames Verhalten, keine Abstürze. Auf einem aktuellen Core Duo Rechner ist noch nicht mal ein Zucken auf dem CPU-Meter auszumachen. Die Bedienung geht locker von der Hand. Jeder Regler lässt sich per Mausklick oder Midi-Input einem beliebigen Midi-Controller zuweisen. Wenn ich einen Wunsch frei hätte, dann wäre das die Unterstützung des Mousewheels.

Klang
Fett klingt abgedroschen? Gut, dann lassen Sie es mich umschreiben: erdig, viel Bauch, ordentlich Schub, Charakter! MicroTonic klingt durch und durch analog. Ich kenne kein Drum Plug-In, das dem nahe kommt. Waldorfs Attack geht in die Richtung, bietet durch FM und Ringmodulation aber deutlich mehr Klangvielfalt. Dafür gibt’s aber keinen Sequenzer und es klingt alles weniger nach Punch.

MicroTonic

MicroTonic

Klangbeispiele
Forum
  1. Avatar
    AMAZONA Archiv

    Seit über einem Jahr begeistert mich die wohl überlegte Auswahl an Parametern, mit der man sehr schnell zum gewünschten Sound kommt, eben weil es hier nicht tausend "Knöpfe" gibt.
    Auch die Vorhör-Funktion im laufenden Groove beim Laden einzelner Sounds ist vorbildlich!

  2. Avatar
    AMAZONA Archiv

    Jep – MicroTonic ist ein Knaller. Und das sage ich nach Jahren ( ? ) – habe diese Software zumindest schon ewig ( noch lange vor der Version 2.0 ) im Einsatz. Läuft absolut stabil, braucht seeehr wenig CPU, hat die schon zurecht lobend erwähnte Vorhörfunktion, und ist einfach super inspirierend. Die Sounds sitzen, lassen sich gut verbiegen bzw. anpassen – für mich eine immer noch dicke Empfehlung !!!

  3. Avatar
    AMAZONA Archiv

    Warum ist das Teil bei amazona im Archiv unter "Synthesizer" und nicht (auch) unter Drums&Percussion geführt? Wäre schade, wenn Suchende
    deswegen nicht finden…

  4. Avatar
    AMAZONA Archiv

    Dies ist der beste und resourcenschonendste Drumsynthesizer, der mir je untergekommen ist! Für die lumpigen 70 Euro gibt es wirklich nix vergleichbares..

    Ich persönlich wünsche mir noch eine Funktion, damit man die Sequenzen per Drag and Drop auf die MIDI-Spur im Sequencer ziehen kann (wie z.B. in Addictive Drums) und dass man die Random-Funktion mit Tastaturbefehlen belegen oder sogar mit einem eigenen Button auf der Oberfläche versehen kann, um net jedesmal umständlich ins Menu gehen zu müssen…

    Trotzdessen verstehe ich net, warum es nur 2 Sterne erhält, wenn sich kein Haar in der Suppe finden lässt.. Meinetwegen hätte es sogar 4 verdient! ;)

    ****

  5. Profilbild
    Syggy_Bee

    Diese kleine Kiste ist ein echter Knaller! Die Einfachheit der Bedienung und dieser tolle „trashige“ Sound haben mich überzeugt.
    Mit wenigen Handgriffen bekommt man den Sound, den man sich auch vorgestellt hat und die vorhandenen Presets spornen zum Experimentieren an. Ich persönlich nutze den µTonic für die Minimal-House- und Techno Produktion. Zusammen mit Rob Papens SubBoomBass gelingen einem echt fette Grooves.
    So muss das sein! :D

    • Profilbild
      till

      Stimmt! Die Zauberkiste wurde sinnvoll erweitert.
      Sollte mal wieder von Amazona getestet werden!

  6. Profilbild
    AMAZONA Archiv

    Liebe Redaktion,

    ganz zufällig hab ich diesen 11 Jahre alten (mini)Test zum Sonic Charge – Microtonic gefunden. Ich denke, es ist an der Zeit, einen echten Test zu diesem Drumsynth zu veröffentlichen. Zum einen hat sich über die Jahre mehr als einiges getan und zum anderen hat Microtonic mit dem PO-32 ein kleines Hardware-Zuhause gefunden.

    Da die Anzahl der VST/AU Drumsynth’s unüberschaubar hoch ist, würde mich ein Abschneiden des Microtonic’s sehr interessieren. Denn dieser ist (meiner Meinung nach) der beste und druckvollste Drumsynth. Dieser ist ein fester Bestandteil meiner Musik.

    Würde mich freuen, wenn von Amazona was kommen würde.

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