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Test: Soniccouture Canterbury Suitcase, Plugin


Canterbury Studio Rhodes als VST

Das Suitcase 1 (Jahrgang 1976) im Canterbury Studio, Toronto.

Das Rhodes E-Piano ist nebst der Hammond Orgel das wahrscheinlich wichtigste Keyboard-Instrument der Rock- und Jazzgeschichte und heute nicht mehr aus der Musik wegzudenken. Das Problem ist bloß: Es wird nicht mehr hergestellt. Und so hat man als Keyboarder zwei Möglichkeiten: Entweder man sucht sich ein passendes Instrument auf dem Gebrauchtmarkt oder man behilft sich mit einer digitalen Variante. Glücklicherweise gibt es einige exzellente Librarys, die den unverwechselbaren Sound des Rhodes in all seinen Nuancen und Facetten abbilden. Aus good old England erreicht uns mit Canterbury eine neue Software, die den Platzhirschen Scarbee und Keyscape die Stirn bieten möchte.

Vor ein paar Jahren verbrachten die Leute von Soniccouture einige Zeit in einem Tonstudio namens Canterbury in Toronto, um ein Marimba zu sampeln. Dabei präsentierte ihnen der Besitzer des Studios auch seine Sammlung an Vintage-Instrumenten, unter anderem ein Rhodes Suitcase 1 mit 88 Tasten. Es war sofort klar, dass dies eines besten E-Pianos war, das sie je gehört und gespielt hatten. 2016 reisten sie abermals nach Toronto, um genau dieses Rhodes zu sampeln und daraus eine der komplexesten Rhodes Librarys zu machen, die heute erhältlich sind.
Interessant ist, dass stets drei Signale aufgezeichnet wurden: Line Out, Amp und Raummikros.  Und wie sich dies für ein Instrument der 70er Jahre gehört, wurde der Verstärker mit Mikrofonen abgenommen, die damals schon verfügbar waren: SM57 und AKG C414EB, während der Raumklang mit Kapseln von Soundfield MKV abgebildet wird. Als Vorverstärker kam eine Vintage Neve Konsole zum Einsatz. Pro Taste wurden zwischen 21 und 25 Velocity-Layers aufgezeichnet, das gesamte Datenvolumen beläuft sich auf 16 GB, die für den Kontaktplayer auf 9 GB verlustfrei komprimiert werden. Der Kontaktplayer muss übrigens in der allerneuesten Version (5.6.8) auf dem Rechner installiert sein. Für die Freischaltung startet man den Kontaktplayer im Standalone-Modus und folgt den Anweisungen. Nach ein paar Klicks ist alles erledigt und das Programm betriebsbereit.

Steckbrief

  • Sample Library eines Rhodes Suitcase 1 mit 88 Tasten, Jahrgang 1976
  • 3 Kanäle: Line, Amp (SM57 und AKG 414 mit Messingkapseln), Raum (Soundfield MKV)
  • Effekte:
    – frei konfigurierbare Filter pro Kanal, über Velocity steuerbar
    – Betonung/Abschwächung der ersten drei Obertöne (“1st, 2nd, 3rd”)
    – Zahlreiche Effekte und Hall-Algorithmen für die Summe
    – 6 Effektslots plus Hall
  • 21 bis 25 Velocity Layers pro Taste
  • 16 GB (8 GB mit Kontakt NCW Komprimierung)
  • 24 Bit, 48 kHz
  • Mac: OX 10.9. oder höher, Intel Core 2 Duo, mind. 4 GB RAM
  • Windows 7 oder höher mit Intel Core Duo oder AMD AthlonTM, mind. 4 GB RAM
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Klangbeispiele

  1. Profilbild
    defrigge

    Danke für den schönen Bericht! Als Rhodes-Liebhaber kann man inzwischen aus dem Vollen schöpfen, und das Canterbury-Rhodes, das ich selbst seit einigen Wochen benutze, gehört neben Keyscape (das ein unersetzlich gutes Dyno-Rhodes hat, für das das Canterbury natürlich keinerlei Ersatz bieten kann) und Scarbee (mit dem alten Mk1 und dem neuen 88er Suitcase) sowie dem Frentzen-Rhodes zu den besten.
    Nur der Gesamtbewertung muss ich aus eigener Praxis nachdrücklich widersprechen: die mit Abstand (!) alltagstauglichste Allround-Referenz für (Home-)Studio und Live-Einsatz ist m.E. das neue Scarbee 88er Suitcase, da beisst auch eine Canterbury-Maus keinen Faden ab. Der Grund ist einfach: das Canterbury hat zwei (liebenswerte) Schwächen, die im Mix und im Bandkontext problematisch sind: a) es hat einen Grundsound, der sich im Kontext nicht gut durchsetzt, mit zu viel „Plingglöckchen“-Charakter, Nebengeräuschen und Unebenheiten. Zum anderen kann es nur lieb klingen, bringt (vor allem in den oberen Lagen) keinerlei aggressiven Drive, kann daher nicht(!) gut Funk, Rock und Jazzrock bewältigen – alles Bereiche, die das im Grundsound flexiblere und vielseitiger einsetzbare Scarbee Rhodes elegant und mühelos bewältigt!
    Die Go-To-Rhodes-Referenz ist also für mich nach wie vor ganz klar das Scarbee 88er, dicht gefolgt von einiger der Keyscape-Rhodes-Presets! Aber das Canterbury-Rhodes ist gerade mit seinen oben genannten Eigenheiten als dritte Alternative eine schöne und willkommene Ergänzung, die man gezielt mit diesem Charakter für begrenzte Zwecke einsetzen kann.

    • Profilbild
      Martin Andersson RED

      Danke für Deinen ausführlichen Kommentar. Interessant, dass ich gerade bei verzerrten Klängen das Canterbury sehr überzeugend finde und mir das Scarbee weniger gut gefällt. So unterschiedlich können die Geschmäcker sein…

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    Wellenstrom AHU

    Also, mich überzeugt das PlugIn auch klanglich. Zum solieren bestens geeignet. Wie sich das im Mix so tut, kann man nur erahnen. Denke, dass man das ggf. hier und da etwas kastrieren müsste, da doch sehr phatter und dominanter Grundsound. Rhodes eben.

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Soniccouture Canterbury

Bewertung: 5 Sterne Bewertung des Autors
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