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Test: Sonicware ELZ_1, Desktop-Synthesizer

Wunderbares Rauschen

Damit sind wir in der Noise-OSC-Sektion gelandet. Hier gibt es Interessantes zu Rauschen. Masked Noise bietet ein von einem der Standardoszillatoren maskiertes Rauschen. Insgesamt klingt das Ergebnis allerdings lediglich so, als ob Rauschen (White oder Pink) von der Schwingungsform überlagert wird. Wobei z. B. der Sägezahn dafür sorgt, dass das digitale Rauschen einfach grober klingt.

Masked Noise hat mich nicht überzeugt, klingt es doch einfach nach Rauschen mit einem Oszillator darüber

Masked Noise hat mich nicht überzeugt, klingt es doch einfach nach Rauschen mit einem Oszillator darüber

Sandflute (laut beiliegendem ausgedrucktem Handbuch von Wüstenwind inspiriert) ist ein sehr interessanter Oszillator, der seinen Klang auf von fünf Bandpässen gefilterten weißem oder pinken Rauschen aufbaut. Die Güte und Lautstärke der in der Frequenz fixen Bandpässe können verändert und auch von den Modulatoren beeinflusst werden. Damit lassen sich allerlei rhythmische Figuren erstellen. Ohne Modulation kann man der Sandflute unheimliche, geisterhafte Klänge entlocken. Als Filter dient aber nicht nur Bandpass, sondern auch wahlweise Band-Notch und ein parametrischer EQ.

Sandflute - sieht nach nichts aus - kann aber einiges

Sandflute – sieht nach nichts aus – kann aber einiges

Der FM-Synth ist ein 4-Operator-Modell, das 31 Algorithmen und Ratio, Level, Feedback und Detune pro Operator bietet. Von Rock- über Kirchenorgeln und Clavinova Sounds lassen sich hier alle erdenklichen FM-Sounds erstellen. Er ist der variabelste aller Oszillatoren und setzt eben Kenntnis in der FM-Programmierung voraus. Um schnell an Basismaterial zu kommen, gibt es eine „Gacha“-Funktion, die nichts anderes als eine Zufallsfunktion darstellt.

Effekte

Die Effekte sind fest in vier Blöcken angeordnet:

  1. Drive/Mod
  2. Modulation
  3. Delay
  4. Reverb

Sektion eins und zwei haben dabei teilweise gleiche Effekte, sodass auch z. B. zwei Flanger hintereinander verwendet werden können. Ein Effekt-Routing gibt es nicht. Die Effekte klingen analytisch und digital, vor allem die Drive-Effekte, Overdrive, Distortion und Fuzz sorgen für heftig digitale Artefakte. Auch der Reverb ist nichts, was für sich allein besonders brillieren würde – um die Patches anzudicken, reicht er aber. Besonders, wenn keine Einzelnoten oder Percussion gespielt werden.

Klang

Von bezaubernd schön bis unkenntlich zerstört und dreckig beherrscht der Sonicware ELZ_1 die ganze Welt des digitalen Aliasings. Gerade die Wavetable-Oszillatoren können geradezu ätherisch klingen, wohingegen Ergebnisse des SiGRINDERS nur noch kaputt klingen. Die „regulären“ Oszillatoren stellen keine große Überraschung dar und sind wie Brot und Butter. Darunter würde ich auch die 4-OP-FM-Engine zählen.

Mit Erfahrung in der FM-Programmierung ist es ein Leichtes, alle gängigen Sounds zu kreieren. Wirklich interessant wird der Sonicware ELZ_1 aber erst, wenn man in den Bereich Chip-Tune geht. Da die Wavetable Oszillatoren genau denen der MSX-Erweiterungs-Chips nachempfunden sind, kann man auch genau diesen Sound damit erschaffen.

Die Sandflute hat mir auch sehr gut gefallen, da man einerseits rhythmische Sachen damit machen kann und andererseits diese gruseligen heulenden Geister-Pads.

Fazit

Der Sonicware ELZ_1 ist ein Gadget-Synth mit viel Potential. Leider wird dieses noch an zu vielen Stellen verschenkt und gerade die MIDI-Anbindung muss dringend ausgebaut werden. Der Entwickler stellt dies aber auch auf seiner Website klar: Es wird kontinuierlich an den OSC-Modellen und Features gearbeitet und verbessert. So erreichte mich im Testzeitraum auch bereits ein Firmware-Update.

Wirklich schade ist die fehlende Modulation beim SiGRINDER und beim DNA-Explorer, da hier sehr viel Klangpotential versteckt ist. Aber auch so steckt viel Klang in dem Sonicware ELZ_1, wie das im zusammengestellten Pling-Plang im Audiobeispiel zu hören ist. Von schön bis böse, aber immer mit einem Hauch Chiptune, bedient der Sonicware ELZ_1 ein weites Spektrum, das so noch von keinem Synthesizer abgedeckt wird, allerhöchstens geht der OP-1 noch in die Richtung. Es bleibt zu hoffen, dass das Potential noch ausgelotet wird, bis dahin ein durch und durch gutes Gerät.

Plus

  • 6-fach polyphon
  • insgesamt 11 verschiedene Synth-Engines
  • breites Klangspekturm
  • typischer MSX-Sound möglich
  • eigene 8-Bit-Wavetables können geladen werden (10 FM Wavemem + 20 Wavemem)
  • es können drei Samples für die Granular-Engines geladen werden
  • Batteriebetrieben (4x AA)

Minus

  • kein MIDI-Clock Sync
  • kein MIDI-Pitchbend
  • kein MIDI-Aftertouch
  • kein MIDI-Out der Tastatur
  • Tastatur nicht zum richtigen Spielen geeignet
  • keine Modulation der Granular-Engines
  • Samples für die Granular-Engines müssen über das Hauptmenü festgelegt werden
  • eingebauter Lautsprecher übersteuert schnell
  • Reverb-Effekt eher bescheiden

Preis

  • Ladenpreis: 619,- EUR
  • Verfügbarkeit: leider noch nicht bekannt
Klangbeispiele
Forum
  1. Profilbild
    Maxi  

    Trotz der aktuellen Defizite eine enorme Leistung, als Einzelkämpfer ohne etablierte Company im Rücken so ein Gerät auf die Beine zu stellen und zu versuchen, es in den Markt zu drücken. Respekt! Umso schlimmer, wenn dann das Messedebüt danebengeht. Bin gespannt, was aus dem „gadget synth“ (offizielle Bezeichnung) und seinem Entwickler wird. Amazona, bitte bleibt an diesem Thema dran!

  2. Profilbild
    Atarkid  AHU

    Tolles Ding! Und nachdem es ja noch ganz am Anfang seines Daseins steht, kann bestimmt der eine oder andere Kritikpunkt beseitigt werden. Ist auf jeden Fall eine spannende Sache der man ruhig mehr Aufmerksamkeit schenken sollte…

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    mdesign  

    da das ding ja volldigital ist, verstehe ich nicht, warum das sound-konzept nicht in eine app eingeflossen ist. auf das praxis-untaugliche plastik-spielzeuggehäuse hätte ich gerne verzichtet.

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    lightman  AHU

    Schöner Test und richtig gute Soundbeispiele. Ich war seinerzeit einer der Unentwegten, die sich einen MSX Computer leisteten, zuerst ein Philips VG-8020, dann kam der Yamaha CX5MII/128 dazu, der mich mit seinen FM-Möglichkeiten von Anfang an faszinierte. Den Yamaha habe ich noch, er kommt auch fürs Musikmachen zu Einsatz. Daneben habe ich einen Panasonic FS-A1, der MSX2-kompatibel und mit dem MegaFlashROM-Cartridge auch SCC-fähig ist. Feine Teile.

    Der ELZ-1 ist wohl Japans Antwort auf den OP-1, was schon mal gut ist, mit all den Soundformungsmöglichkeiten gefällt mir der ELZ-1 im ersten Ansatz aber besser, weil er verschrobener klingen kann, geht stellenweise in Richtung Gotharman deMOON. Die stark eingeschränkte MIDI-Anbindung ist aber unverständlich, da darf Meister Ju gerne nachbessern.

    Was App und Plugin betrifft, sage ich nur: Laaangweilig! ;)

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    Green Dino  AHU

    Wow! Super interessante Synthesemöglichkeiten! Und das Notch Filter guckt so süss^^
    Din Midi Eingang gibt’s aber auch nicht – oder hab ich irgendwo einen Miniklinke-Adapter-Eingang übersehen?

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      Son of MooG  AHU

      MIDI gibt’s nur über USB, dazu noch kein MIDI-Pitch-Bend & -Velocity. Damit ist das Teil für mich erledigt; schade eigentlich…

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        lightman  AHU

        Jup, hab ich auch gerade auf der Produktwebsite gesehen, echt zu schade. Vielleicht kann man da ja firmwaremäßig noch was über den AUX In machen (mit dem üblichen Miniklinke zu DIN-Adapter). Ansonsten wärs das dann auch für mich gewesen.

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    Ted Raven  AHU

    Unter den Pluspunkten ist die sechsfache Polyphonie aufgeführt.

    In einer Zeit, in der andere digitale Synthesizer wegen „nur“ 32facher Polyphonie abgewertet werden, halte ich es für entweder ein Versehen oder Messung mit zweierlei Maß, eine sechsfache Ployphonie als positiv zu bewerten. Sobald ein Sound eine etwas längere Releasephase hat, sind bei normalem Spiel sechs Stimmen deutlich zu wenig.

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    lightman  AHU

    Weil wir gerade von Chiptunes reden, lt. Wikipedia ist Ben Daglish am 1. Oktober an Krebs gestorben. Er war einer meiner drei C64 Musik-Helden zusammen mit Rob Hubbard und Martin Galway, ewig schade um ihn. Er war unter anderem für die geniale Musik zum Spiel The Last Ninja bekannt und komponierte dafür einen zuzsammenhängenden Soundtrack, der bei vielen Fans mit zum Besten gehört, was der SID hergeben kann. Kann man sich hier anhören: https://www.youtube.com/watch?v=_miL3Kd6E6w .

    Auf Wiedersehen, Ben.

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      t.goldschmitz  RED

      Das stimmt auch mich traurig.
       
      + Einer der einflussreichsten Musiker auf dem 64er und ganz sicher der Grund, warum die Synths bei mir am Ende doch Oberhand über die Gitarre gewommen haben…

      Cheers,
      Ben

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      Filterspiel  AHU

      Ich war zu der der Zeit immer hin- und hergerissen, zwischen dem was Jarre mit dem damaligen Stand der Technik erreichen konnte und dem, was der C64 mir bot. Da waren die o.g. „Helden“ dann wegweisend. Traurig, einen von ihnen zu verlieren.

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    Coin  AHU

    Mit nem anständigen Editor Plugin schaue ich mir das Gerät gern genauer an.
    Der Sound ist ja schon ganz gut.

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    AMAZONA Archiv

    Der Track ganz am Anfang der Soundbeispiele avanciert hier für mich schon persönlich zum kleinen Hit.
    Ist ein ziemlicher Geniestreich, wenn man die fehlenden Kapazitäten/Ressourcen eines Kleinstbetriebes/Entwicklers im Hinterkopp hat. Ich würde dem Dingen schon einen 80s Specialpreis für das drollige Display (siehe das süße Notch Filter) verleihen. Sehr humorvoll und dabei auch für so alte Säcke wie meinereiner ein bissken eine Erinnerung an ganz frühe Vektorgraphikgames aus jener Zeit.

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    Green Dino  AHU

    Hmm, ohne Din Midi Eingang ist ja natürlich doof…
    Und wenn über USB nur Note On/Note Off und bei einigen OSC Modellen auch Velocity geht, würde man mit einem USB Host to Midi Converter auch nicht unbedingt viel weiter kommen.
    Vielleicht kommt da ja noch was in einem zukünftigen Firmware Update…

    Sind eigentlich nur die Filter in 50 Schritten geraster und andere haben mehr Schritte, oder wie ist das?

    „Fünf extrem fein gerasterte Encoder stellen dann die angezeigten Parameter ein.“

    „Das Multimode-Filter beherrscht LPF, HPF, BPF, Peak EQ, LO EQ, HI EQ und einen Graphic-EQ. Alle klingen recht ordentlich, haben aber auch das Problem, dass die Filterfrequenz in nur 50 Werten gerastert ist, was hörbaren Sprüngen Vorschub leistet.“

    • Profilbild
      t.goldschmitz  RED

      Ja, die Rasterungen sind für verschiedene Parameter auch unterschiedlich.
      FM-Level bei der 8-Bit-FM hat z.B. 100. Der Dig-Parameter beim DNA-Explorer hat 1000 Schritte.

  11. Profilbild
    Yu Endo

    Many thanks for your review of ELZ_1 & lots of nice demo sounds!
    I heard all demos :-)
    Minus point written in article & comments is a precious opinion to make ELZ_1 better.
    I’ll use it as a reference for software update.
    We’re developing some MIDI functions now. and I also plan to develop hardware MIDI interface option for ELZ_1.

  12. Profilbild
    dAS hEIKO  

    Auf Arbeit konnte ich grade nur die Erste Seite überfliegen, bin dann zum Fazit und dem Plus-Minus-Kasten gehüpft. Der Preis war noch eine Raste vom Mausrad nicht zu sehen. Dachte mir: für 80-130 Euro könnte das trotz der Minuspunkte ganz lustig sein. 620 Stutz will der Mann für dieses Ding?
    Wenn ich jetzt böse wäre, könnte ich sagen: „Da gibt es auch schon richtige Synthesizer dafür.“
    Aber mal ganz nüchtern: Kein MIDI Sync und kein MIDI Pitchbend. Das ist doch nicht euer Ernst. €620.
    „Ja, Du mußt aber auch den Sound bedenken…“ Ja dann um so mehr. Denn gerade durch Modulationsmöglichkeiten gewinnt doch eine ausgeklügelte Klangerzeugung.

    Ähnlich dem Teenage O-PZ empfinde ich den ELZ aher als spannende Hipstermaschine. Aber auf der Suche nach einem einsatzfähigen Instrument würde ich an solchen Bastelmaschinen vorbeigehen. Wenn ich einen 30 Jahre alten CV-Vintage-Synth anschaffe, kenne ich die Einschränkungen. Dass ein aktuelles 600 Euro Instrument das über 30 Jahre alte MIDI-Protokoll nicht integriert hat, kann ich nicht akzeptieren.

    nur meine Meinung ^^

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