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Test: SONiVOX TWIST, Spectral Morphing Synthesizer

2. November 2011

Plugin-Synth

SONiVOX TWIST: Vorreiter einer neuen Synthese?

SONiVOX TWIST: Vorreiter einer neuen Synthese?

Brandneues erlebt man in der Synthesizerwelt ja selten. SONiVOX TWIST, ein neuer Softwaresynthesizer, der einst für Samples bekannten Amerikaner SONiVOX (früher Sonic Implants), will eine solche Neuigkeit sein. Die von dem ehemaligen Gigasampler-Programmierer erfundene „Spectral Morphing“ Synthese soll durch Manipulation des Obertongehaltes von Schwingungsformen ganz neue, unerhörte Klänge erzeugen. Dazu kommen Vereinfachungen, die es für Anfänger leicht machen, aus dem TWIST-Plug-in (AU,VST, RTAS für MAC und, klar, PC) etwas Brauchbares zu zaubern. Und eine sehr vereinfachte Bedienung mit essentiell fünf Funktionen für die wichtigsten Syntheseparameter. Wie der Klang entsteht, ist allerdings ein Rätsel. Weder die Entwickler noch das Handbuch wollten trotz Nachhaken das Geheimnis lüften, und die Synthese wird gerade im amerikanischen Patentamt auf Neuartigkeit untersucht. Da bleibt dem AMAZONA-Autor nur ein letztes Mittel: Detektiv spielen. Auf zum Fall.

Synthese

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Das Herz von TWIST ist natürlich die neuartige und, laut Aussage des Entwicklers, gerade noch in den Patentverhandlungen steckende Synthese. Wegen dieser wohl andauernden Verhandlungen äußerte sich SONIVOX kaum zu Details der „Spectral Morphing“ genannten neuen Syntheseform. Auch beim zweiten Nachfragen nicht. Schade, aber dann müssen wir etwas raten, denn auch die Anleitung schweigt sich zu Details und Prinzipien aus. Dann mal los: Wegen gewisser klanglicher Ähnlichkeiten zu Formen additiver Synthese und Resynthese (wie Camel Audios Alchemy, Virsyn Cube oder eben deren Hardware-“Urahn“, dem Kawai K5000), vermutet der Autor als „professioneller Detektiv“ erst einmal eine ähnliche Technologie. Zur Erinnerung: Prinzipiell wird bei allem Additiven ja der Grundton um zusätzliche Schwingungsformen (eben additiv) ergänzt. Bei mehreren Zusatzschwingungsformen (Teiltönen) nähert man sich dem komplexen „Frequenzchaos“ eines echten Geräusches an, zwischen einfachen (Sinus)-Grundton und diesem Extrem liegen Klänge normaler Instrumente. Prinzipiell kann man also durch Addition verschiedener, meist durch Sinusoszillatoren generierter Schwingungsformen Klangverhalten recht komplexer Instrumente relativ realistisch nachbilden. Auch ein Grund dafür, dass die Orgel als „Urahn aller Synthese“ einen so großen Erfolg feierte, denn sie addierte per Luft generierte Sinusschwingungen zu einem großen Ganzen, manchmal mit an andere Instrumente erinnerndem Charakter. Prinzipiell ist also die additive Synthese ein Urahn der Orgel selber.

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Eines der beiden Layer

Eines der beiden Layer

Und Twist ist vermutlich auch ein Teil der Abstammungslinie. Denn obwohl hier keine Teiltöne addiert werden, lässt ein „Harmonic Width“ genannter Regler die Eindämmung oder Ausweitung der Teiltöne im Verhältnis zu Grundtönen zu. Bewegt man den Regler nach rechts, wird der Grundklang also subjektiv „heller“ und damit obertonreicher. Der zweite Regler ist etwas speziell. Hiermit kann das Verhältnis zwischen Tönen im „bundreinen“ Oktavabstand zum Grundton und Teiltönen mit anderen Intervall geregelt werden. Werden letztere betont, wird der Grundton eben dissonant-geräuschhaft. Das Ganze passiert in zwei „Layern“. Und damit wird dieser Trick zweimal wiederholt. Und somit wird TWIST, laut unserm Indizien, zum additiven Synthesizer mit zwei hochintegrierten Oszillatoren. Ähnlich den Klassikern des Genres, aber mit einer sehr deutlichen Betonung auf Röcheln. Denn hier kommt der zweite Trick ins Spiel: Wie man hören kann, besteht jeder Oszillatorenklang an sich schon aus einer etwas geräuschhaften Einschwingphase, gefolgt von einem anhaltende Grundton. Da sich bei der Installation auch einige Samples (!) etwas versteckt installieren, vermute ich im Ansatz hier einen Hybrid, nicht unähnlich den KORG DWs, nur eben mit additiver Verpackung.

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Klangbeispiele
Forum
  1. Profilbild
    AMAZONA Archiv

    Überall wird gemorpht. Ob nun der Twist oder Morphos oder wie auch immer. Meiner Meinung nach ist ein „richtiger“ Wavetablesynth wie z.B. der Wave, mit der Möglichkeit eigene Wavetables zu erstellen, das Maß aller Dinge. Bis dato kann dieser Syntheseform nichts das Wasser reichen. Meine pers. Meinung.

    • Profilbild
      AMAZONA Archiv

      Es geht doch nicht darum welche Syntheseform besser oder überlegen ist. Entscheidend ist doch die Vielfalt verschiedener Syntheseformen und schlußendlich der Klang. Was da wem überlegen ist ist doch uninteressant.

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