Test: Sonuscore The Orchestra, Library

2. August 2017

Orchester-Library & Kompositionshilfe

Sonuscore The Orchestra ist eine all-in-one Library, mit der man nach einer kleinen Einarbeitungszeit orchestrale Mockups erstellen kann. Aufgenommen wurden die 80 Musiker in Budapest. So entstand eine 6,2 GB große Library, die alles Wesentliche mitbringt, um sehr schnell an hörbare Ergebnisse zu kommen. The Orchestra läuft auf der bewährten Kontakt Player Engine ab Version 5.6.8! Öffnet man Orchestra in Kontakt, findet man die übliche Ansicht, unterteilt in Instruments links und die Multis auf der rechten Seite.

Instruments: Hier finden wir die fünf einzelnen Sektionen Strings, Brass, Woodwinds, Percussion und einen Chor (Bonus). Als letztes in der Liste gibt es The Orchestra.nki als Ensemble-Instrument.

Rechts befinden sich die 150 Multi-Patches, welche drei Ordner mit Orchestral Colors, Orchestral Rhythms und Animated Orchestra beinhalten.

Auf dem ersten Bild sehen wir das Hauptmenü. Es wurde so übersichtlich designt, dass man jede der fünf Instrumentengruppen individuell in fünf Slots laden und einzeln spielen kann. Das Octave Shift in der Mitte erlaubt das Transponieren jeder einzelnen Gruppe. Auf der Mixer-Seite kann man die Lautstärkeproportionen, Hallanteil, Panorama und EQs einstellen.

Noch schneller geht es über die 150 fertigen Presets „Orchestral Colors“, die Sonuscore The Orchestra anbietet. Wie erwähnt gibt es drei Kategorien. „Orchestral Colors“ bietet praktische Kombinationen aus Instrumenten, die live auf dem Keyboard gespielt werden können. „Orchestral Rhythms“ beinhaltet einfache spielbare Patterns jeder Sektion, die über Ensemble Engine gesteuert werden. „Animated Orchestra“ sind 60 komplexe Kombinationen von Spielweisen. Wenn man also bei „Null“ anfängt und überhaupt keine Ideen hat, kann man sich hier Inspiration holen und das „Wie fange ich bloß an“ Syndrom ist erst einmal vermieden. Nebenbei bemerkt, passt sich The Orchestra wie mittlerweile üblich dem Host-Tempo an.

Sonuscore The Orchestra Engine-Seite

Das Ganze funktioniert über die sehr clevere Funktion der fünf Arpeggiatoren und Enveloper. Jedem Slot kann man eine dieser Funktionen zuweisen. Kurze Staccato-Noten können realistisch über Arpeggiator eingestellt werden und lange Sustain-Noten kann man mit Envelope anpassen. Was man also hört, sind keine fertigen Loops, sondern das, was man sich aus der Engine selbst erstellt hat. Wie man auf dem Bild sieht, gibt es einen Rhythm-Stepper, der erlaubt, mit dem Sample so umzugehen, wie wir es aus einem MIDI-Editor kennen. Nur muss man es hier nicht Note für Note einspielen. Während des Spielens gibt man die Quantisierung, Schläge und Taktart ein und hört gleich das Ergebnis.

Die Dynamik des Sonuscore The Orchestra macht Orchestermusik erst richtig lebendig. Hervorragend funktioniert sie hier über die Mod Wheel-Funktion. Beliebige Tasten drücken und das Mod Wheel im gewünschten Tempo anfahren. In Sekunden entsteht ein schönes dramatisches Crescendo oder umgekehrt ein Decrescendo, was mit 20 Einzelspuren ewig dauern würde.

Neben den Ensemble Instruments gibt es wie erwähnt die einzelnen Instrumente (88). Hier kann man entweder die Spielweisen Staccato, Sustain, Marcato, Legato, Tremolo oder Pizzicato einzeln laden oder die All Articulations wählen, welche alle Spielweisen per Key-Switch erlaubt. Es gibt aber keine Harmonics, Barthok oder Col Legno Spielweisen.

Auch wenn viele Komponisten es lieben, völlige Kontrolle über jede einzelne Stimme zu haben, gibt es für eine wirklich schnelle und realistische Performance die All Articulations. Wer hat schon Lust, sechs Spuren zu öffnen und zwischen den Spielweisen rumzuhüpfen. Noch einen Schritt weiter geht das Multi Key Switch. Eine Instrumentengruppe spielt nicht automatisch immer das Gleiche. Ein Teil der ersten Streicher (1st Chair) spielen Legato und die andere Hälfte Pizzicato.

Die Percussion-Abteilung des Sonuscore The Orchestra beinhaltet neben Becken, Timpanis und Snare auch eine Harfe. Zwar gibt es nur eine Spielweise, trotzdem klingt sie gut und rundet die fünf Instrumentengruppen schön ab. Die Tubular-Glocke ist ein weiterer Bonus, der mir allerdings ein wenig zu weit weg klingt. Andererseits … wer will schon direkt neben einer Kircheglocke im Turm stehen?

Beeindruckende Ergebnisse erzielt man, wenn man die gesamte Library kombiniert. Benützt man einen Pattern als Akkord-Basis aus den Multis-Patches, legt die Melodie aus den Einzelinstrumente drüber, ergänzt diese noch mit Percussion, kommt man innerhalb kürzester Zeit zu einem sehr realistischen Ergebnis.

Ich würde Sonuscore The Orchestra in erster Linie für Hintergrundtexturen verwenden und bedingt für Komposition, weil kein seriöser Auftrag mit einem pauschalen Orchester-Bett zu bedienen ist. Sie funktioniert zwar sicher gut als festes Arbeitstool, ich persönlich bin schneller, wenn ich mit Single-Instrumenten von „Null“ anfange. Wovon ich allerdings absolut überzeugt bin, ist die Arpeggiator-Funktion. Egal wie lange ich mit guten Samples rumprogrammiere, ein Celli- oder Violinen-Ostinato beispielsweise mit dem Sonuscore Arpeggiator klingt einfach realistischer und geht wirklich schneller.

Und so klingt das Ganze:

Instrumenten-Liste:

Fazit

Man muss bei Sonuscore The Orchestra auf ein paar Artikulationen verzichten, wenn es wirklich ins Detail gehen soll. Trotzdem stimmt das Preis-Leistungs-Verhältnis. Vor allem für Leute, die nicht oft eine Orchester Library benötigen oder auch für Anfänger ist The Orchestra ein top Paket. So muss man für sich selbst entscheiden, ob man sein Geld für einen Allrounder ausgibt oder für die gleiche Summe nur eine Instrumentengruppe kauft.

Plus

  • The Orchestra-Engine Funktion
  • realistischer Sound
  • Flexibilität
  • Preis-Leistungs-Verhältnis

Minus

  • keine Mikrofonpositionen enthalten

Preis

  • 379,- €
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