Referenzstudio to go
Sony 360 VME ist eine neue Technologie, die ab sofort für den Raum Deutschland, Österreich und Schweiz verfügbar ist. Mit der gleichnamigen Software kann jeder das akustische Umfeld eines Mehrkanal-Studios auf seinem Kopfhörer reproduzieren. Was es hierfür benötigt und vor allem wie es klingt, erfahrt ihr in unserem Testbericht.
- Technologie: Sony 360 VME repliziert echte Studioräume für Kopfhörer und ermöglicht eine täuschend realistische Mehrkanal-Wiedergabe.
- Messung: Ein personalisiertes HRTF-Profil sorgt dafür, dass die Raumabbildung exakt auf die eigene Ohr- und Kopfgeometrie abgestimmt ist.
- Software: Die Standalone-Lösung und das Plug-in bieten übersichtliche Tools für Monitoring, Routing und Profilanpassungen.
- Einsatz: Besonders attraktiv für Mehrkanal-Studios, Film-Post-Produktion, Game Audio und Ausbildungsstätten.
- Fazit: Klanglich beeindruckend, technisch ausgereift – jedoch kostenintensiv, mit großem Potenzial für eine breitere Zukunft.
Inhaltsverzeichnis
- Was ist die Sony 360 VME Technologie?
- Für wen ist Sony 360 VME?
- Aktuelle Spezifikationen und Kompatibilität
- Die personalisierte Messung im Referenzstudio
- Sony 360 VME: Software
- Welche Kopfhörer sind für Sony 360 VME geeignet?
- Der Praxistest in den Berliner msm-studios
- Was kosten Messung, Profil und Software?
Was ist die Sony 360 VME Technologie?
Mit eigenen Formaten, wie beispielsweise SDDS (Sony Dynamic Digital Sound), ist das Thema Surround und 3D-Audio für Sony natürlich schon lange kein Neuland mehr. Vor allem auch für Kopfhörer wird hier schon länger geforscht und entwickelt. Mit 360 Reality Audio präsentierte man 2019 dazu ein eigenes Format, speziell für immersive Musikproduktionen.
Bei Sony 360 VME handelt es sich um eine 3D-Audiotechnologie, an der insgesamt 10 Jahre gearbeitet wurde und die natürlich auch in der Zukunft noch weiterentwickelt werden soll. Hier werden Räume wohlgemerkt nicht simuliert, sondern im Prinzip eher dupliziert. Ziel ist es, eine exakte Kopie eines Studioraums für Kopfhörer bereitzustellen.
Neben der Software hat Sony auch eigene In-Ear-Messmikrofone entwickelt und das Kopfhörermodell Sony MDR-MV1 wurde bereits spezifisch für 360 VME konzipiert. Bei Sonys Tochtergesellschaft SPE (Sony Pictures Entertainment) und einigen Studios im US/UK-Raum wird diese Technologie bereits seit einiger Zeit auch in der Praxis eingesetzt. Seit dem 10. November ist sie nun auch in den deutschsprachigen Ländern zum Einsatz bereit.
Für wen ist Sony 360 VME?
Der Hauptfokus liegt ganz klar im Pro-Audio-Bereich, für alle die mit Mehrkanalformaten arbeiten, wobei sich natürlich genauso auch ein Studio mit Stereomonitoren abbilden ließe. Die meisten privaten Konsumenten werden sich hier vermutlich weniger angesprochen fühlen, wenn dann nur aufgrund eines persönlichen Interesses. Falls dennoch jemand beispielsweise sein Heimkino mit auf Reisen nehmen mag – mit der Sony 360 VME wäre das zumindest von nun an machbar.
Aber auch für allgemeinere Zwecke finde ich Sony 360 VME interessant. Für Ausbildungsstätten im Audiobereich wäre das eine interessante Lösung, da es hier immer mehr Studierende als interne Tonstudios und Arbeitsplätze gibt. Vor allem in der Film-Post-Produktion und für Game-Audio könnte das in vielen Fällen eine wünschenswerte Option sein. Der Gedanke, auch einfach verschiedene Studioräume mit toller Akustik immer bei sich zu haben, ist natürlich sehr verlockend und naheliegend. Allerdings liegt es auch auf der Hand, dass wohl niemand so einfach seine heiligen Räume jedem zugänglich machen möchte, wenn auch nur virtuell.
Aktuelle Spezifikationen und Kompatibilität
Bei Sony 360 VME beläuft sich die maximale Anzahl der Kanäle auf 16, was wohl in den allermeisten Fällen mehr als ausreichend ist. Die aktuelle Abtastrate beträgt 48 kHz, wobei eine Unterstützung mehrerer Abtastraten in Zukunft noch folgen soll.
Mit der Standalone-Version lässt sich potentiell jede DAW nutzen. Auch ein Plug-in in den Formaten VST, AU und AAX wird zum Jahreswechsel verfügbar sein. Mindestanforderung an das Betriebssystem ist Windows 10 oder höher, beziehungsweise macOS 10.15.7 oder höher.
Die personalisierte Messung im Referenzstudio
Weshalb ist die personalisierte Messung so wichtig?
Auf welchem Weg ein Signal an unser Ohr gelangt und vor allem wie jeder einzelne von uns dieses wahrnimmt, ist sehr individuell und unterschiedlich. Nicht nur Laufzeitunterschiede und Reflexionen spielen dabei eine große Rolle, auch die Größe des Kopfes und die Form der Ohren, um nur ein paar der vielen Faktoren zu nennen. Die mathematische Beschreibung dafür ist Head-Related-Transfer-Function, kurz HRTF.
Über ein personalisiertes HRTF-Profil kann man sich also sicher sein, dass sich auf den Kopfhörern alles so anhört, als sei man selbst im Referenzraum. Umgekehrt funktioniert ein fremdes Messprofil sehr wahrscheinlich nur bedingt oder kann im schlimmsten Fall sogar zu einer komplett verfälschten Darstellung führen.
Erstellen des personalisierten HRTF-Profils
Der erste Schritt ist das personalisierte HRTF-Profil, um die Sony 360 VME speziell auf die exakte Ohr- und Kopfgeometrie zu optimieren. Hierfür stehen, je nach Region, verschiedene Vertriebspartner zur Verfügung, die eine Messung vor Ort durchführen. Für Deutschland, die Schweiz und Österreich ist die Firma SMM aus Ismaning zuständig. SMM bietet von der Beratung über die Einmessung bis hin zur Anpassung alles rund um die Sony 360 VME Technologie.
Zur Messung werden spezielle In-Ear-Mikrofone benutzt, die eine spiralförmige Feder angebracht haben. Im Gehörgang angebracht, soll so eine möglichst hohe Genauigkeit der Messung erreicht werden.
Im Sweet-Spot sitzend wird dann zuerst ein pinkes Rauschen über den Center-Lautsprecher abgespielt. Im Anschluss folgen alle weiteren Lautsprecher, die dann reihum einen kurzen Frequenz-Sweep abspielen. Dieser Ablauf wird im Anschluss mit Kopfhörern wiederholt. Während der Messung ist es natürlich extrem wichtig die Sitz- und Kopfposition beizubehalten. Die Messung ist in wenigen Minuten erledigt und das erstellte Profil im Anschluss direkt nutzbar.
Sony 360 VME: Software
Sony 360 VME ist als Standalone-Software oder als Plug-in nutzbar. Nach der Installation muss zunächst eine Verbindung zur DAW hergestellt werden. Ein im Installationsprogramm der Wiedergabe-Software enthaltener virtueller Audiotreiber leitet das Lautsprechersignal der Wiedergabequelle weiter. Im aktuellen Handbuch wird die Einrichtung anhand von Pro Tools beschrieben, sie sollte aber im Kern identisch bei allen anderen DAWs sein.
Die Bedienoberfläche der Sony 360 VME Software wirkt sehr überschaubar und sinnvoll aufgebaut. Ganz oben befindet sich eine Bypass-Funktion für Kopfhörer und Lautsprecher. Darunter gibt es fünf Tabs zur Konfiguration und Information: Profile, Input Monitor, Input Level, Settings und About 360 VME.
Im Profil-Fenster lässt sich das gewünschte Profil laden und es werden Profilname, Ort, Kopfhörermodell, Kanalformat und das Verfallsdatum der Lizenz angezeigt. Wer möchte, kann sich das Referenzstudio auch als Foto anzeigen lassen.
Die Input-Monitor- und Input-Level-Fenster sind relativ ähnlich. Hier kann man seine Eingangssignale überwachen und einzelne oder mehrere Kanäle auf Solo oder Mute schalten. Im Input-Monitor-Fenster kann zusätzlich das Routing geändert werden.
Im Settings-Fenster werden unter anderem Ein- und Ausgangsgeräte und Treiber festgelegt. Im letzten Fenster gibt es noch Informationen zur Software und Lizenz. Rechts neben den genannten fünf Tabs sitzt ein Master-Fader mit Metering-Anzeige.
Um das erstellte Profil je nach Situation und Bedarf anzupassen, stehen ein De-Reverb und ein Equalizer bereit. Das De-Reverb besteht aus drei Parametern: Reduzierung, Startpunkt und Länge. Dazu gibt es noch eine Crossover-Funktion, um den Nachhall nur in den mittleren und oberen Frequenzen anzupassen. Mit der Compare-Funktion lassen sich dann noch zwei verschiedene Einstellungen miteinander vergleichen.
Der Equalizer besteht aus sieben Bändern, genauer gesagt aus Low Shelf, Hi Shelf und fünf weiteren Bändern mit variabler Filtergüte.
Welche Kopfhörer sind für Sony 360 VME geeignet?
Prinzipiell funktioniert Sony 360 VME, wie auch binaurales Audio, mit allen Kopfhörern. Sony selbst empfiehlt aber seine eigenen Produkte, die für eine optimale Räumlichkeit sorgen sollen.
- MDR-MV1: offener Kopfhörer, speziell für 360 VME entwickelt
- MDR-M1: geschlossener Kopfhörer, Hi-Res-Audio
- MDR-Z1R: geschlossener Kopfhörer, Hi-Res-Audio
- MDR-Z7M2: geschlossener Kopfhörer, Hi-Res-Audio
Der Praxistest in den Berliner msm-studios
Zur Präsentation von 360 VME lud Sony in die Berliner msm-studios ein. Hier durfte man die Software auch einmal selbst testen. Bei der Messung und Erstellung des HRTF-Profils konnte man bereits erahnen, was auf einen zukommt. Denn bereits beim zweiten Messdurchgang mit Kopfhörern konnte man beim ersten Signal (pinkes Rauschen auf dem Center-Lautsprecher) schon nicht mehr unterscheiden, ob das Signal nun wirklich aus den Kopfhörern oder dem Lautsprecher im Raum kam.
Im Anschluss konnte man einen direkten A/B-Vergleich machen, und um Unterschiede zwischen dem echten Raum und der Replikation festzumachen, musste man sich schon wirklich konzentrieren. Leichte Pegelunterschiede sowie leichte Differenzen bezüglich des Raums und der Frequenzen erahnten beinahe alle – so wirklich sicher war sich aber niemand.
Allerdings muss man hier auch erwähnen, dass die Messung verhältnismäßig schnell verlief und in der Praxis etwas länger dauern würde. Auch mehrere Messungen könnten in einzelnen Fällen sinnvoll sein. Doch dann hat man wirklich eine erstaunliche echte Replikation des Raumes und dessen Lautsprechern.
Was kosten Messung, Profil und Software?
Die Software selbst ist kostenfrei erhältlich und die folgenden angegebenen Preise verstehen sich zuzügl. Mehrwertsteuer. Die Kosten der Messung für das Profil variieren natürlich, je nach Lage des Referenzstudios. Anreisekosten sollen jedoch durch mehrere Termine innerhalb einer Stadt, möglichst gering gehalten werden.
Für den Vororttermin, wozu ein Vorgespräch für das Setup und die Rüstzeit im Studio (inklusive aller Probe- und Profilmessungen und ggf. Optimierungen) zählt, wird aktuell eine Pauschale von 790,- Euro berechnet.
Für das personalisierte Profil erwirbt man eine Lizenz mit folgenden Optionen:
VME License Single Profile:
- 269,- Euro pro Jahr
- 169,- Euro pro Halbjahr
- 39,- Euro pro Monat
VME License Multi Profiles (für bis zu drei Profile):
- 399,- Euro pro Jahr
- 269,- Euro pro Halbjahr
- 59,- Euro pro Monat
Außerdem gibt es noch eine Option für akademische Einrichtungen:
- 99,- Euro pro Jahr (Single Profile)
- 129,- Euro pro Jahr (Multi Profiles)












































