Test: Sony C-100, Zweikapsel Kondensatormikrofon

Einsatz des Sony C-100

Für so ein edles Teil muss natürlich auch die weitere Verwertungskette mitspielen. So beglückwünsche ich mich mal wieder, mir den Millennia HV-3 C geleistet zu haben, der mit seiner neutralen und dreidimensionalen Klangaufzeichnung und einem Frequenzbereich jenseits von gut und böse sicher perfekt zum C-100 passt. Gewandelt wird mit einem RME ADI-8 DS, als Vergleichsmikro kommt wieder mein altes AKG C414 B-ULS zum Einsatz.

Das Sony C-100 und mal wieder das AKG C414 B-ULS

Zunächst werden beide Mikrofone auf Niere geschaltet und eingepegelt. Hier kommt das Sony Mikrofon mit ca. 6 dB weniger Gain aus. Das ist auch gut so, das rauschärmste Mikrofon ist das C-100 nicht. Bei einem Preamp, der da auch noch etwas addieren würde, ist das zwar immer noch nicht kritisch, aber dann schon wahrnehmbar.

Der Klang des Sony mit Stimme ist modern. Sehr deutliche und offene Höhen, die aber nie harsch und unangenehm werden. Es entwickelt sich ein dreidimensionales Klangbild, das die Klangquelle immer näher an den Kapseln vermuten lässt, als sie in Wirklichkeit platziert ist. Die Niere ist dabei durchaus breit genug angelegt, um auch seitliche Wackler nicht direkt in Klangveränderungen umzumünzen.

Bei geringen Entfernungen tritt der Nahbesprecheffekt recht spät auf, 7 – 8 cm bin ich da schon am Mikro dran. Auch bei noch näherem Besprechen zeigt sich das Sony C-100 als Mikrofon, das hier auf einen ausgeprägten Effekt verzichtet.

Auch das AKG ist ein Mikrofon, das schön auf Abstand fokussieren kann und die Klangquelle nahe heranholt. Der Grundklang ist aber deutlich mehr oldschool mit im direkten Vergleich fast schon belegten Höhen. Ein Paar C-100 als ORTF Hauptmikrofonierung bei einer Klassikaufnahme, das würde ich gerne einmal hören.

sony c-100

Auch bei Instrumenten liefert das Sony ein hervorragendes Bild, akustische Gitarre und Shaker werden getestet. Hier kommt dem C-100, neben seiner natürlichen und räumlichen Klangdarstellung, seine Schnelligkeit entgegen. Selten habe ich ein Mikro erlebt, das die Transienten so natürlich und detailliert darstellt, hier schließt es schon zu den besten Kleinmembranern auf. Bei höhenreichen Sounds wie dem Shaker wird im Höhenbereich fast zu viel Information geliefert, aber hier lässt sich leicht im Mix mit einem guten EQ gegensteuern.

Bisher also nur Bestnoten für das C-100. Mal hören, wie es mit den anderen Richtcharakteristiken weitergeht.

Die mitgelieferten Diagramme

Dieselbe Testroutine wird nun mit der Kugel durchgeführt. Hier kann ein Mikrofon in der Regel den natürlichsten Sound liefern, deshalb wird die Charakteristik auch gerne u.a. bei Klassikaufnahmen eingesetzt. Beim AKG bewahrheitet sich dies auch, offen und natürlich werden die Schallquellen dargestellt. Das Sony klingt hier seltsam belegt, von der bisherigen Natürlichkeit geht einiges verloren. Nun bilden nur die beiden großen Membrane als Kugel ab, die kleine Elektret Kapsel bleibt auf die Niere beschränkt, somit ist ein Klangunterschied zwischen Vorder- und Rückseite erwartbar. Ich habe das Mikro aber definitiv nicht von der falschen Seite bespielt.

Gehen wir also direkt weiter zu der Acht-Charakteristik. Auch hier klingt das alte AKG C414 natürlicher. Das C-100 liefert hier zwar wieder die besseren Höhen, das Gesamtsignal klingt aber etwas gepresst, so als würde mit einer leichten Kompression gearbeitet.

Da beide Charakteristiken, die mit der Doppelmembran arbeiten, meiner Meinung nach gegen die Niere verlieren, vermute ich, dass die Abstimmung zwischen der Doppelkapsel und der kleinen Elektret nicht optimal gelingt. Interessant wäre hier, die einfach mal abschalten zu können, das ist aber nicht vor gesehen.

Was ich aber noch überprüfen kann, ist der PAD-Schalter und der Low Cut.

PAD und Low Cut, vorhanden, funktioniert

Beide Funktionen arbeiten tadellos, der Low Cut ist recht tief und flach gesetzt, dient also vorwiegend zur Unterdrückung mechanischer Rumpelgeräusche und kann in den allermeisten Fällen einfach eingeschaltet bleiben. Auch die funktionale Spinne trägt hier noch ihren Teil zum störungsfreien Gesamtergebnis bei.

Erstaunt hat mich der mitgelieferte Poppschutz, der eine sehr gute Wirkung zeigt, ohne den Sound negativ zu beeinflussen.

Ungewöhnlicher Poppschutz mit guter Wirkung

Fazit

Das neue Sony C-100 ist ein gelungenes Mikrofon mit ungewöhnlichem Konzept, sehr gutem Klang und perfekter Verarbeitung.

Hervorzuheben sind der moderne Grundsound, die sehr gute Höhenabbildung, die schöne Fokussierung in die Tiefe und die extrem schnellen Transienten.

Leider können die Richtcharakteristiken Kugel und Acht mit der Niere nicht ganz mithalten. Somit wäre evtl. ein C50 (oder so ähnlich) mit einer festen Richtcharakteristik ohne Doppelkapsel und der entsprechenden Preisreduzierung für viele Interessenten eine willkommene Alternative.

Plus

  • sehr offener, dreidimensionaler Grundsound (in der Nierencharakteristik)
  • schnelle Transienten
  • ungewöhnliches Konzept
  • perfekte Verarbeitung
  • gutes und praktikables Zubehör
  • anständiges Preis-Leistungs-Verhältnis

Minus

  • mit drei Membranen scheint die Anpassung nicht optimal

Preis

  • Ladenpreis 1.449,- Euro
Forum
  1. Profilbild
    psv-ddv  AHU

    Interessanter Bericht, Danke!
    Da ihr leider keine Klangbeispiele gepostet habt, hierzu mein Verweis auf die Konkurrenz von Sound&Recording. Da gibt es auf der Webseite hervorragende Klangbeispiele zum C100 auch im Vergleich mit einem C414 und dem grossen Röhrenbruder Sony C800.

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