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Test: Soundcraft GB2-16R Live-Mischpult

31. Oktober 2019

Vielseitiger Mischpult-Klassiker für Live-Bands

Analoge Mischpulte erfreuen sich trotz ständig wachsender digitaler Konkurrenz noch immer großer Beliebtheit. Ein Plus dieser konventionellen Technik ist die übersichtliche, intuitive Bedienbarkeit ohne komplizierte Menüführungen oder verschachtelte Einstellungs-Ebenen. Meist kann man sich beim Einsatz derartiger analoger Arbeitstiere sogar den Blick ins Manual sparen. Mit ein wenig Vorkenntnissen ist die Bedienung recht unkompliziert. Einschalten und loslegen lautet die Devise.

Das Soundcraft Modell GB2R 16 ist so ein Kandidat. Die Konsole bietet 16 Mono-Kanäle mit zwei, als Stereo-Ausgang konzipierten Gruppen. Dank des variabel montierbaren Anschluss-Panels und des Raster-Formats eignet sie sich sowohl zum Einsatz als Table-Top Mischpult, wie auch für den Einbau in ein 19 Zoll-Rack.

Erster Eindruck des Soundcraft GB2-16R

Das blaue Stahlgehäuse mit dem integrierten Netzteil macht einen grundsoliden Eindruck. Durch die beiden vorher erwähnten alternativen Einsatzmöglichkeiten unterscheidet sich das GB2R auch optisch von anderen Geräten. Die Rack-Winkel sind bereits vormontiert, auch wenn der Mixer bei der Auslieferung zunächst für den Table-Top-Betrieb konfiguriert ist. Bedeutet, das Panel mit allen Anschlüssen ist im rechten Winkel zum Bedienfeld angebracht. In dieser Stellung dient es als Stütze und hebt die Regler des Mixers in eine angenehm angewinkelte Arbeitsposition. Aus Perspektive des Benutzers sind beim Einsatz „auf dem Tisch“ die rückseitigen Anschlüsse nicht sichtbar, so dass der Blick lediglich auf die aufgeräumte Oberfläche fällt.

Mit angewinkelter Steckerleiste

Für den Rack-Einbau bedarf es nur weniger Umbauarbeiten, bei denen das gesamte Anschlussfeld umgeklappt werden kann. Die Anschlüsse sind dann im eingebauten Zustand bequem durch die hintere Öffnung des Racks zugängig.

Das Layout der 16 Kanalzüge sowie der Mastersektion ist klar und übersichtlich. Dank der farbigen Drehregler und Druckknöpfe wird die Struktur des GB2R recht schnell deutlich. Die Zusammengehörigkeit der Steuerelemente wird zusätzlich durch die farbig abgesetzte Oberfläche des Mischpults unterstützt. So findet man sich augenblicklich zurecht und ist gleich vertraut mit der Soundcraft Konsole.

16 Mono-Eingangskanäle

Die Struktur aller 16 Eingangskanalzüge ist identisch aufgebaut. MIC GAIN regelt die Empfindlichkeit der rückseitigen, symmetrischen Mikrofon- (XLR) und Line-Eingänge (Stereoklinke). Die Phase des gewählten Eingangs kann durch Druck auf einen Taster schnell gedreht werden. Zu den weiteren Standards des Eingangsbereichs gehören 48V-Phantomspeisung für Kondensatormikrofone sowie ein 100 Hz Hochpassfilter zur Unterdrückung von Trittschall oder Pop-Geräuschen.

Farblich abgesetzt folgt die 4-Band Klangregelung. Sie besteht aus einem Höhen- und Tiefenregler mit Kuhschwanzcharakteristik sowie parametrischen Hoch- und Tiefmitten. Der Regelbereich des Höhen- und Tiefenreglers beträgt +/-15db bei 13kHz und 80Hz. Die Tiefmitten sind von 80Hz bis 1.9kHz, die Hochmitten von 550Hz bis 13kHz jeweils um +/-15db regelbar. Mit einem Drucktaster kann der komplette EQ-Bereich umgangen werden, so dass Vergleiche „vorher-nachher“ gut möglich sind.

Das GB2R verfügt in jedem Kanalzug über sechs Aux-Wege. Aux 1 und 2 liefern pre-Fader-Signale, Aux 5 und 6 liegen nach dem Fader (post). Die Wege 3 und 4 lassen sich per Knopfdruck wahlweise pre- oder post-Fader schalten. Mit diesen Optionen sind im täglichen Gebrauch eine Vielzahl an Effekt- oder Monitorwegen realisierbar.

Der letzter Drehregler oberhalb des Kanalfaders ist für die Positionierung des Signals im Stereo-Panorama zuständig. Mit seiner gelben Markierung findet das Panorama-Poti farbliche Entsprechung bei den zwei Summen-Fadern, die den Master Output steuern.

In jedem Kanal kommen leichtgängige 100 mm Fader zum Einsatz. Daneben gibt es drei Taster mit verschiedenen Optionen. MUTE schaltet das Eingangssignal an oder ab. Bei Stummschaltung leuchtet die zugehörige LED. MIX legt das Signal auf die Stereo-Summe. Ist PFL aktiviert (LED leuchtet), wird das Signal zur Vorhörkontrolle auf die Monitorausgänge und den Kopfhörer geroutet. In dieser Stellung zeigt die zwölfteilige, doppelte LED-Kette der Mastersektion den Pegel des jeweiligen Signals an. Zwei weitere LEDs im Kanalzug geben Auskunft über den Status: die rote Peak-Anzeige (PK) und die grüne Signal Kontroll-Leuchte (SIG).

Mit Rack-Winkeln

Die Mastersektion des Soundcraft GB2-16R

Da es sich beim GB2R 16 um einen 16 in 2 Mischer handelt, fällt die Mastersektion entsprechend unspektakulär aus. Fangen wir diesmal unten an.

Die beiden gelben Fader (MIX-L und MIX-R) regeln die Signalstärke der rückseitigen XLR-Hauptausgänge und des STEREO REC-Ausgangs (Cinch), über den angeschlossene Aufnahmegeräte wie beispielsweise DAT Recorder oder MiniDisk versorgt werden. Für Zuspieler stehen hinten übrigens ebenfalls zwei Cinch Buchen bereit, die dem Summenmix zugeschaltet werden können und mit einem separaten Lautstärkeregler (2-TK LEVEL) versehen sind. Mit H/PHONES wird die Kopfhörerlautstärke eingestellt, der Regler C/ROOM bestimmt die Lautstärke an den symmetrischen Monitorausgängen (links und rechts). Quellen für die Monitorsektion sind der Hauptmix und der STEREO-Eingang (2-TK), die separat oder gemeinsam zu den hinteren Ausgänge geroutet werden können. Durch Aktivierung der Taste MONO wird eine Monosumme der gesamten Mischung erzeugt, die über die dazugehörige XLR-Buchse ausgegeben wird.

Die beiden Felder mit der Bezeichnung STEREO RET 1 und STEREO RET 2 sind entsprechenden, symmetrischen Klinkenbuchsen zugeordnet. Hier kann beispielsweise das Signal eines externen STEREO Effektgerätes an die Stereosumme zurückgeführt werden. Der Pegelsteller MIX LEVEL regelt die Stärke, mit dem Poti AUX 1 PRE oder AUX 2 PRE wird die Monosumme jedes Eingangspaares an die Aux-Wege 1 oder 2 geschickt.

Jeder der sechs Aux-Wege besitzt einen Master-Regler (AUX 1-6). Damit wird die Signalstärke des jeweiligen Weges an den symmetrischen AUX OUTPUTS bestimmt. Während für die Ausgänge 1 bis 4 XLR-Steckern (männlich) zur Verfügung stehen, bieten die Wege Aux 5 und 6 jeweils Stereoklinken. Die AFL-Taster mit dazugehörigen LEDs legen das Aux-Signal (post Fader) wahlweise auf die Monitorausgänge und den Kopfhörer.

Zwei Kontroll-LEDs zeigen die korrekte Spannung im Mischpult an. Die mit LAMP bezeichnete, vierpolige XLR-Buchse dient zur Aufnahme einer handelsüblichen Schwanenhals-Leuchte, die nicht zum Lieferumfang gehört. Die Anbringung der Kopfhörer-Buchse im oberen Bereich ist für mein Empfinden etwas unglücklich gewählt.

Das Anschlusses des Soundcraft GB2-16R

Viele Anschlussmöglichkeiten des Soundcraft GB2R habe ich schon beschrieben, der Vollständigkeit halber werfen wir noch einen abschließenden Blick auf das rückseitige Anschlussfeld.

Auch hier herrschen klare Strukturen und Übersichtlichkeit.

Die Anschlüsse des GB2-16R

Die Eingangskanäle sind von 1 bis 16 durchnumeriert. Jeder Kanalzug wird von hier versorgt und bietet neben den üblichen XLR-Buchsen auch symmetrierte Line-Eingänge (Stereobuchse) und einen eigenen Einschleifpunkt (Stereobuchse) für Inserteffekte. Außerdem verfügt der Mischer in jedem Kanal über einen Direktausgang (DIR). Von hier aus können die Signale zu einer Aufnahme-Einheit geschickt werden. Die Besonderheit dabei. Der Ausgang liegt normalerweise nach dem Fader. Ein Druck auf den PRE-Taster legt ihn vor den INSERT.

Zu erwähnen bliebe noch bei den bereits beschriebenen MIX OUTPUTS, dass hier natürlich auch die Einschleifwege in Form von INSERTS nicht fehlen.

Der Soundcraft GB2-16R in der Praxis

Wer schon mal an einem digitalen Mischpult gearbeitet hat, weiß bestimmt die Vorteile der analogen Kameraden zu schätzen. Jeder kennt die Situation, plötzlich kommt beim Live-Gig Hektik und Stress auf. Die Zeit für den Soundcheck war, wie so oft, viel zu knapp. Einstellungen müssen schnell verändert werden oder der Sound soll augenblicklich korrigiert und angepasst werden. Nicht nur in dieser Situation spielen analoge Mischpulte ihre Stärken aus. Wenn sie dann noch übersichtlich und gut strukturiert sind, macht das Arbeiten mit ihnen doppelt Spaß. Das freut nicht nur den Mann am Pult, sondern auch die auf der Bühne stehenden Musiker.

Wie bereits in der Einleitung erwähnt, einfach anschließen und loslegen. So war es auch beim Soundcraft Pult. Mit der effektiven Klangregelung kommt man zügig zu gewünschten Ergebnissen. Die Potis sind griffig und fest. Die langen Faderwege sind angenehm und butterweich. Kein Eigenrauschen stört bei der Arbeit, so soll es schließlich auch sein. Jede Menge Kontroll-Leuchten geben Aufschluss über den Status. Die angewinkelte Table-Top-Position ermöglicht angenehmes Arbeiten.

Fazit

Als Standard 16 in 2 Mischer verbirgt der Soundcraft GB2-16R keine Geheimnisse.

Manche Detaillösungen, wie die schaltbaren DIRECT Outs, heben sich wohltuend von der Konkurrenz ab. An Aux-Wegen kann man nie genug haben. Das GB2R bietet davon sechs und eröffnet damit weitreichende Routing-Möglichkeiten für die Speisung von Effekten oder Monitorwegen. Die Bedienung der Konsole ist einfach und schnell nachvollziehbar. Die flexible Einsatzmöglichkeit als Table-Top- oder Rackmischer schafft Variabilität. Unter optischen Gesichtspunkten wäre es vielleicht schöner, die Rackwinkel separat mitzuliefern, statt sie direkt anzuschrauben. Beim Einsatz auf dem Tisch sieht es mit montierten Winkeln immer etwas nach einer Kompromisslösung aus. Dieser kleine Schönheitsfehler ist ein ganz persönlicher Eindruck, der die Qualitäten des Soundcraft Mischers in keinster Weise schmälern soll. Außerdem kann jeder Benutzer die Winkel abschrauben, wenn sie ihn stören. Verarbeitung und klangliche Eigenschaften sind vorbildlich. Kurzum – alles passt.

Wenn jemand die Neuanschaffung einer Konsole mit den hier beschriebenen Features in Betracht zieht, kann ich den Soundcraft Mischer ohne Bedenken empfehlen. Belohnt wird man mit ausgereifter, gut klingender analoger Technik. Es muss also nicht immer digital sein.

Plus

  • Klang
  • Verarbeitung
  • Bedienbarkeit
  • Variabilität durch Umbau des Anschlussfeldes
  • sechs Aux-Wege
  • Klangregelung
  • integriertes Netzteil

Minus

  • Buchse für Kopfhörer weit oben

Preis

  • 1.199,-€
Forum
  1. Profilbild
    sir stony

    Tjoa… ich stehe gerade vor der Entscheidung für kleinere Livejobs ein all in one Rack zusammenzustellen, und da hatte ich zuerst mit einem Allen&Heath 16:2 geliebäugelt. Aber da fehlen mir EQ bypass und Phase invert, die dieser Mixer hingegen bietet. Layout und Qualität sind bei beiden ansonsten so ähnlich, dass ich ernsthaft ins Grübeln komme. Es gibt noch drei, vier andere Kandidaten, von denen aber zwei kein Rackformat haben, oder nur 3-band EQs, oder keine so praxiserprobte Verarbeitung, oder oder oder… gerade in dieser Klasse gibt es mehr Kriterien und Detailunterschiede als bei den kleineren oder deutlich größeren Mischern. Kleiner wird klar gespart, größer geklotzt. Hier aber versucht man den Spagat; doch keiner den ich bisher unter den Pfoten hatte, erfüllt wirklich alle Kriterien mit Bravour. Dieser hier schickt sich aber an ein heißer Kandidat zu sein.

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