Test: Source Audio AfterShock Bass Distortion, Basspedal

6. September 2016

Bring deinen Bass zum Krachen!

„Aha, mal wieder ne Basszerre …“, waren meine ersten Gedanken beim Öffnen des kleinen Pakets und Sichten dessen Inhalts, dem Source Audio AfterShock Bass Distortion. Ein kurzer Blick in die beigefügte englischsprachige Mini-Einführung belehrte mich dann schnell eines Besseren: Unter dem unscheinbaren Äußeren scheint sich einer der vielseitigsten und leistungsstärksten Bassverzerrer überhaupt zu verbergen. Man darf gespannt sein!

Aftersh 1

— Source Audio AfterShock Bass Distortion —

Die Hardware

Der Source Audio AfterShock Bass Distortion wird in einem schicken, schwarzen Pappkistchen geliefert. Zum Lieferumfang gehört neben dem eigentlichen Bodenpedal das passende Netzteil, vier selbstklebende Gummifüßchen sowie ein Stereokabel Mini- auf Standardklinke, womit man den Verzerrer an ein Smartphone anschließen kann. Die schick orangefarbene Alukiste misst kompakte 114 x 70 x 51 mm und wiegt leichte 270 Gramm und wird so zum gerne gesehenen (Dauer-) Gast auf jedem Pedalboard.

Auffällig für einen Verzerrer sind die in den Flanken eingelassen Buchsenpaare „Input 1 & 2“ und „Output 1 & 2“ , die auf einen möglichen Stereobetrieb hinweisen. Rückseitig befindet sich ein USB-Port, der Anschluss für das Netzteil sowie der sogenannte „Control-Input“, an den sich sowohl Expressionpedale und Controller (auch von Fremdanbietern) als auch der sogenannte Soundblox Neuro HUBeine Art digitaler Switcher/Looper für bis zu 7 Effektgeräte von Source Audio, der dann MIDI, speicherbare Presets und diverse Controlleranschlüsse bereitstellt, anschließen lassen.

Source Audio AfterShock Bass Distortion Basspedal

Auf der Frontplatte des AfterShock geben zwei LEDs Auskunft über den Betriebsstatus des Gerätes. Die etwas Kleinere leuchtet bei Stromzufuhr, die Größere mittig montierte, wenn der Effekt aktiv ist. Drei verschiedene Grundsounds sind per Minischalter abrufbar:

  • „Tube“, ein eher sanfter Röhrensound
  • „Heavy“ als heftige, basslastige Zerre
  • „Fuzz“ Highgain mit viel Sustain

Jeder Schalterposition kann am Gerät ein selbst erstelltes Preset fest einprogrammiert werden, die drei Werkssounds bleiben erhalten! Hierzu existiert der „Preset-Mode“, der durch ein Drücken > 5 Sekunden des Fußschalters ein- und ausgeschaltet wird.

Ansonsten gibt es vier Regler zum Einstellen der Verzerrung: „Drive“ für den Verzerrungsgrad, „Level“ für die Lautstärke, „Clean“, um den unbearbeiteten Basssound beizumischen und „Tone“ als klassische Höhenblende. Interessanterweise ist diese Belegung nicht in Stein gemeißelt, sondern lässt sich mittels einer App frei konfigurieren.

Der AfterShock Bass Distortion ist herausragend gut verarbeitet. Alle Kanten des Gehäuses wurden sorgsam verrundet, Potis, Schalter und Buchsen sind robust und hochwertig.

Die Neuro App Software

Neuroapp2

— Im Startfenster der App wählt man sein Gerät aus …

Der stolze Besitzer eines AfterShock Bass Distortion wird es sich sicherlich nicht nehmen lassen, die Neuro App, erhältlich für iOS und Android, auf sein mobiles Gerät zu laden. Das ist absolut empfehlenswert, da sich hier erst das volle Potenzial des unscheinbaren Bodentreters ausschöpfen lässt. Für diesen Test kam die iOS-App zum Einsatz.

Nach dem Herunterladen verbindet man den Kopfhörerausgang seines Handys durch das mitgelieferte Kabel mit „Input 2“ und es kann losgehen!

Die App enthält einen sehr umfangreichen Editor, eine Soundlibrary mit Sharing-Möglichkeiten für Anwendersounds und Zugriff auf Hardwareoptionen wie z. B. den Bypassmodus, der zwischen True Bypass oder Buffered Bypass umgeschaltet werden kann.

...und hat dann einige Bearbeitungsmöglichkeiten...

… und hat dann einige Bearbeitungsmöglichkeiten …

Die Möglichkeiten des Editors sind überwältigend und übersteigen zumindest meine bisherige Auffassung davon, was ein Verzerrer können sollte, um ein Vielfaches. Hier ist man nicht mehr auf „nur“ drei Verzerrergrundsounds beschränkt, man hat hier die Auswahl unter 44 (!) verschiedenen Verzerrern und umfangreiche Bearbeitungsmöglichkeiten, hier sollten vor allem die beiden vollparametrischen Vierband-Equalizer und die Routingoptionen erwähnt werden.

Hier kommt die Stereo-Funktionalität des AfterShock ins Spiel. Die beiden Kanäle können mit verschiedenen Verzerrermodellen bestückt werden, um dann seriell („stacked“, also zwei hintereinander geschaltete Verzerrer), parallel, True Stereo, stereo in, mono out oder umgekehrt geroutet zu werden. So kann der Source Audio AfterShock Bass Distortion auch als Signalsplitter oder Signalmerger verwendet werden. Außerdem kann der zweite Kanal als Fx-Loop für einen externen Effekt verwendet werden, hier hat man wiederum die Wahl zwischen parallelem und seriellem Betrieb.

... und eine gigantische Soundlibrary!

… und eine gigantische Soundlibrary! —

Außerdem gibt es ein regelbares Noisegate pro Kanal und die oben bereits erwähnte Möglichkeit, den Reglern für „Clean“ und „Tone“ andere Funktionen zuzuweisen.

Schade ist allerdings, dass der Editor nicht in Echtzeit funktioniert, sodass man zuerst den oder die gewünschten Parameter ändert und zunächst keine Veränderung am Sound hört, hierfür muss man erst den „Send All“ Button drücken. Das erstellte Preset kann man dann über den Soundbrowser mit anderen Anwendern teilen. Hier findet man auch unzählige Werkssounds und Anwenderpresets, die man per simplen Touch auf den AfterShock übertragen kann.

Sound & Praxis mit dem Source Audio AfterShock Bass Distortion

Ich habe es noch nicht erwähnt, aber wie man sich angesichts der überbordenden Funktionalitäten des AfterShock Bass Distortion schon denken kann, ist die Klangmanipulation rein digital. Ich bin wahrlich kein Freund von digitaler Verzerrung, Ampmodeling und Ähnlichem, muss in diesem Fall allerdings zugeben, dass sich auf diesem Gebiet offensichtlich sehr viel getan hat, denn das Ding klingt einfach geil! Und das nicht nur in Anbetracht der Vielseitigkeit, Programmierbarkeit und so weiter.

Alle Sounds, und das sind in Verbindung mit der Neuro App sehr viele, haben mich total überzeugt. Leicht angezerrte, bluesige Vintagesounds genauso wie moderne Vollbretter und Synthesizer-ähnliche Texturen. Nicht ausprobieren konnte ich die Controller-Funktionen in Ermangelung von kompatiblen Controllern. Die (iOS) App lief im Testzeitraum stabil und ohne Abstürze.

Die Stereoauslegung des Source Audio AfterShock Bass Distortion birgt vielfältige Sound und Routingoptionen!

— Die Stereoauslegung des Source Audio AfterShock Bass Distortion birgt vielfältige Sound- und Routingoptionen —

Fazit

Ich muss ehrlich zugeben, dass mich der Source Audio AfterShock Bass Distortion auf ganzer Linie überzeugt, ja geradezu verblüfft! Der erste Eindruck, der von einem schnöden Basszerrer kündet, täuscht völlig. Einerseits ist er unfassbar vielseitig, andererseits klingt er wirklich überzeugend! Da ist von Sterilität und „digitaler Kälte“ nichts zu spüren, alle Sounds klingen so, wie man sich das wünscht, vom einfachen, angezerrten Tubedriver bis zu abgefahrenen Stereo/Stackedsounds, die bislang nur mit einer ziemlichen Materialschlacht realisierbar waren.

Na schön – wenn man die Sounds des AfterShock Bass Distortion wirklich mit diversen Verzerren nachstellen würde, wäre möglicherweise hie und da noch ein Hauch mehr Dynamik und „Schmelz“ drin, aber ob das noch jemand wahrnimmt? Ich wage es zu bezweifeln. In Verbindung mit der Neuro App erlangt man Zugriff auf unzählige Parameter, Presets und Zuweisungsmöglichkeiten, die allesamt sinnvoll sind und durch die Bank weg gut klingen. Für Bassisten auf der Suche nach Verzerrern ist das Antesten des Source Audio AfterShock Bass Distortion daher absolute Pflicht!

Plus

  • Verarbeitung
  • Funktionsvielfalt
  • Soundvielfalt
  • Klangqualität
  • stabile und funktionale App

Minus

  • Editor der Neuro App funktioniert nicht in Echtzeit

Preis

  • Ladenpreis; 179,- Euro
Klangbeispiele
Forum
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    AMAZONA Archiv

    Diese Handy Anschluss Möglichkeit sehe ich eher als unglücklich. Lieber eine Kiste mit direktem Zugriff auf die Parameter.

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      Zetahelix  

      Und wie soll das deiner Meinung nach aussehen? 54 Löcher in das Gehäuse bohren und dort Regler und Schalter einsetzen?? :D

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    Christian Spohn  RED

    Man muss ja kein Handy anschließen- die Kiste funktioniert auch so. Man hat halt dann nur den Zugriff auf einen Bruchteil des Potentials. Ich finde es eigentlich ganz ok gelöst, zumal alles stabil läuft. Alle Parameter im Hardwarezugriff würde dann als Bodentreter nicht mehr funktionieren, zwingend ein Display am Gerät erfordern und den Preis warscheinlich vervielfachen.

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    AMAZONA Archiv

    Ich meine nur, für mich persönlich ist das zu kompliziert, da gibt es z.b.den Boss me 50 B, das Ding kann noch 1000mal mehr auch ganz ohne 54 Regler! Aber Handy anschließen und Sound erst hochladen zum anhören, bähhh nee. Ich bin mir sicher es gibt gerade diese schnäkigen konservativen Bassisten sind doch den Gitarristen sehr ähnlich konservativ und wollen kein PC und auch kein Handy an ihr Equipment dran hängen, sondern direkt schrauben.

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      Zetahelix  

      Ja, für Dich persönlich mag das zu kompliziert sein .. aber frag mal die Basser, nicht jeder möchte so nen Klotz wie das von dir angesprochene ME 50 B mitschleppen. Viele brauchen halt nur nen Zerrsound, abder der muss knallen. Und das der Sound vom ME 50 B besser sein soll, als der vom Aftershock .. das glaube wer will :)

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      Die Neuro App ermöglicht doch gerade das direkte Schrauben an den Reglern, nur das es nicht mit Potiknöpfen passiert sondern in Echtzeit auf einen Touchscreen. So what.

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      fragment  

      Source Audio hat 3 funktionsgleiche Pedale (After Shock, L.A. Lady, Kingmaker), die für unterschiedliche Zielgruppen mit entsprechenden Presets und Drehreglern ausgestattet sind.
      Das After Shock ist für Bass, L.A. Lady und Kingmaker sind für Gitarre gedacht.
      Über die Neuro App kann jedes dieser Pedals weitere Presets laden, die für dieses Pedal geschrieben wurden, sowie auch alle Presets die für die anderen beiden Pedale verfügbar sind.

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