Test: Spitfire Audio Symphonic Woodwinds, Symphonic Brass

29. November 2017

Mit Holz- und Blechbläsern nach Hollywood

Spitfire Audio Symphonic Woodwinds, Symphonic Brass

Die britische Software-Schmiede Spitfire Audio gehört mit Sicherheit zu den Big Playern der orchestralen Samples. Schon viele Jahre arbeiten die Briten von Zeit zu Zeit mit dem deutschen Filmmusikkomponisten Hans Zimmer zusammen, auch schon zu Zeiten, in denen Spitfire Audio fast ausschließlich für die Top Hollywood Komponisten arbeitete. Als Teil der Symphonic Orchestra Reihe entwickelte der Hersteller die Symphonic Woodwinds und Symphonic Brass und diese haben wir uns einmal genauer angeschaut.

Aufbau

Die für den Native Instrument Kontakt Player entwickelte Librarys Spitfire Audio Symphonic Woodwinds und Symphonic Brass ermöglichen dank des herstellereigenen Download Managers einen schnellen und unkomplizierten Start. Nach Erwerb der Library wird die Software über den Download Manager zur Verfügung gestellt, danach läuft alles ohne Probleme ab. Herunterladen, installieren – fertig. So wünscht man sich das, so sollte es immer sein. Nach Aktivierung der Library über den „Add Library“ Button von Kontakt geht es dann auch gleich los.

Beide Librarys Woodwinds und Brass sind separat erhältlich, Spitfire Audio bietet aber auch alle drei Symphonic Teile (Strings, Woodwinds, Brass) im Bundle an.

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Das GUI (Graphical User Interface) von Spitfire Audio Symphonic Woodwinds und Brass erscheint im gleichen Outfit wie die zuletzt entwickelten Librarys des Herstellers. Dieses ist übersichtlich gestaltet und zur besseren Übersicht bei Einsatz mehrerer Spitfire Librarys farblich unterschiedlich gestaltet. Aufgeteilt in drei Unterseiten bietet die erste Seite den bereits bekannten “Easy Mix“ Bereich samt Close-Far Regler. Hierüber lässt sich die Spieler-/Ensemble-Position im Raum verändern. Alle Instrumente wurden in den Londoner AIR Studios mit drei Mikrofonpositionen (Close, Tree, Ambient) aufgenommen, diese lassen sich über diesen Regler justieren. Auf Wunsch kann man die einzelnen Mikrofonpositionen auch stummschalten, um so beispielsweise ein sehr trockenes Signal zu bekommen, ideal, um die Sounds mit anderen Librarys zu mixen und in der DAW durch den gleichen Hall zu schicken.

Die für den Spielbetrieb sehr wichtigen Parameter Dynamics, Vibrato und Expression sind als virtuelle vertikale Fader abgebildet, diese lassen sich über MIDI Control Change Befehle fernsteuern. Zusätzlich zu den drei Genannten ermöglicht Spitfire Audio auch das Editieren von Release und Tightness.

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Der untere Teil des GUI ist den Artikulationen vorbehalten. Diese lassen sich auf unterschiedlichste Art und Weise umschalten, die Gängigste ist das Umschalten über Keyswitches auf einer angeschlossenen MIDI-Tastatur.

Die zweite Unterseite der Spitfire Audio Symphonic Woodwinds und Brass erlaubt etwas detailliertere Einstellungen, so u.a. den individuellen Mix der drei Mikrofonpositionen und weitere Optionen wie Transponierung, Round Robin Einstellungen und das Aktivieren/Deaktivieren von bestimmten Artikulationen. Nicht genutzte Artikulationen lassen sich hierüber aus dem Arbeitsspeicher entfernen.

Die dritte Unterseite des GUI bietet letztlich die Ostinatum-Funktion, diese ist bereits seit vielen Jahren Bestandteil der Spitfire Audio Librarys und erlaubt das Erstellen von Patterns.

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Sound

Die Spitfire Audio Symphonic Woodwinds und Brass Librarys basieren zu einem großen Teil auf der BML-Produktlinie des Herstellers. Vor einigen Jahren als separate Einzelinstrumente auf den Markt gebracht, hat sich Spitfire Audio nun dazu entschieden, die Instrumente zusammenzufassen, nach eigenen Angaben um rund 30% Content auszubauen und neue Funktionen in Form von erweiterten Skriptings zu implementieren.

Als zusätzliche Alternative bietet der Hersteller die Library Spitfire Audio Masse ein, eine Kombination aus den drei Symphonic Teilen, wobei hier Tutti-Patches des gesamten Orchesters oder eines Teils des Orchesters (alle Strings, alle Brass, alle Woodwinds) im Fokus stehen. Laut Spitfire Audio perfekt geeignet, um schnell und ohne große Arbeit Arrangements zu erstellen. Der Sound lässt sich hören, hier zwei Beispiele von Spitfire Audio Masse:

Symphonic Woodwinds

Im Bereich der Holzbläser bietet Spitfire Audio Symphonic Woodwinds die folgenden Einzelinstrumente:

  • Piccolo Flute
  • Flute
  • Flute a2
  • Oboe
  • Oboe a2
  • Clarinet
  • Clarinets a2
  • Bass Clarinet
  • Contrabass Clarinet
  • Bassoon
  • Bassoons a2
  • Contrabassoon

Im Repertoire befinden sich somit auch Instrumenten, die man nicht in jeder Library findet, so beispielsweise die Bass-Klarinette oder das Contrabassoon. Die mit a2 gekennzeichneten Patches bieten jeweils ein Duo des jeweiligen Instrumentes. Kombiniert und in der Lautstärke an den Solo-Sound angepasst, ergeben diese drei Instrumente ein sehr schönes Ensemble.

Hinsichtlich der Artikulationen stehen pro Instrument zwischen 5 und 15 (!) Artikulationen zur Auswahl. Neben klassischem Legato, Staccato und Trillern bieten einige der Instrumente auch unterschiedliche Staccato-Varianten oder verschiedene lang gespielte Töne mit Flatterzunge oder „überblasen“. Die Auswahl ist also sehr groß und die Library deckt somit ein großes Einsatzgebiet ab. Es lassen sich hiermit verschiedenste Arrangement-Anforderungen umsetzen, was die Authentizität ungemein erweitert. Alle Samples erklingen sehr sauber, Programmierfehler oder störende Nebengeräusche konnte ich während des Tests nicht feststellen.

Symphonic Brass

Ein ähnliches Bild ergibt sich bei den Blechbläsern, folgende Instrumente gehören zum Symphonic Brass Fundus:

  • Solo Horn
  • Horns a2
  • Solo trumpet
  • Trumpets a2
  • Tenor Trombone a2
  • Bass Trombones a2
  • Solo Tube
  • Solo Contrabass Trombone
  • Solo Cimbasso
  • Cimbasso a2
  • Trumpets a6
  • Trombones a6
  • Horns a6

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Auch hier bieten die mit a2 gekennzeichneten Patches ein Duo, bei den mit a6 gekennzeichneten Patches erklingt jeweils ein sechsköpfiges Ensemble. Verglichen mit anderen reinen Blechbläser-Librarys ist Symphonic Brass meiner Meinung nach extrem gut ausgestattet, sowohl hinsichtlich der Instrumente als auch der Artikulationen. Alles klingt sehr druckvoll und die typischen MIDI-Bläserkrankheit, dass die Trompeten in den hohen Bereichen nur noch dünn und quäkig ertönen, kann man hier zum Glück vergessen. Über den gesamten spielbaren Bereich erzeugen die Bläser enormen Druck. Für den tiefen Bereich gilt das Gleiche, wobei man hier stellenweise die Loops der Samples heraushört. Im Kontext fällt das aber keineswegs aus, daher vermindert sich die Qualität der Library dadurch keineswegs.

Fazit

Spitfire Audio setzt mit den beiden Librarys Symphonic Woodwinds und Symphonic Brass wieder mal auf die klassischen orchestralen Sounds für Filmmusik- oder Videospielkomponisten. DIe Instrumentenauswahl ist mehr als zufriedenstellend, eine Vielzahl von Artikulationen erlaubt auch das Umsetzen von fortgeschrittenen Arrangement-Aufgaben. Für ungeübtere Arrangeure oder schnelles Zusammenstellen von sehr gut klingenden Sounds bietet Spitfire Audio die Library Masse an, ebenfalls ein nur zu empfehlendes Produkt. Preislich liegt Spitfire Audio stets etwas über der Konkurrenz. In diesem Fall aber zu Recht, die Konkurrenz bietet doch gerade bei der Auswahl der Instrumente deutlich weniger Flexibilität.

Plus

  • Klang
  • Bedienbarkeit
  • Anzahl Instrumente/Artikulationen

Preis

  • Ladenpreis:
  • Symphonic Woodwinds: 589,- Euro
  • Symphonic Brass: 699,- Euro
  • Masse: 359,- Euro
Klangbeispiele
Forum
  1. Profilbild
    MidiDino  AHU

    Für „die klassischen orchestralen Sounds für Filmmusik- oder Videospielkomponisten“ mögen die vorgstellten Sammlungen reichen, um klassische Instrumente handelt es sich jedoch nicht, unabhängig von der beschränkten Auswahl. Für beides wäre die Wiener VSL der bessere Partner …

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