Test: SPL Channel One Mod.9945

15. Oktober 2003

SPL Channel One Mod.

Jedes Studio, dass sich mit der Aufnahme von akustischen Signalen beschäftigt, sollte zumindest ein gutes Mikrofon und einen guten Vorverstärker besitzen. Der SPL Channel One geht noch einen Schritt weiter und bietet neben dem Vorverstärker einen Equalizer einen Kompressor ein Noisegate einen DeEsser und sogar eine Verzerrerstufe. Somit wird er einem Kompletten Mono-Kanalzug eines Mischpultes gerecht.

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Der konzeptionelle Ansatz des Channel One kann von zwei Seiten aus betrachtet werden. Studios, die auch heute noch ein großes oder kleines analoges Mischpult im Einsatz haben, werden den Channel One genauso attraktiv finden, wie diejenigen, die auf rein nativer Ebene arbeiten.
Zu ersteren sei gesagt, dass es auf die Ausstattung des analogen Pultes ankommt. Meistens verfügen die Pulte der unteren und mittleren Preisklassen nicht über Kompressoren und Gates im Kanalzug, und auch der EQ dürfte nicht von überragender Qualität sein. Somit bietet sich ein Channelstrip an, um schon bei der Aufnahme das Signal auf hohem Niveau zu entzerren, angenehm zu färben oder leicht zu komprimieren. Bei der späteren Nachbearbeitung oder Abmischung im Mischpult können dann alle Signale von der guten Aufnahmequalität profitieren. Zudem kann ein Signal beim Abmischen nochmals durch den Channelstrip geführt werden.
Die reinen Computer-User, die jegliche Bearbeitungen im Computer vornehmen, werden von den analogen Stufen des Channel One profitieren, klingen sie doch um Längen besser als die meisten verfügbaren PlugIns. Im Verbund mit der optionalen AD/DA Karte (s.u.) bietet sich auch DAW-Usern die Möglichkeit, den Channel One während der Abmischung auf digitalem Wege einzuschleifen.

Auch die Kostenrechnung geht auf, denn um hervorragende PlugIns nutzen zu können, die an die Qualität des SPL Channel One heranreichen, muss oft viel tiefer in die Tasche gegriffen werden. Als Beispiel wäre der Sony Oxford EQ zu nennen, der eine TC Powercore voraussetzt. Alleine diese Kombination kostet 1600 Euro, bietet aber auch den Vorteil, das man den EQ in mehrfachen Instanzen einsetzten kann.

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Vorstufe
An den Channel One können neben Dynamischen und Kondensatormikrofonen auch Instrumente hoher Impedanz (Gitarre, Bass) oder Line-Signale angeschlossen werden. Die Umschaltung erfolgt dabei auf der Frontplatte. Die Vorstufe ist als Transistor/Röhren Kombination aufgebaut. Nachdem das Signal also per Transistor Verstärker auf einen bestimmten Pegel gebracht wurde, verläuft der Signalpfad durch eine Röhrenstufe (12AX7-LPS mit 250V), die je nach Eingangspegel unterschiedliche Obertöne erzeugt. Die Röhre ist hierbei nicht für die eigentliche Verstärkung verantwortlich, sondern wird als klangfärbende Stufe eingesetzt. Die produzierten Obertöne geben dem Signal eine sehr angenehme Färbung.

Die Gesangsphrase wurde über eine Genelec 1030APM und das SPL Nugget abgenommen (Siehe Mikrofon PreAmp Vergleichstest). Das Rauschen stammt in erster Linie von der Monitorbox. In den weiteren Klangbeispielen wurde die Phrase direkt über den Line-Eingang in den Channel One geführt.

DeEsser und Insert
Der DeEsser ist hier sehr einfach aber effektiv ausgeführt, so dass es kaum zu Bedienfehlern kommen kann. Ein einziger Regler bestimmt das Ansprechen der Reduktion der Zischlaute. Die Resultate sind sehr brauchbar. Durch den Insert-Weg können zudem weitere Geräte eingeschliffen werden, falls die Bearbeitungsmöglichkeiten des Channel One nicht ausreichen sollten.

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Der DeEsser in der Position „6“. Ein DeEssing wäre eigentlich nicht nötig, aber zu Demonstrationszwecken finden sie hier das Beispiel.

 

Kompressor/Gate
In der Bedienung gestaltet sich der Kompressor und das Gate genauso simpel wie der DeEsser. Nachdem man mit dem Gate das Grundrauschen ausgeblendet hat, wird man mit per Gain Reduktion das Signal mehr oder weniger stark komprimieren und mit dem MakeUp Regler den Pegelverlust ausgleichen. Attack, Ratio und Release, sowie einen Knee Schalter sucht man hier vergeblich. In der Praxis hat sich herausgestellt, dass man in der Regel auch darauf verzichten kann, da die signalabhängige interne automatische Anpassung dieser Parameter sehr gut arbeitet. Jedoch kann die Dynamikstufe bei diffizilen Signalen auch mal die Weiße Flagge hissen. Optimal wäre hier die Wahl zwischen manueller und automatischer Kontrolle. Schlussendlich kann man den Kompressor als Limiter einsetzen, hierbei wird die Ratio intern auf einen sehr hohen wert gesetzt.

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Das Noisegate hat leider vor allem bei Atemgeräuschen Probleme. Hier macht sich die automatische Parametrisierung negativ bemerkbar. Wenn man mit einer Audio-Workstation arbeitet, wird man also besser einen vorrausschauendes digitales Noisegate benutzen.

Leichte und stärkere Kompression mit entsprechendem MakeUp Gain. Der Kompressor hat einen runden und vollen Klang, und passt sich sehr gut an das Audiomaterial an.

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Equalizer
Der Equalizer besteht aus zwei semiparametrischen Bändern und einem einfachen Air-Band, dass es aber in sich hat. Das Mid- und das Low-Band arbeiten nach dem proportional-Q Verfahren, d.h. bei höherer Gain Einstellung verringert sich die Bandbreite. Hiermit kann man also leichte Anpassungen des Frequenzgangs vornehmen, aber auch bestimmte Frequenzbereiche dämpfen oder boosten, wobei hier die benachbarten Frequenzen durch die geringere Bandbreite weniger beeinflusst werden. Sie fragen sich vielleicht, warum es hier keine Vollparametrik gibt? Seien sie unbesorgt, der EQ klingt so gut, dass man dies in der Regel nicht benötigt. Das Air-Band fügt dem Signal durch die hohe Eckfrequenz von 17, 5kHz einen Glanz in den hohen Frequenzen zu. Hierdurch entsteht ein sehr präsenter Klang, der vor allem gegenüber digitalen EQs besonders weich klingt. Als kleines Schmankerl hat sich SPL noch den Verzerrer einfallen lassen, der aus einem Feldeffekt (FET) Transistor besteht und vor dem EQ ansetzt. Besonders wichtig ist auch die Möglichkeit, den EQ vor oder hinter den Kompressor zu setzen, da beim Einsatz vor der Kompression jede Einstellung am EQ das Kompressionsverhalten ändern würde. Ist dies nicht erwünscht, so entzerrt man das Signal einfach nach der Dynamikbearbeitung. Nach dem EQ wir das Signal nochmals durch die Doppeltriodenröhre geleitet.

Klangbeispiele
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