Test: SPL QURE

2. Dezember 2002

SPL QURE

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Der Qure 9738
ist ein zweikanaliger, dreibandiger, quasiparametrischer Entzerrer mit 100 kHz Bandbreite und einem sehr auf Wärme ausgelegten Sound Die Entzerrerqualität ist vom Feinsten und kann deshalb als qualitativ sehr hochwertig bezeichnet werden.

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The Qure
Der SPL Qure vereinigt alle bekannten Technologien in einem 19 Zoll Gerät. Halbleitertechnologie aus den 90er Jahren, Transistortechnik aus den 80ern für die tiefen Frequenzen, kultige Röhren für die Mitten aus den 50er und 60er Jahren und Spulen für die Höhen aus den 60er und 70ern lassen den Klang des Gerätes vollkommen rund erscheinen.
Hinter der sogenannten Qure-Funktion steht eine besondere Art von Schaltung, die nicht üblich ist. Mit dieser speziellen Technologie von SPL lassen sich bestimmte Soundelemente sehr genau hervorheben und andere absenken. Um die nach dem Gerät benannte Qure-Funktion nutzen zu können, wurden zwei Taster und ein Drehregler pro Kanal zur Verfügung gestellt. Die Räumlichkeit mit der man Produktionen ausstatten kann ist enorm. Digitale Kälte kann mit dem Qure, egal wie mies etwas vorher klang, weggebügelt werden ohne sich das Hemd zu verbrennen :o) .

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Bedienung
Hauptbedienelemente sind die Drehregler für die Höhen- Mitten und Tiefensperre, sowie die Ein und Ausgangssignalregler. Die verwendeten Drehpotis sind mit feinsten Rasten ausgestattet, mit denen sich alle Werte der Frequenzbänder sehr zart aufeinander abstimmen lassen. Mit dem Shift-Taster kann die Gesamtwirkung zwischen zwei verschiedenen Frequenzschichten ausgewählt werden (400 Hz bis 2 kHz, oder 2 bis 6 kHz). Der Ausgangsregler wird stufenlos gedreht und hakt sich erst an der Nullposition ein. Dieser bietet übrigens eine Abschwächung bis 7 dB und eine Verstärkung bis 4 dB, während er zur Pegelkompensierung und Anpassung dient. Die Bezeichnungen HF-CUT und LF-CUT stehen für Tiefpaß bzw. Hochpaßfilter, deren Frequenz zwischen 2,5kHz und 20kHz bzw. 40Hz und 200Hz bewegt werden kann. Der Bypass-Schalter wirkt auf beide gemeinsam.
Die Frequenzbänder welche sich in den Bereichen 15 bis 365 Hz, 200 bis 5 kHz, 1 bis 21 kHz bewegen, greifen beim praktischen Arbeiten sehr gut ineinander. Man merkt regelrecht wie der Qure „ohrgerecht“ abgestimmt ist. Anhebung/Absenkung und Bandbreite lassen sich übrigens unabhängig voneinander justieren. Die Bandbreite ist pro Band von 0,2 bis 2,5 Oktaven anwählbar. Die Filterreaktion ändert sich proportional zur eingestellten Bandbreite. Die Höhen und Tiefen kann man von +/-10 dB und abhängig vom Eingangspegel sogar bis zu +/-15 dB anheben und absenken. Die Mitten lassen sich hier sogar bis zu 36 dB dämpfen. Jedes Frequenzband lässt sich separat zuschalten und das Ausgangssignal jedes Frequenzbandes durchläuft am Ende die Röhrenschaltung.
Alle Taster sind in einem angenehmen Rot beleuchtet. Von vorne fallen am Qure die beiden Röhren auf, die einladend glimmen und somit das sehr ansehnlich gewählte Design erheblich unterstützen (Sovtek 12 AX 7) ! Jedes Frequenzmodul ist im Inneren des Qure in einen eigenen Slot integriert. Das Netzteil wirkt sehr groß. Die integrierte Röhrenvorwärmungsfunktion ( mit visueller Hilfe zur Erkennung der Gerätebereitschaft ) erhöht die Lebensdauer der kleinen Glasbausteine enorm.
Dieses High End Gerät hat also alles, was es braucht um best mögliche Heilung, ( daher übrigens auch der Name ), an „kranken“ Signalen anzuwenden. Eine weitere Master-Hardbypass-Funktion macht es jeder Zeit möglich einen direkten Vergleich zwischen Ein und Ausgangssignal zu ziehen.

Backwards
Auf der Rückseite befinden sich symmetrische Ein- und Ausgänge, die jeweils als Stereo-Klinke oder in XLR-Ausführung. Ein Ground-Liftschalter und die Spannungsversorgungsbuchse finden sich ebenfalls dort. Am Gerätegehäuse befinden sich oben Lüftungsschlitze, aus denen der Wärmeüberschuß sichtlich gut entweichen kann. Wir haben es hier wirklich mit einem sehr gut verarbeitetem Gerät zu tun.

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Anwendung
Wichtig finde ich noch zu bemerken, dass der Qure nicht als Masteringequalizer gedacht ist, man ihn aber auch ohne Weiteres dazu zweckentfremden kann. Gedacht ist er wohl mehr als eine Art Effekt der besonderen Güteklasse, der sich im Insert-Betrieb bestens benutzen lässt.
Beim Einsatz des Qure auf der Stereosumme habe ich festgestellt, dass man mit ihm das Klangbild doch wesentlich definierter verändern kann als mit den beiden anderen Equalizern die ich benutze. Dabei handelt es sich um einen Source EQ ONE und einen GQ1031C. Bei diesen handelt es sich sowohl um einen analogen als auch um einen digitalen.
Da der Qure wie bereits erwähnt auf alle Technologien gleichzeitig setzt wird schnell klar warum er so flexibel zu gebrauchen ist. Es hat eben jede Frequenz die Schaltung in Petto, mit der sie sich am besten bearbeiten lässt.
Die von SPL versprochene Wärme ist deutlich hörbar und lässt sich mit ein wenig Geschick auf jedes noch so trashig klingendes Signal anwenden, ohne es zu stark zu verfremden. Man kann es mit dem Qure extrem öffnen und perfektionieren. Um Stimmen in vielleicht fehlgeschlagenen Mixdowns hervorzuheben und den Rest ohne Qualitätsverlust in den Hintergrund zu bringen, ist er ebenfalls gut zu gebrauchen.
Da der Qure leider keinerlei Pegelanzeige bietet empfiehlt es sich entweder mit einem externen Levelmeter oder sogar einem Software-Spectrum-Analyser zu arbeiten welche man dazu einfach parallel an den Stereo Ausgang des Qure hängen kann. Insbesonde für die Bearbeitung einzelner Vocal-Spuren halte ich den Qure für nahezu unersetzlich. Das Platzieren im Gesamtmix gelingt mit dem Qure besonders gut.

Fazit
Der Qure ist ein echter und extrem flexibler Goldschatz, der sich für einzelne Signale aber auch fürs Mastering eignet. Trotz des relativ hohen Preises von ca. 1600 Euro kann ich den Qure allerdings noch als günstiges Gerät unter den High End –Equalizern bezeichnen. Besonders fasziniert hat mich der sehr luftige und sehr hochauflösende Klang in allen Frequenzbändern.
Ich halte den Qure nicht zuletzt deshalb gerade im Zusammenspiel mit Softwaresynthesizern für sehr geeignet, da er besonders hier das letzte fehlende Etwas an Klangästhetik verleihen kann und somit auch durchaus für ein Homestudio, sozusagen als „Radiergummi“, denkbar ist. Neben allen professionellen Aspekten lässt sich der Qure aber auch noch sehr gut zur kreativen und vor allem experimentellen Klanggestaltung einsetzen. Also alles in Allem eine sehr lohnenswerte Investition würde ich sagen ! Für Fetischisten gibt es noch eine High-End-Version des Qure, in der die hochwertigen Übertrager-Transformantoren der Firma Lundahl integriert sind. Übertrager werden in den Ein- und Ausgängen benutzt, um Potentialunterschiede zwischen Geräten zu eliminieren und somit Brummen zu unterbinden. (Anmerkung d. Red.)

Preise
UVP: 1899,- Euro
Strassenpreis: 1595.- Euro (ohne Übertrager)
Strassenpreis: 2111.- Euro (mit Lundhal Übertragern)

URL
http://www.soundperformancelab.de

 

PLUS
+++ Sehr guter Klang
++ Alle Bänder einzeln zu und abschaltbar
++ Gehörechtes Verhalten
+ Übersichtliche Bedienung
+ Schönes Design
+ Alle gängigen Anschlussmöglichkeiten vorhanden
+ Innovatives Gesamtkonzept

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Forum
  1. Profilbild
    Loftone

    Der Qure ist wahrlich ein interessantes Geraet.
    Entgegen der Produktbeschreibung finde ich den nicht masteringtauglich. Auch das Eigenrauschen schon bei mittlerer Verstaerkung ist fuer ein Geraet dieser Preisklasse inakzebtabel. Besonders gern setze ich dieses Geraet fuer Streicher aller Art ein und man kann ueber die damit eingehauchte Waerme vielmehr noch der hinzugewonnenen Lebendigkeit (inbesondere bei synthethischen Streichern) einfach nur staunen !
    Die Qure-Schaltung holt in der Tat Elemente nach vorne bzw nach hinten. Es ist zwar angedacht diese auf einer Summe anzuverwenden allerdings macht diese Funktion auch schon bei der Einzelspurbearbeitung eine gute Figur.

    Nach dem anschalten werden die Roehren langsam unter Spannung gestellt. Dies erhoeht die Langlebigkeit. Waehrend dieser kurzen „Vorgluehzeit“ kann das Geraet nicht genutzt werden. Dies ist keinesfalls als Manko zu verstehen. Andere Hersteller koennten sich ein Beispiel dran nehmen. Grunsaetzlich empfiehlt es sich dererlei Tools ca. eine 1/2 Stunde vorzuwaermen, damit auch alle Bauteile die entsprechende Betriebstemteratur fuer den „wonnigen“ Sound erreichen koennen.

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