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Test: Squier 40th Anniversary Telecaster, E-Gitarre

Die Squier Tele in der Jubiläumsausgabe

5. April 2022
Squier 40th Anniversary Telecaster

Squier 40th Anniversary Telecaster

Im Hause Fender gibt es mal wieder etwas zu feiern! Diesmal betrifft es die kleine Schwester Squier, unter deren Namen der US-Hersteller seit nunmehr 40 Jahren preisgünstige Kopien seiner Instrumente anbietet. So gut wie jedes Instrument aus dem Sortiment von Fender ist auch von Squier zu bekommen, darunter selbstverständlich auch die Telecaster, die man zu ihrem Geburtstag hübsch aufbereitet hat. Von den fünf erhältlichen Tele-Modellen dieser neuen Anniversary-Serie haben wir uns mal die Squier 40th Anniversary Telecaster SGM zur genauen Betrachtung zukommen lassen.

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Squier 40th Anniversary Telecaster – Specs und Features

An der Form hat sich rein gar nichts geändert, nach wie vor ist der Korpus genau das schlichte Brett, das man von einer traditionellen Tele gewohnt ist und auch nicht anders erwartet. Als Tonholz wurde Nyatoh verwendet, ein Werkstoff, den man vor allem in fernöstlichen Gitarrenproduktionen vermehrt findet. Wie viele Teile Holz genau verwendet wurden, lässt sich aufgrund der deckenden Lackschicht nicht bestimmen. Unser Testmodell trägt ein metallicgrünes Finish, das der Hersteller als „Sherwood Green“ oder kurz als „SGM“ bezeichnet. Die Lackschicht wurde gleichmäßig und sauber bis in die kleinste Ritze aufgetragen, da gibt es rein gar nichts zu meckern.

Neben der grünen Lackierung dominiert eine weitere Farbe das Bild ganz besonders: Gold. Jedes Teil, das nicht aus Holz besteht, wurde in diesen Farbton getaucht. Dazu zählen das eloxierte Alu-Pickguard, die Aschenbecher-Brücke, die Metallplatte zur Aufnahme der Bedienelemente, die Abdeckung des vorderen Singlecoils, die Mechaniken an der Kopfplatte, die Gurtendknöpfe sowie die Metallplatte zur Halsverschraubung, inklusive ihrer vier Schrauben. Die besitzt darüber hinaus noch eine Gravur mit dem Hinweis auf das in diesem Jahr anstehende 40-jährige Jubiläum.

Squier 40th Anniversary Telecaster

Neck-Plate mit Jubiläumsgravur

Indian Laurel Griffbrett mit Block-Inlays

Ein weiteres ungewohntes Bild bietet sich beim Betrachten des Griffbretts, denn statt der traditionellen Dots, wie wir sie in aller Regel bei einer Telecaster zu finden sind, wurden hier mächtig große Perloid-Block-Inlays eingesetzt, welche die Bünde nahezu komplett ausfüllen. Das Holz der Wahl ist hier „Indian Laurel“, ebenfalls ein Werkstoff, der in Zeiten von CITES vor allem im unteren Preisbereich für viele Herstellern zunehmend an Bedeutung gewonnen hat. Dem hingegen besteht der Hals ganz traditionell aus einem Stück Ahorn, das von einer Hochglanz-Urethan-Lackschicht bedeckt wird. Meine anfängliche Befürchtung, dass es bei feuchter Greifhand hier zu „klebrigen“ Problemen kommen könnte, bestätigt sich in der Praxis zum Glück nicht. Hier hat man offensichtlich einen guten Kompromiss zwischen dem Schutz der Holzoberfläche und einer praxisgerechten Bespielbarkeit gefunden, zu der natürlich auch das angenehm flache C-Halsprofil einen nicht ganz unwesentlichen Teil beiträgt.

Die 21 eingesetzten Bünde wurden an ihren Kanten sauber abgerichtet, etwas mehr Mühe hätte man sich jedoch bei der Politur der Oberflächen geben können. Bis also Bendings und Slides geräuschlos vonstattengehen, wird es ein paar Stunden des Einspielens benötigen. Ein cremefarbenes Binding umschließt die Ränder des Griffbretts – auch eine Besonderheit, die dieses Jubiläumsmodell von den Standard-Instrumenten unterscheidet.

Squier 40th Anniversary Telecaster Fretboard Griffbrett

Block-Inlays statt schlichter Dots

Squier 40th Anniversary Telecaster – Hardware

Wie bereits erwähnt: Gold, wohin das Auge auch blickt. Für das eine oder andere Auge dürfte das bestimmt zu viel des Guten sein, aber man wird ja auch schließlich nur einmal 40 im Leben. Abgesehen von dieser doch recht aufdringlichen Goldbeschichtung besitzt die Squier 40th Anniversary Telecaster die traditionelle Hardware einer Telecaster, zu der die „Aschenbecher-Brücke“ mit den drei Saitenreitern genau so gehört, wie die Metallblende mit dem darauf montierten Dreiwegeschalter sowie den Reglern für Lautstärke und Ton. Während die Brücke als String-through-Variante die Saiten durch den Korpus führt, bieten die übrigen Bedienelemente eine durchaus akzeptable Qualität. So rastet der Schalter knackig in seinen drei Positionen ein und die beiden Regler laufen mit einem idealen Widerstand und ohne jegliches Spiel auf ihren Achsen. Die aufgesteckten Metallknöpfe, die selbstverständlich auch mit einer goldenen Chromschicht überzogen wurden, ermöglichen auch bei schweißnassen Händen stets ein sicheres Zupacken.

Ein Knackpunkt in den niedrigen Preisklassen stellt oft die Qualität der verwendeten Mechaniken dar, die sich zumeist schwammig in der Bedienung zeigen und auch beim Halten der Stimmung oft negativ auffallen. Leider verhält sich auch unser Testinstrument diesbezüglich problematisch, denn in ihrer Funktion offenbaren auch die sechs an der Kopfplatte angeschraubten Vintage-Style-Tuner aus Eigenproduktion ihre Schwächen in beiden Punkten. Das gestaltet das Stimmen nicht immer einfach und während der Testdauer musste ich die Gitarre zudem auffallend oft nachstimmen.

Squier 40th Anniversary Telecaster Headstock Tuner

Squier 40th Anniversary Telecaster Vintage-Style-Tuner

Pickups aus dem Hause Fender

Aus eigenem Hause stammen auch die beiden AlNiCo-Singlecoils, die wie gewohnt in der Brücke bzw. im vorderen Teil des Pickguards eingesetzt wurden. Laut Hersteller sollen sie durch eine spezielle „Vintage-Abstimmung“ den typischen „Twang“ erzeugen, für den die Telecaster ja so geschätzt wird. Dass dies nicht besonders gut gelungen ist, werden wir gleich im Praxis-Check noch erfahren. Wie sich aufgrund des Dreiwegeschalters bereits erahnen lässt, bietet die elektrische Schaltung keine Überraschungen. Mit der Möglichkeit, beide Tonabnehmer einzeln oder parallel zu betreiben, hält sich die Squier 40th Anniversary Telecaster absolut an die Tradition ihrer Vorfahren.

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Die Squier 40th Anniversary Telecaster im Praxis-Check

Akustischer Grundsound / Handling

Ganz schön zäh ist sie, die Kleine. Die Kombination aus Nyatoh-Korpus und Ahornhals scheint nicht das Gelbe vom Ei zu sein, zumindest nicht in unserem Fall. Sowohl das Resonanzverhalten als auch das Sustain zeigen sich trotz der String-through-Saitenführung als nicht besonders potent, eher als müde und träge. Der „spritzige“ und kräftige Klang, für den eine Tele allgemein bekannt und beliebt ist, wirkt hier deutlich unterrepräsentiert, das bemerkt man bereits beim Spielen ohne angeschlossenen Verstärker deutlich. Positiv hingegen sieht es bei der Bespielbarkeit aus, die ab Werk bereits optimal eingestellt wurde und daher der Greifhand beim Agieren auf dem Griffbrett keine Steine in den Weg legt. Ebenso gut präsentieren sich die Oktavreinheit und die daraus folgende saubere Intonation auf der gesamten Länge des Griffbretts.

Elektrischer Sound

Nun könnte man ja hoffen, dass die Pickups vielleicht noch die Kuh irgendwie vom Eis holen. Doch auch die beiden Singlecoils sind nicht gerade das Beste, was einer Tele passieren könnte. So sehr sie sich auch bemühen: Den müden Grundsound der Konstruktion können sie leider nicht kaschieren oder spürbar aufwerten. Mit „Twang“ ist hier also nicht viel drin, darüber hinaus sind auch Nebengeräusche ein ernstzunehmendes Thema. Natürlich ganz besonders dann, wenn man den Amp in den Overdrive fährt. Ohnehin sollte man besser nicht zu viel „Gas“ geben, denn bei höheren Zerrungen muss man neben Nebengeräuschen auch mit einem verwaschenen, undifferenzierten Klang rechnen. Aber mal ganz ehrlich: Wer kauft sich schon eine Telecaster, um mit ihr High-Gain-Sounds zu spielen?

Squier 40th Anniversary Telecaster – Klangbeispiele

Für die folgenden Klangbeispiele habe ich die Squier 40th Anniversary Telecaster zusammen mit einem Mesa/Boogie Studio 22+ Combo verwendet. Vor dem Verstärker wurde ein AKG C3000 Mikrofon positioniert, ehe das Signal ohne weitere Effekte in Logic Audio aufgezeichnet wurde.

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Fazit

So verführerisch und pompös die Squier 40th Anniversary Telecaster in ihrem Jubiläumskleid auch aussehen mag: Unter ihrer hübschen und zweifellos gut verarbeiteten Hülle verbirgt sich leider doch eine eher unterdurchschnittliche Telecaster. Ihre zähe Dynamik lässt keinen echten Spielfluss aufkommen, zudem sind die Pickups kaum in der Lage, dem müden akustischen Grundsound auf die Sprünge zu helfen. Mehr Schein als Sein? Ich meine ja!

Plus

  • gute Verarbeitung
  • gute Bespielbarkeit
  • Limited Status

Minus

  • insgesamt zähe Dynamik
  • Pickups
  • Qualität Mechaniken

Preis

  • 499,- Euro
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Klangbeispiele
Forum
  1. Profilbild
    Steffog

    Vielen Dank für den ausführlichen Test.
    Schade, da hat Squier meiner Meinung nach eine Chance verpasst. Ich finde, dieses Modell würdigt allerhöchstens optisch das 40jährige Jubiläum. Die black-Ausgabe sieht richtig antik aus, nützt aber bei dem Klang leider auch nichts.

    • Profilbild
      gaffer AHU

      Ja, diese Gitarre ist sehr schön. Ich komme von der Gitarre, gehöre aber zu der seltenen Spezies, die nur eine Gitarre von jeder Art hat. Eine Stromgitarre, ein Strom Bass, eine klassische, eine Western. Inzwischen beurteile ich die Instrumente nach dem Aussehen. Und das ist bei diesem Instrument super gelungen. Schade, dass es nicht gleichzeitig ein gutes Werkzeug ist, sie hätte es verdient.

  2. Profilbild
    Xevantris

    Vielen lieben Dank für den Test. Ich hatte die Strat aus der 40th Anniversary Edition im Auge. Die wird vermutlich nicht besser sein.
    Echt schade, weil die Teile sind allesamt optisch ein Hammer und hätten es verdient, gut zu klingen. Hier hätte Squier an seine japanischen Urversion Qualitativ anknüpfen können und somit die Marke auch auf ein neues Qualitätslevel gehoben, das durchaus höhere Preise gerechtfertigt hätte.

    Ich sag es mal ganz plump… Verkackt! :D

  3. Profilbild
    Sven Blau

    Squier ist mittlerweile echt schwer einzuschätzen – man kann verdammt Glück haben und auch wirklich in die Tonne greifen.

    Mal sehen, hab mir eben eine limitierte Charcoal Frost Metallic Jaguar bestellt. Ich richte mich schon auf Nacharbeit ein, aber der Grundstock sollte schon passen, grad für fast 500€.

    Die oben getestete Tele find ich hässlich, bis auf das Schlagbrett mag ich kein Gold als Hardware an Gitarren.

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