Test: Squier Affinity Jazzmaster, E-Gitarre

29. September 2017

Ein rockiges Brett zum schmalen Kurs

So richtig „Jazz“ war die Fender Jazzmaster ja eigentlich nie. Dafür um so schmutziger, gerade deshalb hat wohl „die kleine hässliche Schwester der Strat“, so wurde die gute alte Fender schon tatsächlich tituliert, ihren festen Platz überwiegend in Händen von Alternativrockern gefunden. Zugegeben eine Stilistik, die sich mit filigranen Jazzsongs nur schwer unter einen Hut bringen lässt.

Auch die Jazzmaster hat Fender, wie das gesamte Sortiment, in verschiedene Qualitätsstufen unterteilt. Neben den Instrumenten aus US-Produktion werden die Mittelklassemodelle in Mexiko gebaut und für den schmalen Geldbeutel lässt der Hersteller eben in Asien, in diesem Fall in China, unter dem Label Squier produzieren. So kommt es, dass unser Testmodell nur rund ein Zehntel von dem kostet, was man für eine US-Jazzmaster auf den Tisch blättern müsste. Ist die Squier Affinity Jazzmaster deshalb auch zehnmal schlechter als ihre große Schwester? Und was kann sie überhaupt?

Facts & Features

Über die Optik einer Jazzmaster kann man sich sicher streiten, so etwas polarisiert einfach. Für den einen ist es schlicht der Inbegriff des „schmutzigen“, alternativen Rock ’n‘ Roll, für den anderen einfach nur ein mehr oder minder misslungener Prototyp einer Stratocaster. Der Korpus unserer Low-Budget-Jazzmaster wurde aus Erle gefertigt, wieviel Teile hier verwendet wurden, lässt sich aufgrund der deckenden Lackschicht nur vermuten. Die Farbe unseres Testinstruments ist „Arctic White“, erhältlich ist die Affinity Jazzmaster zudem noch in Schwarz und dann sogar noch etwas günstiger. Der Lack wurde makellos aufgetragen, auch an kritischen Stellen, wie etwa dem Hals-Korpus-Übergang, sind keinerlei Unsauberkeiten in der Verarbeitung zu erkennen.

Auch wenn die organisch geformte Optik des Korpus polarisiert, ganz praktisch ist sie schon. Denn die Fräsungen auf der Decke und auf der Rückseite sowie das faktisch nicht vorhandene Cutaway bieten schon mal gute Voraussetzungen für ein komfortables Spielgefühl. Hinzu kommt ein Gewicht von nur knapp über 3 kg, sodass die Squier Affinity Jazzmaster komfortabel am Gurt hängt oder fast unbemerkt im Schoß ruht.

Der Hals der Squier Affinity Jazzmaster

Der One-Piece-Maple-Neck wurde natürlich eingeschraubt und sitzt bombenfest in seiner Tasche im Korpus. Gegenüber dem üblichen Griffbrettradius einer Jazzmaster von 9,5″ ist die Sache hier mit einem Radius von 12″ deutlicher flacher ausgefallen, ein weiterer Pluspunkt für den Spielkomfort. Die Bundstäbchen und der 42 mm breite Kunststoffsattel wurden tadellos eingesetzt, einfache Dots aus Kunststoff dienen der Orientierung beim Bespielen der 21 Bünde. Recht flach ist zudem das Halsprofil ausgefallen, was zusammen mit der schmalen Sattelbreite und der satinierten Halsrückseite ein griffiges und natürliches Spielgefühl verspricht.

Die Kopfplatte unserer Jazzmaster wurde naturbelassen und besitzt die typische Form einer Gitarre von Fender. Genauer gesagt einer Fender aus den 70er Jahren, mit etwas geschwungeneren Formen also. Dort sitzen auch die sechs verchromten No-Name-Mechaniken, die aber immerhin gekapselt und somit weitgehend gegen Umwelteinflüsse geschützt sind. Bei Gitarren dieser Preisklasse ist es durchaus nicht selten, hier offene Typen mit einer Blechabdeckung (ähnlich den Tunern einer billigen Westerngitarre) einzubauen.

Klar, dass hier nicht das beste Material verwertet wurde. Das merkt man besonders beim Stimmen, bei dem aufgrund des Spiels der Mechaniken bzw. deren Achsen manchmal etwas mehr Geduld erforderlich ist. Sind die Saiten aber erst einmal korrekt gespannt, treten Probleme mit der Stimmung so gut wie kaum mehr auf. Ganz anders wäre das vermutlich, hätte die Affinity Jazzmaster ein Vibratosystem. Hat sie aber nicht, sondern eine feste Brücke. Und damit ab zur Hardware und der Elektrik!

Hardware & Elektrik der Squier Affinity Jazzmaster

Wäre hier eines der „günstigsten“ Fender Vintage-Vibratios verbaut, könnte man sich garantiert auf ein andauerndes Nachstimmen der Gitarre einstellen. Da kommt uns eine feste Brücke (im Fachjargon Hardtail genannt) bei der Affinity Jazzmaster gerade recht. Nicht nur Stimmprobleme werden so minimiert, auch die Tonentfaltung und die Resonanzen insgesamt können durch dieses System nur dazu gewinnen. Saitenreiter aus verchromten Metallblöcken müssen hier reichen, auf Stahlsättel muss man leider verzichten.

Dennoch wurde hier sehr sauber und akkurat gearbeitet, die Verchromung sollte aggressivem Handschweiß eine Weile Paroli bieten. Und auch die Brücke selbst sitzt absolut gerade in ihrer Position auf der Decke, sodass die Saiten sauber über die Magnete der Pickups geführt werden. Und damit sind wir bei der Elektronik angelangt.

Die komplette Elektrik der Squier Affinity Jazzmaster wurde in einem schwarzen Pickguard untergebracht, das gut die Hälfte des Platzes auf der Decke einnimmt. Zwei Doppelspuler, die Fender als „Standard Humbucking“ bezeichnet und die an Hals und Steg ihren Platz finden, sorgen für die elektrische Abnahme der Gitarre. Angewählt werden sie über einen Dreiwegeschalter, der sich griffgünstig im unteren Cutaway befindet und von durchaus akzeptabler Qualität ist – da hat man selbst in höheren Preislagen schon wackligere Kandidaten gesehen.

So schlicht die Gitarre selbst ist, so schlicht ist auch die Schaltung ausgefallen – Humbucker am Hals, beide Humbucker oder der am Steg sind hier die möglichen Optionen, ein Volume- und ein Tonepoti für beide Pickups rundet die Sache ab. Viel gibt es hier also nicht zu holen, aber in der Musik der anvisierten Zielgruppe sind Singlecoil-Sounds ohnehin nicht besonders gefragt, denn dafür gibt es ja schließlich die Strat!

Zwischenzeugnis

Alles soweit in Ordnung bis hierhin, sieht man von den minderwertigen Mechaniken mal ab und behält sich dabei immer auch den Preis der Gitarre im Hinterkopf. Wichtige Merkmale, wie etwa die Qualität des Halses und der Bünde (wichtig für eine komfortable und schepperfreie Saitenlage) oder die der Potis und des Dreiwegeschalters, gehen vollkommen in Ordnung. Teile der Elektrik könnte man zur Not immer noch durch hochwertigere Parts ersetzen, dafür ist kein Vermögen nötig. Ob es sich überhaupt lohnt, die Affinity Jazzmaster zu „pimpen“, erfahren wir jetzt im Praxistest.

Sound & Praxis mit der Squier Affinity Jazzmaster

Holla, so übel klingt das ja gar nicht! Sicherlich muss man die Ansprüche an Attack und Sustain etwas zurückschrauben, denn Beides ist nicht gerade im Überfluss vorhanden. Weder im akustischen Grundsound noch beim Betrieb am Verstärker. Wobei man ganz klar sagen muss, dass der elektrische Sound der Affinity Jazzmaster dem Grundsound der Gitarre deutlich hinterher „hechelt“.

Die Pickups sind hier als eindeutige Schwachstelle auszumachen, fast hätte man es geahnt. Nicht nur dass der Sound in allen drei Positionen des Schalters dumpf und ziemlich leblos klingt (und sich auch so anfühlt), die zwei Humbucker brummen zudem ganz ordentlich in einer 50-Hertz-Frequenz, sodass man sich zunächst fragen dürfte, ob hier denn nicht doch versehentlich ein Singlecoil-Modus eingebaut wurde und er gerade aktiv ist.

Die Bespielbarkeit ist verblüffend gut und das schon ab Werk. Die Saitenlage unseres Testinstruments war schon fast zu flach eingestellt, einem Anfänger oder dem Typ „verwöhnter Gitarrist“ dürfte das aber sicher gefallen. Dazu gesellt sich der schmale Hals mit seiner griffigen Rückseite und dem schlanken C-Profil, besser könnten die Voraussetzungen also kaum sein.

Hören wir rein in den Klang der Squier Affinity Jazzmaster. Dazu wurde die Gitarre an meinen Orange Micro Dark angeschlossen, der mit einer 1×12″ Celestion Vintage 30 Box betrieben wurde. Als Mikro diente ein AKG C3000, ehe das Signal in Logic Audio aufgezeichnet wurde.

Zunächst in Klangbeispiel 1 der unverzerrte Sound, eingespielt mit beiden Humbuckern aktiviert. Ausreichend für das eine oder andere Intro vielleicht, insgesamt aber doch eher matt im Sound und zäh im Spielgefühl.

Nun beide Humbucker mit einem angezerrten Sound. Auch hier wird es nicht viel besser, besonders die schlappe Dynamik lässt keine wahre (Spiel-) Freude aufkommen.

Nun zu den High-Gain-Sounds, mit dem die Squier Affinity Jazzmaster sicherlich von der angepeilten Zielgruppe überwiegend betrieben wird. Klangbeispiel 3 zeigt den Steg-Pickup mit einer Rifflinie, die mangelnde Dynamik wird recht gut von der Vorstufenröhre meines Micro Dark kaschiert. Es spielt sich jetzt nicht mehr ganz so zäh, dafür aber steigen die Nebengeräusche auf ein unangenehmes Maß. Hier sollte man also mit der Verzerrung etwas vorsichtig sein.

In Klangbeispiel 4 hören wir den Steg-Pickup nun mit einer gepickten Linie. Auch hier profitiert die mangelnde Dynamik der Tonabnehmer von der Vorstufe des Amps.

Abschließend der Fronthumbucker mit einer verzerrten Linie. Der Klang ist recht undifferenziert und neigt schon recht früh zum Matschen. Das auch aufgrund des beständigen Netzbrummens, das den Sound unentwegt begleitet.

Fazit

Würde man noch ein paar Euro für bessere Mechaniken und einen Satz gebrauchter Marken-Pickups in die Hand nehmen, dann könnte man aus der Squier Affinity Jazzmaster eine wirklich gute Rockgitarre zaubern. Die Verarbeitung insgesamt ist bis auf die zwei Mängel erstaunlich gut ausgefallen – immer vorausgesetzt, man führt sich den extrem niedrigen Preis vor Augen. Großer Pluspunkt der Squier Affinity Jazzmaster ist zweifellos die vorzügliche Bespielbarkeit ihres schlanken Halses, von der sich selbst doppelt so teure Gitarre etwas abschauen könnten. Denn die gute Verarbeitung des Halses und der Bundstäbchen ermöglicht ein Setting, das besonders Anfängern den Einstieg erleichtern wird. Eine supergünstige Jazzmaster mit einer Menge Potenzial, mehr geht nicht für das Geld!

Plus

  • gute Verarbeitung
  • gute Bespielbarkeit
  • akzeptabler Klang

Minus

  • minderwertige Pickups und Mechaniken

Preis

  • Ladenpreis: 211,- Euro
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