Test: Steinberg Dorico Pro 2, Dorico Elements 2, Notationssoftware

In Dorico werden verschiedene Arbeitsmodi angeboten. Es gibt fünf davon: Einrichten, Schreiben, Notensatz, Wiedergabe und Drucken. Die jeweiligen Funktionen stehen auch nur im jeweiligen Modus bereit. Das vermindert die Fehlbedienungen – Sibelius-Nutzer wissen, was ich meine. Leider macht diese Lösung auch des Öfteren ein Umschalten nötig.

steinberg dorico pro 2

Das Anbringen von Textelementen ist in Dorico deutlich übersichtlicher als in Sibelius. Ein „freier Text“ lässt sich allerdings in Steinberg Dorico Pro 2 so nicht platzieren. Schade!

Sibelius liefert bereits einige vorgefertigte Skripte mit, die dem Notensetzer das Leben erleichtern. In Sibelius missverständlich „Plugin“ genannt. Dorico bietet zwar ebenso eine Skript-Schnittstelle, die auf Lua basiert und deutlich ausgewachsener aussieht als in Sibelius, die nützlichen vorgefertigten Funktionen bleiben jedoch noch aus. Auch schade!

steinberg dorico pro 2

Mit dabei ist die Skript-Schnittstelle. Cubase und Nuendo bieten das nicht einmal!

Nicht zuletzt wegen des entsprechenden Hintergrundes von Steinberg ist der VST-Support natürlich sehr viel „erwachsener“ als in Sibelius: vor allem unkompliziert bedienbar.

Bemerkenswert ist, dass einer der deutschsprachigen Sibelius Päpste zu Dorico gewechselt ist: Frank Heckel Der Komponist, Orchestrator und Dirigent war lange Zeit Sibelius-Evangelist und auch für das Eindeutschen der ersten drei Versionen verantwortlich.

Die Praxis mit Steinberg Dorico Pro 2

Natürlich habe ich mich mit Steinberg Dorico Pro 2 gleich ins Alltagsleben gestürzt. Wie oben bereits angedeutet, wich die erste Begeisterung ein wenig der Ernüchterung. Nach relativ geringer Einarbeitungszeit fing mir das Arbeiten mit Dorico dann doch an zu gefallen.

steinberg dorico pro 2

In ganzer Pracht: Steinberg Dorico Pro 2

Man kann mit Dorico gut und auch mit etwas Komfort einfache Scores und komplexere Partituren erstellen. Ein wenig Einarbeitungszeit ist allerdings schon notwendig. Die Noteneingabe selbst finde ich nicht ganz so bequem wie bei den etablierten Marktbegleitern, ebenso das Platzieren von Textelementen. Gitarren-Griffbilder sind noch nicht verfügbar. Das fehlt mir nun weniger, ist aber für manchen ein Punkt.

steinberg dorico pro 2

Linke Toolbar im Schreib-Modus

Das Layouten selbst geht sehr einfach von der Hand. Am Anfang fand ich das Fehlen einer Symbolleiste am oberen Bildschirmrand noch verwirrend, doch die Werkzeugleisten rechts und links liefern alle wichtigen Tools. Das ist sehr kompakt gelöst, fast zu kompakt. Wo bei den Konkurrenten auch selten genutzter Features (bspw. Doppelpunktierung) im Direktzugriff haben, ist Dorico etwas zurückhaltend. Das Aufteilen in verschiedene Modi (Einrichten, Schreiben, Notensatz, Wiedergabe und Drucken) erleichtert in der Praxis das Arbeiten, da immer nur die Funktionen vorhanden sind, die auch konkret gebraucht werden: sehr gut!

Richtig toll finde ich die Option im Play-Modus, die erklingenden Noten (in Länge und Quantisierung) unabhängig von den geschriebenen Noten zu bearbeiten. Diese Edit-Funktionen erinnern ein wenig an einen Sequencer. Solches haben die Kollegen (meist) nicht im Portfolio.

Steinberg Dorico Pro 2 bietet (noch?) keine Option zum Einscannen von Noten. Das wäre allerdings ein wichtiges Feature für Lehrer und Lehrbeauftragte sowie Arrangeure. Man könnte über eine Dritthersteller-Software den Scan nebst Notenerkennung anfertigen und dann als MusicXML exportieren. Das finde ich keine alltagstaugliche Lösung. Eine Entsprechung zu AudioScore fehlt auch (noch) gänzlich.

steinberg dorico pro 2

Der Mixer erinnert sehr an Cubase

Fazit

Dorico Pro macht einen verdammt guten Eindruck. Ich hätte nicht gedacht, dass uns in puncto Notensatz in dieser kurzen Zeit nochmal ein solcher Sprung nach vorne erwartet. Allerdings sehe ich Steinberg Dorico Pro 2 noch nicht als vollendet an. So ist es in einigen Punkten den Konkurrenten objektiv überlegen, in anderen noch objektiv unterlegen. In diesem Zusammenhang finde ich den Preis allerdings etwas gewagt. Ich erwarte jedoch, dass Steinberg spätestens mit der Version 3 Dorico diese Lücken vollständig geschlossen hat, dann könnte man schon (fast) von einem Schnäppchen sprechen. Vor dieser Kulisse wäre eine Import-Funktion von Sibelius, Finale und Capella-Partituren natürlich wünschenswert.

Schade ist, dass es zu Cubase und Nuendo gar keine Verbindung zum Datenaustausch gibt. Nicht einmal die Akkord-Spur lässt sich bspw. nach Dorico übernehmen. Das bedeutet oft doppelte Arbeit. Wenigstens werden die Akkord-Symbole in einer Akkordspur verwaltet und nicht pro System (wie in den meisten anderen Programmen). Damit lassen diese sich für jedes Instrument einfach ein- und ausblenden.

Im Ergebnis ist Steinberg Dorico Pro 2 schon sehr weit gediehen und wird (in sehr naher Zukunft) den Markt für Notensatzprogramme sehr deutlich aufmischen. Aber schon jetzt sollte sich jeder ernsthafte Sibelius, Finale, Capella (usw.) Nutzer Dorico genauer ansehen. Für Neueinsteiger scheint Dorico schon jetzt attraktiv: klare Kaufempfehlung.

Mit Dorico Elements 2 hat Steinberg im übrigen auch eine abgespeckte und deutlich günstigere Version im Angebot. Die genauen Unterschiede stellt Steinberg hier dar.

Plus

  • innovative Oberfläche und Konzeption (Player statt System/Instrument)
  • Steuerung und Layout-Funktionen sind innovativ
  • Layout ist sehr übersichtlich
  • Modus-System
  • Konzept des Play-Modus
  • Eingabe der Akkord-Symbole ähnlich wie in Cubase
  • Qualität der mitgelieferten Sounds

Minus

  • eLicenser ermöglicht nicht so einfach das Nutzen auf zwei Rechnern wie bspw. bei Sibelius
  • kein Einscannen von Noten möglich
  • keine Entsprechung von "AudioScore"
  • Preis-Leistungs-Verhältnis (wird sich mit weiterer Entwicklungsarbeit nivellieren)
  • noch keine Anbindung an Cubase/Nuendo
  • einige Funktionen fehlen
  • keine Skripte mitgeliefert (analog zu Sibelius "Plugin")

Preis

  • Ladenpreise:
  • Vollversion: 539,- Euro
  • Elements: 95,- Euro
Forum
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    McPrell

    Dann wird es doch jetzt Zeit für einen Test der aktuellen Sibelius Version. Der letzte Test hier auf Amazona ist von 2011. Und die Entwickler von Sibelius haben ja all die Jahre nicht geschlafen.
    http://www...../notation/
    Die jüngsten Entwicklungen galten Multi-Edit-Workflows und Cloud Sharing einer sehr spannenden Technologie die seit Jahren von Verlagen genutzt wird um Noten digital zu verkaufen.
    http://www.....ud-sharing

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      ComposerHH

      Ich habe Sibelius 15 Jahre lang benutzt und zwar bis in die tiefsten Tiefen – ich habe für großes klassisches Orchester geschrieben….ich habe mich am Schluß tot geärgert. So viele Bugs, die über JAHRE nicht behoben wurden, schlechter Support…einfach nicht mehr tragbar. Anstatt unwichtige Updates, hätte man sich endlich mal an die Behebung der vielen vielen Fehler des Programms machen sollen, die von so vielen Menschen angesprochen wurden und unkommentiert und vor allem über viele Jahre unbeachtet blieben.
      Für Musiker, die das Programm oberflächlich benutzen mag es toll sein. Für Musiker, die tiefer graben, reiht sich eine Entäuschung an die andere und man ärgert sich und ärgert sich, bis man es schließlich in die Tonne wirft….nie wieder Sibelius !

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        ComposerHH

        ach ja…welche Entwickler denn? Zuerst sind die ‚Erfinder‘ von Sibelius alle zu Steinberg/Dorico abgewandert und dann hat man die übrig gebliebene Entwicklungsabteilung vor 4 oder 5 Jahren komplett gefeuert. Es ging nur noch darum, Geld mit dem Programm zu verdienen und möglichst wenig zu investieren. Selbst Avid hat gemerkt, daß dies eine Sackgasse ist und dann doch wieder billige, notations-software-unerfahrene Programmierer aus bestimmten Staaten (ich möchte nicht ausländerfeindlich rüberkommen) eingestellt.
        schaut mal:
        https://blogs.nmz.de/badblog/2012/07/13/gefahr-fur-sibelius/

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          McPrell

          Auf einen völlig veralteten Blog-Eintrag vom Sommer 2013 macht keinen Sinn, zu viel hat sich verändert: im Markt, bei Avid, in der Sibelius-Abteilung.

      • Profilbild
        McPrell

        Auf welchem Sibelius Software-Stand bist bzw. warst Du denn ?
        Seit Juli 2018 sind wieder einige neue Funktionen und Bugfixing implementiert worden.

  2. Profilbild
    ukm  

    Ich nutze derzeit Sibelius 7 und Notion 6 und wollte nun auch einmal Dorico Elements 2 testen. Da ist mir doch gleich nach dem Start die Audio Engine gestorben („audio engine died“). Ich habe allerdings den Sample-Content nicht installiert, weil ich den nicht brauche. Das war’s dann wohl.

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