Neue Sounds und Pattern-Editor
Etwas mehr als sechs Jahre ist das letzte Update her, somit ist es höchste Zeit für den Steinberg Groove Agent 6, in die nächste Runde zu gehen. Die Oberfläche wurde überarbeitet und einige neue Drum-Sounds haben den Weg in den Agenten gefunden. GUI-Update sowie Layering und Replacing sind die prominenten Themen bei diesem Update, aber alles der Reihe nach.
Was ist es? Steinberg Groove Agent 6 ist ein Drum-Plug-in und Sampler für elektronische und akustische Drum-Kits mit integrierter Groove-Engine.
- Update: Überarbeitete Benutzeroberfläche, flexiblere Fensterverwaltung und ein verbesserter Workflow.
- Neue Sounds: 47 zusätzliche akustische Drum-Sounds sowie das neue „Color Punch“-Kit mit 25 Pop-orientierten Drum-Kits.
- Workflow: Neue „Prelisten in Place“-Funktion und einfaches Layern bzw. Austauschen von Drum-Sounds direkt im Kit.
- Vergleich: Vielseitiger und oft flexibler als Native Instruments Battery, bei realistischer Drum-Simulation jedoch hinter spezialisierten Tools.
- Einsatz: Ideal für Produzenten, die flexible Drum-Kits, eigene Samples und integrierte Groove-Bibliotheken kombinieren möchten.
Inhaltsverzeichnis
Steinberg Groove Agent 6: Erster Eindruck
Der Steinberg Download-Manager stellt üppige 40 GB an Daten für Sounds und das Plug-in selbst zur Verfügung. Da dauert der Download eine ganze Weile. Die Installation von Steinberg Groove Agent 6 geht grundsätzlich aber wie gewohnt lautlos von statten.
Steinberg gibt an, dass 47 neue akustische Drumsounds (bezogen auf die Vorgängerversion) im Lieferumfang enthalten sind. Das klingt erstmal nach viel, ist aber ehrlich gesagt nicht so viel. Es sind 15 Kick-Drums – zugegeben, das ist schon eine ordentliche Auswahl – 8 Toms und 24 Snares.
Die Sounds sind teilweise klanglich sehr dicht beieinander. Neue Becken, HiHats oder eine größere Auswahl an neuen Toms haben die Hamburger in diese Paket nicht integriert. Einerseits schade, andererseits gibt es bereits jetzt etliche Erweiterungen für Steinberg Groove Agent 6, mit denen sich auch die Blech-Sammlung für einen vergleichsweise schlanken Betrag aufstocken lässt.
Nicht gleich ersichtlich ist, dass nicht nur VST3, sondern auch AU und AAX unterstützt werden, damit ist diese Plattform auch für Drittanbieter interessant.
Steinberg Groove Agent 6: Benutzeroberfläche
Auf den ersten Blick erscheint der Groove Agent altvertraut. Wer genau hinschaut, erkennt aber die Unterschiede: Die Oberfläche ist etwas aufgeräumter. Skalieren sowie das Auskoppeln von Fenstern ist nichts prinzipiell Neues bei den Steinberg Plug-ins, hier wurde dies aber deutlich erweitert. Somit schließt Groove Agent in puncto GUI-Flexibilität an Halion an.
Interessant ist, dass der (Drum-) Pattern-Editor, der bei Steinberg-Produkten bisher nur in Cubase/Nuendo bekannt war, nun auch im Steinberg Groove Agent 6 zu finden ist. Das ist nicht nur Kosmetik, das ist folgerichtig.
Bereits vor einigen Jahren hatte Steinberg ein MIDI-Plug-in eingeführt, das die Drum-Programmierung optisch vergleichbar gelöst hat. Dieses scheint jedoch nicht den durchschlagenden Erfolg gewährleistet zu haben, so dass die Drum-Patterns in Cubase/Nuendo – und jetzt auch in Steinberg Groove Agent 6 – angekommen sind.
Wer hier den Sinn und Zweck bezweifelt, sollte sich folgendem Selbstexperiment stellen: jeweils 10 Grooves (1-2 taktig) im Key-Editor und im Drum-Pattern-Editor programmieren und die Ergebnisse vergleichen. Den meisten wird es so gehen, dass Grooves aus dem Key-Editor anders klingen („anmuten“) als jene aus dem (Drum-) Pattern-Editor. Nicht besser oder schlechter, sondern anders.
Oft ist es so, dass je maschinenhafter der Sound sein soll, die Drum-Pattern Methode besser funktioniert. Waren früher solche Pattern-Editoren generell vergleichsweise arm an Parametern, ist das hier anders: Wie bei großen Sequencern lassen sich praktisch alle Parameter aus dem Drum-Editor auch im Pattern-Editor steuern (automatisieren). Damit werden komplexe Grooves mit einer einfachen Nutzeroberfläche kombiniert, sehr gelungen!
Viele von uns kennen die Situation, dass die Drums zwar schon ganz gut passen und klingen, aber die Snare könnte noch ein wenig anders sein oder das Crash-Becken muss dringend getauscht werden. Dann gilt es, den Browser zu öffnen und verschiedene Sounds hintereinander zu laden und auszuprobieren. Das ist umständlich und der Überblick geht auch schon mal verloren. (Hand aufs Herz: Wer hat noch nicht nach einer endlosen Odyssee durch die Snare-Drums am Ende den Sound als „neu“ ausgewählt, der bereits am Anfang genutzt wurde? Oft merken wir es gar nicht oder erst deutlich später …)
Praktisch wäre es, wenn wir einfach mal unverbindlich einen neuen Sound nutzen können, ohne gleich den aktuellen Sound (mit allen Einstellungen) zu verlieren. Das bietet der Groove Agent seit dieser Version. Die neue Funktion (Pfeil unten rechts im Datei-Browser des Groove Agents) nennt sich „Prelisten in Place“.
Solche Funktionen gibt es zwar bei einigen Mitbewerbern bereits (bspw. in BFD), aber nicht flächendeckend. In der Praxis ist diese Funktion nicht nur komfortabel, sondern bringt auch einen deutlichen Zeitgewinn, da so schnell gesucht und gefunden werden kann. Im Vergleich zum eben erwähnten BFD ist diese Funktion in Steinberg Groove Agent 6 allerdings etwas weniger intuitiv, es muss ja was zum Wünschen fürs nächste Update übrig bleiben.
Mit der Überarbeitung der Nutzeroberfläche und der Einführung der Prelisten-Funktion ist auch das Bestücken von Drumsets deutlich komfortabler geworden. Außerdem lassen sich nun bequem Drumsounds layern: Drum-Instrument anklicken, Layer mit Plus-Schaltfläche hinzufügen, Sample suchen und fertig. Das können die meisten Konkurrenten nicht so einfach.
Der Mixer ist jetzt am unteren Bereich prominent angedockt und lässt sich so leichter überblicken und nutzen. Eine Änderung, die klein erscheint, den Workflow aber deutlich schneller macht. Der Mixer wirkt so cleaner und übersichtlicher.
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Neue Sounds in Steinberg Groove Agent 6
Selbstverständlich legen die Hamburger dem Steinberg Groove Agent 6 auch ein Paket an neuen Sounds bei. Die 47 neuen Akustik-Drums hatte ich ja bereits erwähnt.
Das ebenso neue Paket „Color Punch“ liefert 25 frische Drum-Kits zu den bereits bestehenden hinzu. Der Fokus liegt hierbei auf Pop. Die Klangvarianz der Kits untereinander ist recht überschaubar. Interessant ist, dass den Librarys oft der Hersteller anzuhören ist, egal wer als Sound-Erzeuger eingekauft wurde.
So haben die Battery Kits ihre Gemeinsamkeiten und die Groove Agent Kits eben auch. Oder anders ausgedrückt: Die Sounds sind professionell produziert und klingen gut. Ob diese in die eigenen Klangvorstellungen und Klangkonzepte passen, ist eine andere Sache. Ich muss zugeben, dass etliche der Groove Agent Sounds nicht so ganz zu meinen Vorstellungen passen, da habe ich oft bei Battery schneller einen Treffer – aber bei Weitem nicht immer.
Auf der akustischen Seite ist das Punch-Kit (präsentiert sich in schönem Alt-Rosa) hinzugekommen. Der Name ist Programm: Der Sound bietet einen gewissen Punch. Spannend ist, dass es sich natürlich sehr einfach (wie bereits beschrieben) mit bspw. „The Kit“ mischen lässt und so recht individuelle Drum-Kits möglich sind. Crosstalk von bspw. Snare-Drum auf HiHat wird nicht simuliert, dafür aber ein Overhead- und ein Raummikrofon.
Schade ist, dass die Akustik-Sets im Pattern-Editor die einzelnen Instrumente so anordnen, wie die Pads sortiert sind. Das ist für die Anwendung mit akustischen Drums wenig sinnvoll. So liegen Artikulationen der einzelnen Instrumente nicht schön nebeneinander und auch Dopplungen werden nicht vermieden, sehr schade.
Rudiments (Flam, Drag usw.) liegen auch nicht als Sample vor, sondern werden als MIDI-FX realisiert. Diese lassen sich nur für einzelne Pads zuschalten und nicht bequem per Keyswitch „on demand“. Das macht die Bedienung unnötig kompliziert und lässt die auf akustische Drums spezialisierten Tools eine bessere Figur machen.
Vergleich mit Battery, Superior Drums, BFD & Addictive Drums
Schon wegen der Optik und der Preispolitik wird bei Steinberg Groove Agent 6 oft der Vergleich zu Battery von Native Instruments bemüht. Gerade in Zeiten, in denen der eine oder die andere die Zukunft von Battery bzw. dem Hersteller allgemein unsicher wägt, erscheinen Alternativen umso interessanter.
Zwar haben der Groove Agent und Battery etliche Gemeinsamkeiten, aber auch gewichtige Unterschiede. Mit beiden lassen sich recht simpel mit einzelnen Drum-Samples-Kits für die eigene Produktion zusammenstellen. Beide haben ein erweitertes Browsing für Kits und Sounds nach Tags wie Stil, Art, Bundle usw. Für die einzelnen Samples (bzw. den Pads) gibt es einige Bearbeitungsmöglichkeiten (Humanizing, Hüllkurve, LFO etc.).
In diesen Dingen liegt der Steinberg Groove Agent 6 (nicht erst seit Version 6) leicht vorne. Denn auch das Trennen der Samples nach Geräusch und tonalem Anteil ist bei Groove Agent mit einem Klick schon länger möglich. Wer mit Round-Robin (oder Random) arbeiten möchte, kann das mit dem Plug-in aus dem Hause Steinberg deutlich komfortabler als mit Battery.
Ich selbst lege eigene Librarys, die über das simple Triggern von Drums-Sounds hinausgehen, schon seit Jahren in Groove Agent an. Auch vorgefertigte Grooves (Rhythmen, die via MIDI voraufgezeichnet sind) sind in Battery nicht direkt integriert. Letzteres mag so manche unter uns mehr oder auch weniger stören, eine offen in die Oberfläche integrierte Groove-Bibliothek hält diese präsent und gerät nicht (so leicht) in Vergessenheit. Denn MIDI-Files mit Grooves für die eigenen Kits bietet Native Instruments eben auch an.
Steinberg Groove Agent 6 ist demnach in etlichen Belangen dem Battery-Drummer überlegen. Dafür ist das Interface nicht ganz so simpel. Auch preislich ist das Produkt aus dem Hause Steinberg merklich attraktiver.
Wenn es allerdings darum geht, möglichst realistisch klingende Drumsets zu imitieren, sind die Mitbewerber wie BFD, Superior Drums, Addictive Drums deutlich interessanter. Bei diesen wird (teilweise) Crosstalk simuliert, es gibt Overheads (ggf. auch Room und/oder Ambience-Signale) und auch etwas mehr Artikulationen. Dafür ist der benötigte Festplattenspeicher auch entsprechend größer und der Preishorizont meist ein anderer, so dass der direkte Vergleich nicht ganz fair ist.
- Altbekannt: The Kit
Am Ende gilt: Auch wenn der Steinberg Groove Agent 6 in einigen Teilbereichen mit diesen Plug-ins mithalten kann, in der Summe ist er klar unterlegen. Das ist aus meiner Sicher aber nicht schlimm, da der Groove Agent eben deutlich vielseitiger und günstiger ist.










































Ich weiß nicht ob es nur mir so geht, aber ich finde die gesamte Klangpalette nicht durchsetzungsfähig bei härterer elektronischer Musik und auch etwas altbacken im Klangbild. Das gilt natürlich erst recht für die Electro-Kit-Samples. Ich bereue die Verwendung stets. Für typische Akustik Drumsets mit Fills und Ähnlichem ist es allerdings gut. Das GUI war auch immer etwas oldschool, aber hat sich spätestens mit diesem Update erledigt. Ich bin ein großer Freund des Groove-Agent und es kommt in allen meinen Projekten vor (inzwischen deutlich über 100). Aber nicht die internen Sounds, sondern rein zum verwalten von (anderen) Percussion-Samples. Dafür ist es wirklich hervorragend geeignet. Lang lebe der Groove-Agent!
@Filterpad probiere vielleicht Metalpacks.
kein Witz 😉
aber vielleicht zu durchsetzungsfähig.
mag sowas auch gerne.
@Filterpad Dann mach sie halt durchsetzungsfähig. Mit einem Transienten-Designer und einem EQ kriegst du einen alten Pappkarton knackig.
@bluebell Tatsächlich habe ich das Gefühl, dass das bei denen nix bringt. Ob das wirklich so ist oder etwas Esoterik meinerseits kann ich letztendlich nicht sagen. Aber ich habe es immer bereut bei der Verwendung und bin dann auf andere Samples umgestiegen. Bei mir hat das noch nie so ganz funktioniert mit Steinberg Samples. Gleiches gilt auch für den HALion.
@Filterpad kannst du mir vielleicht Songs schicken als Beispiel?
vielleicht hab ich Samples die passen.
@Numitron Hmmm, ich überlege, aber typischer Uplifting in erster Linie mit allem drum und dran.
@Filterpad so Industrialsamples passen?
vielleicht alte drummachines Lofimässig?
@Numitron weniger Lofi, sondern stramm und Fett😎
@Filterpad OK! 👍😎
Mit Hilfe von Kitmaker lassen sich Native Instruments Expansion Kits leicht in Groove Agent importieren, auf sample pads ziehen und klanglich gestalten. Steinbergs eigene Klang- und Groove-Libraries sind m.E. bis heute . mit wenigen Ausnhamen – nicht auf demselben Niveau für moderne elektronische Sounds in verschiedenen aktuellen Genres. Aber mit dem NI Klangfutter (oder anderen Samples From Mars oder GoldBaby oder anderen guten drum sample Quellen) finde ich den Workflow von Groove Agent 6 als auch vom Cubase 15 Drum Track VIEL flüssiger und besser, als alles, was ich je von NI Battery, NI Maschine oder aktuellen MPCs gesehen habe. Und man kann bei entsprechender Pad-Belegung sogar Groove-Midis aus verschiedensten Quellen damit verwenden.
Mit solchem Klangfutter sind Steinbergs Groove Agent 6 und der Cubase 15 Drum Track (mit der eigenen Cubase Drum Machine) die aus meiner Sicht zur Zeit besten Groove-Tools zum Beat bauen auf dem Markt.
Groove Agent hatte ich mal vor ca. 20 Jahren. Mit Jamstix hatte sich das dann erledigt. Man konnte externe Drum Libraries einbinden, und das Jamstix-Brain zur Drum-Generierung war einmalig. Von da an musste man nicht mehr statische MIDI-Files herumschieben. Leider wird das nicht mehr weiterenrwickelt.
Was ist eigentlich der Unterschied zwischen Groove Agent 6 SE, wie er bei Cubase 15 mitgeliefert wird und Groove Agent 6 ohne SE? Ich konnte das nicht wirklich finden. Hat SE auch weniger Funktionen oder sind nur weniger Sounds/Kits dabei?
@mudi2000 Moinsen,
hier ist es aufgedröselt:
https://www.steinberg.net/de/vst-instruments/groove-agent/compare-editions/
LG
F