Test: Steinberg Nuendo 4 (Teil 1)

30. November 2007

Nuendo 4 (Teil 1)

"Sie haben jetzt ein wichtiges Date – Ein Up-Date." So scherzen die Hamburger Hersteller des Sequencer Boliden Cubase momentan mit einer Print Kampagne quer durch die einschlägigen Gazetten der Musikerpresse. Was im hohen Norden der Republik Anlass zur Freude gibt, lässt aber vor allem die große Userbase des beliebten Programms bei herbstlichen Temperaturen draußen nicht kalt. Die kleine, bescheidene 1 hinter dem Punkt deutet zwar eher auf eine sanfte Briese, aber die Zeichen stehen in Wirklichkeit auf Sturm aus dem hohen Norden. Welche Neuigkeiten alle nicht auf Cubase 4 warten müssen und wie sie sich im rauhen Wind des alltäglichen Produktiosalltags schlagen, lesen Sie hier im Amazona Update Test.

Freies Routing

Mitunter hat man sich in der schönen neuen virtuellen Studiowelt nach einem guten alten Steckfeld und einigen Patchkabeln gesehnt. Zwar bot der Cubase Mixer eine gelungene Nachbildung einer fast unendlich erweiterbaren Mischkonsole, an manchen Stellen waren den Wegen des Audiodatenstroms der Bits und Bytes aber bis jetzt Grenzen gesetzt, die dem Anwender Kopfzerbrechen machen konnten. So konnte man z.B. Signale aus Gruppen nur nach rechts auf später erstellte Gruppen routen. Um digitale Feedbackschleifen zu verhindern, schränkte Steinberg die Freiheit des Users ein – bis jetzt. Mit dem Update auf 4.1 wird die digitale Welt nun endlich von ihren virtuellen Fesseln befreit. Routings sind nur dann unmöglich, wenn sich durch sie auch tatsächlich ein Feedback ergeben würde. Nur dann werden die potentiellen Routingziele grau hinterlegt und mit einem Einbahnstraßenschild dargestellt. Als besonderes Schmankerl ergibt sich aus der neuen Freiheit nun endlich auch die Möglichkeit, mal eben den Ausgang einer Gruppe oder FX Channels auf eine Audiospur aufzunehmen, ohne die Audio Mixdown Funktion bemühen zu müssen. Ach ja, und dann wäre da ja noch die Möglichkeit, Signale an ein VST Plugin eines anderen Kanals zu schicken. Ahnen Sie schon was jetzt kommt? Richtig….

- Power to the people: Die Welt ist frei -

– Power to the people: Die Welt ist frei –

Side Chain fähige Plugins

Schon mit Cubase 4 wurde der Grundstein für die neue Version der VST Plugin Technologie gelegt. In der Praxis spürte der User aber vom neuen Standard erst einmal nicht viel. Dennoch war laut Steinberg der Schritt notwendig, um das zu ermöglichen, was Cubase User bis jetzt nur über umständliche Umwege bewerkstelligen konnten: Side Chain Inputs für Plug Ins. Dabei hat Steinberg nach langem Zögern das Feature nun so geschmeidig und intuitiv implementiert, dass man sich fast fragen will, was daran so schwer gewesen sein kann?
Durch eine virtuelle Schaltfläche neben den Automationsschaltern schaltet man die Side Chain Fähigkeit des Plugins ein. Dadurch aktiviert man gleichzeitig die Möglichkeit, das Plugin als Routingziel zu wählen, entweder per Send oder direkt als Spurausgang. Der Side Chain Eingang eines Plugins ist dabei grundsätzlich Mono, was in der Praxis auch Sinn macht. Da beim Gate, dem klassischen Vertreter des Sidechainfähigen Plugins der Threshold Regler aktiv bleibt, kann man die Funktion auch vom Plugin aus bequem steuern, ohne unbedingt den Send Level des triggernden Signals verändern zu müssen. Praktisch, aber für die Praxis nicht unbedingt notwendig, wäre noch eine Anzeige der Side Chain Quelle und die Möglichkeit diese Solo zu schalten, um im Zweifel schnell sehen zu können, warum evtl. das Plugin nicht reagiert wie gewünscht.
Nicht alle Plugins sind Side Chain fähig, aber die üblichen Verdächtigen Dynamik Plugins haben den gewünschten Schalter. Darüber hinaus gibt es auch noch einige wirklich ungewöhnliche und unerwartete Möglichkeiten wie z.B. die Breite von Autopan oder die Modulation von einem Chorus über Side Chain Signale zu steuern.

- Was lange währt wird endlich.... -

– Was lange währt wird endlich…. –

- ... eine richtige Side Chain Funktion -

– … eine richtige Side Chain Funktion –

Track Quick Controls

Die besten neuen Features sind in den Augen vieler User die, die immer wieder kehrende alltägliche Problemchen des Produktionsalltags erleichtern – und bei Cubase 4.1 heisst die große Workflow Erleichterung Track Quick Controls. Virtuelle Studios haben nämlich im Jahr 2007 leider immer noch ein recht übles haptisches Defizit. In Software dargestellte Regler kann man nicht greifen und so klafft bedauerlicherweise eine große Lücke zwischen den Möglichkeiten bzw. dem Klang des virtuellen Studios und seiner Bedienbarkeit. Zwar ließen sich Plugins in Cubase auch vor 4.1 über Midi Controller steuern, der Umweg führte aber in der Regel über das Blättern in Parameterseiten auf zum Teil kryptisch beschrifteten 7 Segment Displays, auf jeden Fall aber in einer wilden Konfigurierarie, wo man zwar theoretisch alles machen konnte, aber praktisch mit der Maus eben doch wieder schneller war. Dem will Steinberg mit den Track Quick Controls entgegenwirken. Die Grundidee ist ebenso einfach wie genial und erinnert stark an Cakewalk's ACT. Zunächst verrät man Cubase einmal global die MIDI Controller von 8 Reglern eines MIDI fähigen Gerätes. Dies funktioniert angenehm durch MDI Learn. Danach kann man diese Controller in jedem Track individuell angepassten Automationszielen zuweisen, die sich selbstverständlich auch als Track Preset abspeichern lassen. So bastelt man sich einmal ein nettes Preset für die meisten Anwendungszecke und braucht sich danach nicht mehr um die Controllerzuweisungen und MIDI Implementationen zu kümmern. Ein weiterer Vorteil gegenüber der normalen MIDI Controller Steuerung: Die Automationsdaten von VSTIs erscheinen in den Tracks als Automation und nicht als MIDI Daten. So greifen natürlich auch die Read/Write Buttons und die gewöhnten Editierfunktionen im Track. Die Funktion ist traumhaft und macht das Arbeiten sehr viel angenehmer. Einen einzigen kleinen Schönheitsfehler hat sie aber leider doch: Warum gibt es für die 8 Slots in den Quick Controls kein Software Learn? Manche VST Plugins bieten sehr viele Parameter, im schlimmsten Fall sind diese vom Hersteller noch nicht einmal anständig beschriftet. Anstatt sich durch die Wertebäume zu hangeln, könnte Cubase doch auch auf das einmalige Bewegen eines virtuellen Reglers warten und diesen dann dem entsprechendem Slot zuweisen! Dennoch: Die Track Quick Controls sind mein persönliches Lieblingsfeature im 4.1 Update und machen mächtig Laune!

Anmerkung der Redaktion: Die eben beschriebenen Features erhält man übrigens Sequenzer-unabhängig mit der Novation Remote SL Serie, die Testberichte können Sie im Archiv lesen oder über die Suche-Funktion finden.

- Einmal zuweisen... -

– Einmal zuweisen… –

- ...immer parat: Die Track Quick Controls -

– …immer parat: Die Track Quick Controls –

Sample Editor und Media Bay

Klangbeispiele
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  1. Avatar
    AMAZONA Archiv

    Vielen Dank für den sehr informativen Bericht. Da ich selber mehrere Creamware Karten
    in meinem Rechner habe, würde ich mich freuen, wenn ihr mir sagen könntet, welche Schwierigkeiten ihr festgestellt habt, ob sie behebbar sind und ob ich doch erstmal nicht updaten sollte.

  2. Avatar
    AMAZONA Archiv

    das mit den creamware treibern ist echt nicht gut.
    wenns da kein update gibt seitens steinberg und/oder creamware/soniccore bleib ich bei SX3.1.
    die quali der creamware synths möchte ich nicht mehr missen!
    da kann das gros der vst scheisse auf den kindergeburtstags gehen (gell arturia)

  3. Avatar
    AMAZONA Archiv

    Hatte das Problem schon ab SX 2.0. Da die Qualität von CW-Scope und des Noahs die meisten VST Plugins weit in den Schatten stellt, hab ich Cubase einfach rausgeschmissen und durch Ableton bzw. Magix/Samplitude ersetzt. Seitdem keinen Stress mehr.

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