Test: Steinberg Nuendo Expansion Kit (Teil 4)

21. Dezember 2007

Nuendo 4 (Teil 4)

Mit Cubase und Nuendo verkauft Steinberg seit bereits 4 Programmgenerationen zwei Programme mit dem gleichen Unterbau an zwei verschiedene Käuferschichten: Musiker und Tonstudios. Während sich die grundlegenden Funktionen beider Programme wie Aufnehmen, Bearbeiten und Mischen nicht wesentlich unterscheiden, da sie auch bei beiden Zielgruppen gleichermaßen benötigt werden, ist Nuendo immer das "große" Tool gewesen. In Cubase hingegen beschränkte man die Features des Audio Post Production Marktes wie z.B. die Fernsteuerung professioneller Videomaschinen oder den Im-/Export von Dateiformaten anderer Audioplattformen.

Mit Nuendo 4 ist nun die erste Schranke erstmals auch auf Nuendos Seite gefallen. Fast – denn mit dem Nuendo Expansion Kit kann man die fehlenden Funktionen wieder nachrüsten und sich so gegen einen Aufpreis doch eine Version ohne Einschränkungen auf dem USB Dongle freischalten. Das NEK ist ein separat zum Nuendo 4 Update erhältliches Software Kit und erfordert als solches auch eine eigene Lizenz, die gewohnt einfach auf einem vorhandenen Synchrosoft bzw. Steinberg Key, am besten zusammen mit der N4 Lizenz ohne die es nicht funktioniert, gespeichert werden kann. Der Registrierungsprozess über das online Challenge / Response System verläuft, wie bei Steinberg gewohnt, einfach und unkompliziert. Eine vorhandene Cubase 4 Lizenz kann allerdings nicht genutzt werden, um die fehlenden Funktionen auch in Nuendo 4 freizuschalten.

Die NEK Installer der einzelnen Softsynths kommt auf einer separaten Cross Plattform DVD, getestet wurde hier die PC Version. Noteneditor und Midi Drum Editor sind schon vor dem KIT mit Nuendo installiert worden, verstecken sich aber ohne gültige NEK Lizenz transparent vor dem User: Die entsprechenden Einträge in den Menüs fehlen einfach, sobald der Dongle abgezogen wird, was die Frage aufwirft, warum Steinberg die Softsynths nicht auch gleich mit in den Nuendo 4 Installer packt und den NEK Einkauf per Email und Seriennummer ermöglicht. Evtl. denkt man ja an die Dateigrößen bei späteren Update Downloads für User mit langsamen Internetzügängen. Die ersten beiden Features des NEKs sind eigentlich gute alte Bekannte und sollen hier daher auch nur kurz mit ihren wesentlichen Neuerungen besprochen werden. Dennoch ist die Frage, ob man als User das Upgrade haben will nicht zuletzt von der Frage abhängig, wie häufig man in der letzten Zeit die Editoren für Schlagzeug und Noten verwendet hat.

 

Notensatz, Notendruck und der Schlagzeug Editor

Ein entscheidendes neues Feature mit hohem Potential im Noteneditor von Nuendo 4 ist das neue unterstützte Fileformat MusicXML. Es handelt sich dabei um einen Standard, der von professioneller Notensatzsoftware wie Siebelius oder Finale aber auch papierlosen, automatisch umblätternden Notenständern bereits unterstützt wird. In Nuendo 4 ist leider derzeit nur MusicXML 1.1 implementiert, der Standard der Recordare LLC wird aktuell schon in der abwärtskompatiblen 2.0 Version genutzt. Dennoch ist die Unterstützung ein Schritt in die richtige Richtung. Steinberg listet im Manual auf, welche Parameter der Softwareschnittstelle noch nicht funktionieren, darunter so wichtige Parameter wie die Seitengröße und – umbruch oder Bögen und Punktierungen. Die Überprüfung mit verschiedensten Fileimporten brachte Nuendo zwar nie zum Absturz, aber momentan kann man von der Funktion nicht erwarten, ein ohne weitere Bearbeitung lesbares Notenbild nach dem Import darzustellen, was sicherlich eins der Ziele dieses interessanten Standards ist. Im Gegensatz zu Midi Files, die komplett ohne Formatierungsinformation auskommen müssen und bis jetzt häufig als Umweg zum Datenaustausch genutzt werden, ist dieser Standard deutlich sinnvoller und menschenkompatibler. Doch auch in den Noteneditor selber hat Steinberg einige sehr hilfreiche Neuigkeiten eingebaut. Am angenehmsten für die schnelle Eingabe ist sicherlich der neue Inspector, mit dem sich Symbolpaletten ein- und ausblenden lassen. Dies sorgt für sehr viel mehr Übersichtlichkeit bei der Arbeit. Ähnlich der äquivalenten Zusammenfassung von Funktionen in einen Inspector beim neuen Sample Editor hat man beim Inspector des Noten Editors sofort das Gefühl, sich schneller zurechtfinden zu können und Gesuchtes besser zu finden. Durch eine Favoritenfunktion hat man die Möglichkeit, die am häufigsten verwendeteten Zeichen zu definieren und immer für den schnellen Zugriff parat zu haben.

 

- Neue Übersichtlichkeit dank Score Inspector -

– Neue Übersichtlichkeit dank Score Inspector –

Ebenfalls eine willkommene Ordnung schafft das neue Score Settings Fenster, in dem sich Layout Einstellungen für den Noten Editor nun zusammengefasst anzeigen und einstellen lassen. Durch diese neue Organisation der Funktionen wurde das noch in Nuendo 3 etwas unübersichtliche Scores Menu wesentlich bedienbarer gestaltet.

- Der neue Jazz Font -

– Der neue Jazz Font –

- Mehr Ordnung - Das Score Settings Fenster -

– Mehr Ordnung – Das Score Settings Fenster –

Durch die MIDI Infozeile im Score Editor von Nuendo 4 kann man bei gleichzeitiger Selektion mehrerer Noten diese nun auch gleichzeitig bearbeiten.
Die Evolution des Editors in Version 4 ist moderat aber dennoch für die Praxis von nicht zu unterschätzender Bedeutung. Viele zeitaufwändige Clicks kann man sich nun sparen, die Arbeit geht durch die sinnvolle neue Struktur schneller von der Hand.

Der Schlagzeugeditor ist als zentrales Tool zum Bearbeiten von Rythmen schon seit alten Cubase Tagen etabliert und auch Bestandteil des NEK. In Nuendo 4/NEK gibt er seine Information über die in den Drum Maps definierten Notennamen auch an den Key Editor weiter. Ausserdem kann man nun mehrere Velocities gleichzeitig editeren. Ansonsten bleibt aber alles beim Alten.

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