Test: Steinberg Nuendo

1. September 2000

Steinberg Nuendo

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Professional Media System Steinberg Nuendoim ths master mix Studio

Nativ gegen die DSP-Welt

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Als wir anläßlich des KLEIN+HUMMEL-Hörtests zu Besuch im HighTech-Studio von Thomas Sandmann waren, erspähte Karin Preuß zwei Bildschirme, die ein uns bisher unbekanntes Bild zeigten. „Das ist das neue Nuendo von Steinberg”, klärte uns der Thomas Sandmann postwendend auf. „Für das Tracking bei Surround-Produktionen habe ich mich für eine von RME optimierte Audio-Workstation entschieden, die über 78 digitale Ausgangskanäle mit der Konsole verbunden ist und auf der Steinbergs neue Software Nuendo läuft.
Das ths master mix Studio ist damit das erste Studio weltweit, das Nuendo nach Auslieferung der Version 1.0 in einer Surround-Produktion einsetzt.”

Doch bevor wir genauer nachfragen, deutet Sandmann auf einen weiteren Monitor: Punktreffen in einem verlassenen Hafengebäude. Aus riesigen Lautsprechern tönt ein Gemisch aus Reggae und Punkrock, eine Clique Jugendlicher tanzt ausgelassen zur Musik des Gitarristen, der auf dem Dach des Hauses steht. Plötzlich schießt ein BMW M5 im Powerslide zwischen Baggerschaufeln und Kranfahrwerken hindurch, um nach einer Vollbremsung erst einen aussteigenden Lackschuh und dann seinen Fahrer zu zeigen: Auftritt des ganz in schwarz gekleideten Mannes im Hintergrund.
Dies ist jedoch nicht der neue James-Bond-Film, sondern das Video zur Single „Dancehall Salute” der Formation „MC Papaman meets Bo” – eines der ersten, das mit einem Audiotrack im 5.1-Surroundformat aufwarten kann.

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Übersicht

Nuendo ist ein natives, professionelles Audiosystem, das von Mehrspuraufnahmen über digitale Stereo- oder Surround-Abmischungen bis zur Klangbearbeitung mit integrierten Dynamics und Equalizern oder weiteren als Plugins einzubindenden Effekten beeindruckende Möglichkeiten bietet.
Sicher sind auch andere professionelle Recordingsysteme bekannt, die mit ähnlichen Features aufwarten, jedoch kombiniert Nuendo erstmalig die Flexibilität und freie Skalierbarkeit eines nativen Systems und die Leistungsfähigkeit von DSP-basierten Lösungen.
Computergestützte Audiosysteme arbeiten entweder mit DSPs, oder aber mit Hilfe der CPU des Rechners selbst (Native Processing). Bis jetzt handelt es sich bei fast allen professionellen Workstations um DSP-Lösungen mit zum Teil proprietären Audioformaten, denn bis vor kurzem war eine CPU mit acht Audiospuren und Dynamics bereits an der Leistungsgrenze. Im professionellen Bereich werden jedoch deutlich höhere Anforderungen an Quantität und auch an Qualität gestellt, deshalb kam man um DSPs nicht herum.

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Leider haben aber die Signalprozessoren nicht nur Vorteile, denn sie können nur solche Programme ausführen, die eigens für die DSP-Karte geschrieben wurden.
DSPs einer deratigen Workstation sind also beispielsweise nicht in der Lage, die Berechnungen von VST-Plugins zu übernehmen, wodurch die Auswahl an Plugins für jede DSP-Plattform begrenzt und wegen der geringeren Stückzahl auch recht teuer ist.
Nuendo führt als natives Audiosystem alle Rechenprozesse auf der CPU aus.
In Kombination mit einem Pentium III-Prozessor und schnellen Festplatten kann Nuendo selbst auf Standardrechnern bis zu 60 Audiospuren wiedergeben. Wer noch mehr will, kann die Leistungsfähigkeit mit Dual-Pentium-Boards oder die Spurenanzahl mit parallel betriebenen Festplatten oder einem SCSI-Raid-System erhöhen, so daß bis zu 200 Audiospuren möglich sind. Und da in naher Zukunft noch ein signifikanter Quantensprung in der Prozessorleistung erwartet werden kann, wird die Performance von Nuendo stetig weiter steigen.
Bereits in der Version 1.0 bietet Nuendo objektorientiertes, nichtdestruktives Arbeiten mit unbegrenzten Undo-Schritten, die dank des neuen Out-of-order-Konzepts in jeder beliebigen Reihenfolge ausgeführt werden können, als auch leicht zu handhabendes Offline-Processing.

Forum
  1. Avatar
    Johnny Weltraum

    Das Nuendo Post-Production System ist bereits in Version 4 erhältlich. Ich bin aber noch Besitzer des letzten 3er Upgrades. Allerdings muss ich berichten, dass Nuendo nicht ganz bugfrei läuft. Alte VSTs wie NuendoVerb3 und Leveler verursachen Totalabstürze. Auch der Midi-Editor verursacht Probleme. Ein Legato-Quantize funktioniert leider nur bei monophonen Noten. Auch ein paar Groove-Quantize Presets hätte ich mir gewünscht.Desweiteren funktioniert nach dem updaten von 1.5 auf 3.02 der Audio-CD-Import nicht mehr – ergo Totalabsturz bei Nuendo und Wavelab! Dennoch muss ich zugeben, dass Nuendo klangtechnisch (gerade beim mixdown) das beste Produkt neben ProTools ist und aufgrund des Preis/Leistungsverhältnisses unschlagbar erscheint, wegen der schier unendlichen Kompatibilität und Funktionalität, in welcher Nuendo das ProTools-System sogar übertrifft und wegen der gegenüber Logic eindeutig punktenden Audio-Engine.

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